Zwei Großmeister der russischen Kultur in Dresden

Dresden wird seit dem 19. Jahrhundert auch Elbflorenz genannt. Und das nicht ohne Grund. Die sächsische Hauptstadt ist seit jeher dafür bekannt, Kunst und Kultur in zahlreichen Museen und Galerien zu pflegen und die Kulturlandschaft zusätzlich mit Theatervorführungen und Konzerten zu bereichern. Diese Vielfalt lockte im 19. Jahrhundert zahlreiche prominente Namen der Zeit in die Stadt. Darunter waren auch zwei Großmeister der russischen Kultur zu finden. Fjodor Dostojewski sowie Sergei Rachmaninow verbrachten einige Jahre ihres Lebens in Dresden und arbeiteten an wichtigen Werken, die heute zu den Klassikern der Literatur- und Musikwelt gehören.

Dresden - auch Elbflorenz genannt
Dresden – auch Elbflorenz genannt

Fjodor Dostojewski – ein Weltliterat in Dresden

Fjodor Dostojewski gilt als einer der erfolgreichsten russischen Literaten der Geschichte. Er war ein Schriftsteller, der mit unglaublicher Sensibilität und Menschenkenntnis wusste, wie man die menschliche Psychologie in Worte fasst. Dadurch entstanden Werke wie „Die Brüder Karamasov“ oder „Schuld und Sühne“, die heute einen festen Platz unter den Klassikern der Weltliteratur haben. Obwohl Dostojewski früh für seine schriftstellerischen Fähigkeiten anerkannt wurde, hatte er mit den Höhen und Tiefen des Lebens zu kämpfen. Auch die Jahre in Dresden sollten zu den schwierigeren Lebensphasen Dostojewskis zählen.

Nach einem kurzen Aufenthalt im Jahr 1867, entschieden sich Dostojewski und seine zweite Frau Anna 1869 in Dresden zu leben, wo auch seine Tochter Ljubow auf die Welt kam. Das Leben des Literaten in der Residenzstadt war geprägt von ständigen Ortswechseln und finanziellen Schwierigkeiten. Denn, wie andere russische literarische Größen des 19. und 20. Jahrhunderts auch, war er ein leidenschaftlicher Spieler, der gerne Reisen in andere deutsche Städte unternahm, um seine freie Zeit in Casinos zu verbringen. Den Roman „Der Spieler“, in dem er seine persönlichen Erfahrungen in Baden-Baden verarbeitete, schrieb er allein für die Schuldentilgung.

Dank der Aufzeichnungen seiner Frau Anna sind Dostojewskis Tage in Dresden gut dokumentiert. Das Paar lebte mehr als bescheiden, was aber die literarische Produktivität Dostojewskis kaum beeinträchtigte. Nachts arbeitete der Schriftsteller an seinen Werken „Die Dämonen“ und „Der ewige Gatte“. Doch er beschwerte sich oft über Langeweile und sehnte sich nach seiner Heimat. 1871 verließen er und Anna endgültig Dresden und kehrten nach St. Petersburg zurück.


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Die Dresdner Häuser und Straßen, in denen der Literat wohnte, fielen leider der Zeit zum Opfer. Heute erinnern eine Galerie und die Kneipe Raskolnikoff in der Dresdner Neustadt durch ihren Namen an die Hauptfigur des Kultromans „Schuld und Sühne“. Die sächsische Stadt selbst würdigte Dostojewski 2006 mit einem Denkmal am Kongresszentrum, das ihn müde sitzend auf einem Steinsockel verbildlicht – ein wahrlich passender Anblick eines Weltliteraten, der ein anstrengendes aber produktives Leben geführt hat.

Raskolnikoff
Raskolnikoff

Sergei Rachmaninow – das Musikgenie aus Russland

Sergei Rachmaninow wusste mit Erfolg die Musikkultur des 19. und 20. Jahrhunderts als Komponist, Pianist und Dirigent zu prägen. Er komponierte die bedeutendsten Werke der Spätromantik und hinterließ der Musikwelt ein Erbe, das bis heute für viele Künstler eine Inspiration ist. Rachmaninows Karriere gestaltete sich zunächst schwierig. Finanzielle Probleme, gefolgt von einer Depression erschwerten seinen Einstieg in die Musikwelt. Doch nach jahrelangen Selbstzweifeln sollte sein Aufenthalt in Dresden zwischen 1906 und 1909 eine lange Schaffungsperiode einleiten, in der er seine bekanntesten Werke hervorbrachte.

Zunehmend unzufrieden mit dem Leben in Russland entschied sich Rachmaninow mit seiner Frau Natalja und Tochter Irina nach Dresden zu ziehen, wo er ein Haus in der Sidonienstraße bezog. Anders als Dostojewski, genoss er die ruhige Atmosphäre der Stadt und knüpfte schnell dauerhafte Freundschaften mit verschiedenen Persönlichkeiten aus der Dresdner Künstlerszene. Das positive Lebensgefühl machte sich auch in seiner Arbeit bemerkbar. Die Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27 sowie die Sonate Nr. 1 d-Moll op. 28, die 1908 in Russland uraufgeführt wurden, entstanden in Dresden. Zudem kam seine zweite Tochter Tatjana hier auf die Welt. Obwohl der Komponist 1909 dauerhaft nach Russland zurückkehrte, brach er seine Verbindung zu der Residenzstadt nie ab. Oft verbrachte er die Sommermonate in Blasewitz in der Villa der Musikerfamilie Schuncke, wo er an weiteren Kompositionen arbeitete und sich für seine Winterkonzerte vorbereitete. 1924 zögerten die Rachmaninows auch nicht die Hochzeit von Irina in Dresden zu feiern. Trotz unzähliger Aufenthalte, fielen auch die Spuren von Rachmaninow in Dresden leider der Zeit zum Opfer.

Während Dostojewski seine Aufenthalte in Elbflorenz als langweilig empfand und seine Heimat vermisste, liebte Rachmaninow das ruhige Dresdner Leben und zögerte nicht, immer wieder zurückzukehren. Doch die reiche Kulturlandschaft von Dresden bot beiden russischen Großmeistern mit Sicherheit Boden für die Schaffung ihrer Kunst, wodurch sie Inspiration für zahlreiche Werke fanden, die heute einen Kultstatus in der Musik- und Literaturwelt haben.