Wechselbad der Gefühle

Feuershow neben dem BRN-Ball
Feuershow neben dem BRN-Ball
Das klingt doch wie die … während ich noch grüble, bekomme ich einen Schubser in den Rücken. Hinter mir wird es laut, ein junges Pärchen singt ganz verzückt die „Oda a la alegría“. Die Europahymne auf spanisch. Sie tanzen, sie jubeln, ausgelassen und ich bin endgültig versöhnt mit dem Tag. Was zuvor geschah:

Nach dem Regen tapperte ich eilig durchs Festgebiet, die Anker sollten spielen im Lustgarten. Die Eile war übertrieben, dort angekommen war noch reichlich Zeit. Schöne Stimmung hier, viel Platz, entspannte Leute, alle noch ein bisschen verkatert. 19 Uhr ist ja auch irgendwie ganz kurz nach dem Aufstehen. Die Anker hatten keine Chance, die träge Masse vor sich zu begeistern. Das machten Dyse danach deutlich besser und ich hätte auch besser dort bleiben sollen. Doch der Unruhestachel in mir treibt mich raus. Im Stilbruch mache ich Bekanntschaft mit einem fleischgewordenen Muskelberg, der mir freundlich die Richtung weist. Auf der „Böhmischen“ werden die Gesichter mürrisch, meins wohl auch, weiter geht es in Kaffeebohnenschritten.
Rothenburger-/Ecke Louisenstraße ... Foto: Christof
Rothenburger-/Ecke Louisenstraße … Foto: Christof

Auf der „Rothenburger“ kloppen mir die Techno-Rhythmen ins Hirn. Kein Wunder, dass die Teenies sich hier per Bierbong auffüllen müssen. Ich schiebe, werde geschoben, die Mundwinkel erreichen die Kniekehle, staune über einen vergleichsweise leeren Kunsthof und strande am Alaunplatz. Ein junger, dünner Bursche lockt mit „free Hugs“ … Ach was solls, ich drücke ihn und fühle mich doch nicht besser.

Aus.

Abbruch.

So feiert man doch keinen 24. Geburtstag.

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Tranquillo bunt und fair

Dann läuft mir ein Freund über den Weg und zieht mich weg aus dem bösen Westen. Vorm Laika steigt die Stimmung schon etwas. Der Harndrang macht sich bemerkbar. Beste Gelegenheit den Toilettenwagen auf der Talstraße zu testen. Ein Horst in der Damenwarteschlange. Die Mundwinkel erreichen wieder die Horizontale. Ein Pirat gibt den DJ, Oma und Opa der BRN strahlen und stecken mich an. Der BRN-Ball ist in vollem Gange. Nebendran springt eine Artistin durch ein brennendes Springseil. Ich kuschle mich in die Nacht und lasse mich überreden, noch mal schnell zum Martin-Luther-Platz zu stromern. Vor der Kirche, die sich altehrwürdig in den Abend streckt, spielen die Transsylvanians. Gut, dass der Selbstheilungsprozess der BRN jedes Jahr wieder funktioniert.

23 Kommentare zu “Wechselbad der Gefühle

  1. Ich bin eher froh, dass die BRN 2014 nun dem Ende zu geht!
    Tagsüber war es ja ganz nett, wenn einem das hirnlose Wumm-wumm-wumm des Nachts aber NUR noch auf den Geist geht, merkt man: entweder wird man langsam alt oder elitär oder beides…Vielleicht Zeit, weg zu ziehen und das Viertel wieder neuen Jungen zu überlassen, so wie damals vor 20 Jahren die alte Frau aus der Wohnung raus ist, in die wir eingezogen sind.

    Blöde, hirnlose Krachmacherei!!! Das ist doch keine MUSIK!!! Es ist einfach nur gottverdammter KRACH!!!!

    Ich guck mal gleich bei Immoscout. Was Nettes auf m Land wär gut! Mit Garten, zum ruuuhig drin sitzen.

