„Trotzdem“-Streik – Stellungnahme der Chefin

Kneipe "Trotzdem" auf der Alaunstraße

Kneipe „Trotzdem“ auf der Alaunstraße

Nach der Streikankündigung der Basisgewerkschaft Nahrung und Gastronomie (BNG FAU) für die Kneipe „Trotzdem“ hat die Inhaberin heute reagiert. In einem offenen Brief an die Gewerkschaft teilt sie ihre Sicht auf die Dinge mit. Darin heißt es unter anderem: „Die Kellner der Kneipe „Trotzdem“ wurden fristgemäß gekündigt, weil es in der Kneipe seit über einem halben Jahr zu fortgesetzten Diebstählen in einem Umfang kam, der für uns wirtschaftlich nicht länger tragbar ist (Diebstahl außerhalb der Öffnungszeiten im Lager, also verschlossen und nur zugänglich für Kellner).

Da wir leider den oder die Täter nicht feststellen konnten, haben wir uns gezwungen gesehen, die gesamte Crew zu entlassen. Die Kündigungen geschahen in langen persönlichen Gesprächen, in denen alle Kellner Verständnis für unsere Situation gezeigt haben. Wir haben in den Gesprächen deutlich gemacht, dass wir es sehr bedauern, mit diesen Kündigungen auch Unschuldige zu treffen.“ Unterzeichnet ist der Brief von Johanna Kalex (Inhaberin des „Trotzdem“) und ihrem in der Kneipe mithelfenden Ehemann Steffen Otto.

Inzwischen hat auch die Gewerkschaft eine weitere Pressemeldung veröffentlicht. Darin wird geschildert, dass eine Kollegin der BNG-FAU von der Chefin beurlaubt und ihre Kündigung auf den 28. Februar vorverlegt wurde. Dies sei nach Ansicht der Gewerkschaft eine Aussperrung und eine Eskalation der Lage. Die von der Inhaberin angeführten Kündigungsgründe bezeichnet die Gewerkschaft als willkürlich.

Gestern Abend hatte die Kneipe geschlossen, ob heute geöffnet wird, stand zur Stunde noch nicht fest. Die Gewerkschaft will auf jeden Fall um 20 Uhr einen Streikposten besetzen. Mit dem Streik soll durchgesetzt werden, dass die Kündigungen zurück genommen werden. Außerdem besteht die FAU-Betriebsgruppe auf einem Hausvertrag.

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188 Kommentare für “„Trotzdem“-Streik – Stellungnahme der Chefin

  1. struvko
    1. Februar 2014 um 18:56

    Unglaublich, die ehemals achso linke und alternative Johanna ^^

  2. Al
    1. Februar 2014 um 18:56

    Ich vermisse einen Link auf den gesamten Text des offenen Briefes.

    • 1. Februar 2014 um 19:01

      @Al: Ich wollte nicht den ganzen Brief in den Artikel nehmen, aber vielmehr war es auch nicht. Aber lies selbst:

      Stellungnahme
      Die Kellner der Kneipe „Trotzdem“ wurden fristgemäß gekündigt, weil es in der Kneipe seit über einem halben Jahr (aktenkundig) zu fortgesetzten Diebstälen in einem Umfang kam, der für uns wirtschaftlich nicht länger tragbar ist (Diebstahl außerhalb der Öffnungszeiten im Lager, also verschlossen und nur zugänglich für Kellner). Ein weiteres Abfedern der Diebstähle unsererseits wäre nicht möglich gewesen. Wir haben über ein halbes Jahr versucht, den Täter zu ermitteln. Wären diese Bemühungen erfolgreich gewesen, hätten wir sehr gern mit den anderen weitergearbeitet. Da wir leider den oder die Täter nicht feststellen konnten, haben wir uns gezwungen gesehen, die gesammt Crew zu entlassen. Die Kündigungen geschahen in langen persönlichen Gesprächen, in denen alle Kellner Verständnis für unsere Situation gezeigt haben. Wir haben in den Gesprächen deutlich gemacht, daß wir es sehr bedauern, mit diesen Kündigungen auch Unschuldige zu treffen. Dies hätte vermieden werden können, wenn wir den Dieb hätten feststellen können.
      Johanna Kalex (Inhaberin des „Trotzdem“) und Steffen Otto

  3. Alaune
    1. Februar 2014 um 19:08

    Egal ob alternativ oder links….. Diebstahl ist nun mal geschäftschädigend und
    absolut indiskutabel!

