Kein Bad für Neustadt und Pieschen

Grünen-Stadtbezirksbeirat Oliver Mehl brachte die Stimmung auf den Punkt: „Das einzige Bad in Ihrem Plan für rund 150.000 Einwohner ist das Nordbad“. Die Räte waren empört und verwarfen das Bäderkonzept.

Das hatte Gunnar Krisch, Fachreferent Sport beim zuständigen Bürgermeister Peter Lames (SPD) vorgestellt. Also eigentlich die wichtigsten Eckpunkte der „Sportstrategie der Landeshauptstadt Dresden bis 2030“. Immerhin ein 300-Seiten-Werk. Sport scheint wichtig. Das Thema Baden und Schwimmen wohl auch.

Für eine Stadt wie Dresden sollten rund 6.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen, so der Referent. Das erreiche man mittelfristig mit dem vorgelegten Bäderkonzept. Darin enthalten ist unter anderem die Fertigstellung der Schwimmhalle an der Freiberger Straße und ein neues Hallenbad in Klotzsche.

Neue Schwimmhalle in Klotzsche

Als Standort für den Neubau ist das Enso-Gelände mit dem ehemaligen Gas- und Wasserwerk an der Königsbrücker Landstraße 100 geplant. Von der Neustadt rund sieben Kilometer entfernt, etwas mehr als doppelt so weit wie die Schwimmhallen am Freiberger Platz. Sechs 25-Meter-Bahnen, ein Lehrschwimmbecken und ein Reha-Becken sollen hier in Klotzsche entstehen.


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Der Neubau ist als Ersatz für das 1935 errichtete und unter Denkmalschutz stehende Bad in Klotzsche geplant. Dieser Standort im Gewerbegebiet am Flughafen werde für die Sportnutzung aufgegeben. Darüber hatten Sportbürgermeister Peter Lames und Matthias Waurick, Geschäftsführer der Bäder GmbH, im Juni 2018 auf einer Sondersitzung des Ortsbeirates Klotzsche informiert.

Fachreferent Krisch erklärte, dass dies das Konzept der Bäder GmbH sei und dass es bei der Standortfindung auch darum geht, verfügbare Flächen zu finden.

Protest der Stadtbezirksbeiräte

Das wollten die Stadtbezirkbeiräte nicht gelten lassen. Johanna Thoelke (SPD) wies darauf hin, dass es nicht nur an Hallenbädern, sondern überhaupt auch an Freibädern auf der Neustädter Elbseite mangele. Ins Gespräch gebracht wurde die Idee einer Schwimmhalle auf dem Gelände an der Harkortstraße.

Diese Idee gibt es schon seit fast drei Jahren und wurde von der Pieschener SPD angeregt (Siehe Pieschen-Aktuell vom 10. Oktober 2016). Die Harkortstraße liegt an der Schnittstelle zwischen Pieschen und der Neustadt am Bahndamm nahe der Großenhainer Straße. Allerdings gehört das Gelände der Deutschen Bahn.

SPD-Vorschlag: Auf dem Gelände zwischen den Gleisanlagen sollen eine neue Schwimmhalle, eine Gewerbegebiet und Grünanlagen entstehen. Grafik: W. Schenk / openstreetmap
SPD-Vorschlag: Auf dem Gelände zwischen den Gleisanlagen sollen eine neue Schwimmhalle, eine Gewerbegebiet und Grünanlagen entstehen. Grafik: W. Schenk / openstreetmap

Sachsenbad kontra Harkortstraße

In Pieschen ist der Standort aber umstritten. So wird dort befürchtet, dass ein Schwimmbad an der Harkortstraße den Plänen des Wiederaufbaus des Sachsenbades den Todesstoß versetzen könnte. Im Bäderkonzept der Stadt kommt das Sachsenbad jedoch gar nicht vor. Dabei könnte Dresden eine weitere Schwimmhalle gut gebrauchen. Denn einerseits wächst die Stadt, andererseits liegt sie im Vergleich mit anderen Städten mit ihren sieben Schwimmhallen deutlich zurück. Im kleineren Duisburg sind es 19 Hallen und im nur wenig größeren Nürnberg 20.

Die Stadtbezirksräte brachten dann einstimmig einen Änderungsantrag ein. Der Punkt 5, in dem es um den Neubau in Klotzsche geht, soll ersetzt werden durch einen Prüfauftrag für eine weitere Schwimmhallen für Pieschen und die Neustadt.

Ob der Standort Harkortstraße dafür in Frage kommt, ist offen. In dem am Montag vorgestellten Strategiepapier steht „Nutzung des Flächenpotenzials im Bereich Harkortstraße für eine Sportstätte. Dafür soll in den nächsten zwei Jahren ein Konzept entwickelt werden.

