Gunter Thiele – CDU

Die Königsstraße im Rücken: Gunter Thiele

Die Königsstraße im Rücken: Gunter Thiele

Die CDU hat’s schwer in der Neustadt. Dennoch hat sich Gunter Thiele, der seit 1998 hier wohnt für diese Partei entschieden, denn die Grünen waren ihm zu radikal. Seine Politiker-Karriere ist der 41-Jährige in kleinen Schritten vorangegangen, erst als Ortsbeirat und seit 2010 als Stadtrat.

Als gelernter Schienenfahrzeugschlosser und studierter Verkehrsplaner ahnt man schon, welches Thema ihm am nächsten liegt. Der Ausbau der Königsbrücker Straße liegt ihm am Herzen. Die Neustadt mag er wegen des offenen Lebensgefühls. Er sieht im Viertel aber durchaus auch konservatives Klientel. Mit mir bekommt die Neustadt mehr Gewicht innerhalb der CDU-Fraktion, wirbt er um Stimmen der Neustädter. Ich treffe Gunter Thiele auf der Hauptstraße, vor der Bierbar „Am Thor“. Die scheint eine CDU-Hochburg, mein Interviewpartner wird gegrüßt und passende Flyer liegen auch herum.

In den vergangenen Wochen und Monaten gab es in der Neustadt immer wieder Raubüberfälle, was könnte man Ihrer Meinung nach tun?
Im Vergleich zu früheren Jahren hat die Neustadt ein Sicherheitsproblem, weil sich diese Vorfälle tatsächlich häufen. Es hilft aus unserer Sicht nur eine verstärkte Präsenz der Polizei zu Fuß oder auch mit dem Fahrzeug oder mit Fahrrädern, was dann gemeinsam mit dem Land gemacht werden müsste. Oder auch des gemeindlichen Vollzugsdienstes, wobei sie diese Befugnisse nicht haben. So würden sich aber potenzielle Täter unsicherer fühlen, diese Taten dann auch durchzuführen. Außerdem kann sich der gemeindliche Vollzugsdienst nicht nur mit Falschparkern oder unangeleinten Hunden beschäftigen, sondern sie können durch ihre Präsenz auch für mehr gefühlte Sicherheit sorgen.

Ordnung und Sauberkeit auf dem Alaunplatz, was ist Ihr Konzept?
Wir haben ein deutliches Müllproblem. Die Forderung, dort noch mehr Mülltonnen und noch größere Mülltonnen hinzustellen, stößt aus meiner Sicht an Grenzen. Ich will auch nicht dort aller fünf Meter so einen großen Container stehen haben. Aus meiner Sicht würde dort nur helfen, dass die Leute selbst vernünftiger werden, denn sämtlicher Müll, der dort zum liegen kommt, ist vorher von den Parknutzern hingetragen worden. Und ich bin der Meinung, dass man das dann auch wieder mitnehmen kann oder wenigstens neben den Tonnen ablegen kann, wenn sie voll sind. Die Stadt reinigt ja nun schon aller Nase lang den Park. Das bezahlen wir alle. Ich finde das in diesem Umfang nicht in Ordnung und ich bin mir auch nicht sicher, ob jetzt dort mit Verboten reagiert werden sollte. Wenn sich alle Leute so verhalten würden, wie sie sich zu Hause benehmen, dann gäbe es das Problem nicht.

Mit Blick auf die Äußere Neustadt: Gunter Thiele

Mit Blick auf die Äußere Neustadt: Gunter Thiele

Wie sollte Ihrer Meinung nach die Königsbrücker Straße ausgebaut werden?
Aus meiner Sicht sollte der Beschluss im Großen und Ganzen so umgesetzt werden. Ich halte die Variante 7 für eine Variante, die allen Anforderungen der Neustadt genügt, sowohl in Bezug auf Stadtteilverträglichkeit als auch in Bezug auf die Leistungsfähigkeit für alle Verkehrsträger, die man eben nicht außer Acht lassen darf. Es geht darum, gute Verhältnisse für den ÖPNV und den MIV herzustellen, und es geht auch darum, in die Straße endlich eine Radverkehrsanlage einzuordnen. Die Variante 7 lässt aus meiner Sicht auch noch genügend Platz für den Fußgängerverkehr. Mit einem Detail bin ich insbesondere nicht einverstanden, das ist die Linksabbiegespur an der Schauburg stadtauswärts. Dort sehe ich persönlich noch Veränderungsbedarf. Es war aber ein Punkt, um die Mehrheit im Stadtrat für diese Variante 7 zu erzielen.