  4. 1. Februar 2014 um 19:20

    @struvko: Als Linke(r) hat man wohl die Pflicht, sich bestehlen zu lassen? Quasi Vergemeinschaftung von Privateigentum. Super Idee. Schaffst Du bitte den Kapitalismus ab, dann mache ich sofort mit.

  5. Borstel
    1. Februar 2014 um 19:39

    Oh nein -.-
    Das ist wirklich ärgerlich. Klauen ist echt kacke, vor allem wenn man sich auch noch untereinander kennt!
    Wie sollen wir ohne den Sonntagsfilm morgen im Trotzdem nur das Wochenende ausklingen lassen? :(
    Hoffentlich findet sich bald eine Lösung, viel Glück!

  6. GCF
    1. Februar 2014 um 19:54

    Sippenhaft als Lösung für Probleme mit Diebstahl … super Idee, hat sich schon immer bewährt.

  7. struvko
    1. Februar 2014 um 19:55

    @undergroundnoises: Natürlich steht Privateigentum unter Schutz, aber da sich die Inhaberin immer noch als „Anarchistin“ bezeichnet, sollte sie damit umgehen können oder einfach dazu stehen, dass sie eine ganz normale Geschäftsfrau geworden ist, die eine politisch linke Einstellung hat. Was ich persönlich übrigens nicht verwerflich finde, dass man als Geschäftsmensch durchs Leben geht, aber man sollte auch dazu stehen und keine hohlen Phrasen dreschen.

  8. Timo
    1. Februar 2014 um 20:23

    Das sieht mir schwer nach einem Legitimationskonstrukt aus. Und trotzdem geht das nach hinten los. Ein einzelner begeht Diebstähle, kann aber in einem halbe Jahr nicht ermittelt werden, woraufhin man die ganze Crew feuert. Geht’s noch? Mit dieser Stellungnahme hat sich die Inhaberin doch eher selbst diskreditiert.

  9. Mili
    1. Februar 2014 um 20:32

    Hallo, hallo!?

    Dass es Diebstähle gab, ist hier eine reine Behauptung. Nicht mehr, nicht weniger.

  10. ach nee
    1. Februar 2014 um 20:37

    jetzt kommen sie mit diebstahl, echt ne miese nummer. ein halbes jahr und wieviel schlüssel sind im umlauf ? haha.

    ich geh da nicht mehr hin.

  11. Aftershow
    1. Februar 2014 um 21:01

    Wer den Laden und Johanna wirklich kennt, weiß, dass sie weder haltlose Behauptungen aufstellt, noch jemandem mutmaßlich Schaden zufügen würde, es sei denn ihre eigene Existenz hängt davon ab. Denn so ist es nun mal, wenn die eigne Kneipe fortwährend bestohlen wird und die Kasse nie stimmt.
    Dass den Kellnern daraufhin gekündigt wird ist vielleicht nicht die beste Lösung und für die betroffenen sicherlich richtig beschissen.
    Aber die Gegenaktionen, die derzeit laufen sind unglaublich mies. Mit meinem gesunden Menschenverstand bezeichne ich das als Rufmord, Verleumdung und Unterstellung falscher Tatsachen.
    Ihr macht damit den Laden tatsächlich kaputt.

  12. manacerace
    1. Februar 2014 um 21:15

    das verhalten der „streikposten“ ist absolut geschäfts- und rufschädigend. so wird eine existenz ruiniert die sich jemand mit viel arbeit und verantwortung aufgebaut hat.

    als langjährige stammkundin kenne ich johanna nur als faire chefin. zu den sachverhälnissen kann ich mich nicht äußern, da ich diese nicht im einzelnen kenne und nichts von „hörensagen“ halte.
    aber falls es mißverständnisse gibt, sollten diese sicherlich auf eine andere art geklärt werden als so.
    und die forderung „Übergabe des Betriebes zwecks Umwandlung in einen Kollektivbetrieb unter monatlicher Zahlung an die dann ehemalige Chefin“ ist eine absolute frechheit. baut euch doch selber was auf anstatt es von anderen zu stehlen.

