Mit Gefühl beschnitten

Die Eröffnung des Hofbarbiers auf der Görlitzer Straße führte hier beim Neustadt-Geflüster gleich zu einer riesigen Diskussion, die von Mandy und michaela hübsch angefeuert wurde. Damit stand für mich der nächste Test fest. An einem Sonnabend schneie ich einfach in den Laden rein und hoffe auf ein freies Stühlchen.

Der Hofbarbier ist ganz neu auf der Görlitzer Straße.
Der Hofbarbier ist ganz neu auf der Görlitzer Straße. Anklicken zum Vergrößern.
Mit strahlendem Lächeln werde ich begrüßt. Meine schüchterne Frage: „Haare schneiden, jetzt?“ wird positiv beschieden. Wenig später sitze ich im Stuhl vor einem Spiegel, bekomme einen Espresso gereicht und darf mich über die künftige Haarlänge unterhalten. „So kurz es eben mit der Schere noch geht“. erkläre ich und Elisa, so heißt die Haarabschneiderin, nickt verständnisvoll.

Auf geht’s zum Waschen. Ganz langsam massiert sie meinen Kopf. Ich schließe die Augen und beginne zu träumen, von Kaisern und Königen, feschen Prinzessinnen und Hofbällen. Ich muss blinzeln, da sehe ich vor mir einen riesigen Kronleuchter. Träum ich oder wach ich. Augen auf! Na, so riesig ist er nun auch nicht, sieht eher etwas grazil aus. Die Massage ist vorbei, mir wird ein Handtuch um den Kopf geschlagen. Auf zum Schneiden. Die Friseurin strahlt schon wieder, schnippelt an mir herum, wir plaudern. Aus Kamenz kommt sie und der Hofbarbier sei ganz neu und dass hier mal eine Kneipe drin gewesen sein soll, kann sie sich nicht vorstellen. Und bei all der Plauderei lächelt sie so zauberhaft. Mir fällt auf, dass sie gar keine typische Friseurinnen-Frisur hat, keine Strähnchen in Pink. Toll!

Nach einer halben Stunde sind die Haare ab, ich bin zufrieden. Dann kommt die Standard-Frage, die nach dem Gel. Schade, ich warte immer noch auf den Friseur, der erkennt, dass ich definitiv kein Gel-Typ bin. An der Kasse darf ich 23,50 Euro bezahlen. Im Vergleich zu meinem letzten Besuch ist das eine ordentliche Stange Geld. Doch es tut mir um keinen Cent leid. Beim Hinausgehen entecke ich auch den Stuhl, der mich einst vermuten ließ, dass hier eine Zahnarztpraxis reinkommen soll. Er wird für kosmetische Behandlungen genutzt, Massagen gibt es auch.

Nach dem Schnitt im Hauseingang.
Nach dem Schnitt im Hauseingang. Anklicken zum Vergrößern.

  • Fazit: Der Hofbarbier ist deutlich besser als man es aufgrund der Werbung in den Kommentaren anlässlich der Eröffnung vermuten konnte. Herrenschnitt mit Waschen: 23,50 Euro.

Nachtrag: Den Hofbarbier gibt es nicht mehr.


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28 Kommentare zu “Mit Gefühl beschnitten

  1. Beschneidungen werden da auch durchgeführt? Na dann herzlichen Glückwunsch, dann bist du ja jetzt ein richtiger Mann

  2. aber der bart ist doch noch dran? wird denn auch rasieren angeboten? also was das wort „barbier“ vermuten laesst?

  3. @ susi.
    3, 82 Stundenlohn beträgt der tarifliche stundenlohn für gesellen der branche in sachsen, in brandenburg liegt er für ausgelernte noch tiefer.

    ein männerhaarschnitt unter 15 euro ist unterstützung von lohndumping und dann sollte man sich fragen ob man der friseurin noch mit gutem gewissen in die augen schauen kann.

  4. Aber 23,50 EUR für so paar Haare (tschuldigung) ist schon ganz schön teuer.. Was bezahlt man da als Mann, wenn man viele Haare auf dem Kopf hat? Genau so viel oder doch mehr?

  5. Natürlich zahlen die das selbe: es darf doch niemand nur wegen seiner vielen oder wenige Haare diskriminiert werden. ;)

  6. Na gut,immerhin bekommt man für sein schwer verdientes Geld eine königliche Behandlung. :o) Ob die aus Suchen oder Finden besteht, ist egal. Mühe macht beides. Man fühlt sich in dem Laden wohl. Das ist die Hauptsache.

  7. @E-Haller
    vielleicht die Haarschneideintervalle verlängern um so mal den Anton etwas Subvention zukommen zu lassen. Es wäre auch denkbar, die Quote auf 1 Vielhaarträger und 2 Wenighaarträger gesetzlich festzulegen…

  8. wenn noch jemand an der Spendenaktion für unseren „Modi“ teilnehmen möchte ?? Aktion “ kein Aprilscherz“ läuft noch…(viell etwas für den nächsten Haarschnitt) , lieben Dank und ein angenehmes Osterfest,lg

  9. Und nächstes Mal ab in die „fönbar“ auf der Schönbrunnstr. 6! Bei Franzi! Ich leg meine Hand für sie ins Feuer!

  10. Also bei deinen kurzen und doch recht wenigen Haaren kann man beim schneiden ja nicht viel falsch machen. Ich sehe gar keinen Unterschied zwischen den beiden Fotos. Also 23,50 € würde ich nicht dafür bezahlen. Trotzdem danke für den Test.

  11. Bin gerade bei einer Suche über diesen Blogeintrag gestolpert, dessen Schlagzeile sich angesichts der momentanen Debatte ja doch ganz anders liest! ;-)

  12. Und wenn schon da gibts in der Neustadt auch andere friseure die schonmal insolvent waren und die gibts immernoch! Mir hat auch mal einer erzählt das der Friseur neben Konsum, weiß nicht wie der heißt, auch insolvent war und den gibts auch schon seit Jahren, was mich bei dem qualitätsnachlass der letzten Jahre echt wundert!

  13. Sachen wie Insolvenz kann man aber schon diskreter behandeln, oder?! Sowas gehört hier nicht rein und ist obendrein mies.

  14. Hallo, ich bin gestern dort lang und scheint schon wieder geschlossen zu sein? Ein Schild *aus betrieblichen gründen geschlossen* hängt aus und gerüchterweise soll der laden komplett zu sein. weiss jemand was?

  15. Wenn er denn insolvent ist – weiß jemand, wo die Friseurinnen jetzt hin sind? Bin da Stammkunde gewesen und möchte gern meine Haare in die gleichen Hände geben wie bisher…

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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