Der ganz normale Alltagswahnsinn

Ein Gastartikel von nepomuk

Ich trete aus der Wohnungstür und es geht los: Nachbars Hund hatte im Treppenhaus mehrere Bräunlichkeiten hinterlassen, es stank zum Himmel. Die Drogenheinis haben mal wieder ihre Wohnungstür nachts offen gelassen und vergessen, den Hund rauszubringen.

Ein anderer Nachbar wird per Haftbefehl gesucht, die Kripofritzen kommen mal wieder klingeln, die kennt man hier schon – auch von anderen Vorkommnissen. Unser Wohnquartier liegt voller Sperrmüll. Nun hat der Vermieter doch eine Firma zum Wegräumen engagiert – die Kosten werden umgelegt. Vorm Kamenzer-Straßen-Netto lümmelt Holli kotzend an der Einfahrt zur Tiefgarage, er sieht schrecklich aus. Unweit steht Mustafa vor seinem Laden, raucht und grüßt diesmal nicht. An der Ecke zum Alaunplatz wäre ich, kurz unaufmerksam, fast in Mega-Pferde-Fladen versunken.

wenn aus Äpfeln Fladen werden
wenn aus Äpfeln Fladen werden

Vorn an der Schauburg-Ampel bekam ich Radler-Grün und ‘ne alte Oma mit DW-Kennzeichen sahs und gab – obwohl ich schon den Schritt auf die Strasse tat – aufheulend Gas und hätte mich glatt plattgefahren, wär ich nicht zurückgetickt. Am Bischofsplatz erneut Kopfschütteln: da werden alle Straßenbahn-Masten gegen neue ausgetauscht, wobei die neuen nun direkt auf dem Gehweg platziert sind und nicht wie bisher am Rand.
Baumpflege an der Hansastraße
Baumpflege an der Hansastraße
Am Lidl an der Hansastrasse ist ein Trupp “Baumpfleger” unterwegs, die die junge Platanenallee nun zerhackt haben. Am neuen Garagenkomplex hinter dem Supermarkt steht nun ein popeliger Schutzzaun ums Abstandsgrün, um Schmierer, Wildpinkler und Mülltouris abzuschrecken.

neuer Pfad auf der Königsbrücker Straße
neuer Pfad auf der Königsbrücker Straße
verbrannte Plastetonne
verbrannte Plastetonne
Vorm Mäc-Geiz an der Königsbrücker Straße dann “Neues aus Schilda”: Die drei zertretenen Beete dort wurden mit einem dem Trampelpfad folgenden Weg befestigt. Vor zwei Jahren wurde da mal eine Umhausung mit Zierpoldern und Ketten drumrum gezogen. Nur _ Stunden später war das umgetreten. Nun also dreimal ein Weg im Beet. An der Förstereistrasse grüßt eine abgefackelte Plastetonne von der letzten Nacht. Mir reichts, es ist kalt, zu Hause ist es schöner.

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Vom durchgentrifizierten Luxusviertel ist die Neustadt offenbar noch ein bisschen entfernt.

27 Kommentare zu “Der ganz normale Alltagswahnsinn

  1. zum neuen Pfad vor Reno und Macgeiz: das sind städtische Flächen und diese werden vom Amt für Stadtrün- und Abfallwirtschaft (ehem. Grünflächenamt) betreut und in diesem Fall „bewegt“. -ist das die Umgehungsstraße für die Köni? :-)

  2. Da werden sich die Gemüter bestimmt echauffieren. Einen obdachlosen, der gerade „seines“ Platzes verwiesen wurde in Zusammenhang mit einem einhergehenden Brechvorgang zu erwähnen ist wirklich unschicklich. Das passt rein gar nicht in die überdurchschnittliche Neustadt. Die Bewohner des Viertels scheinen sich schließlich berufen zu fühlen über Gut und Böse entscheiden zu müssen. Ich wohne gern hier aber die teilweise hier vorherrschende Überkorrektheit ruft selbigen Brechreiz hervor. Subkultur und Spießertum sind gar nicht so verschieden, da Subkultur nicht selten genug um selbige Toleranz wirbt. Macht euch mal locker ihr Hippie-Spießer!!!
    Außerdem finde ich Scheiße in jeglicher Art Kacke ob von Pferd, Hund oder Mensch.