  2. Naja, Chris, also so ganz Unrecht hat er nicht. Bei mancher sog. „Band“ fällt mir gleich Joschkas Spruch „Avanti Dilettanti“ ein. Weitergehen, weitergehen – zerrt dann mein Freund am Ärmel.
    :-)

  3. so lange die brn keinen richtigen veranstalter mehr hat, scheint alles verloren. tagsüber ganz nett, doch der trend – dass die anwohner nicht flüchten während der brn – lässt sich so sicherlich nicht stoppen. ob dieses technogewummer die richtige musik für ein stadtteilfest ist, bezweifle ich massiv. sicher, die saufkiddis wird man damit zufriedenstellen, aber alles, was die brn wirklich bunt macht, wird so zerstört. auch das programm vom kiezklub auf der louisenstraße war wieder panne hoch 10. wer den betreiber kennt, wird sich da allerdngs über nichts mehr wundern.

  4. Also wenn Leute Türen zu Hinterhöfen einschlagen, um dort in Masse pissen zu gehen, dann ist das asozial. Das einstige Stadtteilfest ist zum Volksbesäufnis heruntergekommen. Man sollte nächstes Jahr überall Dixie-Klos aufstellen und die Kosten über die Bierpreise wieder reinnehmen. Es ist doch unmöglich, zehntausend Leute in die engen Gassen zu lassen, ohne Sicherheit, Klos (!) und Brandschutz (geschweige denn: Lärmschutz für die Anwohner) zu gewährleisten. Wenn schon viele unserer Freunde aus der Neustadt fliehen, um während der BRN woanders unterzukommen, hat das Fest seinen Zweck verfehlt.

  5. ich bin von der bautzner in den lustgarten gegangen und das erste was ich sah waren zwei security typen von „ihre wache“!
    diese überregionl bekannte rechte schlägertruppe sichert die veranstaltung des kultur aktiv ab. ekelhaft.
    einige ehemalige mitarbeiter der firma waren 2008 bei den überfällen auf neustädter dönerläden beteiligt.

  6. bleibt mir nur auf chris zu verweisen!!!!
    bin 36 und glaub ich mit 18 hier ins viertel gezogen….
    bunt ist nun ma auch euer sogenannter „tekkno lärm“ und pisse und ne menge kids die sich ihre hörner abstossen wolln…
    nur balkan, liedermacher und folk mugge waere doch sehr einfarbig.
    klar ne coole sache vergrössert sich halt und finds och doof das der mad max umzug der tekknopunks aus wagenburg bautzner strasse nicht mehr ist und immer mehr kommerzielle bierwagen und fressbuden die kleinen neustaedter leckerein stände verdrängen, es für kreativ engagierte neustädter immer komplizierter wird sich einzubringen und….
    wie auch immer s gibt och noch den ghost der ursprünglicheren brn und halt aenderungen…
    wems zu stressig wird der kann ja dieses eine wochenende im, was ich auch ma ne zeit gemacht hab, einfach ma wegfahrn und wird am montag tha hood so vor finden wies war….
    sicherheit gibts och ey vor einigen jahren ham hier bullen gebrannt und s gab immer stress oder die prügelbullen ham das viertel geräumt und so….
    feste sind gut und dieses och!!!
    :)

  7. @Sascha:

    Also sorry: „Pisse, Lärm und Kids, die sich die Hörner abstoßen wollen“ (seltsame Wortwahl) als „bunt“ zu bezeichnen ist nun doch wohl reichlich daneben! Nein, dann will ich nicht „bunt“ sein!!!
    :-(

  8. Freitag und Sonntag war die BRN so wie ich sie mir vorstelle.
    Wunderschön und bunt. (gut, mehr Mülleimer wären notwenig gewesen!!!)
    Der Samstag war ab Nachmittag gruselig.
    Ich finde man sollte die Musikstände abwechselnd spielen oder sich besser absprechen lassen.
    Vor allem die DJs (die verdammt oft eine Lautstärke jenseits von gut und böse hatten) mit genügend Abstand zu anderen DJs oder Bühnen platzieren.
    Jeder soll auf seine Kosten kommen.
    Ich bin es. :)

  9. Anne hat Recht: wieso müssen die eigentlich so dicht stehen, dass sie sich gegenseitig versuchen (müssen) mit ihrer Lautstärke zu übertönen?!? Eindeutig nen Planungsfehler.

