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Sean Koch

Neustadt-Kinotipps ab 8. Oktober 2026

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Auch in dieser Woche gibt es in den Neustädter Programmkinos wieder einige spannende Neustarts. Wir stellen die Filme vor, die in Thalia und Schauburg neu auf die Leinwand kommen.

Schauburg, Bundesstart: Alte Liebe

Alte Liebe – in der Schauburg

Harry (Joachim Król) ist pensioniert und hat sich seine Tage mit Weizenbier, Gartenarbeit und dem Pflegen seines Rittersporns organisiert. Lore (Dagmar Manzel) hält noch an ihrem Beruf als Bibliothekarin fest, organisiert Lesungen und vergöttert ihre Autoren. Harry nervt Lores Aktionismus, Lore nervt Harrys Gleichmut und seine Selbstgenügsamkeit. Seit Ewigkeiten sind die beiden verheiratet, und obgleich sie sich noch allerhand zu sagen haben, sind die Abnutzungserscheinungen enorm.

Als Tochter Julia wieder einmal (zum dritten Mal) heiraten will, entzündet sich ein heftiger Streit, der schnell über die bevorstehende Hochzeit hinausweist. Alte Eifersucht, jahrzehntelang Unausgesprochenes und unterschiedliche Vorstellungen vom Leben im Ruhestand kommen auf den Tisch. Harry liebt sein beschauliches Leben, Lore will noch mal aufbrechen, vielleicht gar einen Neuanfang. Oder ist es dafür mit über sechzig doch zu spät?

Thalia, Bundesstart: Eine Krankheit wie ein Gedicht

Eine Krankheit wie ein Gedicht – im Thalia

Der Dokumentarfilm »Eine Krankheit wie ein Gedicht« erzählt die Geschichte von Ilićs Vater, der eine »drogeninduzierte, chronifizierte schizoaffektive Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp« hat und deswegen in der Forensik sitzt. Die Filmemacherin wünschte, er würde für immer dort bleiben und keine Gefahr für sich und andere darstellen – besonders nicht für sie. Denn da ist eine Angst in ihr, der sie sich in diesem Film stellt.

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Die Kamera hilft ihr, ein bisschen Abstand zum Geschehen zu entwickeln. Und am Anfang geht es auch nur ums reine Dokumentieren, nicht ums Filmemachen. Es entwickelt sich nach und nach aber ein Film in Zusammenarbeit mit ihrem Vater, nicht über ihn. Vater und Tochter tauschen ein Skizzenbuch aus, füllen Seite für Seite. Ilić überträgt diese Formensprache auf den Film und lässt damit tief blicken, ohne immer viel sagen zu müssen. So mischen sich Angst, Überforderung und Wut alsbald mit Nähe und Akzeptanz, nehmen einen immer größeren Raum ein und spiegeln die Ambivalenz in der Vater-Tochter-Beziehung – inner- und außerhalb der forensischen Psychiatrie. Ilić sagt, sie habe keinen Weg gefunden, mit der Krankheit des Vaters umzugehen. „Ich habe nur gelernt, neben ihr herzulaufen, anstatt vor ihr wegzurennen.“

Schauburg, Bundesstart: Lügen über meine Mutter

Lügen über meine Mutter – in der Schauburg

Der Film zeigt, wie hart es in der westdeutschen Provinz in den 1980er-Jahren für Frauen wie Cornelia (Rosalie Thomass) war. In Elas Familie bestimmt ein einziges Thema den Alltag: das Körpergewicht ihrer Mutter Cornelia. Die schöne und eigentlich selbstbewusste junge Frau gilt als „zu dick“ – jedenfalls aus Sicht ihres Mannes Werner (Golo Euler), der ihr mit zunehmender Vehemenz für alles und jedes, was in seinem Leben nicht nach Wunsch läuft, die Schuld gibt. Ihr Aussehen ist der Grund für seine ausbleibende Beförderung, den zu zähen sozialen Aufstieg, das unzureichende Ansehen im Dorf.

Tag für Tag muss Cornelia Werners Vorwürfe ertragen, die zunehmende Fixierung auf ihr Gewicht, die Stigmatisierung. Tag um Tag erträgt das auch die Tochter Ela, die jahrelang zwischen den elterlichen Stühlen steht und zunehmend vom Vater indoktriniert wird. Sie begleitet die verzweifelten Versuche der Mutter, ihr Gewicht zu reduzieren, die zahllosen Diäten, die demütigenden Kontrollen auf der Waage. Sie ertappt sie auch beim heimlichen Essen. Ela weiß, dass sie auf einem Pulverfass sitzt. Was macht das mit einem Kind, was mit der Beziehung zwischen Mutter und Tochter?

Thalia: Digger

Digger – im Thalia

Digger (Tom Cruise) entert mit bedenklich schütterem Haar und einem Bauchansatz, der eigentlich eine Wampe ist, die Leinwand. Der auf Action abonnierte Mime spielt einen reißerischen Ölbaron, der die Menschheit retten soll, nachdem er eine globale Katastrophe ausgelöst hat. Den Auftrag erhält er vom so aufgebrachten wie aufbrausenden US-Präsidenten (John Goodman). Aber Digger ist eher einer, der Chaos auslöst, statt es unter Kontrolle zu bringen. Cruise spielt keinen unerschrockenen Helden, sondern einen größenwahnsinnigen Machtmenschen.