  13. Andreas
    1. Februar 2014 um 21:27

    „Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr rauszuholen“ (alte sozialistische Weisheit)
    :D

  14. Kira
    1. Februar 2014 um 21:39

    Stichwort aktenkundig, wiederholt, abgeschlossenes Lager. Die Alternative wäre eine Videoüberwachung des Lagers gewesen. Worauf wahrscheinlich die Hölle losgebrochen wäre. Ich bezweifele keineswegs, dass Johanna hier die Wahrheit sagt. Warum sollte sie sich denn sonst bitte die Mühe machen? Weil sie ihre komplette Crew auf einmal nicht mehr abkann?
    Ich hoffe nur der hier entstandene Imageschaden für sie und das trotzdem hält sich in Grenzen.

  15. Timo
    1. Februar 2014 um 22:04

    Auch hier noch für diejenigen, die nicht richtig lesen (@manacerace): Es gibt keine Forderung nach Betriebsübergabe, die Forderung ist ein schlichter Haustarifvertrag. Nicht mehr. Die Übergabe ist ein zusätzliches Angebot. Ist es denn wirklich so frech, seinem Chef vorzuschlagen, den Laden quasi abzukaufen (gegen monatliche Abzahlungen)? Wenn du mit jemandem über das Leasing eines Autos verhandeln möchtest, stiehlst du ihm doch auch nichts. Also bitte, das ist doch unnötige Theatralisierung.

  16. sylvia
    1. Februar 2014 um 23:21

    Dein Vergleich würde stimmen, Timo, wenn mehrere Leasingnehmer den Betrieb erwerben möchten, weil ihnen bestimmte Konditionen des Leasingvertrages nicht passen oder er ihnen gar gekündigt würde…

  17. Angie
    1. Februar 2014 um 23:34

    @ Timo-ja es ist frech und anmaßend!
    Johanna wird ihre Gründe haben, um so einen radikalen Schritt/Schnitt durchzuziehen, schließlich ist es schwierig gutes Personal zu finden, gelle…(in dem Falle makaber)

  18. Aftershow
    1. Februar 2014 um 23:57

    @Timo
    Bau dir selbst einen Laden auf. Es gibt keinen Grund an Johanna und dem Trotzdem ein Exempel zu statuieren. Und statt sie an den Pranger zu stellen, solltet ihr mal überlegen was ihr eigentlich erreichen wollt? Meint ihr allen Ernstes, dass ihr mit diesem Haustarifvertrag nach dieser Aktion wieder frisch und fröhlich im Trotzdem arbeiten könnt? Mit Sicherheit nicht. Und ich hoffe, dass Johanna stark bleibt euch den Laden auch nicht überlässt. Das wäre das sichere Ende.
    Und jetzt zu eurem Szenario, welches ihr als Mahnwache betitelt:
    Ein Mob Leute steht vor der Wohnung einer Frau und gröhlt, sie solle sich doch zeigen und Stellung beziehen. Großartig. In welcher Zeit leben wir noch mal?
    Die Forderungen, die ganze Aufmachung von eurem Pamphlet sind schlicht und ergreifend dreist und häßlich. An einem Haustarifvertrag ist nichts auszusetzen. Wenn ihr nur das wollt, warum schreibt ihr dann den ganzen anderen Müll?
    Und dann kannst du doch eine Kneipe, die seit über 10 Jahren erfolgreich geführt und gestaltet wird nicht mit einem Fließbandwagen vergleichen, dessen Wert weder materiell noch emotional irgendeine Bedeutung trägt (es sei denn ein „Auto“ hat so viel Wert für dich???).
    Um es kurz zu sagen: JA es ist frech. Und unnötig.

  19. ex-gast
    2. Februar 2014 um 00:09

    Sippenhaft ist ja wohl das aller letzte!
    Aber die Seilschaften in der Neustadt scheinen sehr gut zu funktionieren. Die Chefin wäre nicht die erste die versucht die Gewerkschaft mit Behauptungen wie ‚Diebstahl‘ los zu werden. Erinnert sei nur an den Fall Emely!

    Falls Kollegen und Kolleginnen der BNG hier mitlesen:

    Bitte macht weiter!

  20. Pery
    2. Februar 2014 um 00:48

    Die Gastronomin hat meine vollste Unterstützung als Selbsständiger und Hobbygsastronom.
    Diebisches unfähiges geschäftsschädigendes Personal welches sich zurück in die Arbeit erpressen will gehört in die Langzeitarbeitslosigkeit oder in eine Bar von ******

  21. Markus
    2. Februar 2014 um 01:00

    Gibt es Beweise für die Behauptungen? Ich find den Versuch die Kündigungen auf diese Art und Weise zu legitimieren echt bitter. Das klingt mir eher nach Verleumdung.

