Neustädter Markt in der Diskussion

Gestern Abend wurden im Stadtbezirksbeirat Neustadt die Umgestaltungspläne für den Neustädter Markt vorgestellt, die Räte stimmten zu. Dafür hatte es einen Gestaltungswettbewerb gegeben. Anschließend stimmten die Räte über einen Antrag der Grünen ab, in Details von den Bebauungsplänen abzuweichen. Auch das fand eine Mehrheit. Über das Wettbewerbsergebnis entscheidet voraussichtlich der Ausschuss für Stadtentwicklung, über den Grünen-Antrag der Stadtrat.

So sieht der Sieger-Entwurf für den Neustädter Markt aus.
So sieht der Sieger-Entwurf für den Neustädter Markt aus.

Im wesentlichen geht es darum, die freien Flächen neben der Augustusbrücke und zwischen dem Hotel Bellevue, dem Blockhaus und dem Japanischen Palais zu bebauen. In dem Siegerentwurf sind auch zwei Häuser direkt auf dem Neustädter Markt, also unmittelbar neben dem Goldenen Reiter vorgesehen.

Teil dieses Gesamtplanes ist auch das Narrenhäusel direkt neben der Augustusbrücke (Neustadt-Geflüster vom 28. Oktober 2019). Aus diesem Entwurf soll nun ein Rahmenplan entwickelt werden, an dem sich die künftige Bebauung der Fläche orientieren muss.

Visualisierung der Ansicht von der Augustusbrücke
Visualisierung der Ansicht von der Augustusbrücke
In einem Änderungsantrag forderte die Linke unter anderem, sicher zu stellen, dass von den bestehenden Plattenbauten nichts abgerissen wird. In der Visualisierung ist eine deutliche Lücke am Eingang zur Rähnitzgasse zu erkennen. Ein Abriss auf der östlichen Seite ist nicht mehr Bestandteil der Planungen (Neustadt-Geflüster vom 31. Januar). Der Antrag wurde aber von der Mehrheit der Stadtbezirksbeiräte abgelehnt.

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Mehrheitliche Zustimmung fand jedoch ein Antrag, den der Grünen-Stadtrat Johannes Lichdi vorstellte. Darin wird gefordert, dass der Platz entgegen dem Entwurf unbebaut bleiben soll, um „die historisch, städtebaulich und freiräumlich wertvolle Figur der späten 1970er“ zu erhalten.

Der Platz soll restauriert und als grüner Platz mit hoher Aufenthaltsqualität behutsam weiterentwickelt werden, die Brunnen sind zu sanieren. Außerdem wird gefordert, dass die Erweiterung des Hotels Bellevue etwas verkürzt wird, damit das Japanische Palais als Denkmal besser zur Geltung kommt.

Visualisierung der Ansicht von der Hauptstraße aus.
Visualisierung der Ansicht von der Hauptstraße aus.

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6 Kommentare zu “Neustädter Markt in der Diskussion

  1. Verfahrens-bezügliche Kritik an die Politik: Nach explizitem und hier tatsächlich erfolgreichem Bü-Beteiligungs- und Jury-Prozess, welcher m.E. auch erst durch die Stadtpolitik angeschoben werden mußte, gab es ein eindeutiges Sieger-Resultat. Dieses Ergebnis ist also der bindende klare Mehrheitswille (und bereits durch die Politik flankiert). Nun ist es NICHT möglich, durch Ortsteil- oder Ratsgremien dieses Ergebnis manipulierend abzuändern. Das ist höchst undemokratisch und verfahrenstechnisch fraglich. Hier verfehlen also gewählte „Repräsentanten“ ihre verbriefte „Verantwortung“, agieren vergeßlich, partikular und sachfremd.

    Eine Rückweisung des Entwurfs-Ergebnisses ist also nun im Nachgang nicht mehr möglich, der Prozeß war mit Findung und Nennung des Bauplanes angeschlossen, auch wenn das Stadtplanungsamt diesen doch großen und transparenten Prozeß als „Ideenwettbewerb“ abzumildern versuchte. Eine Ideen-Findung war es nunmal nicht, sondern die endlich mal finale Zielstellung für die weitere Entwicklung am Platz.

  2. Laien, die sich zu Stadtplanern aufschwingen.
    Wenn man sich den Plan anschaut, dann sieht man doch, dass der Anschlussbau an das Hotel (der ja nicht zwangsläufig auch Teil des Hotel sein muss) extra abgeschrägt ist, damit das Japanische Palais besser sichtbar wird.
    Interessanter wäre in diesem Zusammenhang, warum der Bund seine alten Plattenbauten schräg gegenüber nicht mal der Umgebung angemessen auf Vordermann bringt.
    Ansonsten ist von nepomuk alles gesagt.
    Der Wille der Mehrheit der Stadtgesellschaft ist in diesem Entwurf manifestiert.
    Die grüntypische Verhinderungs- und Verbotsstrategie ist nur lächerlich.
    Passt aber zum grünen Beigeordneten für Bau, von dem man seit seinem Stellenantritt bisher außer „will ich nicht“ wie beim Narrenhäusel nichts substanzielles für die Stadt gehört hat.

  3. @Nepomuk:

    „Dieses Ergebnis ist also der bindende klare Mehrheitswille […]“

    Mehrheitswille mal angenommen, aber inwiefern ist der bindend? Ich frage nicht, um zu trollen, sondern um ggf. rechtliches Fehlwissen aufzubessern.

    Anton schrieb: „Über das Wettbewerbsergebnis entscheidet voraussichtlich der Ausschuss für Stadtentwicklung […]“, sodass ich davon ausgehe, dass das Ergebnis eben noch nicht bindend ist.