An der Leipziger Straße soll ein Kaufhaus gebaut werden, wie ist Ihre Meinung dazu?
Die Planungen lagen jetzt öffentlich aus. Alle konnten ihre Stellungnahme abgeben. Das wird derzeit in der Stadtverwaltung zusammengestellt, ausgewertet und abgewogen. In Abhängigkeit der Ergebnisse dieser öffentlichen Auslage und der Beschlussempfehlung der Stadtverwaltung muss der Rat das bewerten und den Satzungsbeschluss fällen oder ablehnen.
Wenn ich als CDU-Vertreter mit einem guten Wahlergebnis aus der Neustadt in den Stadtrat einziehen kann, kann ich, gegebenenfalls mit meinem Pieschener Kollegen, deutlich machen, dass die Entscheidung für Globus nicht die ideale ist. Und je mehr Stimmen ich habe, desto größer ist dieses Gewicht. Ob es dann aber reicht, die ganze Fraktion bei dieser Frage mitzunehmen, weiß ich nicht.

Mietentwicklung in der Dresdner Neustadt, sollte man die bremsen oder dem freien Markt überlassen?
Es geht ja darum, dass sich auch der Unterhalt von den Gebäuden irgendwie rechnen muss. Dass es auch attraktiv sein muss für Vermieter, die Substanz instand zu halten oder auch zu sanieren bzw. neu zu bauen. Die Neustadt ist ein attraktives Viertel, sehr gut angeschlossen, sehr lebenswert. In attraktiven Wohngebieten sind eben auch die Mieten entsprechend. Ich glaube, dass trotzdem alles noch in einem vernünftigen Rahmen ist. Die Beschäftigungsquote in Dresden ist hoch, die Verdienste, die man hier erzielen kann, erlauben gewisse Mietpreise. Von daher ist die Entwicklung gesund.

    Herr Thiele, vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch fand nahe dem Albertplatz statt.

Das Gespräch fand nahe dem Albertplatz statt.

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14 Kommentare zu “Gunter Thiele – CDU

  1. Oli
    17. Mai 2014 at 13:01

    Da sind ja scheinbar die CDU’ler die eigentlichen Piraten…
    Ich möchte aber nicht noch mehr übermotivierte „Politessen“ um mich rum haben. Ich hab da eher ein beklemmendes als sicheres Gefühl. Und im A Park ist scheinbar nicht das Problem, das die Leute sich nicht wie zu Hause benehmen, sonder das viele Genau das tun. Nur zuhause ist es allen anderen egal ob sie ihrem Krempel wegwerfen oder wochenlang rumstehen lassen. Aber so ein Park hat halt was soziales und wer kein Problem damit hat sich seinen Dreck hinterher räumen zu lassen, wird das nur selber machen, wenn es sonst sehr teuer wird!

  2. nepumuk
    17. Mai 2014 at 16:34

    bei der cdu gibts ja nicht viel zu lachen, aber das letzte foto entbehrt nicht einer gewissen komik. im hintergrund ist tatsächlich schon der albertplatz zu erahnen und die gegend „am thor“ wird auch passend „am schwarzen thor“ genannt. seltsam, dass der herr stimmen gegen globus sammelt, dabei unterliegt er auch bei der nä. abstimmung dem ominösen fraktionszwang in der cdu, welcher stets bestritten und gleichsam jedes mal aufs neue nachzählbar ist. seine kollegen umzustimmen bleibt rein rhethorische frage, eher wird jedwedes abweichlertum scharf mißbilligt. es ist herrn thiele von herzen zu wünschen, die gewissen wandlungen innerhalb der dresdner cdu nachdrücklicher voranzubringen. sei gesegnet, amen.

  3. André Schindler
    17. Mai 2014 at 21:29

    Herr Thiele ist gegen die Linksabbiegespur an der Schauburg und behauptet, die wäre Kompromissmasse gewesen, soso. Interessanterweise kam diese Forderung von der CDU!

  4. Liselle
    18. Mai 2014 at 12:17

    da beißt sich die Maus in den Schwanz. ;-)

  5. 18. Mai 2014 at 19:32

    Ich kann nur vor dieser Droge warnen: CDU-Sucht

  6. Gunter Thiele
    19. Mai 2014 at 12:35

    Hallo Herr Schindler,
    die Forderung der Linksabbiegerspur an der Schauburg kam von FDP und Bürgern, da sollten Sie schon bei der Wahrheit bleiben! Fragen Sie mal Ihre Kollegen Matteo Böhme und Holger Zastrow.
    Ich halte diese LA-Spur deshalb für falsch, weil die Linksabbieger entweder die stadtauswärtige Bahn oder den stadteinwärtigen Verkehr behindern werden. Ich erkläre es bei Gelegenheit gern zum x-ten Mal. Brauch mir dann keiner kommen, wenn dort Stau ist!

