Erst das Handwerk, dann die Kreativität – Friseur Hagen

Frisch frisiert im Doppelpack: Rainer und Sepp Hagen
Frisch frisiert im Doppelpack: Rainer und Sepp Hagen

Eine haarige Sache im wortwörtlichen wie im symbolischen Sinne ist die Frisur. Löckchen, Strähnchen, abrasiert, gebügelt oder verstrubbelt: was jedermensch auf seinem Oberstübchen spazieren trägt, ist Ausdruck der eigenen Identität. Und wie oft zieht eine Veränderung im Leben eine scharfgeschnittene Frisen-Konsequenz nach sich.  Rainer und Sepp Hagen, Vater und Sohn, wissen um die Brisanz des Haarzustandes und erscheinen beide mit makelloser natürlicher Kopfbedeckung zum Interview. Seit 1936 wird in den Räumen auf der Hoyerswerdaer Straße unter Hagens schon gewaschen, geschnippelt und geföhnt. „Wenn hier irgendwann ein Abriss stattfindet“, sagt Hagen der Ältere lachend „riechen die Steine noch jahrzentelang nach Shampoo.“

Die Waffen der Friseurmeister
Die Waffen der Friseurmeister

Opa Hagen war aus dem Frankenwald nach Dresden gewandert oder besser gewalzt. Denn drei Jahre Wanderschaft waren im Friseurhandwerk so selbstverständlich wie bei Steinmetzen oder Tischlern. Er übernahm das Geschäft 1936 von den Friseurmeistern Schurig, die – so munkelt man – einen Lottogewinn und sich aus dem Staub machten. Schon mit 12 Jahren packte Rainer im elterlichen Salon mit an. Seine Mutter, ebenfalls Friseurmeisterin, war erkrankt und die anfallende Arbeit erforderte die Mithilfe des Sohnemanns.  So wuchs Rainer Hagen in den Beruf hinein und machte ihn zu seiner Passion. Ganze 54 Jahre führte er das Traditionsgeschäft, bis er es an seinen Spross Sepp übergab. Eine lange Zeit, die von vielen Veränderungen geprägt war.

Ein Glücksumstand war es, dass im Zweiten Weltkrieg keine Bombe das Haus versehrte. So konnte sich der Salon durch die DDR-Ära hindurch etablieren. „Waschen, fönen, legen kostete damals 3 Mark 85. Die Kunden kamen wöchentlich, weil sie es sich leisten konnten.“ Besonders die gutbetuchten Offiziersfrauen aus dem Garnisonskarree Weintrauben-, Löwen- und Melanchtonstraße sorgten dafür, dass der Terminkalender bereits im Juni für das ganze Jahr ausgebucht war. Anderen Kunden tat man einen Freundschaftsdienst, wenn man sie nach Dienstschluss frisierte. Schlangestehen beim Frisör, das ist heute nicht mehr vorstellbar. Doch von Glorifizierungen hält Rainer Hagen sich fern. Er erinnert sich noch gut an die Trend-Vorgaben der Innungsbetriebe, die einmal jährlich den Schnitt für jedermann diktierten. „Da bekam jeder einen Pagenkopf geschnitten, ob es nun passte oder nicht.“ Dazu trug Männlein wie Weiblein die furchtbar angesagte Jeans-Kombi – denn „modern“ sein hieß die Devise. Alle raren Artikel waren begehrt und da der Frisör seit jeher ein Tummelplatz für Menschen à la couleur ist, fand sich bald ein Händler-Trüppchen aus Polen ein, das im Hinterzimmer ein Lager für Bügeleisen, Fußbälle, Uhren und Schnaps einrichtete und drauf los tauschte.

Tübchen, Fläschchen, Farbtönchen: eine jede Frisur erfordert Geschick und Equipment
Tübchen, Fläschchen, Farbtönchen: eine jede Frisur erfordert Geschick und Equipment

Nach der Wende blieben trotz marktwirtschaftlich angepasster Preise die Stammkunden nicht fern. Eine Kundin ist Hagens seit 50 Jahren treu. Dass der Laden nach wie vor florierte und sich erfolgreich gegen die Konkurrenz durchboxte, ermutigte sicherlich auch Sepp Hagen bei seiner Entscheidung zum Friseurberuf. In der Schule konnte sich der eher schüchterne Junge noch keinen so kommunikativen Beruf vorstellen, doch nach einem Praktikum bei Friseur Vogel in Prohlis entdeckte er seine Begeisterung. Heute gibt er diese auch mal an englische Austauschpraktikanten weiter und punktet mit seinen fachlichen Fähigkeiten. „Erst muss das Handwerk sitzen, dann kommt die Kreativität“, ist Sepp überzeugt. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten des Discounterfrisörs. Die englischen Lehrlinge begeisterte er mit seinen Kenntnissen so nachhaltig, dass eine Dozentur auf der Insel nahe liegt. Und vielleicht beeinflusst das auch Dresdner Azubis bei der Wahl ihrer Ausbildungsstätte.


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Informationen und Öffnungszeiten

  • Friseur Hagen, Hoyerswerdaer Straße 31
  • Montag bis Freitag 9 bis 20 Uhr, Sonnabend 9 bis 16 Uhr
  • Friseur Hagen im Neustadt-Geflüster-Friseur-Test

2 Kommentare zu “Erst das Handwerk, dann die Kreativität – Friseur Hagen

  1. ich bin immer sehr zu frieden, kann diesen friseur wirklich nur empfehlen!sowohl preislich als auch qualitativ, einfach top!

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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