    Für mich ist der Laden zumindest mit der derzeitigen Chefin gestorben …

  22. Blumenkraft
    2. Februar 2014 um 01:06

    @Timo
    „Außerdem fordern wir… oder aber die Übergabe des Betriebes Zwecks Umwandlung in einen Kollektivbetrieb“
    Quelle: http://trotzdemunbequem.blogsport.de/images/Argumentationspapier1.pdf
    Wenn man zum formulieren kein Geschick hat sollte man wenigstens dazu stehen und nicht anfangen es an jeder Ecke zu dementieren.
    Hoffentlich macht die Bude heut wieder auf, ich hab schon Bierdurst.

  23. manacerace
    2. Februar 2014 um 01:19

    @timo
    das wollte ich auch gerade sagen. bleibt mir nur noch: ich will das trotzdem wieder!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  24. 2. Februar 2014 um 01:19

    Falls tatsächlich gestohlen worden sein sollte, was ja keineswegs nachgewiesen, sondern bis zum Beweiß erst mal nur eine reine Behauptung der Chefin ist, hätte diese den angeblichen Diebstählen ja schnell einen Riegel vorschieben können, indem sie selbst den Zugang zum Lager reguliert hätte. Mit einem Wort: alle Lagerschlüssel einsammeln und sich in der Folge selbst um das auffüllen der Kühlschränke usw zu kümmern!
    Da sie in sechs (!) Monaten nicht auf diese einfache Idee gekommen ist, gehe ich mal schwer davon aus, das ihr eher um den „Emelie“-Effekt geht.

    Die Forderung nach Rücknahme der der Kündigungen und nach einem Haustarifvertrag sind auf jeden Fall mehr als berechtigt! Es ist schön zu sehen, das nicht nur „irgendwo auf der Welt“, sondern auch hier, mitten im Herzen der Bestie, sich Arbeiter*innen finden, die den Mut und die Kraft aufbringen sich zu wehren, anstatt in Agonie zu versinken.

  25. ValiW
    2. Februar 2014 um 02:06

    also ich kenn weder die Kellner, noch die Cheffin und will keinen in Schutz nehmen, aber warum macht eigentlich niemand nen Vorschlag, wie sich die Cheffin denn besser Verhalten haben könnte?
    Und davon abgesehen: Welcher Kellner möchte in nem Betrieb arbeiten, in dem das Vertrauensverhältnis so gestört ist…irgendwie blick ich die Forderungen nicht…

  26. Alauner
    2. Februar 2014 um 02:31

    Was bitte soll an den Kündigungen so schlimm sein? Als Arbeitnehmer will man ja auch kündigen können ohne dass dann der Arbeitgeber vor der Wohnung streikt.

  27. Letzter Kunde
    2. Februar 2014 um 03:35

    Kann sich die Debatte bitte mal wieder ein Stück versachlichen? Passiert ist doch folgendes: Die Kolleg_innen halten ihre Kündigungen für moralisch ungerechtfertigt da es ihrer Meinung nach eine Reihe anderer Optionen gegeben hätte. Die Chefin präsentiert abwechselnde Gründe für die Kündigung was die Kolleg_innen an der Glaubwürdigkeit zweifeln lässt. Sie äußern dies und kündigen Protest dagegen an, sollte sich es die Chefin sich nicht noch einmal überlegen. Sie fordern außerdem einen Haustarifvertrag, ihr gesetzliches Recht (nach dem hier immer so viel gerufen wird), schließlich sind sie noch Mitarbeiter_innen des Betriebes. Alternativ melden sie Interesse an den Betrieb – völlig normal und legal – gegen Zahlung zu übernehmen. Sie reagiert darauf mit der Verkürzung der Kündigungen auf einen Monat (den kürzesten des Jahres). Die Kellner_innen treten nun in den Streik für einen Haustarifvertrag – ihr Recht als Gewerkschaftsmitglieder im Betrieb. Außerdem erklären sie Kund_innen ihre Sichtweise auf den Konflikt mit Flugblättern und bei der Diskussion am Streikposten. Soweit erstmal dazu. Die aktuelle Stellungnahme ist sicher ein weiteres Feld. Am Arbeitskampf selbst erkenn ich aber weder Rufmord, noch Nötigung oder gar Erpressung. Ich sehe einen Konflikt der sich gerade ungünstig hochschauckelt und eine Gewerkschaft die macht was sie verdammt noch mal soll: ihre Mitglieder und deren Interessen schützen.

