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Das Handbuch: Jan Kosyks realistische Utopie

Es ist ein gemütliches Atelier, das sich zwischen den Wohnhäusern der Rudolf-Leonhard-Straße eingenistet hat. Drinnen stehen ein bequemes Sofa, eine warme Kanne Tee und ein Klavier, das schon Hinweis auf Jan Kosyks übliches Schaffen gibt. Kunst von Thomas Schreiter hängt an den Wänden und ziert auch einen bunten Einband im Schaufenster. „Das Handbuch – Utopien eines Realisten“ heißt Kosyks Debütroman und einmal aufgeschlagen, stellt man fest; Neustädter Zukunftsbilder beschränken sich hier nicht aufs Cover.

Autor Jan Kosyk in seinem Atelier - Foto: Martha Kohn
Autor Jan Kosyk in seinem Atelier – Foto: Martha Kohn

Im vergangenen November ist der zweite Probedruck1 von „Das Handbuch“ erschienen. Es ist Kosyks erster Vorstoß ins Schriftstellertum. Zuvor hatte sich das Schreiben des Neustadtpiraten und Musikers vornehmlich auf Lied- und Webseitentexte beschränkt. An Neugier für andere Ausdrucksformen fehlte es jedoch nie. So probierte er sich auch schon in der Animation aus, pflegte Kontakte mit Künstlern verschiedener Disziplinen und arbeitete immer wieder mit ihnen zusammen.

So war es vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis sich seine größeren Ideen ein neues Medium suchten. Nachdem er 2024 überlegt hatte, sie auf einer Website oder in einem Podcast festzuhalten, fiel ihm schließlich eine Rahmenhandlung ein, die man „drumrum stricken“ könnte. Kapitel und Figuren wurden angelegt und die Geschichte im Folgejahr ausformuliert. Sein Freundeskreis übernahm anschließend das Lektorat und Sensitivity Reading2. Die Fiktion erlaubt es Kosyk im „Handbuch“ statt seiner Pläne für die Zukunft diese Zukunft selbst zu präsentieren. Denn eben dort spielt der Roman: in der Zukunft.

Einflüsse

Kosyks langjährige Liebe zu Science-Fiction diente als wichtige Inspiration dafür, seine Ideen in fiktionaler Form festzuhalten. Schon als Jugendlicher war er Fan von Star-Trek, Sci-Fi-Romanen und der Raumfahrt. Einen ganz anderen Inspirationsquell hingegen stellen die „Känguru-Werke“ von Marc-Uwe Kling dar. Wie sie ist „Das Handbuch“ politisch, bevölkert von Figuren, die kein Blatt vor den Mund nehmen und nah an den Lesenden.

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Letzteres ergibt sich teils aus der Handlungszeit. Der Roman spielt nicht in der fernen, sondern der nahen Zukunft. Das erste Kapitel beginnt im Jahr 2034. Dies solle zeigen, dass Änderungen auch jetzt schon umsetzbar seien. „Dadurch macht es das für die Lesenden auch noch mehr spürbar, nachvollziehbarer, weil das auch in einem Zeitrahmen passiert, wo sie selbst noch leben”, so Kosyk.

Noch näher am Lesenden ist aber der Handlungsort: die Dresdner Neustadt. Figuren streiten in der „WIR AG“ oder gehen gemeinsam im „Trotzdem“ einen trinken. Dazu, weshalb sein Roman hier spielt, meint Kosyk: „Weil ich mich hier auskenne. Dadurch wird es authentischer. […] Wenn man dann Orte genauer beschreiben kann, macht das halt auch was mit den Lesenden“

Während das Neustadt-Setting die Geschichte so gegenwärtiger macht als die der meisten Zukunftsromane, zeigt sie gleichzeitig noch etwas anderes deutlich: das Neustädtertum des Autors.

Autobiografisch unterwegs

Seit zwanzig Jahren lebt Jan Kosyk nun schon hier im Viertel. 1984 wurde er in Dresden geboren und nach dem Abitur in Cottbus folgte er seiner damaligen Band wieder nach Dresden. So siedelte sich auch seine Musiker-Karriere in der Neustadt an. Hier spielte er Jazz, die folkloristische Musik seiner sorbischen Wurzeln und erarbeitete sich schließlich das eigene Genre „Klavierpunk“. Auch seine akademische Laufbahn und sein Aktivismus nahmen in Dresden an der TU ihren Anfang. Hier weckten Studentenproteste, an denen er teilnahm, sein politisches Interesse. Seit 2013 ist er bei den Neustadtpiraten aktiv und heute ist er für sie Mitglied im Stadtbezirksbeirat Neustadt.

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Schnell fallen einem Parallelen auf zwischen Kosyks Leben und dem seiner Figuren. Gerade Puk, einer der Protagonisten von „Das Handbuch“, trägt klare autobiografische Züge. Das Alter, der Wohnort, das lange Informatikstudium, die Teilnahme an der Besetzung der Hörsäle 2009 – Jan und Puk haben vieles gemeinsam. Besonders deutlich machen das die Notizen, an denen Puk im Verlaufe des Romans schreibt und von denen eine andere Figur meint, er solle sie doch veröffentlichen. Ein geeigneter Name sei „Das Handbuch“ – eine Selbstreferenz.

„Es könnte quasi das Buch sein, was er geschrieben haben könnte. So was finde ich immer witzig“, sagt Kosyk.

realistisch UND utopisch

Beim Witz bleibt es aber nicht. Gleichzeitig wirft der Titel „Das Handbuch“ auch die Frage auf; ein Handbuch wofür? Der Untertitel scheint darauf eine erste Antwort zu geben. „Das Handbuch“ zeigt realistische Utopien und Ansätze zu deren Verwirklichung. Kosyk: „Ein Ziel war, dass das Buch Hoffnung macht”.

Und eben das habe es in kleinem Rahmen schon bewirkt, berichtet Kosyk. Probeleser*innen hätten in dem Buch Motivation gefunden. Denn viele Lösungsansätze und Lösungen für aktuelle Probleme gäbe es schon, das wolle der Roman zeigen.

Um seine Utopie in Zukunft mit noch mehr Lesenden zu teilen, möchte Jan Kosyk bis Juni einen Verlag für „Das Handbuch“ gefunden haben. Dabei heißt es aber nicht verlegen um jeden Preis. Nicht jeder Verlag käme in Frage und nicht mit allen Änderungen an seinem Buch sei er einverstanden. Im Zweifel bliebe immer der Selbstverlag.

Auch eine Hörbuch- und sogar eine Hörspielfassung werden derzeit geplant. Erstere würde er selbst vertonen. Und auch für das nächste Buch gibt es schon Ideen. In ihm soll es um das bedingungslose Grundeinkommen gehen. So wird es auch in Zukunft realistisch und utopisch zugleich; zwei Worte die für Jan Kosyk ganz und gar nicht gegensätzlich sind.

1 Noch wurde „Das Handbuch“ nicht verlegt. Bis zu seiner offiziellen Veröffentlichungen können sich Details daher noch ändern. Auch gibt es zunächst nur eine kleine Auflage von 42 Exemplaren. In seiner jetzigen Form kann man es aber gedruckt oder als Ebook im Shop des Neustadt Art Kollektivs kaufen.
2 Beim Sensitivity Reading wird ein Text hinsichtlich der Darstellung marginalisierter Gruppen probegelesen und Änderungen oder Ergänzungen vorgeschlagen. Klischeehafte Darstellungen sollen so aufgedeckt werden, was zu einer differenzierteren Repräsentation beigetragen soll.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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