  3. @Nepomuk: Ja, der Querpfad vor dem RENO war mir gestern auch bereits aufgefallen. Man fragt sich, was schlimmer ist: Dass Hunderte Menschen zu faul sind, auf die 5 cm Grünfläche an der KöBrü Rücksicht zu nehmen. Oder dass man darauf mit einem städteplanerischen Schulterzucken reagiert und noch mehr Fläche versiegelt.

    @mehrlicht: Er hat einen Spaziergang gemacht und seine subjektiven Eindrücke wiedergegeben. so schlimm finde ich das nun nicht.

    @Peter Macheli: So ein Clown zum Frühstück hält ganz schön lange vor, was?

  4. @muyserin Wo steht, dass ich das schlimm finde? Ich habe erstmal nur eine Frage gestellt, damit ich verstehen lerne, was der Text soll. Ich bekomme das Rückschneiden von Bäumen und Versetzen von Straßenbahnmasten mit „Wahnsinn“/“Mir reichts“/“kopfschüttel“ (als einzigen subjektiven Statements – neben der Nochnichtdurchgentrifizierung, die ich mal übergehe) nicht ganz zusammen.

  5. Es ist doch aber ein irgendwie „anheimelnder“ Bericht. Das eine oder andere findet man bestimmt auch in anderen Stadtteilen DD’s. Aber so zusammen auf engem Raum gibts das alles nur in der Neustadt! ;-)

  6. Die Pferde kacken und pissen schon seit Jahren mehr oder weniger regelmäßig an die Ecke Kamenzer / Bischofsweg. Die Reiter gehen zum Saufen stundenlang in die Kneipe und kümmern sich nicht mehr um ihre Viecher. Bis jetzt haben die ihre Hinterlassenschaften noch nie weggemacht und die Stadtreinigung weigert sich auch, das zu machen. Anwohner haben sogar schon den Tierschutz wegen denen angerufen, weil die Pferde meherere Stunden unbeaufsichtigt, ungeschützt und aufgezäumt im strömenden Regen direkt neben Giftpflanzen (unter anderem Stechapfel) standen und angefangen haben, nach vorbeigehenden Leuten zu treten. Das scheint aber niemanden wirklich zu kümmern, weder Tierschutz noch Reiter…

  7. An der Schauburg gibt es übrigens keine ‚Radlerampel‘, das sind alles reine Fußgängerampeln! Es wär also deine eigene Schuld gewesen wenn du gerammt worden wärst. Sowas sollte eh mal viel öfter passieren, vielleicht kapieren die Radfahrer dann mal, dass sie auf Fußwegen nix zu suchen haben!

  8. @ Name: bzw. seltsam: „obwohl ich schon den Schritt auf die Strasse tat“ bei grün zu Fuß (das Rad schiebend) wäre ja wieder korrekt. Dann ist aber immer noch das „Radler-Grün“ nicht ganz logisch… ;)

  9. auf der Königsbrücker hätten die lieber Dornenbüsche und alles andere was die Klamotten beim drüber latschen zerfetzt pflanzen müssen. Zum kotzen bei uns wird es nie schöner werden.WOO….. BLEIBEN DIE BLÜHENDEN STADTVIERTEL

  10. @Nepomuk Du beschreibst den normalen Wahnsinn eines Ghettos (euphemistisch Kiezromantik genannt). Da wundert es doch nicht, wenn die Auswärtigen dich ummähen wollen. Mein solidarisches Mitgefühl als Radler.
    Die nächtlichen, unbeleuchteten Westernreiter, die ihre Gäule durch die Kami zum abkacken in den Alaunpark geführt haben, kann man zur selben Fraktion zählen ( Wir sch… auf euch).
    Wenn wir uns laut Bürgerumfrage eine gesamtstädtische 1,7 geben, ist die Neustadt jetzt Schlusslicht im Ranking der Stadtteile? Dann kann man das nur mit Noteninflation, Selbstzufriedenheit oder Zufriedenheitsparadoxon bezeichnen, wenn „die Leute“ Schlange stehen und partout hier im Kiez wohnen wollen?!

