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Kiezlichter ziehen Bilanz – doch ihre Zukunft ist ungewiss

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Rund 2.200 Gespräche, weniger Beschwerden an der Schiefen Ecke und zahlreiche Hilfseinsätze: Die Kiezlichter ziehen eine positive Bilanz der Freiluftsaison in der Äußeren Neustadt. Ob das Präventionsprojekt im kommenden Jahr weiterläuft, ist allerdings offen. Im Haushaltsentwurf der Stadt fehlt bislang das Geld. SPD, CDU und Grüne setzen sich für den Erhalt ein.

Zum Abgrillen kam Ordnungsbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) vorbei und tauschte sich mit Kiezlichter-Chef Alessandro Finke (l.) und Neustadt-Kümmerer Peter Thormeyer aus. Foto: Anton Launer
Zum Abgrillen kam Ordnungsbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) vorbei und tauschte sich mit Kiezlichter-Chef Alessandro Finke (l.) und Neustadt-Kümmerer Peter Thormeyer aus. Foto: Anton Launer

Zum Saisonabschluss luden die Kiezlichter am Freitag gemeinsam mit der Polizei und dem Gemeindlichen Vollzugsdienst (GVD) auf den Scheune-Vorplatz ein. Bei einer Grillparty konnten Besucher von 14 bis 19 Uhr mit den Beteiligten ins Gespräch kommen und auf die vergangenen Monate zurückblicken.

Die Kiezlichter, die früher als Nachtschlichter*innen unterwegs waren, vermitteln seit 2021 zwischen Feiernden, Anwohnern und Gewerbetreibenden. Sie sprechen Menschen auf Lärm und Müll an, helfen in Notsituationen und versuchen, Konflikte zu entschärfen, bevor sie eskalieren.

Fast doppelt so viele Gespräche wie im Vorjahr

In dieser Saison führten die Kiezlichter rund 2.200 Einzel- und Gruppengespräche. Das waren fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Etwa die Hälfte der Kontakte betraf Menschen, die zum Feiern in die Neustadt kamen. Die andere Hälfte entfiel auf Anwohner und Gewerbetreibende.

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233-mal sprach das Team Menschen wegen zu lauter Musikboxen an, 200-mal wegen achtlos weggeworfenen Mülls und 64-mal wegen Wildpinkelns. In 53 Fällen begleiteten oder unterstützten die Kiezlichter Menschen. Besonders häufig betraf das junge Frauen und Menschen in schwierigen Situationen. In 14 Fällen alarmierte das Team einen Rettungswagen. Auch nach körperlichen Auseinandersetzungen leisteten die Mitarbeiter Erste Hilfe.

„Wir schauen auf eine fantastische Saison zurück“, sagt Alessandro Finke, Koordinator des Konfliktmanagements. Das Team habe viel positives Feedback erhalten. Immer wieder hätten Menschen betont, wie wichtig die Kiezlichter für ihr Sicherheitsgefühl seien. Die Schwerpunkte lagen an der Schiefen Ecke, am Martin-Luther-Platz und an der Seifhennersdorfer Straße. Im Alaunpark stellten größere Jugendgruppen das Team vor neue Herausforderungen.

Weniger Beschwerden an der Schiefen Ecke

Auch der Gemeindliche Vollzugsdienst berichtet von einer insgesamt positiven Entwicklung. An der Schiefen Ecke gingen die Beschwerden über Ruhestörungen deutlich zurück. Dass Feiernde auf der Fahrbahn saßen, spielte kaum noch eine Rolle. Auch am Rosengarten und unter der Albertbrücke registrierte der GVD weniger Beschwerden und Verstöße. Der Scheune-Vorplatz fiel trotz seiner vielfältigen Nutzung kaum als Konfliktort auf.

Anders sah es am Martin-Luther-Platz aus. Dort nahmen die Lärmbeschwerden zu. Der GVD reagierte mit häufigeren Kontrollen und Hinweisen auf die Ruhezeiten. Nach den Sommerferien kontrollierte der GVD zudem verstärkt an der Tannenstraße oberhalb des Alaunparks. Dabei achteten die Mitarbeiter*innen besonders auf den Jugend- und Lärmschutz. An der Seifhennersdorfer Straße trugen nach Einschätzung des GVD insbesondere die Kiezlichter dazu bei, die Lage zu beruhigen.

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Polizei sieht weiterhin Probleme am Albertplatz

Das Polizeirevier Dresden-Nord zieht ebenfalls eine überwiegend positive Bilanz. Die Lage habe sich in den vergangenen Jahren stabilisiert. Allerdings bleibe die Neustadt vor allem an Wochenenden und in den Nachtstunden ein anspruchsvolles Einsatzgebiet. Ein Schwerpunkt war erneut der Albertplatz. Dort beschäftigten vor allem Körperverletzungen und Raubdelikte die Polizei. Gegenüber 2025 seien die Raubstraftaten jedoch merklich zurückgegangen.