Auf dem Gelände werden aktuell Baumaterialien gelagert.
Auf dem Gelände werden aktuell Baumaterialien gelagert.

Sportstrategie der Landeshauptstadt Dresden

7 Kommentare zu “Kein Bad für Neustadt und Pieschen

  1. „So wird befürchtet, dass ein Schwimmbad an der Harkortstraße den Plänen des Wiederaufbaus des Sachsenbades den Todesstoß versetzen könnte“

    Wie kann man einer Leiche einen Todesstoß versetzen? Naja, das ist Dresden: Die Asche der Vergangenheit anbeten, statt mal was für die Lebenden zu machen.

  2. Vielleicht wäre es besser nochmal über das Sachsenbad nachgedacht werden denn das Gelände an der Hakordstraße wäre viel besser als Grünfläche oder Park geeignet, man muss nicht alles zu betonieren. Gerade in Pieschen gibt es viele Hunde aber kaum Wiesen.

  3. @Lisa Jacobsen

    Soweit ich mich erinnere, ist das Sachsenbad zu klein für ein modernes Schwimmbad. Da denkt man wohl eher in Richtung Wellnesscenter oder so.
    Und das Gelände an der Harkorstraße taugt imho auch nicht als Park, jedenfalls nicht als einer, der auch von Leuten genutzt wird. Dafür ist das Gelände durch die Bahngleise einfach viel zu stark von den umgebenden Vierteln getrennt.

  4. Lustig, dass ausgerechnet ein Neustadt-Grüner sich empört.
    War und ist es doch ein Grünen-Antrag [1] aus dem März 2011, der das Thema seither am Köcheln hält Seit längerer Zeit ist bekannt, dass die Wiedereröffnung (in 2024 oder später) des Sachsenbades mit Sanierungskosten von rund 24 Millionen Euro verbunden ist. [2]

    Bereits Ende Januar diesen Jahres war in den DNN Folgendes zu lesen:

    >>Als Gesundheitsbad wäre das Sachsenbad laut Stadt nicht Gegenstand des Bäderkonzepts. Das heißt, dass es bei der Betrachtung, ob den Dresdnern ausreichend Wasserfläche für den Schwimmsport zur Verfügung steht, keine Rolle spielt.<<

    Wie aus zahlreichen Beschlusskontrollen [1] ersichtlich ist, hat die Stadtverwaltung halbjährlich darauf hingewiesen, dass für weitere Planungsfortschritte Geld im Haushalt eingestellt werden müsste.

    Es hat sich also seit mindestens 2011 keine Mehrheit für diese durchaus große Investition gefunden. Auch für einen wesentlich kostengünstigeren Neubau im Stadtteil Pieschen, der auf rund 10 Millionen Euro geschätzt wurde fand sich keine Mehrheit.

    Und das trotz mehrerer Petitionen [3], [4], [5], [6], die – meiner Meinung nach – eine übergroße Mehrheit (in der Bevölkerung) für eine überteuerte Sanierung des Sachsenbades vortäuschen sollten, aber offensichtlich zu keiner Mehrheit im Stadtrat geführt haben.

    Und jetzt vor der anstehenden Wahl setzt das große Jammern und Zetern ein.

    Ich warte auf den Tag, an dem die Grüninnen auch die Verantwortung für das übernehmen, was sie verzapft haben und nicht mit dem Finger auf andere zeigen.

    [1] http://ratsinfo.dresden.de/vo0050.php?__kvonr=3905
    [2] http://ratsinfo.dresden.de/vo0050.php?__kvonr=14807
    [3] http://ratsinfo.dresden.de/vo0050.php?__kvonr=12989
    [4] http://ratsinfo.dresden.de/vo0050.php?__kvonr=13289
    [5] http://ratsinfo.dresden.de/vo0050.php?__kvonr=13467
    [6] http://ratsinfo.dresden.de/vo0050.php?__kvonr=13468

  5. „Auch für einen wesentlich kostengünstigeren Neubau im Stadtteil Pieschen, der auf rund 10 Millionen Euro geschätzt wurde fand sich keine Mehrheit.“
    (Zitat aus dem Beitrag von Fidel)

    Nach meiner Erinnerung hat das neugebaute Bad in Bühlau um 50 Mill. € gekostet – was soll denn dann für 10 Mill. in Pieschen entstehen?
    Ein 15-Meter-Schwimmbecken mit Umkleiden für je 20 Personen weiblich / männlich?
    Bühlau ist schon ziemlich die Minimal-Variante eines Sport-Schwimmbades, gut die Infrarot-Wärme-Sitze könnte man noch einsparen, aber die haben sicher keine 40 Millionen gekostet…

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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