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Wahl des Kulturbürgermeisters

Am Donnerstag will der Stadtrat fünf Bürgermeister*innen neu wählen. Die sogenannten Beigeordneten leiten die Resorts der einzelnen Geschäftsbereiche in der Stadtverwaltung. Insgesamt gibt es sieben Beigeordnete, fünf sollen nun am Donnerstag neu gewählt werden.

  • Beigeordneter für den Geschäftskreis Finanzen, Personal und Recht – Finanzbürgermeister ist aktuell Peter Lahmes von der SPD.
  • Beigeordneter für den Geschäftskreis Ordnung und Sicherheit – Ordnungsbürgermeister und derzeit erster Stellvertreter des Oberbürgermeisters ist aktuell Detlef Sittel (CDU).
  • Beigeordnete für den Geschäftskreis Kultur und Tourismus – Kulturbürgermeisterin ist derzeit Annekatrin Klepsch (Linke).
  • Beigeordneter für den Geschäftskreis Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen – Sozialbürgermeisterin ist derzeit Kristin Klaudia Kaufmann (Linke).
  • Beigeordnete für den Geschäftskreis Umwelt und Kommunalwirtschaft – Umweltbürgermeisterin ist derzeit Eva Jähnigen (Grüne).

Eigentlich wollen alle wiedergewählt werden, aber es gibt verschiedene Umstrukturierungspläne, vor allem vom Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Die Sächsische Zeitung hat die Vorstellungen in einem Artikel gut zusammengefasst.

Annekatrin Klepsch bei der Eröffnung des Filmfests 2020. Foto: Philine
Annekatrin Klepsch bei der Eröffnung des Filmfests 2020. Foto: Philine

Wiederwahl der Kulturbürgermeisterin unsicher

Da nun auch die Wiederwahl der Kulturbürgermeisterin unsicher ist, hat der Geschäftsführer des Societaetstheaters, Heiki Ikkola, eine Stellungnahme abgegeben. Darin heißt es unter anderem: „Der Buschfunk und die Presse vermelden seit Tagen, dass der Oberbürgermeister die Wiederwahl von Annekatrin Klepsch als Kulturbürgermeisterin kritisch sieht und das Ressort Kultur und Tourismus beim Ausgleich der politischen Interessen und Gewichtungen geradezu als Verhandlungsmasse ins Feld geführt wird.“

Das sei fatal und Ikola möchte ein vehementes Plädoyer für Frau Klepsch einlegen. Wenn es hülfe, den Oberbürgermeister hier zum Nach- und Umdenken zu bewegen, würde er sich ihm und dem gesamten Stadtrat buchstäblich vor die Füße werfen.

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Fakt sei, dass Frau Klepsch auf moderierende Weise ein großes Verständnis für die Grundlinie der Stadtführung in die Kultureinrichtungen hineinträgt. Andersherum sehen sich die Kultureinrichtungen, die freiberuflichen Künstler und Kulturarbeiter, die vielen Kulturvereine, die meisten privaten Veranstalter und nicht zuletzt die kunstliebenden Dresdner und Dresdnerinnen bestens durch Frau Klepsch vertreten, so Ikkola, der nicht nur das Societaetstheater leitet, sondern auch im intensiven Austausch mit der Freien Szene steht.

Societaetstheater-Chef Heiki Ikola
Societaetstheater-Chef Heiki Ikola

„In ihrer Amtszeit sind die Interessen zwischen städtischer und sächsischer Kulturpolitik und -verwaltung endlich wieder in den Dialog gekommen und in Einklang gebracht worden. Hier agiert jemand kenntnisreich und ohne Demagogie (was man nicht von allen Stadtpolitikern derselben Partei behaupten kann), ausgleichend und dennoch oft hart in der Sache, nimmt sich selbst weniger wichtig als die Probleme, die es zu lösen gilt“, so Ikola. Ohne die Moderation von Frau Klepsch hätte die Kulturszene dieser Stadt in den Pandemiejahren durchaus gnadenlos zerfallen können.

