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Poetry Slam in der Groovestation

Es war ein nasskalter März-Mittwoch. Dennoch strömten am Abend Dutzende in die Groovestation. „Einlass: 18.30 Uhr“ stand im Programm. Das wäre sinnvoll gewesen. So musste sich der wie gewöhnlich kurz vor knapp erschienene Autor auf einen der hinteren Plätze zurückziehen. Immerhin saß ich wenigstens am Tresen und die freundliche Kellnerin bediente mich außer der Reihe.

Charmante Gastgeberin: Kaddi Cutz - Foto: Anton Launer
Charmante Gastgeberin: Kaddi Cutz – Foto: Anton Launer

Die Spannung steigt. Im Saal soll es gleich „Geschichten übern Gartenzaun“ geben. Ich schaue mich um: unwahrscheinlich, dass das Publikum die DDR-Fernsehserie aus den frühen 1980ern kennt, immerhin in Dresden in der Hellersiedlung und in Naußlitz gedreht. Gelegentlich zeigt der Mitteldeutsche Rundfunk nachts alte Folgen (zur Not auch bei YouTube).

Aber ich schweife ab, im Hier und Jetzt sitzt ein erwartungsfrohes Publikum, im Schnitt Anfang zwanzig und überwiegend weiblich. Es soll „Poetry Slam“ geboten werden. In meiner Ignoranz hatte ich angenommen, dass das Thema seit dem Aufploppen vor mehr als zehn Jahren inzwischen eher ein Nischendasein führt, doch weit gefehlt: Die Groovestation ist voll.

Vom Nischenformat zum Publikumsmagneten

Die Moderatorin Kaddi Cutz betritt die Bühne und leitet gleich zur ersten Künstlerin über, die klarstellt, dass Mathematikerinnen nicht nur die besseren Feministinnen sind, sondern auch anderen Menschen offenbar in jeder Lebenssituation überlegen. Die Selbstironie ist nicht zu überhören und wird vom Publikum auch entsprechend goutiert.

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„Es muss so 2010 gewesen sein, da hat mich ein Kumpel besucht und erzählt, dass er an einem Slam teilnimmt“, erinnert sich Cutz. Und sie dachte sich: Was der kann, kann ich schon lange, und probierte verschiedene Poetry-Slam-Formate aus. Eigentlich ist Cutz ja hauptberuflich für die Dresdner Neuesten Nachrichten als Redakteurin unterwegs, aber der Slam hat sie nicht losgelassen. Vor allem die von ihr organisierten. „Ich wollte das unbedingt in meinem Lieblingsclub machen“, sagt sie, und so gab es im Juni 2011 die erste Ausgabe von „Geschichten über den Gartenzaun“. Die Idee kam von Ole aka Barrio Katz, der in der Groovestation die Leute zu gedrehten Schallplatten zappeln lässt. „Ich kannte das ja gar nicht“, sagt Cutz, nimmt sich aber vor, mal eine Folge anzusehen.

Seit 15 Jahren eine feste Adresse für Poetry Slam: die Groovestation - Foto: Anton Launer
Seit 15 Jahren eine feste Adresse für Poetry Slam: die Groovestation – Foto: Anton Launer

Wortwitz, Wasser und wilde Pointen

An dem Märzabend hat sich nun Markus aus Chemnitz (der aber jetzt in Leipzig lebt) auf die Bühne begeben, er sinniert mit allerlei Wortwitz über Wasser, dem man wohl nicht das Wasser reichen kann. Was beim beobachtenden alten Mann am Tresen nur ein angestrengtes Schmunzeln auslöst, sorgt beim Publikum für gelöste Heiterkeit. Marten aus Bautzen spricht über Daumen, Schock und Staunen. Ilona über die Nacht und den Schlaf, den sie personifiziert, gipfelnd im Aufruf: „Schläfer aller Länder, vereinigt euch.“ Gut, im Gegensatz zum jugendlichen Publikum könnte sie die Original-Parole tatsächlich noch im „Neuen Deutschland“ gelesen haben.

Dass die Groovestation zum Poetry Slam so voll ist, ist inzwischen eher die Regel. Die Leute lassen sich offenbar auch nicht von 16 Euro Abendkasse abschrecken. „Zum ersten Abend kamen gerade mal 23 Gäste und damals hat es nur 5 Euro gekostet“, erinnert sich Cutz. Großen Gewinn macht sie mit der Veranstaltung inzwischen zwar auch nicht, aber wenigstens sind die Fahrt- und Übernachtungskosten für die Poetinnen und Poeten drin.

Slamt selber nur noch selten - lädt aber alle zwei Monate zu "Geschichten übern Gartenzaun" - Foto: Anton Launer
Slamt selber nur noch selten – lädt aber alle zwei Monate zu „Geschichten übern Gartenzaun“ – Foto: Anton Launer

Auf der Bühne steht jetzt Marc Bobzin, der angehende Lehrer lässt sich über Bäume und Baumkronen aus. Für mich der Höhepunkt des Abends, vor allem wegen des umfangreichen Wortwitzes (den Slam gibt es auch auf YouTube). Dass Poetry Slammer wie Bobzin ihren Vortrag fast im Rapper-Stil oder zumindest melodiös halten, ist aber nicht ausgemacht. „Dafür gibt es keine Vorgaben“, sagt Cutz. Einzig selbstgeschrieben muss es sein und eine gewisse Länge sollte nicht überstiegen werden.

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Nach einer kleinen Pause kommen die Vortragenden zum zweiten Mal auf die Bühne und schließlich darf das Publikum abstimmen. Dafür wurden zu Beginn der Veranstaltung extra Puzzleteilchen ausgegeben. Die dürfen dann in personalisierten Chips-Dosen geworfen werden. Zum Finale treten die beiden Künstler*innen mit den meisten Puzzleteilchen noch einmal im Duell gegeneinander an. Es gewinnt am Ende Markus Winterweiß per Akklamation. Als Preis darf er einen Kaktus mit nach Hause nehmen.

Nächste Slams

  • Mittwoch, 20. Mai und 29. Juli: „Geschichten übern Gartenzaun“ in der Groovestation
  • 23. September: große Jubiläumsfatsche
  • Außerdem sollen noch zwei Alpaka-Slams im September stattfinden, frei nach dem Motto: „Poetisch wandern mit Tier“. Und Cutz wird bei der nächsten Humorzone den zugehörigen Slam moderieren.
  • Termine auf kaddicutz.de

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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