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Schauburg, Bundesstart: The Social Reckoning

The Social Reckoning – in der Schauburg

Im Mittelpunkt des Films stehen die Ereignisse, die schließlich zur schockierenden Enthüllungsgeschichte „The Facebook Files“ im Wall Street Journal führten.

Es geht um den Reporter Jeff Horwitz (Jeremy Allen White), der sich durch die dunklen Ecken des Konzerns arbeitet, die Facebook-Ingenieurin Frances Haugen (Mikey Madison) und dazu kommt Mark Zuckerberg (Jeremy Strong). Die Enthüllungen, die ans Licht gebracht werden, sind dabei weniger ein klassischer Thriller-Plot als vielmehr die Diagnose einer Gesellschaft, die sich zunehmend von Algorithmen erziehen lässt.

Sorkin macht aus dieser wahren Geschichte ein Sequel, das nicht nur »The Social Network« fortsetzt, sondern gleichzeitig die Frage aufwirft, ob wir irgendwann kollektiv beschließen, das WLAN einfach auszuschalten.

Thalia: Jim Queen

Jim Queen – im Thalia

Das Leben des queeren Fitness-Influencers Jim gerät aus den Fugen, als in Paris die Heterose grassiert – ein mysteriöses Virus, das schwule Männer hetero macht. Als der muskelbepackte Star der ikonischen „Gym Queens“ sich ebenfalls infiziert, wird er auf einen Schlag zum sozialen Außenseiter, dessen einziger verbliebener Follower ausgerechnet der frisch geoutete Twink Lucien ist. Gemeinsam begeben sich die beiden auf die Suche nach einem Heilmittel, um nicht nur Jim zu retten, sondern die gesamte Community vor dem Aussterben zu bewahren …

Mit ihrer Animationskomödie für Erwachsene tauchen die Regisseure Marco Nguyen und Nicolas Athané tief in die queere Gegenwartskultur ein und lassen sich dabei von ihren persönlichen Erfahrungen innerhalb der Pariser LGBTQIA+-Szene inspirieren. Vor pointiertem Humor nur so sprühend, hinterfragt die bissige Satire neben Heteronormativität auch die ungeschriebenen Codes und Ausgrenzungsmechanismen der schwulen Community und macht augenzwinkernd deutlich, wie grau eine Welt ohne Regenbogen wäre.

Schauburg, Bundesstart: Hope

Hope – in der Schauburg

Na Hong-jin hat im koreanischen Kino durch fesselndes Storytelling, akribische Mise-en-scène und meisterhafte Regie immer wieder neue Maßstäbe gesetzt. Nun kehrt er mit seinem lang erwarteten Projekt »Hope« zurück.

In dem abgelegenen südkoreanischen Dorf Hope Harbor werden Polizeipostenleiter Bum-seok und die Polizistin Sung-ae gerufen, um eine mysteriöse Kreatur aufzuspüren, die im Dorf Chaos angerichtet hat. Im nahe gelegenen Wald nimmt ein Jägertrupp um Sung-ki (Zo In-sung) die Verfolgung der Bestie auf, nur um selbst zur Beute zu werden. Doch der Schein trügt. Aus Unwissenheit erwächst eine Katastrophe, die durch menschliche Konflikte zu einer Tragödie kosmischen Ausmaßes eskaliert.

Gedreht wurde der Film in Rumänien, und das gab der südkoreanischen Crew die Möglichkeit, das Fremde direkt zu erleben.

Schauburg, Bundesstart: Mira

Mira – in der Schauburg

Eine kurzweilige Komödie über die ersten Schmetterlingsgefühle erwartet Kinobesucher ab 10 Jahren. Der Film ist flott inszeniert, bedenkliche Schönheitsideale und Anpassungsdruck werden beiläufig thematisiert, animierte Zeichnungen kommentieren die Irrungen und Wirrungen humoristisch. Und das Beste: Die sehr lebendige Hauptdarstellerin wirkt authentisch und hat den Mut zur Selbstironie.

Mira ist zwölf Jahre alt, baut aus Fundstücken kleine Kunstwerke und liebt ihre Freundinnen Naja und Louis. Als die selbstbewusste Beate neu in die Klasse kommt und die Klasse mit ihrem Beauty-Channel und einem geheimen „Liebes-Club“ für sich einnimmt, gerät Miras Welt ins Wanken. Naja wendet sich der Neuen zu, und Mira steht plötzlich draußen. Um wieder dazuzugehören, beschließt sie, sich möglichst schnell zu verlieben – auch wenn das gar nicht zu ihr passt. Kurz vor ihrer Kunstausstellung muss Mira entscheiden: Soll sie sich verbiegen, um Anschluss zu finden, oder zu sich selbst stehen und zeigen, wer sie wirklich ist?

Neustadt-Kinotipps ab 8. Oktober: Freikarten

  • Das Neustadt-Geflüster verlost diese Woche jeweils zwei Freikarten für das Thalia und die Schauburg für die laufende Kinowoche, also bis Mittwoch. Bitte im Ergänzungsfeld den entsprechenden Film und das Filmtheater angeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Verlosung findet Sonntagabend statt.
  • Alle Dresdner Kinos und Filme unter www.kinokalender.com
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Ein Kommentar

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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