    Beste Grüße
    Peter

  4. ^ Im hiesigen Fall nach erfolgreichem Verfahren der Beteiligung von Stadtgesellschaft und Fachwelt (und in der Jury saßen m.E. bereits Politiker drin) ist das Resultat „bindend“. Wo ist da was unklar?
    Der Bauausschuß hat sich in letzter Zeit häufiger nochmal einen letzten Blick auf Verfahren gesichert, weil man den Ämtern Trickserei und Manipulation nachgewiesen hatte. Auch hier ist es „nur nochmal zur Sicherheit, daß alles gut ging“ im Prozeß. Die Abstimmung im Ausschuß ist hier also rein formell, aufgrund erfolgreichem und nicht zu beanstandendem Verfahren ist das Ergebnis lediglich durchzunicken. Was gar nicht geht, nun undemokratisch und gutsherrlich Sachgrößen wie ermittelten Mehrheitswillen bzw. das Siegerresultat zu verwässern.

    Im Übrigen waren da vornehmlich interessierte, engagierte und fundierte Bürger in größerer Zahl dabei. Denen tritt man nun in den Allerwertesten. Manche Politfritzen verkennen leider ihr Mandat und ihren Auftrag. Es reichte doch schon, daß das Stadtplanungsamt hier trickste mit „Ideen-Wettbewerb“, so what, es hat eine Idee gewonnen, und diese ist nun bindend.
    Heißt nicht, daß Anpassungen/Korrekturen nicht denkbar oder sogar unvermeidlich sind. Das ist seit Monaten auch seitens der Verwaltung bestätigt und es wird auch noch mit den 2.+3.Plazierten weitergeprüft, wie Änderungen optimal sind.

    Für die Platten sind – mal nebenbei – überhaupt keine Schutzmechanismen vonnöten, der Rieseneigentümer hat sich längst für den Weiterbestand entschieden. An seine Platten kann und darf auch Niemand ran (Bestandsschutz), niemand kann Abriß erzwingen oder anderes. Insofern ist „Wir schützen die Platte“ völliger Humbuk – nur Symbolpolitik. Nochmal Dank an Herrn Vorjohann, welcher den Komplett-Verkauf der WOBA durchzog und die Rausnahme von nur wenigen Bauten, wo man noch städtebaulich ranmuß, verhinderte. Für solche Glanzleistungen wird man heutzutage befördert. Nun lacht er vom Ministersessel auf uns herab, auch toll.

  5. @nepumuk & muss früh raus:
    Wie kommt ihr auf das dünne Brett mit dem Mehrheitswillen? Ohne die unmittelbar Betroffenen zu kennen, vermute ich mal, dass die kein Interesse daran haben, dass ihre Wohnung abgerissen wird oder dass ihnen die derzeit grandiose Aussicht zugebaut wird.
    Davon ab ist es immer wieder „schön“ zu sehen, wie städtebauliche Masterpläne mit echten Menschen umgehen – die finden einfach nicht statt. Nichts gegen Visionen, aber ich bin echt froh, dass hier noch keine chinesischen Verhältnisse herrschen: „es hat eine Idee gewonnen, und diese ist nun bindend“
    sorry, keine Ahnung, was bei euch so läuft….

  6. Wird dort dann genauso gut Wohnraum für die Zukunftsstadt 2030 geschaffen wie am Neumarkt?

    Ich möchte hier nur kurz daran erinnern, dass dort derzeit ca. 300 Wohneinheiten leer stehen. In der gesamten inneren Altstadt sind es ca. 2000 leer stehende Wohnung. Mieten liegen dort bei 10-15€ kalt.

    Nicht sonderlich teuer, schaut man sich an, dass man in Dresden selbst in Prohlis und Gorbitz mit rund 10€ Kaltmiete für 26m² im Jahr 2020 rechnen muss! Ja, der offizielle Mietspiegel den die Stadt Dresden angibt liegt natürlich weit drunter und zwar bei etwa 6€ in Gorbitz. Das war aber allenfalls vor 5 Jahren noch Realität.

    Warum wohnt man also nicht bei gleicher Kaltmiete direkt an der Frauenkirche? Nun, dort wurden Wohnungen mit etwa 90-120m² auf zwei bis drei Räume geschaffen und die sind meist so geschnitten, dass sie in keinster Weise familiengerecht sind. Die Mieten bewegen sich dann zwischen 1.200 – 1.900€ und dafür gibt es in Dresden keine Mieter. Bezahlbarer Wohnraum wird aber dringend gebraucht. Stattdessen fördert man mit staatlichen Mitteln weiter fleißig Immobilienleichen wie z.B. rund um den Postplatz zu Gunsten eines Stadtwachstums, dass man mehr als zweifelhaft sehen kann.

    Das Image der Stadt wird bei Investoren wird weiter fallen. Schon jetzt will keiner mehr in die ’schönen‘ Wohnungen investieren, geschweige denn die kaufen. Warum auch? Vermietet bekommt man diese Wohnungen in Dresden nicht.

    Dazu sehen sie, und das ist meine ganz persönliche Meinung (und auch nur EINE Meinung), extrem hässlich aus und steigern die Attraktivität Dresdens nicht. Brauchen wir wirklich noch ein Europa Viertel, so wie z.B. Frankfurt es hat?

    Hier sollte man sich darauf konzentrieren Dresdens stärkstes Gut, nämlich den Tourismus zu fördern. Und dazu braucht es ein schönes und freundliches Dresden und zufriedene Bürger.

    Die Regierung der Stadt hat hier wieder meiner Meinung nach komplett versagt und unsere Stadt wird weiter verschachert. Mal sehen, wie die Zukunftsutopie Dresden für 2030 ausschauen wird. Ich bin zumindest mehr als besorgt über den schönen Verfall meiner Heimat. #Geisterstadt

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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