Im Hechtviertel eröffnet am Sonnabend eine Buchhandlung mit queerfeministischer Ausrichtung und füllt damit in Dresden eine Lücke. Bislang mussten Interessierte für so ein Angebot nach Leipzig oder Berlin fahren.
„Viele kleine Schubser hat es gebraucht“, sagt Resi Lyz Barthold, „bis ich an diesem Punkt war.“ Dieser Punkt ist das helle Ladenlokal mit der Nummer 12 in der Rudolf-Leonhard-Straße. Die Türen sind weit offen, an den Schaufensterscheiben sind Veranstaltungen angekündigt. „Regale wären noch gut“, sagt Resi Lyz lachend. „Und Bücher.“ Am Sonnabend ist die Eröffnung des „Feuer und Flamme“ – der ersten queerfeministischen Buchhandlung Dresdens. Bis dahin ist noch viel zu tun.

Gesteigerte Lebensqualität
Die Atmosphäre des Raumes ist schon spürbar: sattes Blau, Pink und silberne Fliesen. Eine Sitzecke mit Sessel und Polstersofa, ein langer Holztisch. Das „Feuer und Flamme“ soll die Lebensqualität im Viertel steigern, sagt Resi Lyz. Hier sollen Menschen nicht nur einkaufen, sondern lesen, diskutieren, spielen. Aufregung liegt in der Luft: „Ich zeige mit der Eröffnung etwas sehr persönliches von mir“, sagt Resi Lyz. „Aber ich weiß, die Community, die ich ansprechen möchte, geht sehr lieb mit gezeigter Verletzlichkeit um.“
Das „Feuer und Flamme“ sei ursprünglich eine ganz klassische Schnapsidee gewesen, gut verwahrt im Tresor „Später vielleicht“. Doch dann haderte Resi Lyz immer stärker mit dem Beruf als Lehrkraft. Nicht wegen der Tätigkeit an sich, sondern wegen der herrschenden Bedingungen. „Ich habe immer wieder gemerkt, wie kräfteraubend dieser Job ist. Die Arbeitszeitabrechnung ist absurd. Wenn du es gut machen willst, kannst du dich nur überarbeiten.“
Buch als Kulturträger bleibt
Resi Lyz arbeitete ehrenamtlich im König Kurt mit und bewarb sich erfolgreich um die Teilnahme an einem Gründungs-Mentoring-Programm für Mütter. Dann kam auch noch die passende Immobilie im Hechtviertel ins Spiel. „Wenn ich es jetzt nicht mache, dann vielleicht nie.“ Klar sei eine Gründung immer ein Wagnis. Eine Buchhandlung in Zeiten der Digitalisierung, ist das nicht aussichtslos? Einige hätten Bedenken in diese Richtung geäußert. Nur nicht die Leute vom Fach. Spezialisierung ist das Geheimnis – und so ausgerichtet wie das „Feuer und Flamme“ sei kein Geschäft in der Region. „Das Buch als Kulturträger aus Papier hält sich!“

„Feuer und Flamme“ bietet ein handverlesenes Sortiment jenseits heteronormativer Muster. „Ich möchte das Scheinwerferlicht auf Perspektiven richten, die häufig untergehen.“ Egal ob Jugendroman oder Fantasy: Die gängigen Stereotype seien nervig. Schmachtende Frauen, schweigsame Retter, männliches Begehren, gewaltvolle Beziehungen. Dass es auch anders geht, hat Resi Lyz in zahlreichen Urlauben erkundet. Die nämlich führten über Jahre an Orte mit besonderen Buchhandlungen. In der Reisebibliothek sammelten sich Geschichten um queere Lebensrealitäten, feministisches Erleben, zwischenmenschliche Beziehungen ohne Romantisierung.
Workshops und offene Treffs
Die Flamme im Namen steht für das Abfackeln des Patriarchats. „Ein metaphorischer Flammenwerfer“, stellt Resi Lyz klar. Das Feuer dagegen versinnbildliche die Gemeinschaftlichkeit und Geborgenheit an einem Lagerfeuer. Nicht nur im Bücherregal sollen Labels aufbrechen, sondern auch mit dem weiterführenden Angebot. Die pädagogische Prägung ist dem Konzept anzumerken. Workshops und Fortbildungen drehen sich beispielsweise um diskriminierungssensible Bildungsarbeit. Schreibwerkstätten und offene Treffs laden dazu ein, sich auszuprobieren, auszudrücken und Vorurteilen zu begegnen. Die pädagogische Expertise wirke sich auch auf die eigene Herangehensweise an Literatur aus, beobachtet Resi Lyz. Wie sind Narrative gestaltet? Wie agieren die Figuren, was macht sie aus? Und wie können Lesen und Schreiben Veränderung bewirken?
Die Eröffnung der Buchhandlung ist, gerade in Anbetracht von beängstigenden Wahlerfolgen für die AfD und gleichzeitigen Kürzungen im sozialen Bereich und der Bildung, auch ein politischer Akt. Die große Ladenfläche sei anfangs einschüchternd gewesen. „Aber jetzt bin ich froh, so viel Platz zu haben. Denn dieser Raum soll nicht nur für mich sein.“ Ob queere Magic-Karten-Runde oder anarchistischer Strick-Club: „Ich bin offen für Ideen zur Nutzung neben dem Buchhandel. Und ich bin sehr begeisterungsfähig.“
Feuer und Flamme – queerfeministische Buchhandlung
- Rudolf-Leonhard-Straße 12, 01097 Dresden
- www.feuerflammebooks.de
- Instagram-Account
- Eröffnung am 19. September mit Konzerten und Dragshow zwischen 11 und 18.30 Uhr

























Die Pusteblume bedient dieses Thema seit Jahrzehnten. Ich hoffe, dass der neue Laden da eher Synergien.