Jürgen Kunath vom Polizeirevier Dresden-Nord führt das vor allem auf gezielte Maßnahmen gegen bekannte Täter und eine an die Lage angepasste Polizeipräsenz zurück. „Wir werden die Entwicklung weiterhin aufmerksam beobachten, unsere Maßnahmen fortlaufend bewerten und dort nachsteuern, wo es erforderlich ist“, sagt Kunath.

170.000 Euro fehlen im Haushalt

Trotz der positiven Saisonbilanz steht die Zukunft der Kiezlichter auf der Kippe. Im Entwurf des Dresdner Doppelhaushalts für 2027 und 2028 sind bislang keine Mittel für das Projekt vorgesehen. Für den Betrieb werden jährlich rund 170.000 Euro benötigt.

Ordnungsbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) hofft, dass die Stadt das Geld noch bereitstellen kann. „Statt über Einschränkungen oder das Auslaufen der Kiezlichter nachzudenken, sollten wir vielmehr über eine Ausweitung auf andere Stadtteile reden“, sagt sie. Als möglichen weiteren Einsatzort nennt sie den Postplatz. Auch Stadtbezirksamtsleiter André Barth setzt auf eine Fortsetzung. Nach sechs erfolgreichen Jahren habe das Projekt gezeigt, wie Prävention in der Neustadt wirken könne.

Der Stadtbezirksbeirat Neustadt beteiligte sich bisher an der Finanzierung. Eine dauerhafte Finanzierung könne das Gremium aber nicht allein stemmen, erklärt Stadtbezirksbeirat Christian Demuth (SPD).

SPD und CDU fordern den Erhalt

Für die SPD setzen sich Stadträtin Julia Hartl, Landtagsabgeordnete Sophie Koch und Stadtbezirksbeirat Christian Demuth für die Kiezlichter ein. „Wer dieses erfolgreiche Projekt streicht, spart an der Sicherheit der Neustadt“, warnt Hartl. Koch verweist insbesondere auf die Unterstützung von Frauen und jungen Menschen im Nachtleben. 2025 seien in der Neustadt 115 Sexualdelikte registriert worden. Gerade angesichts dieser Zahlen sei die Arbeit der Kiezlichter wichtig.

Auch die CDU-Ortsverbände Neustadt und Altstadt wollen das Projekt erhalten. Neustadts CDU-Stadtrat Johannes Schwenk verweist auf die Entwicklung rund um die Schiefe Ecke. Die Kiezlichter hätten dort wesentlich dazu beigetragen, Konflikte zu entschärfen. „Die Kiezlichter ersetzen keine Polizei, aber sie können verhindern, dass aus einer Auseinandersetzung überhaupt ein Polizeieinsatz wird“, sagt Schwenk.

Auch am Postplatz sollen Kiezlichter vermitteln

Grüne und CDU wollen das Konzept auch auf die Altstadt ausweiten. Die Grünen haben dafür einen Antrag zum Postplatz vorgelegt. Dort sollen nach dem Vorbild der Neustadt Konfliktmanager eingesetzt werden. Außerdem fordert die Fraktion bessere Aufenthaltsmöglichkeiten und eine öffentliche Toilette.

„Sicherheit entsteht dadurch, dass Menschen ansprechbar sind, Präsenz zeigen und füreinander da sind“, sagt Katharina Ringler, Co-Vorsitzende der Grünen-Stadtratsfraktion. Auch die CDU-Ortsverbände Neustadt und Altstadt sprechen sich für einen Einsatz am Postplatz aus. Ob die Stadt das Angebot tatsächlich ausweitet, hängt von den anstehenden Haushaltsentscheidungen ab. Zunächst muss die Finanzierung in der Neustadt gesichert werden.

Bis Ende November noch im Einsatz

Ganz beendet ist die Saison noch nicht. Bis Ende November sind die Kiezlichter in kleiner Besetzung weiterhin unterwegs. Von Sonntag bis Donnerstag laufen ihre Einsätze jeweils von 21 bis 1 Uhr.

Neu ist eine Kooperation des Stadtbezirksamtes mit dem Heimwegtelefon e. V. Bis Ende 2026 können Menschen, die sich nachts auf ihrem Heimweg unwohl fühlen, eine telefonische Begleitung nutzen. Ehrenamtliche bleiben mit ihnen im Gespräch, bis sie zu Hause angekommen sind.

Ob die Kiezlichter auch 2027 durch die Neustadt ziehen, entscheidet der Stadtrat mit dem Doppelhaushalt 2027/2028.

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Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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