  28. Hendrik
    2. Februar 2014 um 03:37

    Meine These nach dem Lesen aller verfügbarer Informationen (aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und zur Fortsetzung der belustigenden Diskussion mal ohne detaillierte Begründung):

    Wenn man eins und eins zusammenzählt, haben sich alle drei Kellner bedient, vulgo geklaut.

    Ein solcher massiver Vertrauensmissbrauch ist immer auch ein Managementfehler. Scheint mir auch ein Fehler im System, vielleicht auch begründet in der Sozialisierung der Kneipe und der Inhaberin. Begründungen wollte ich mir ja an dieser Stelle sowieso sparen. :-)

    Nehmen wir also mal an, die Inhaberin hätte Recht. Es wird massiv und existenzbedrohend geklaut. Dann wird die Kneipe irgendwann ohne Gegenmaßnahmen aus Konkursgründen schließen. Müssen. Insofern wird dem finalen crash aus Verzweiflung nur vorgegriffen.

    Verzweiflung heisst auch, aus Unternehmersicht mit der gleichzeitigen Entlassung der drei Kollegen und den geschilderten Konsequenzen sehr ungeschickt vorgegangen zu sein.

    Nehmen wir mal an, nur einer hat geklaut und die Anderen werden in Sippenhaft genommen. Warum hat die Inhaberin den Übeltäter nicht gestellt? Weil es da enge Grenzen gibt und z.B. eine Videoüberwachung zwar im öffentlichen Raum durch die Polizei, aber nicht die Einschränkung der Privatsphäre durch Unternehmer möglich ist.

    Nehmen wir mal an, der „einzelne Dieb“ wäre die absolute Wahrheit. Würde einer der zwei Anderen mit einem zweifellosen, aber nicht festgestellten Dieb eine Kneipe „übernehmen“? Never!

    Nehmen wir mal an, die Forderung nach einem Haustarifvertrag wäre war. Warum gerade jetzt nach der „gemeinsamen“ Kündigung und nicht eher? Warum schaltet man jetzt eine obskure Gewerkschaft ein? Mit grotesken Forderungen vs. Angeboten einer „Kollektivierung“?

    Ich lach mich tot. Warum hat das team in einem Kollektiv nicht den Übeltäter selbst gestellt? Wegen dem eigenen Arbeitsplatz und so…

    Ihr Theoretiker. In diesen Bereichen geht es meist nicht Arbeitnehmer gegen Arbeitgeber. Meist verdient der sogenannte Arbeitgeber weniger als der Kollege nebenan.Sucht Euch für Eure Klassenkämpfe den richtigen Platz.

    Nehmen wir mal an, keiner weiß, was die letztendliche Wahrheit ist. Dann macht es Sinn, sich immer mal in das Denken des Gegenüber zu versetzen.

    Die Wenigsten können das, gerade auch hier. Schade. Nur ein Schlagabtausch vorgefertigter Meinungen und ein Stellungskrieg der Weltanschauungen.

    Trotzdem, ich drücke ich Euch die Daumen. :-)

  29. tamara
    2. Februar 2014 um 07:04

    danke hendrik!

  30. H. Leuterbach
    2. Februar 2014 um 08:45

    Die Argumentin der Chefin ist einfach unfassbar. Weil irgendjemand sich angeblich bedient und man nicht weiß wer, schmeißt man einfach die ganze Belegschaft raus!

    Man stelle sich mal vor, es würde sich dabei nicht um eine Kneipe handeln, sondern um eine andere Firma. Der Aufschrei in den Medien wäre völlig zu recht enorm.

    Jeder Arbeitsrichter wird der Dame als erstes freundlich verklausuliert fragen, wie es mit ihrer geistigen Zurechnungsfähig steht. Sollte sie die Kündigung tatsächlich so begründet haben (es scheint ja wohl eher so zu sein, als habe sie überhaupt keine Begründung genannt), wird sie keinen Richter finden, der ihr das durchgehen lässt.

