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Alter Leipziger Bahnhof: Viel Grün, wenig Autos und offene Fragen

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Ein großer Park, neue Wohnungen und Platz für Kultur: Die Pläne für das Gelände am Alten Leipziger Bahnhof nehmen Gestalt an. Rund 100 Menschen kamen am Mittwochabend zur öffentlichen Vorstellung ins Gymnasium Dresden-Pieschen. Bis tatsächlich gebaut wird, dürfte es noch dauern: Vor 2030 hält die Stadt einen Baubeginn nicht für realistisch.

Urbanität und Wildnis - so stellen sich die Planer das künftige Gebiet zwischen Eisenbahn- und Erfurter Straße vor. Visualisierung: KOPPERROTH Architektur & Stadtumbau PartGmbB mit Fabulism GbR und Station C23
Urbanität und Wildnis – so stellen sich die Planer das künftige Gebiet zwischen Eisenbahn- und Erfurter Straße vor. Visualisierung: KOPPERROTH Architektur & Stadtumbau PartGmbB mit Fabulism GbR und Station C23

Das rund 27 Hektar große Gebiet erstreckt sich zwischen Leipziger Straße, Erfurter Straße, Eisenbahnstraße und Bahntrasse. Die Stadt will hier ein gemischtes Quartier entwickeln. Wohnungen, Gewerbe und Kultur sollen neben öffentlichen Grünflächen Platz finden. Die Grundstücke gehören allerdings nicht der Stadt.

Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) begrüßte die Gäste in der Aula an der Erfurter Straße. André Barth vom Stadtbezirksamt Neustadt moderierte den Abend. Vertreter der Verwaltung und der Planungsbüros erläuterten die Entwürfe und beantworteten anschließend Fragen der Bürgerschaft.

Vom Wettbewerb zum Baurecht

Der Beteiligungsprozess begann 2022. Eigentümer*innen, Verwaltung, Bürger*innen und Stadt-Politik erarbeiteten gemeinsam Vorgaben für das Gelände. Es folgte ein Wettbewerb. Im Februar 2024 setzte sich der Entwurf von Kopperroth, Fabulism und Station C23 durch. Er trägt den Titel „Urbanität und Wildnis“.

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Inzwischen haben die Planer den Entwurf weiterentwickelt. Unter anderem passten sie Gebäude und Wege an, berücksichtigten den Artenschutz und verschoben eine Gebäudeflucht zugunsten bestehender Bäume. Marcus Kopper und Michael Rudolph stellten den aktuellen Gestaltungsplan vor.

Nun sollen zwei Bebauungspläne für den Norden und den Süden des Areals verbindliche Regeln schaffen. Matthias Lerm, Leiter des Amts für Stadtplanung und Mobilität, erläuterte das Verfahren. Die Stadt müsse dabei öffentliche und private Interessen gegeneinander abwägen.

Vor der Aula im Gymnasium gab es ein Holzmodell zu besichtigen. Foto: Anton Launer
Vor der Aula im Gymnasium gab es ein Holzmodell zu besichtigen. Foto: Anton Launer

Wenn alles gut läuft, könne der Stadtrat die Pläne in etwa drei Jahren als Satzungen beschließen, sagte Stefan Patschger vom Stadtplanungsamt. Anschließend müssten noch Grundstücksinteressen ausgeglichen werden. Die einzelnen Bereiche dürften sich deshalb unterschiedlich schnell entwickeln.

Park, Kultur und neue Wohnungen

Im Norden liegt ein Schwerpunkt auf dem Wohnen. Begrünte Innenhöfe und ein „Grüner Boulevard“ sollen das Quartier durchziehen. Im Umfeld des Alten Schlachthofs ist eine sogenannte Eventspange vorgesehen. Hier sollen unter anderem Kultur, Gastronomie, Geschäfte, Sportangebote und ein Nachbarschaftshaus Platz finden.

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Daran schließt sich der geplante Neue Leipziger Park an. Die heute weitgehend brachliegende Fläche soll Raum für Natur, Erholung und Spiel bieten. Auch die Gleisharfe prägt den Entwurf.

Im südlichen Bereich am Alten Leipziger Bahnhof stehen Kultur, Gewerbe und die denkmalgeschützten Gebäude im Vordergrund. Hinzu kommen Flächen für öffentliche und soziale Zwecke, religiöse Nutzungen sowie der geplante Gedenk- und Begegnungsort. Auch ein Skatepark gehört zu den Überlegungen. Dieser müsse sich mit dem Denkmalschutz vereinbaren lassen, erklärte Lerm.