  7. anni
    19. Mai 2014 at 13:41

    aber die CDU hat ja voll zugestimmt- im Stadtrat.

  8. Gunter Thiele
    20. Mai 2014 at 10:41

    Ja, wir haben zugestimmt. Es war wie gesagt Teil des Kompromisses, um den Beschluss überhaupt hinzubekommen. So ist das nun mal – man muss Zugeständnisse machen, um Mehrheiten hinzubekommen. Mit den anderen Parteien wäre wieder gar nichts geworden, die wollten noch eine neue Variante planen und weiter Zeit vertrödeln, während die Königsbrücker immer schlechter und lauter wird und weiter ohne Radwege auskommen muss…

  9. flueggus
    20. Mai 2014 at 14:44

    Wozu braucht die Königsbrücker Straße Radverkehrtanlagen!? Diese brauchen Platz, der eigentlich nicht vorhanden ist und außerdem sind sie ein Sicherheitsproblem für Rad- wie Autofahrer. Oder was ist eine Geradeausspur rechts neben Rechtsabbiegern sonst?
    Wir sind in der Stadt, wo die Autos gerademal doppelt so schnell fahren dürfen, wie ein halbwegs geübter Radfahrer, was auf vielen Straßen problemlos funktioniert, warum nicht auf der Königsbrücker?

  10. E-Haller
    20. Mai 2014 at 16:01

    @ flueggus: Wo bitte funktioniert das in der Stadt denn „problemlos“? Sobald sich der ALLTAGSRADLER latent unsicher fühlt, weicht er in Dresden doch lieber auf den Gehweg aus, als auf der Fahrbahn zu fahren. Gern auch auf der linken Seite der Straße. Das Resultat: Unfälle mit Kfz an Kreuzungen/ Einmündungen und Unfälle mit Fußgängern (zumeist nicht statistisch erfasst).

    Eine vernünftige Radverkehrsanlage wird hingegen zumeist angenommen. Allein das Vorhandensein zeigt Autofahrern zudem, dass sie mit Radlern z.B. beim rechtsabbiegen rechnen müssen – was aus meiner Erfahrung ganz gut klappt…

  11. Booby
    20. Mai 2014 at 16:14

    @flueggus: Auch wenn ich sonst ebenfalls gegen eine Trennung von Auto- und Radverkehr bin, im jetzigen Zustand der KöBrü ist eine Benutzung der Straße oder besser gesagt des Kopfsteinpflasters für Radfahrer nicht anzuraten, bei Regen IMHO sogar lebensgefährlich.

  12. flueggus
    21. Mai 2014 at 21:51

    Klar ist das Kopfsteinpflaster auf der Königsbrücker zum Radfahren einfach nur die Hölle, deswegen hätte ja die Straße schon lange saniert werden müssen. Aber eben nicht mit so extrem verbreiterter Fahrbahn, wie nun geplant, sondern so, dass die Aufteilung im wesentlichen bleibt wie heute, nur dass die Straßenbahngleise auf neuen Standard auseinandergezogen werden und die Spur recht neben den Gleisen so breit ist, dass ein LKW und eine Straßenbahn aneinander vorbeipassen. Für sonstige Extras bietet diese Straße nunmal nicht den Platz, ohne dass sowohl die Fußgänger extrem einbüßen als auch das wenige vorhandene Grün, Bäume wie Vorgärten, verschwindet.

  13. 22. Mai 2014 at 09:07

    Kurz zur Erinnerung: Das ungehinderte Fortkommen mit dem eigenen PKW ermöglichen am ehesten Parteien, die möglichst viele andere Verkehrsteilnehmer zum Umstieg auf Rad und ÖPNV motivieren.

  14. Dirk
    23. Mai 2014 at 09:58

    Zu den Raubüberfällen zwar vom Lösungsansatz die beste Antwort aber ich würd mich dann auch nicht mehr wohlfühlen. Immerhin ist es einen Ordnungsbeamten auch nicht möglich ruhig an dem Chaos am Assieck vorbeizugehen oder Volkssport Beamtenpöbelei hält Einzug. Schade das alle auf Verdrängung setzen und keiner Probleme lösen möchte..

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