„Patrioten“ gegen „Multi-Kulti-Wahn“

An die 100 Gegendemonstrant*innen machten Lärm.
An die 100 Gegendemonstrant*innen machten Lärm.

Da hatte sich die Partei AdPM (Aufbruch deutscher Patrioten, Mitteldeutschland) aber einen schlechten Platz ausgesucht. Am Montag hatte sie um 18 Uhr zu einer Kundgebung am Bahnhof Neustadt gegen gewaltbereiten Linksextremismus und Multikulti-Wahn aufgerufen.

Zehn Minuten später wurde am Bahnhofsvorplatz ein Gegenprotest unter dem Motto „Kein Fußbreit der AdPM“ angemeldet. Bis zu 100 Gegendemonstrant*innen hatten sich eingefunden, um Lärm zu machen. Mit Trillerpfeifen, Trommeln und sogar Töpfen wollten sie rassistischen Aussagen keine Bühne geben. Und tatsächlich war es schwierig die Redner der Rechtsaußen-Partei zu verstehen.

Zwar meinte der AdPM-Kandidat und bekannte Pegida-Redner Egbert Ermer, dass er noch einen zweiten Lautsprecher im Auto hätte, aber anscheinend hatten die 30 AdPM-Anhänger*innen noch gute Ohren, um ihn zu verstehen. Auf 20 Meter Entfernung blieb jedoch wenig von der Rede übrig – außer Wortfetzen wie „Sachsen ist keine Müllhalde und wir werden euren Müll entsorgen“ oder „Bei dem Getöse fällt mir nur noch was ein, was ich hier nicht sagen darf“ kam (zum Glück) wenig an.

Die Kundgebung sieht vergleichsweise leer aus -Jens Lorek im Vordergrund
Die Kundgebung sieht vergleichsweise leer aus – Jens Lorek im Vordergrund

Rund 50 Polizist*innen sicherten die Veranstaltung ab. Die Aktion verlief aber an sich weitgehend friedlich – außer dass just in dem Moment, in welchem ein AdPM-Anhänger ausrief „Wir lehnen Gewalt ab“ – ein anderer älterer Herr ein paar Gegendemonstranten schubste. Beleidigt wurde aber trotzdem von der einen zur anderen Seite. Da rief die AdPM „ Ein Auto hat weniger CO2-Ausstoß als ihr da drüben“ – Zurück kam: „Bullshit.“ Wäre es nicht so ernst, könnte es fast lustig sein.


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Poggenburg war auch dabei

Unter den Rednern befand sich auch der ehemalige AfD-Politiker André Poggenburg. Er war Anfang Januar nach internem Streit aus der AfD ausgetreten. Unter anderem weil er forderte, dass in Deutschland lebende Türk*innen als „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“, die „zu den Lehmhütten und Vielweibern zurück an den Bosporus“ gehen sollten. Anschließend gründete er die Rechtsaußen-Partei AdP. Mit ihr will er bei den sächsischen Landtagswahlen im Herbst antreten. Der Süddeutschen Zeitung teilte der AdP-Parteivorsitzende Poggenburg im Januar mit, dass er das Wählerpotenzial der AdP bei sechs bis neun Prozent sieht. Unter anderem, weil er sich eine enge Kooperation mit Pegida verspricht. Auch weitere AdP-Politiker wie Pegida-Redner Egbert Ermer und Pegida-Anwalt Jens Lorek hielten gestern eine Rede.

André Poggenburg hat sichtlich Mühe laut zu sprechen.
André Poggenburg hat sichtlich Mühe laut zu sprechen.

Schon letzten Donnerstag wollte die AdPM in die Neustadt

Schon letzten Donnerstag, den 1. August sprach André Poggenburg vor ca. 30 Anhänger*innen im südlichen Teil der Johannstadt. Dort protestierten sie mit der rechten Organisation „Wellenlänge“ gegen den Ausbau der Moschee. Eigentlich wollten sie am Alaunplatz demonstrieren, die Polizei verwies sie aber auf die Johannstadt (Ecke Marschnerstraße/Comeniusstraße). 50 Gegendemonstrant*innen verkürzten die Veranstaltung am Straßburger Platz lautstark mit Trommeln und Pfeifen.

Abschluss mit Nationalhymne und lautstarkem „Haut ab“

Diesen Montag endete die Kundgebung gegen Linksextremismus am Bahnhof Neustadt um 19.45 Uhr. Zum Abschluss stimmte der Redner seine Anhänger*innen darauf ein, die dritte Strophe der Nationalhymne zu singen, nicht die erste. Mit einem lautstarken „Haut ab“ verabschiedeten die Gegendemonstrant*innen die Rechtsaußen-Partei. Die AdPM postete danach noch bei Facebook: „Heute protestierten wir mit ca. 50 Bürgern in Dresden gegen Linksterrorismus und Multi-Kulti-Wahn vor dem Bahnhof Dresden-Neustadt. Mit dabei natürlich wieder eine Truppe lautstarker, intoleranter, roter Kasper.“

Lärm machen als Provokation?
Lärm machen als Provokation?

Nachtrag: Polizei prüft Volksverhetzung

Im Zusammenhang mit dem Demonstrationsgeschehen am Schlesischen Platz prüft die Polizei gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft den Redebeitrag eines 44-Jährigen. Hier steht der Verdacht der Volksverhetzung im Raum.

15 Kommentare zu “„Patrioten“ gegen „Multi-Kulti-Wahn“

  1. Immer dieses *ininininin… nichts für ungut aber das liest sich übelst beschissen . Zum Artikel kann ich nur sagen das ein gesundes rechtes oder linkes Gedankengut normal ist aber sobald es ins extremistische fällt gefährlich für alle wird . Ich hab weder Bock auf eine „Mauer“ noch auf einen „drei Fronten Krieg“ .