Matthias Lerm, Leiter des Amts für Stadtplanung und Mobilität, erläuterte das Verfahren. Foto: Anton Launer
Matthias Lerm, Leiter des Amts für Stadtplanung und Mobilität, erläuterte das Verfahren. Foto: Anton Launer

Der Bahnhof steht für europäische Eisenbahngeschichte und zugleich für die Deportation jüdischer Menschen. Kühn verwies auf die Zusammenarbeit mit dem Förderkreis für den geplanten Gedenkort.

Autos in Quartiersgaragen, Grün auf die Dächer

Das neue Viertel soll weitgehend ohne Autoverkehr auskommen. Vorgesehen sind Quartiersgaragen am Rand des Gebiets. Sie sollen Stellplätze bündeln und die Straßen im Inneren entlasten. Durchgangsverkehr wollen die Planer möglichst vermeiden. Auch Carsharing gehört zum Konzept.

Die Vorentwürfe enthalten außerdem Vorgaben für Begrünung und Energieversorgung. Sie sehen begrünte Dächer und Solaranlagen auf mindestens der Hälfte der Dachflächen vor. Schottergärten sollen ausgeschlossen werden. Standplätze für Müllbehälter sollen hinter Laubgehölzen oder Kletterpflanzen verschwinden.

Für die Wärmeversorgung strebt die Stadt einen Anschluss an das Fernwärmenetz an. Ein genaueres Konzept steht noch aus. Die Vorentwürfe sehen zudem vor, feste fossile Brennstoffe zur Wärmeversorgung auszuschließen. Verbindlich sind diese Vorgaben bislang nicht. Zunächst wertet die Stadt die Stellungnahmen aus und überarbeitet die Pläne.

Was bleibt vom Wagenplatz?

Mehrere Gäste fragten nach der Zukunft des Wagenplatzes und der bestehenden Subkultur. Kühn betonte, die Stadt wolle die bisherigen Nutzer nicht verdrängen. Sie wolle die betreffenden Flächen erwerben.

Ein Bebauungsplan könne auch Flächen für einen Wagenplatz vorsehen. Bauaufsichtlich bleibe die Situation jedoch schwierig. Mehr als eine Duldung könne die Stadt derzeit nicht in Aussicht stellen. Anja Heckmann vom Stadtplanungsamt verwies dazu auf ein vorgesehenes Sondergebiet.

Das war mal ein Bahnsteig. Seit Jahren wächst das Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs immer weiter zu. Foto: Archiv Anton Launer
Das war mal ein Bahnsteig. Seit Jahren wächst das Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs immer weiter zu. Foto: Archiv Anton Launer

Aktuell steht immer noch eine angedrohte Räumung des Geländes im Raum. Nach Kühns Darstellung habe der Eigentümer Globus jedoch zugesagt, eine Räumung vorher anzukündigen. Einen konkreten Zeitplan für den Wagenplatz nannte die Stadt an diesem Abend nicht.

Am Beispiel der Hanse3 kam die Frage auf, wie sich öffentliche und soziale Nutzungen auf privaten Grundstücken sichern lassen. Heckmann erläuterte, dass die öffentliche Hand Eigentümer bei einer entsprechenden Inanspruchnahme entschädigen müsste. Ein Sondergebiet könne dagegen in privater Hand bleiben.

Kühn verwies auf mögliche Vereinbarungen mit den Eigentümern. Zusätzliche Baumöglichkeiten an anderer Stelle könnten Spielraum schaffen, um Flächen für andere Zwecke zu sichern.

Schlachthof soll bleiben, neue Wege sind noch offen

Auch die Zukunft des Alten Schlachthofs beschäftigte das Publikum. Die Konzertstätte soll bleiben. Heckmann verwies auf deren bestehende Rechte. Neue Nutzungen müssten den erforderlichen Schutz berücksichtigen.

Für Fußgänger und Radfahrer sollen neue Verbindungen entstehen. Dazu gehört die mögliche Öffnung von drei Bahnbögen. Die genaue Führung einer Fuß- und Radverbindung steht laut Heckmann noch nicht fest. Einen grundlegenden Umbau der Leipziger Straße kündigte Kühn nicht an. Vorgesehen seien zusätzliche Querungsmöglichkeiten. Die Eisenbahnstraße brauche eine neue Oberfläche und einen Radweg. Dafür sei jedoch kein Bebauungsplan nötig.

Stellungnahmen bis zum 27. November

Die Stadt nimmt noch bis zum 27. November Hinweise zu den beiden Vorentwürfen entgegen. Anschließend wertet sie die Stellungnahmen aus und arbeitet an den nächsten Fassungen. Über die endgültigen Bebauungspläne entscheidet der Stadtrat.

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