Getroffen habe ich Belka im Hechtviertel an der St.-Pauli-Ruine. Wir sprachen über härter gewordenen Techno, die Dresdner Elektroszene und darüber, warum ein Soundsystem eben nicht einfach nur aus ein paar Boxen besteht.

Seit 2011 macht Belka Musik. Seinen Sound beschreibt er mit drei Begriffen: hartes Fundament, eerie und intensive Vocals. Was ihn nach all den Jahren noch am Auflegen reizt? Die Antwort fällt ziemlich direkt aus: anderen Menschen den eigenen Musikgeschmack aufzudrängen.
Musikalisch hat sich dabei über die Jahre einiges verändert. Früher war sein Sound stärker von Peak-Time-Techno geprägt, inzwischen ist er härter und schneller geworden. Melodische Melancholie spielt weiterhin eine Rolle, dazu kommt mehr Schranz.

Vorbereitung statt Zufall
Seine Sets überlässt Belka nicht komplett dem Zufall. Sie sind größtenteils vorbereitet, wobei Line-up und musikalische Richtung des jeweiligen Abends in die Auswahl einfließen. Seinem eigenen Stil bleibt er trotzdem treu.
Und wann war ein Set für ihn gut?
„Wenn die Leute abgegangen sind – und es keine Fehler gab.“
Auch auf die Dresdner Elektroszene blickt Belka nach vielen Jahren mit einiger Erfahrung. Verändert haben sich aus seiner Sicht vor allem zwei Dinge: die Bierpreise und die Rolle der Kollektive. Beim Veranstalten läuft mittlerweile vieles über Strukturen, die mit eigenen Artists bereits gut aufgestellt sind. Für andere kann es dadurch schwieriger werden, einen Fuß in die Tür zu bekommen.
Mehr als ein paar Boxen
Gleichzeitig schätzt Belka gerade an Dresden die vielen Soundsystem-Kollektive und ihren DIY-Ansatz. Hier wird nicht nur veranstaltet. Soundsysteme und Technik werden selbst konstruiert, gebaut, lackiert und organisiert. Hinter dem Sound auf einer Party steckt damit oft deutlich mehr Arbeit, als auf der Tanzfläche sichtbar wird.
Kritischer sieht Belka die Möglichkeiten für lokale Produzentinnen und Produzenten. Talentierte Artists aus Dresden und Umgebung bekommen seiner Meinung nach zu selten Aufmerksamkeit und Bookings. Gerade im Techno und seinen Subgenres wünscht er sich mehr Möglichkeiten, Artists überregional aufzubauen – und ihnen gleichzeitig eine Perspektive in Dresden zu geben.
Hat Dresden einen eigenen Sound?
Für Belka durchaus. Dresden sei „Tekk-iger“ und Psy-Trance-lastiger als andere Städte. Dabei spiele auch die Nähe zu Tschechien und Polen musikalisch eine Rolle.
Und was macht ein gutes Publikum aus? Die Antwort ist für Belka ziemlich einfach: tanzen statt fotografieren, nicht aggressiv und nicht zu aufdringlich sein.
Auch musikalisch soll es weitergehen. Künftig möchte er stärker mit Female Vocals, flächigeren Pads und klassischen Elementen experimentieren – unter anderem mit Violine.
Schnellfragerunde
Vinyl oder digital?
Digital.
Opening oder Closing?
Closing.
Club oder Festival?
Club.
Techno oder Techno?
Techno.
Vorbereitung oder Bauchgefühl?
Vorbereitung.
Keller oder Open Air?
Keller.
Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang?
Sonnenuntergang.
Belka im Netz

Über den Autor
Der Dresdner Fotograf Johannes Haupt nimmt in unregelmäßigen Abständen Dresdner Musikerinnen, Musiker und Bands vor die Linse. Auf diversen Konzerten kann man ihn in der Nähe der Bühne sehen. Heraus kommen wunderbare Eindrücke von Live-Auftritten. Seit einer Weile hat Johannes, der hauptberuflich als Krankenpfleger in der Notaufnahme arbeitet, sein Portfolio um Porträts erweitert. Dafür trifft er Musiker abseits der Clubs und interviewt sie.
Das Neustadt-Geflüster veröffentlicht diese Interviews.
- Johannes Haupt betreibt zwei Instagram-Kanäle: Auf haupt_motiv gibt es sein komplettes Portfolio zu sehen, die Interviews veröffentlicht er auf sounddcheck.
- Im Neustadt-Geflüster finden sich die Beiträge unter dem Hashtag #sounddcheck.
























Heyhey, besten Dank für den Artikel – eine kleine Anmerkung: nennt das Ganze bitte „Clubszene“ – der Begriff „Elektro“ wird für die Beschreibung dieser Bewegung häufig nur von Leuten verwendet, die oft nicht Teil dieser sind – „Electro“ (mit C) ist da noch am ehesten dran, hat aber auch nix mit dem Gewollt-Gesagten zu tun, denn es ist ein SubGenre der elektronischen (Tanz)Musik…
Habt ein gutes WE
Matthias
Dann passt es ja, soweit ich weiß ist der Autor nicht ateil der Elektro-Szene.