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Friedhofs-Kunstwerk übermalt

Wie die Dresdner Polizei heute mitteilt, haben bislang Unbekannte in der Nacht zum Mittwoch die Friedhofsmauer des Inneren Neustädter Friedhofs an der Friedensstraße mit Graffiti beschmiert. Sie sprühten einen etwa drei Meter mal 30 Meter großen Schriftzug auf die Wand. Die Friedhofsleitung hat den Sachschaden mit rund 18.000 Euro angegeben.

Grau statt Bunt an der Friedhofsmauer
Grau statt Bunt an der Friedhofsmauer

Die Friedhofsmauer war von dem Dresdner Künstler Jens Besser im vergangenen Dezember gestaltet worden. Der Friedhofsträger, das Ev.-Luth. Kirchspiel Dresden Neustadt, hatte mit Friedhofsfreunden die Idee entwickelt, Motive des Sandstein-Reliefs „Dresdner Totentanz“ in das Graffitikunstwerk einfließen zu lassen. Der Stadtbezirksbeirat Neustadt unterstützte das Vorhaben und beschloss im Juli 2020 die Bereitstellung von Mitteln aus seinem Haushalt für das Jahr 2020 in Höhe von 17.200 Euro.

Kunst statt Schmiererei

Die Verwaltung des Friedhofs hatte sich von der künstlerischen Gestaltung versprochen, dass die immer wieder mit Graffiti und Tags verunstaltete Friedhofsmauer so eine höhere Akzeptanz in der Szene erreichen könnte. Das Konzept war leider nicht aufgegangen. Bereits während der Entstehung wurde das Werk gecrosst. So wird ein Übermalen von Wandbildern in der Street-Art-Szene genannt. Mitte November kam es zu einem tätlichen Übergriff von mehreren schwarzgekleideten Vermummten. Der Künstler blieb unverletzt, die Polizei hat die Ermittlungen zu dem Vorfall inzwischen beendet und an die Staatsanwaltschaft abgegeben.

So sah der Teil der Mauer Ende Mai 2021 aus.
So sah der Teil der Mauer Ende Mai 2021 aus.

Besser hatte das Kunstwerk zwischenzeitlich repariert und bis auf ein paar kleinere Crossing-Striche blieb die Wand dann eine zeitlang unberührt. Nun haben in der Nacht unbekannte eine politische Botschaft aufgebracht. Neben dem klar zu erkennenden „Fight Nazis!“ steht da auch der Zahlencode „1312“, in der Antifa- und Hooligan-Szene gebräuchlich als Code für „ACAB“ – „all cops are bastards“. Ob diese Parole eine Beleidigung ist, wurde bis vor das Bundesverfassungsgericht verhandelt. Das Gericht wertete die Meinungsfreiheit höher, das kann man im Detail hier nachlesen.

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Unabhängig vom Inhalt der Parole ist damit Bessers Werk nahezu komplett zerstört, ob es zu einer erneuten Restauration kommt, ist aktuell unklar.

Kämpferische Ansage an der Friedhofsmauer
Kämpferische Ansage an der Friedhofsmauer
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9 Ergänzungen

  1. Bei der Herstellung von Objekten spricht man i.d.R. von Restaurierung und nicht von Restauration.
    kleiner Leienfehler….sorry fürs Klugscheissen….

  2. Hallo Silke, ich weiß, dass Restaurierung durchaus gebräuchlicher ist, Restauration ist aber auch möglich. Und es schien mir in Bezug auf den Friedhof angebrachter. Vielen Dank für den Hinweis.

  3. @Anton
    Ich bin mir sicher, dass das auch nicht aufhören wird, denn ein Blick auf den „Künstler“ und dessen Status in der „Szene“ (wurde wohl unter anderem mehrfach selbst beim „Crossen“ von Bildern erwischt + anscheißen anderer Leute bei den Cops). Nur mal so geraten, aber ich wäre nicht erstaunt, wenn nicht auch der „Friedhofsbesuch“ damit teilweise zusammenhinge. Wer sich mit so vielen Leuten bzw. Crews auf einmal anlegt, derjenige kann eigentlich mit Malen aufhören.

  4. @DD Hecht: Schade ist, dass die Friedhofsverwaltung und die anderen Stadtbezirksräte seinerzeit nicht auf die mahnenden Stimmen gehört haben. Aber von dem Künstler ganz abgesehen. Ich denke, an der Stelle würde jedes Auftragswerk gecrosst werden.

  5. Anton hat Recht, wenn man sich die Auftragswerke auf der Rudolfstraße ansieht. Bis zum Versuch die Friedhofsmauer zu gestalten waren die ja lange Zeit unversehrt und im Zusammenhang mit dem crossen von Bessers waren die arbeiten dann leider auch dran. Die, das ist nur meine persönliche Meinung, besser zum Graffiti Stil als Bessers künstlerische murals passen.

  6. @Albrecht: Nicht ganz. Die Werke nebenan (unter anderem von artourette, kumo und Andy K), die damals in Zusammenarbeit mit dem Casablanca entstanden sind, wurden lange verschont, richtig, aber dann in Zusammenhang mit einem Demo-Aufruf auch großflächig gecrosst. Das Auftragswerk von artourette am S-Bahnhof-Bischofsplatz wurde ja auch gecrosst. Mir scheint, die „Szene“ will im Viertel gar keine Auftragsmurals mehr dulden.

  7. Unabhängig von der Szene, die sicher gerne Murals sehen würde ist immer wieder damit zu rechnen, dass im „Eifer des Gefechts“ die Arbeit anderer nicht gewürdigt wird.

    In Folge kann man eigentlich nur zurück zur Monochromie… Ein Anstrich (unifarben) für die Wand müsste für brutto etwas unter 3000,-€ zu haben sein.
    Mit etwas Restfarbe ist dann schnell wieder ausgebessert / überstrichen, was da jeweils zum Besten gegeben wird…

    Alternativ macht man gar nichts und wartet, bis die Masse an Einzelbeiträgen ein dynamisches Gesamtbild abgibt… Schade um die Arbeit und das Engagement.

    Man könnte auch für 2000,-€ Sprühdosen unter den Anwohnern verteilen, die dann jeweils das übersprühen sollen, was ihnen nicht gefällt…

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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