  10. Die Görtlitzer war Musikmässig unerträglich! Alle 10 meter eine Bühne oder ein DJ mit einer Lautstärke das man sich die Ohren zuhalten musste.
    Ich werd Techno nie verstehen, aber solln sie halt machen – nur muss das so endlos laut sein das man sich nicht mal mehr anbrüllen kann um zu reden? :(

  11. Kenne die BRN jetzt auch schon seit 9 Jahren und jedes Jahr gibt es die selbe Diskussion. Ich hatte Spass und Ohropacks, bin aber auch schon öfters wegen Partymüdigkeit zur BRN weggefahren. Und wer sich über all das Partyvolk / Techno-Druffis aufregt und sagt, dass die nicht aus der Neustadt kommen, ist entweder nicht von hier oder wohnt auf der Priesnitzstraße ;)
    P.S. Meines Erachtens ist Kontrollwahn nicht Neustadt! Aber 10.000 Bewohner, 10.000 Meinungen :)

  12. Wenn zu einem Stadtteilfest eine nennenswerte Anzahl von Bewohnern dieses Stadtteils flüchten, kann doch da was nicht stimmen! Wieder zwei drei Bierwagen mehr, hab‘ ich gelesen, wieder etwas weniger Originalität hab‘ ich verspürt. Essen und trinken konnte man, auch modischen Kram aller Art kaufen, Kindern das Taschengeld aufbessern und sie mit Zuckerwatte füttern… Ja, es gibt nach wie vor nette Ecken und engagierte Leute, aber im Grunde hat die 33 mit ihrem Einhorn doch recht! BRN sollte mal zwei drei Jahre Pause machen, und dann wieder back from the roots!

  13. Ich sag dazu nur: Die BRN in ihrem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf!! Es lebe der Vorsitzende des Staatsrats der Deutschen Demokrat’schen Replik, Erich Honegger !!!

  14. Die besuchbare BRN findet eh fast nur noch auf der Talstraße / Kamenzer / Sebnitzer / Pulsnitzer statt.
    Ich höre übrigens gern Techno und kann mit dem „Lateinamerika-Gitarren-Geklimper“, Balkanmusik etc. nichts anfangen. Ich finde es trotzdem ganz interessant, auch mal Musik zu hören, die man persönlich sonst nicht hört.

    Um die BRN zu „entprollen“, helfen wahrscheinlich nur 5 Jahre dauerverregnete BRNs oder ein Alkoholverkaufsverbot auf den öffentlichen Flächen (was gleichzeitig auch das Pissproblem deutlich reduzieren würde, keine Bierwagen mehr, keine gefühlten 500 „wir haben den größten Caipi“-Stände samt zugehörigen Playlist-DJ etc). Dann könnte man auch schöne Hinterhof-Prohibitionspartys feiern.

  15. Elektro ist schon rein physikalisch nicht für ein Stadtfest geeignet, das kann man doch später in einen der vielem Clubs auflegen. Wer das Glück (Pech) hatte auch nur ansatzweise in der Nähe einer BUM-Bum-bum Dauerbeschallung Techno Mucke zu wohnen, für ‚die‘ waren die BRN-Tage nur schwer-erträglich. Mein Meinung dazu, dass gehört nicht auf die BRN oder wenn, dann schon Zeitlich reguliert. Louisenstr./Pulsnitzer war auch so ein Kandidat.

  16. Ich fand die BRN in diesem Jahr nur noch Schei….!! :-( Im nächsten Jahr werde ich auf jeden Fall auch die Flucht ergreifen! Wenn aber hier doch sooo viele unzufrieden sind, sollte man sich vielleicht lieber überlegen, wie man die BRN besonders nachts zähmen könnte! Sonst steh uns der gleiche Schei…. im nächsten Jahr erneut ins Haus!

  17. Ach ihr vielen Kritiker, wo seid ihr denn wenn es ans Gestalten geht?
    Redet mit dem Clubbetreiber, Nachbarn, Gewerbetreibenden, der Technobude …., die Euch so sehr nerven. Nehmt es selbst in die Hand und lasst es uns wieder zu einem ANWOHNERFEST machen. Getreu dem Motto: „Wo DEIN Sofa steht, kann kein Bierwagen (Technotempel) stehen!“
    Da gibt es jetzt einen Kreis von Leuten, die daran arbeiten und bei diversen Treffen und Vorbereitungsrunden sind sie meist unter sich :) Denn auch wenn sie Schwafelrunde (ohne Ritter) heißen, sie schwafeln nicht
    http://www.brn-schwafelrunde.de

  18. Richtig Ulla!!….
    ….wenn das Pferd eingelaufen ist,dann weiß ich auch, welches gewonnen hat….
    ….und nächstes Jahr wieder Konfetti :) und danke für Eure schöne BRN Ausstellung…

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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