Auch überregional hochgeschätzt

Er könne aus eigener Erfahrung nur sagen, der Oberbürgermeister, der Stadtrat, ja die Landeshauptstadt Dresden, alle können sich hier auf eine Beigeordnete verlassen, die stets loyal der gesamten Stadtführung gegenüber agiert und kommuniziert – auf dieser Basis seien interne Auseinandersetzungen und fachliche Dispute gut aufgehoben und abgefedert. Für Ikola ist Klepsch eine Kulturbürgermeisterin mit Leib und Seele, mit fachlicher Kompetenz und ganz ohne Skandalisierungsambitionen, zudem sei Frau Klepsch bestens vernetzt, und überregional hochgeschätzt, sei es im Deutschen Städtetag, im Bühnenverein, im Tourismusverband.

Für die Beigeordneten-Wahl im Stadtrat am 11.August 2022 appelliert er an alle Stadträte und den Oberbürgermeister: „Lassen Sie nicht zu, dass Dresden nach dem vielgelobten Jörg Stüdemann im Jahre 2000 nun eine weitere fähige Kulturbürgermeister-Persönlichkeit an eine andere deutsche Großstadt verliert! Geben Sie Frau Klepsch die Chance, die gelungene Arbeit für Kultur und Tourismus fortzuführen und gemeinsam mit allen Beteiligten weiter zu gestalten!“

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13 Bewerbungen

Die Ausschreibung für die fünf Beigeordnetenstellen endete am 17. Juni 2022. Insgesamt haben sich 13 Personen beworben, acht Männer und fünf Frauen. Eine Person bewarb sich auf zwei Stellen. Der Geschäftsbereich Finanzen, Personal und Recht erhielt eine Bewerbung. Für den Geschäftsbereich Ordnung und Sicherheit liegen drei Bewerbungen vor. Jeweils vier Bewerbungen sind für den Geschäftsbereich Kultur und Tourismus sowie Umwelt und Kommunalwirtschaft eingegangen. Der Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen hat zwei Bewerber. Die Fraktionen des Stadtrates können unabhängig von den eingegangen Bewerbungen selbst Vorschläge zur Besetzung einbringen.

Der Stadtrat tagt am Donnerstag, 11. August 2022, 16 Uhr, im Neuen Rathaus, Plenarsaal, Rathausplatz 1. Die Sitzung lässt sich im Livestream verfolgen.

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9 Ergänzungen

  1. Ich habe die Ausführungen von Hilbert zu Fr. Klepsch gelesen und war wütend. Da haben wir in der „Barockstadt“ mal ne Bürgermeisterin , die sowohl Semperoper als auch Gleis 1 versteht. Sein Einwand, ihr fehle das Händchen für Tourismus und deshalb müsse sie weg, ist falsch. Der Zuschnitt der Bereiche ist falsch- Tourismus hat mit Kultur nur schwache Schnittstellen – eine Zuordnung zum Wirtschaftsektor würde sein angebliches Problem lösen. Vielleicht stört ihn eher ihre starke Verankerung und Beliebtheit? Ich sehe eher die unselige Festlegung; BEIGEORDNETE statt BÜRGERMEISTER als Dresdner Hauptproblem. Dieses Konstrukt fördert Alleinherrscherallüren, wie jetzt leider zu erleben ist. Die unselige Mauschelei mit den Parteizugehörigkeiten verstärkt das Dilemma noch.