  2. Jetzt wollen die den Kindern in der Schule schon arabische Ziffern beibringen! Wieweit muss es noch kommen, bis dieser Multikulti-Wahn endlich ein Ende hat?

  3. Frage mich immer, welche deutsche Kultur da verteidigt wird? Bratwurst gegen Döner? Grimm gegen Sheherazade? Odin gegen Allah?
    Eulenspiegel gegen Nasdreddin? Mario Adorf gegen Omar Sharif? Birne gegen Granatapfel? Goethe gegen Hariri?
    Jedenfalls kaum Schopenhauer:

    Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein: hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.

  4. Ich habe auch ein paar Gesprächsfetze aufgeschnappt, und weiß jetzt, dass „die Züge bald nicht mehr fahren, weil die Strompreise immer höher werden.“ Haste Klarheit :D

  5. @Seldon

    Aber Ernst Thälmann zB
    „Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk; und meine Nation, die ich mit großem Stolz verehre, ist die deutsche Nation. Eine ritterliche, stolze und harte Nation. […] Ich bin Blut vom Blute und Fleisch vom Fleische der deutschen Arbeiter und bin deshalb als ihr revolutionäres Kind später ihr revolutionärer Führer geworden.“

  6. @ Anton

    Das gilt aber auch für Schopenhauer.
    Thälmann hat da für mich schon deutlich mehr Bezug zur Gegenwart.

    Ich halte jedenfalls nicht jeden, der auf die Nation stolz ist, der er angehört, für einen „erbärmlichen Tropf“. Ich würde auch Schopenhauer, ohne ihn bzw. sein Werk näher zu kennen, nicht für einen solchen Narr halten, dies getan zu haben. Aber ich kann mich irren ;)

  7. Natürlich ist Patriotismus kein individuelles oder psychologisches Problem, sondern ein gesellschaftliches.

    Nationalstolz ist der Fehler von Untertanen, die sämtliche zwischen ihnen und in ihrem Verhältnis zur politischen Gewalt eingeschlossenen Gegensätze für unwichtig befinden, um sich umso mehr auf die Einzigartigkeit des Gemeinwesens einzubilden, dem sie zwangsweise angehören.

    Gegenstandpunkt

    Wenn es aber so schön gesagt wird, kann man schon auch mal den Einzelnen auf die Abwegigkeit, ja, Dummheit, seiner Ansichten hinweisen.
    Daher noch eins:

    Was kann impertinenter sein, als da, wo das rein Menschliche, wo Wahrheit, Klarheit und Schönheit allein gelten sollen, seine Vorliebe für die Nation, der die eigene werte Person angehört, geltend machen zu wollen.

  8. „Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
    Mich läßt die Heimat nicht fort.
    Ich bin wie ein Baum, der – in Deutschland gewachsen –
    wenn’s sein muss, in Deutschland verdorrt.“
    Erich Kästner

    Noch so’n Ding und ich glaube wir alle mögen Kästner. Und von diesem denke ich, das sogar zeitlich unabhängig aufgefasst werden kann.

  9. Ich hab bei der Überschrift zuerst „Idioten gegen ..“ gelesen..

    @Steffen: „gesundes rechtes Gedankengut“
    Immerhin weißt du, was ein Oxymoron ist.

  10. Intelligenz geht anders. Dieser „Aufbruch deutscher Patrioten, Mitteldeutschland“ ist ein einziges Grauen. Schopenhauer muss man zustimmen, … guter Mann.

    Nationalstolz sollte in der Tat, nicht dem rechten politischen Spektrum überlassen werden. Davon abgesehen, wird niemand ungeregelten Zuzug in die europäischen Staatensysteme, in seinen Gesamtkonsequenzen gutheißen.

    Das Thälmann Zitat, ohne Zeit und Umstände zu betrachten ist schlicht „quatsch“.

  11. Man kann sicher trefflich über mehr oder weniger gravierende Unterschiede zwischen Heimatliebe, Patriotismus und Nationalstolz streiten….
    Aus meiner Sicht sehr treffend:
    Heimat ist daher der „Standort in der Welt“, der dem Menschen „die Bedingung dafür bildet, dass seine Meinungen Gewicht haben und seine Handlungen von Belang sind.“ (Totalitäre Herrschaft, 613).

    Das Vorgefundene („die Umwelt, in die man hineingeboren ist“) ist die Domäne des Konservativismus und der Fremdbestimmung.

    Das Selbsttätige und Selbstbestimmte ist dagegen der Kern aller Emanzipation. Eine solche Heimat kann immer und überall entstehen, wo wir als Mitbürger einbezogen und respektiert sind.

    Buchenberg

  12. Zum Zitat Buchenberg : In der ( staatlichen, also keineswegs aussergewöhnlichen ) Schule meiner beiden jüngsten Kinder lernen Schüler aus mehr als 45 verschiedenen Nationen. Für diese jungen Menschen eine Selbstverständlichkeit. Nicht die Nationalität steht im Mittelpunkt der Bewertung, sondern soziale Kompetenz und Fleiss. Ein Teil ihrer gemeinsamen Heimat ist diese Schule in Dresden in Deutschland, auch wenn sie nicht alle deutscher Nationalität sind.
    Auch in anderen Ländern leben Menschen unterschiedlicher Nationen zusammen, z. Bsp. Frankreich, Großbritannien, Skandinavien. Es ist ein Merkmal unserer Zeit, dass es mitunter möglich ist, sich eine Heimat auszuwählen. Tja, das ist schon echt der Wahn(sinn) und wert, dass die jungen Menschen aus der Neustadt dafür auf die Pauke hauen, wenn da jemand das Rad der Zeit zurück drehen will.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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