Vor gut einem Jahr hat Leonhard Zickler den Tabakladen am Bischofsplatz von seiner Mutter übernommen. Nun wendet sich der neue Inhaber mit einem offenen Brief an die Bewohner*innen der Neustadt und des Hechtviertels. Darin versucht er, einen Neuanfang für das Geschäft zu markieren, das in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel von Protesten und Angriffen geworden ist.

„Mein Laden ist ein Ort, an dem jeder Mensch willkommen ist – unabhängig davon, wie du aussiehst, wen du liebst oder woran du glaubst“, schreibt Zickler in dem Brief (hier als PDF). Er hofft, dass die Menschen in der Nachbarschaft ihm und seinem Team die Chance geben, das zu beweisen.
Die Konflikte um das Geschäft reichen mehrere Jahre zurück. Sie stehen im Zusammenhang mit Leonhard Zicklers Vater Hans-Jürgen Zickler. Der 72-Jährige ist Mitglied der AfD-Landtagsfraktion und Stadtbezirksbeirat in der Neustadt. Er arbeitete selbst mehrere Jahre in dem Geschäft, das damals von seiner Ehefrau, Heike Zickler, geführt wurde.
2019 kam es zu wiederholten Protesten und Ausschreitungen. Unter anderem zog die Demonstration „Kein Viertel für Nazis“ durch die Neustadt. Es gab mehrere Farbanschläge und auch einen Boykottaufruf gegen den Laden. Zuletzt wurde das Geschäft während der Ausschreitungen in der Silvesternacht 2025 angegriffen.
Leonhard Zickler hat diese Auseinandersetzungen aus nächster Nähe erlebt. „Ich bin hier im Viertel aufgewachsen“, erzählt er. Die Ereignisse von 2019 und persönliche Anfeindungen auf der Straße hätten ihn damals stark beschäftigt. Er habe selbst versucht zu vermitteln und das Gespräch gesucht – allerdings ohne Erfolg.

Zickler hatte zunehmend das Gefühl, zwischen Fronten zu stehen, die er sich nicht ausgesucht hatte. Er kehrte dem Hechtviertel und dem Laden den Rücken. Erst Jahre später kam er zurück. Vor gut einem Jahr entschied er sich schließlich, das Geschäft seiner Mutter zu übernehmen. „Als Kind hätte ich mir nie vorstellen können, den Laden einmal selbst zu übernehmen, nach 2019 war dieser Gedanke für mich sogar noch viel absurder“, sagt Zickler. Erst Jahre später, als er seiner Mutter wieder im Laden ausgeholfen hatte, habe er gemerkt, dass ihm die Arbeit hier sehr viel Freude macht und er jeden Tag motiviert und mit einem Lächeln zur Arbeit komme. Das hätte er in vorherigen Anstellungsverhältnissen nie in der Art und Weise verspürt.
Bevor er sein Gesicht öffentlich mit dem Laden und dem Image in Verbindung bringt, wollte er wissen, ob er den Laden wirklich so führen kann, wie er es sich vorstellt. Ob er überhaupt in der Lage ist, selbstständig zu sein, ob er ein Team aufbauen kann, ob die Veränderungen funktionieren und ob sich das Ganze wirtschaftlich trägt. „Jetzt habe ich diese Gewissheit, ich habe ein Team, auf das ich stolz bin, den Laden so gestaltet, wie ich ihn führen möchte, und mit meinem ersten Jahresabschluss habe ich die Sicherheit bekommen, dass die Entscheidung richtig war“, sagt Zickler. Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, sich auch öffentlich als Inhaber vorzustellen.




