  2. Ich habe nicht Herrn Hilbert gewählt muss ihn hier aber mal beipflichten.
    Frau Klepsch hat mit der Entlassung von Thielemann als Chefdirigent der Staatskappelle und der angekündigten Reform der Semperoper ins digitale Zeitalter für Entsetzen in der Klassikwelt gesorgt. Tradition unter dem Vorwand von „wir müssen auch mal was wagen“ und „für Neues offen sein“ mit Füßen zu treten und für immer zerstören zu wollen ist definitiv nicht der richtige Weg. Die Staatskappelle ist eines der ältesten, traditionsreichsten und bekanntesten Orchester der Welt.
    Ebenso bleibt bei mir und anderen Kulturbegeisterten in Erinnerung die von Klepsch 2016 verordnete Kürzung des Etats von jährlich 250.000 Euro weniger für die Dresdner Sinfonie, was eine Kündigung des international renommierten Chefdirigenten Sanderling zur Folge hatte.
    Habt Ihr das alles wieder vergessen?
    Sanderling: „offensichtlich mangelnde Wertschätzung der Kulturverantwortlichen Dresdens“
    Das diese Person „Auch überregional hochgeschätzt“ sein soll, ist schlicht eine falsche Behauptung. Überregionale kritische Abhandlungen (nicht die Sächsische Zeitung oder andere deutsche Nachplabbermedien) zum Entlassungsskandal Thielemanns, zur Etatkürzung und über die Modernisierungspläne der Semperoper von Frau Klepsch gibt es zu Genüge. Über Dresden wundert man sich einfach nur. Aber der Ruf ist eh ruiniert.
    Und das Herrn Ikolas nicht in die Hand beißt, die ihn füttert, sollte nicht unbeachtet bleiben. Es spielen immer auch verschieden Eigeninteressen eine Rolle.

  3. Hallo F. Sellmann, mit der Semperoper und der Staatskapelle hat die Dresdner Kulturbürgermeisterin so eher gar nichts zu tun. Für die Umsteuerung der Semperoper hat sich die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch ausgesprochen (gleicher Nachname, ganz andere Person und ganz andere Partei und ganz anderes Amt).

    Und ob die Kulturbürgermeisterin auf die Stadtratsentscheidung von 2016 wirklich Einfluss hatte, sei mal dahin gestellt. Erhellender Bericht dazu im Deutschlandfunk.

    Dass Heiki Ikola sich so klar äußert, ist eigentlich aus strategischer Sicht eher ungünstig, da ja die Zeichen dafür stehen, dass es einen neuen Kulturbürgermeister bzw. eine neue Kulturbürgermeisterin geben wird. Aus Eigeninteresse hätte er sich wohl besser zurück gehalten.

  4. @Anton
    Ohja Du hast recht. Ich bitte um Entschuldigung. Da ist mir in der Empörung ein dicker Patzer unterlaufen. Wie kann man auch nur den selben Nachnamen haben….
    Ja die „Neuorientierung“ der Semperoper und die Kündigung von Thielemann geht auf des Konto von Barbara Klepsch.
    Diese Barbara sorgt wirklich für Ärger.
    Ein gewisse Ähnlichkeit haben die Damen aber schon.
    Zur Übersicht
    Sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU)
    Dresdner Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke)

    Zum SZ-Artikel
    Frau Klepsch wird nicht erwähnt aber es ist klar das ihrer Stimme im Stadtrat als Kulturbürgermeisterin auch Parteien folgten mit ähnlicher politischer Agenda. Die waren damals ja in der Überzahl.
    Und Herr Sanderling dazu z.B:
    https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/michael-sanderling-dresdner-philharmonie-vertrag-100.html
    Zu den naja erhellenden anderen „Fakten“:
    Zitat: „darüber wird in Dresden derzeit heftig spekuliert. Vermutungen kursieren…“ lassen wir mal so stehen. Journalismus alla Deutschlandfunk. Danach verflüchtete sich die heiße Luft still und leise wie üblich im ÖR-Journalistenhimmel.
    Aber ich weiß, ich sollte ganz demütig sein, ich war ja auch nicht besser.

  5. Tja, Herr Sellmann, und genau deshalb leeren sich die Opernhäuser überall. Die reaktionären Gralshüter springen sofort aus den Polstersitzen hoch, kratzt man am elitären Selbstverständnis. Das gab es in Bayreuth und dass es in Dresden, mit all seinen Spießbürgern, ähnlich läuft, wundert mich nicht. Es ist schon ein sehr spezieller Menschenschlag, der glaubt Dresden und seinen Kulturmief verteidigen zu müssen.
    Diese Stadt tritt an ganz vielen Stellen kulturell auf der Stelle, unfähig sich zu öffnen und die Betonköpfe an den Schalthebeln zu ersetzen.

  6. Warum geht der Stadtrats-Livestream nicht, wollen die uns die Farce etwa vorenthalten? Seit 16uhr ist Öffentliche Sitzung, jetzt ist 17uhr!

