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El Tauscho is back

Auf Augenhöhe mit der Sucht

1581 Menschen starben letztes Jahr in Deutschland an den Folgen von illegalem Drogenkonsum. Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, gibt es in immer mehr Städten öffentliche Aktionen am 21. Juli, dem internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen. Auch in Dresden beteiligte sich schon zum zweiten Mal unter anderem das Fachteam Suchtprävention der Diakonie Dresden mit Informationsständen und einer Veranstaltung.

Am 21. Juli ging es zum Gedenken an verstorbene Drogengebraucher*innen mit dem Infostand auf den Albertplatz. Foto: Fachteam Suchtprävention der Diakonie Dresden
Am 21. Juli ging es zum Gedenken an verstorbene Drogengebraucher*innen mit dem Infostand auf den Albertplatz. Foto: Fachteam Suchtprävention der Diakonie Dresden

Das Ziel ist (zu) Hinterfragen

Für das Team aus fünf Haupt- und reichlich Ehrenamtlichen gehört die Auseinandersetzung mit Sucht und Rausch zum Alltag. Ihr Ziel, missbräuchlichem Drogenkonsum vorzubeugen, verfolgen sie dabei mit ausdrücklich akzeptierendem Ansatz. „Wir stehen nicht mit erhobenem Zeigefinger da und verteufeln jeglichen Drogenkonsum, sondern wir möchten erreichen, dass er bewusst geschieht und reflektiert wird“, erklärt Anne Grötzsch.

Sie ist verantwortlich für den Bereich der Bildungsarbeit. Workshops für Schüler*innen ab der achten Klasse, aber auch für Eltern oder Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, klären über Wirkung und Gebrauch unterschiedlicher Substanzen auf und bieten Raum für urteilsfreien Austausch. Worum es unter anderem geht, ist, Kategorien wie harte/weiche, legale/illegale Drogen aufzuweichen.

„Vermeintlich harmlose Drogen wie Kaffee oder Alkohol werden oft selbstverständlich konsumiert. Dabei ist es hier genauso wichtig, zu hinterfragen“, sagt Fanny Klemm, die seit ihrem Praktikum fürs Studium nun ehrenamtlich in der Suchtprävention aktiv ist. „Auch Medien oder Sport können süchtig machen – um ihr vorbeugen zu können, ist es ist vor allem wichtig, zu verstehen, was eine Sucht überhaupt ist.“

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Unterwegs in den Clubs

Neben den Workshops und der offenen Kontaktzeit jeden Mittwochnachmittag von 16 bis 18 Uhr im Büro auf der Rothenburger Straße sorgen Info-Stände im öffentlichen Raum für Aufmerksamkeit und Aufklärung, wie eben zum Beispiel der am Gedenktag.

Stände gibt es aber nicht nur in Fußgängerzonen, sondern auch regelmäßig in Clubs, wie etwa dem Sektor oder dem oka. „(apo)THEKE – Safer Nightlife“ heißt das Projekt, in dessen Rahmen auf Partys Info-Material, Gespräche und Safer-Use-Utensilien wie Wasser, Obst und Aktivkohlefilter angeboten werden. „Das wird sehr gut angenommen; viele kennen uns mittlerweile auch schon“, erzählt Fanny.

Die (apo)THEKE im nächtlichen Einsatz. Foto: Fachteam Suchtprävention der Diakonie Dresden
Die (apo)THEKE im nächtlichen Einsatz. Foto: Fachteam Suchtprävention der Diakonie Dresden

Dabei finden nun wieder die ersten Einsätze statt. Coronabedingt hatte sich die Tätigkeit der Suchtprävention im letzten Jahr etwas anders gestaltet als sonst. Safer Nighlife beschränkte sich auf rege Social-Media-Aktivitäten. Auch die Workshops verlagerten sich ins Netz, was je nach Zielgruppe unterschiedlich gut funktioniert habe, berichtet Anne. Mit den Eltern könne man sich vorstellen, das Format auch in Zukunft beizubehalten, während die Interaktion mit den Schüler*innen im Klassenzimmer viel besser funktioniere.

Drogenkonsum im Corona-Jahr

Nicht nur die Präventionsarbeit, auch der Drogenverbrauch selbst wird jedoch durch Corona beeinflusst. Auffällig viele Opiate wurden im letzten Jahr konsumiert, auch vermehrt Amphetamine, was durch die Mehrbelastung in der Krise erklärt werden kann. Wasseruntersuchungen verrieten außerdem, dass in Dresden deutlich mehr Crystal im Umlauf war, speziell in den Zeiten der Lockdowns.

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Nesrine im Kulturpalast

Der europäische Drogenbericht für letztes Jahr zeigt zudem, dass viele Substanzen potenter wurden. Das trifft zum Beispiel auf MDMA-Produkte und Cannabis zu, was Risiken der ungewohnten Wirkung und falschen Dosierung mit sich zieht. In Kombination damit ist die zunehmend leichte Verfügbarkeit von Drogen durch Bestellung im Internet besonders problematisch.

Momo, Fanny, Josefine und Anne vor ihrem Büro auf der Rothenburger Straße.
Momo, Fanny, Josefine und Anne vor ihrem Büro auf der Rothenburger Straße.

Gleichbleibend sowohl in Wirkung als auch schädlichen Folgen fiel hingegen der Alkoholkonsum aus. Hier setzt übrigens ein weiteres Projekt der Suchtprävention an, das zu einem bundesweiten Programm gehört. HaLT (Hart am Limit) wendet sich an Jugendliche, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, indem ihnen und ihren Angehörigen Gespräche angeboten werden.

An Handlungsbedarf mangelt es dem engagierten Team also unter keinen Umständen. Nebenbei steht gerade die Vorbereitung auf die Tolerade und verschiedene Festivals an, darunter die aufgesplitteten Varianten der Fusion. Hoffentlich allesamt berauschend komplikationslos.

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7 Ergänzungen

  1. Meines Wissens nach sterben in Deutschland jährlich über 200.000 Menschen an den Folgen des Drogenkonsums.

  2. Bei den Zahlen: vielleicht sollte man die illegalen Drogen legalisieren und die legalen vice versa.

  3. Viele Fragen… Warum ein Gedenktag „nur“ für die 1581 Todesopfer illegaler Drogen? Warum gibt es eine Unterscheidung legaler und illegaler Drogen bzw. wie kommt (kam) die Abgrenzung zustande (z.B. in Bezug auf Hanfprodukte)? Erst recht wenn es explizit um „missbräuchliche“ Nutzung geht erscheint es kaum nachvollziehbar, Alkohol und Tabak auszusparen – denn dort liegen doch die wirklichen Probleme (siehe Opferzahlen in ganz anderen Größenordnungen)! So bleibt es am Ende dann doch vorrangig wieder bei einer Art erzkonservativen „Populismus“… Schade

  4. @Thorsten: Als jemand der seit Jahren versucht vom Kaffee weg zu kommen und doch immer wieder rückfällig wird muss ich dir da wiedersprechen.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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