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MusicMatch 2. und 3. Mai 2024

Heimkehr in die gute blaue Notenstube

Ein Jazzquartett mit Dresdner Hochschuleinfluss ist nun keine Sensation im Neustädter Jazzdepartement. Das Simon-Chmel-Quartett, welches am Sonnabend (6. Mai) hier gastiert, ist dennoch eine besondere Nummer.

Simon Chmel kommt mit seinem Quartett zurück ins Wohnzimmer namens "Blue Note". Foto: Lukas Diller
Simon Chmel kommt mit seinem Quartett zurück ins Wohnzimmer namens “Blue Note”. Foto: Lukas Diller

Einerseits ist Gründer Chmel, Münchner des Jahrgangs 1994, nicht nur seit über Dekaden dem Schlagzeug verbunden, sondern widmet sich auch als Fotograf dem Fokus aufs (Musik-) Leben. Gern auch bei Festivals und im Schauspiel.

Mittlerweile – nach dem Doppeldiplom als Jazzschlagzeuger und Instrumentalpädagoge – lebt er rund zwei Jahre in Leipzig, doch die fünf Jahre Studium an der Elbe bleiben haften, genau wie die Erinnerung an die Neustadt als Stadtviertel, deren urbanes Lebensgefühl er mit als Grund fürs Studium im Osten angibt.

Der Weg dahin verlief weitestgehend stringent: Nach einem großen Dorfbumms, wo ihn der Schlagzeuger begeisterte, schenkten ihm die Eltern ein Schlagzeug – da war er sechs. Vier Jahre darauf ereilte ihn in der Bigband des Gymnasiums erstmals der Jazz. Das FSJ-Kulturjahr in den Münchner Kammerspielen hätte ihn fast an die Tonmeisterei abgeworben – doch reichte das Gehör nicht ganz. So folgte, nachdem er schon Mitglied im bajuwarischen Landesjugendjazzorchester war, noch eine Ausbildung zum Ensembleleiter der Popularmusik an der Neuen Jazzschool München.

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Duften Klub gefunden

Danach zog es ihn anno 2016, just 22-jährig, behufs Musikhochschulstudium von der Isar an die Elbe, wo er auf Lehrkräfte wie Eric Schäfer, Michael Griener, Moritz Baumgärtner, Sebastian Studnitzky und Sebastian Merk sowie auf ein fruchtbares Musikstadtklima mit einigen duften Klubs traf. So das „Blue Note“, wo er nun am 6. Mai als vierten Akt der ersten Tournee sein Debütalbum vorstellt. Dies bezeichnet er gar als seine gute Wohnstube.

"Light on the Surface" heißt das erste Album vom Simon-Chmel-Quartett.
“Light on the Surface” heißt das erste Album vom Simon-Chmel-Quartett.

„Mirko Glaser hat uns hier ständig neue Sachen ausprobieren lassen, hier konnten wir in verschiedenen Konstellation immer wieder proben und spielen. Es ist generell ein schönes Gefühl, hierher zu kommen.“ Rund 40 Leute fasst die alte Hood, sie wird nicht nur schwelgen, sondern auch en passant die Zukunft anreisen, denn seit zwei Jahren kann Chmel, der in seiner Dresdner Zeit auch etliche Konzerte organisierte, auf einen Dresdner Doppelabschluss verweisen. Nebenher spielte er in Formationen wie Soundgelage und Indigo Fink, aber auch im Lion-Wegmann-Trio, in Trails oder El Rancho – aber auch bei Diller.

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Eigene Kompositionen

Diesmal kommt als Quartett mit Gleichgesinnten unter seinem Namen und mit generell eigenen Kompostionen. Ihn begleiten auf der Release-Tour Max Diller an der Trompete, Enrico Olivanti an der Gitarre und Johannes Schauer am Bass. Sie waren vor Dresden schon im Chemnitzer Weltecho, im Gohliser Kulturhof und im Hallenser Blendwerk – sind also bestens eingegroovt. Hernach geht es im September weiter: zuerst in den Weimaraner C-Keller, dann wieder gen Halle.

Zu erleben ist ein überaus harmonisches Set, ganz ohne Gesang, mit nur wenigen dramatischen oder gar expressiven Ausflügen. Es wartet ein runder Hörgenuss, ausgebufft arrangiert, der mit Phoenix startet, hernach mit Nautilus tief eintaucht und alsdann träumend gen Mitternacht surft. Ganz zum Schluss wartet die Magie des Neustarts – und man kann das Album wirklich ohne Risiken und Nebenwirkungen mehrfach hören, wobei bei der Aufnahme noch Johannes Fricke am Bass zugange war.
Dabei soll „Light on the surface“ durchaus eine persönlich schwierige Zeit abschließend in die Zukunft weisen.

Akustisch und elektronisch erzeugte Klänge verschmelzen in Symbiose – die Melodien verfolgen klare Linien – wäre das ganze Filmmusik, könnte man getrost auch Schulkinder mitgucken lassen. Ist es aber nicht: so ist jeder selbst angehalten, sich hineinzuträumen. Nur bei „Humane Machine“ wird es erwartungsgemäß rhythmisch etwas treibender, das Schlagzeug Chmels drängt in den Vordergrund, die Trompete Dillers bleibt derweil im Orient. Die Übergänge auf der Reise mit acht Episoden geraten nahezu nahtlos – und die gebotene Harmonie könnte auf eine gediegene Zukunft deuten.

Simon-Chmel-Quartett