  11. Gab es nicht in Frankreich, auch in einem angesagten Viertel wie der Neutadt, einen Amoklauf? Ein Typ schoß einfach wahllos auf Passanten. Manchmal denke ich daran die Pirnaer, Meisner, DW-ler und alle Prollterroristen aus dem Viertel zu jagen. Aber ich werde wohl einfach irgendwann doch mal wegziehen weil es hier langsam stinkt und das meine ich im übertragenen Sinne.

  12. @Insasse123: Was hat das jetzt mit dem Beitrag zu tun? Genau: GAR NIX!
    Und jetzt schon wahllos Leute als Terroristen zu bezeichnen ist ‚etwas‘ unverschämt!

  13. Da isses wieder, das Neustadt Syndrom, ein offensichtlicher Tatsachenbericht, mit wenig Wertung, führt zu einer Kommentarflut. Alt gegen Neu, Pferd gegen Pferdegegner, Obdachloser als Gemütsanzeiger.
    ICH BIN NICHT AUS DER NEUSTADT, empfand den Neustädter aber immer als tolerant anderen gegenüber, ich glaube ich muß das nochmal überdenken. Der Neustädter schein nur tolerant dem Neustädter gegenüber, alle anderen sind „Prolltouristen“, „Pferdeschänder“, „DW-ler Geisterfahrer“, „Neureiche mit Szeneblick“ etc.
    Wo bleibt die Toleranz, die immer proklamiert wird oder sollte ich das die letzten 25 Jahre nur falsch verstanden haben.
    Klärt mich auf !

    Der in einem Stadtteil wohnt, der auch Penner, Obdachlose, Brech-, Hundehaufen, Nazis und anderes hat. Und es an mir vorbeizieht wenn ich zu Edeka einkaufen gehe.

  14. … DEN Neustädter gibts übrigens nicht und ich als Neustädter kann heute etwas tolerieren, was mir morgen tierisch auf die Nerven geht… ganz nach Belieben und Tagesform ;)

  15. @ Timdocsign: Der Gemeine Neustädter liest hier nur um informiert zu sein und verschwendet nicht seine Zeit Menschen verändern zu wollen via postings.
    Er/Sie ist nicht im Internet kennenzulernen. Man muss schon ins Reale gehen.

  16. Den Beitrag hab ich als Erlebnis-/Eindruckbericht aufgefaßt, zumeist ohne Wertung. Für mich ok.
    ABER: Fahrleitungsmasten der Straßenbahn ausgetauscht? Also das macht man nicht wie das Umpflanzen einer Tulpenzwiebel, hier hat sich der Autor wohl SEEEHHHR geirrt. Außerdem sind die Dinger – gemessen an der Haltbarkeit – noch sehr jung, die wurden vor ein paar Jahren im Zuge des Alaunplatz-Umbaus schon erneuert.
    Hab grad einen Besucher aus Kanada hier. Peinlich und unangenehm schon die vielen stinkenden und klebrigen Schuhsohlenbomben, und ebenso der häufige Unrat von faulen Neustädtern, die meinen, ihre ausrangierten Habseeligkeiten dem Straßenpassanten – und nicht der Mülldeponie – anbieten zu müssen. Das find ich – bei aller Toleranz – nicht in Ordnung. Aber irgendwie scheint Respektlosigkeit „in“ und/oder „cool“ zu sein.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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