    Würde mich auch nicht wundern, wenn auch der dicke Dirk der Klepsch’schen Vertäuschung unterlöge…

  7. 18 Uhr: Livestream geht immer noch nicht! Was ist da los?
    Wollte mich gerne mal wieder über den Stadtrat samt OB belustigen…

  8. @Someone Else
    Das elitäre Gehabe von Bayreuth kannst Du bei besten Willen nicht mit Dresden gleichsetzen. Und „Es ist schon ein sehr spezieller Menschenschlag, der glaubt Dresden und seinen Kulturmief verteidigen zu müssen.“ Neues Totschlagargument oder neues N-Wortalternative? Dieses Muster ist doch durchschaubar und mittlerweile nicht mehr originell.
    Ist ja wohl klar, wer nicht mit dem Zeitgeist geht ist ein … und reaktionäres … Muss man immer gleich so persönlich werden?

    Nein ich bin nicht gegen Neues aber gegen die Vernichtung und Verleugnung von traditionellem Kulturgut. Ich bin auch im Schallplattengeschäft tätig und weltweit verkaufen sich Aufzeichnungen der Staatskapelle und Dresdener Sinfonie im Vergleich zu anderen Orchestern immer noch ausgezeichnet und sogar ansteigend. Nur deutsche Käufer interessieren sich selten für diesen „Kulturmief“. Seis drum.
    Ich bin im regen Austausch mit asiatischen Sammlern und Fans. Die Begeisterung über unsere europäische Kultur ist sehr groß und völlig frei von irgendwelchen politischen Ressentiment. Japaner, Chinesen oder Südkoreaner wohnen in 25qm Wohnungen und investieren 20.000 Euro in ihre Musikanlage die zwischen Bett und Spüle steht. Für sie ist der Genuss europäischer Klassikmusik das Schönste auf der Welt. Sie hören aber nur die Musik und deren Qualität. Sie sind völlig befreit vom Zeitgeistgeschwurbel in den Medien und irgendwelchen Miesmachern die nur ihre woken Kellerpartys als das gute Leben und Tradition als reaktionär bezeichnen.
    Diese künstliche Abwertung kommt doch von denen, die am wenigsten dazu beigetragen haben und diese machen Künstler schlecht, die sich schon lange nicht mehr wehren können, nur um sich selbst dabei aufzuwerten.

    Es liegt nicht nur am Programm selbst wenn keiner hingeht sondern an der Art wie das Programm dem potentiellen Publikum schmackhaft gemacht wird. Dafür sind doch die Verantwortlichen da.
    Wenn der Zeitgeist (Wer ihn gestaltet ist jetzt eine anderes Thema) aber Tradition als verwerflich ansieht wird es schwierig. Von einem Tag auf den anderen ist eine Kunst oder ein Künstler nicht woke genug und mit Boykott und großen Sprüchen auf Twitter kann jeder sein +Konto auffüllen.

    Bitte nicht falsch verstehen, ich bin mir sicher, das im Jahr 2022 eine klimaneutrale und LGBT-freundliche Technoreihe in der Semperoper bestimmt für eine ausverkaufte Saison sorgen wird. Oder ein ganzen Monat Roland Kaiser. Kein Thema, aber das wäre aber auch anspruchslos. Genau das ist doch der springende Punkt.
    Es ist nun mal ein Frage der Bildung, ob man Bach oder Wagner wertschätzen kann oder nicht. Spotify, Joko&Klaas und Instagram sind da nicht hilfreich. Und es ist eben und genau darum geht es ja eine Frage der Kulturverantwortlichen die Tradition zu erhalten, nicht zu zerstören. Neues aber selbstverständlich zu ergänzen und zu fördern. Überhaupt nix dagegen. Immer her damit!

    Und Herr oder Frau Someone Else, ohne den ganzen traditionellen „Kulturmief“ in Dresden würdest Du jetzt in einer Stadtarchitektur, Kultur- und Museumslandschaft wie in Bitterfeld oder Eisenhüttenstadt leben. Mit allem was dazugehört. Sei froh das Du hier leben und agieren darfst.
    Sooo schlecht isses hier nicht. :)

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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