    Spätesten mit dieser Erklärung der Chefin, finde ich die Entscheidung der Beschäftigten, ihre Kündigung nicht einfach hinzunehmen, sondern in den Streik zu treten, mehr als gerechtfertigt. Ob es sich hierbei der Chefin und ihrem Kompagnon um eine Ex-Linke oder nicht handelt, spielt dabei überhaupt keine Rolle – ein Boss ist in erster Linie ein Boss und wenn man von ihm abhängig ist, spielt seine private Weltsicht keine Rolle. Mal davon abgesehen, dass kein noch so reaktionärer Ausbeuter sich solche eine Nummer getraut hätte. Erst die Beschäftigten rausschmeißen, weil sie einem unbequem sind und ihnen dann im Nachhinein öffentlich zu unterstellen, einer oder mehrere würden klauen und alle zusammen in Sippenhaft nehmen. Ekelerregend! Wenn ich etwas näher an Dresden wohne würde, würde ich mich selbst mit vor den Laden stellen…

  31. gewerbetreibender
    2. Februar 2014 um 08:49

    Mh, ich bin etwas unsicher, was das soll…
    1. in einem größeren betrieb würde ich das verstehen. aber in so einem kleinen geschäft? naja, ich bin selbst gewerbetreibende und verdiene in der regel viel weniger als 5€/stunde… die schweizer haben eine initiative: der chef soll nicht mehr als das 10-20fache vom angestellten verdienen. in deutschen konzernen ist das deutlich anders… hier sollte gestreikt werden!
    2. die arbeitskräfte haben sich doch damals entschlossen, für die bedingungen zu arbeiten – warum sollten jetzt andere bedingungen her? warum suchen die sich nicht einfach eine bessere arbeit?
    3. ich verstehe auch nicht, wieso ein gewebetreibender, der selbst prekäre beschäftigungsverhältnisse in seiner bude hat, diese streikleute unterstützt – per facebook: https://www.facebook.com/trotzdem.unbequem/friends

  32. Kira
    2. Februar 2014 um 08:53

    Wenn die Diebstähle bei der Polizei aktenkundig sein sollten, wovon ich ausgehe, wäre Videoüberwachung, eine Diebesfalle oder ähnliches denkbar gewesen. Die zuerwartende Reaktion von der Belegschaft wäre aber wohl noch extremer ausgefallen als die jetzige Hinzuziehung einer mir dubios erscheinenden Gewerkschaft.

    Zum Thema Tarifvertrag: es geht um drei Leute. Da greift nicht mal das Kündigungsschutzgesetz. Zumal es ja anscheinend fristgerechte Kündigungen zu sein scheinen. Diebstahl ist regelmäßig ein Grund für eine fristlose Kündigung. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Ja klar wäre es besser gewesen den Dieb zu stellen. Alleine weil man das besser hätte kommunizieren können. Ist aber nicht geschehen.
    Ein Tarifvertrag ist mE völlig illusorisch. Und dieser Streik in meinen Augen Rufmord und geschäftsschädigend für Johanna. Womit er dann sein eigentliches Ziel nicht verfehlt hätte.

  33. Dom
    2. Februar 2014 um 09:23

    Seit wann muss man eine fristgerechte Kündigung begründen? Für eine fristlose sehe ich hier jetzt genug, da anscheinend viele viele interna gestreut wurden!!
    Wie stellen sich das die alten Arbeitnehmer den vor, die Chefin sagt – Entschuldigung – und morgen geht es weiter wie immer? Leute wacht doch mal auf…

  34. zoozan
    2. Februar 2014 um 10:26

    Auf welcher Seite stehst Du?

    Die Entscheidung der Kellner_innen des „Trotzdem“ den Laden ist zu bestreiken, ist absolut unterstützenswert. Denn: Es betrifft nicht nur sie selbst! Die Auseinandersetzung, die die FAU- Mitglieder mit Johanna Kalex führen ist keine persönliche, sondern verweist auf ein strukturelles Problem, dem sich die Gewerbetreibenden der Dresdner Neustadt bisher nicht stellen. Gerade so genannte Szenekneiper_innen setzen auf die Verwischung der Grenzen zwischen Arbeit und Kapital. Für das Aufzeigen dieser Grenzen und die Thematisierung der Machtverhältnisse verdienen die FAU-Mitglieder Respekt, Anerkennung und Unterstützung.

    Niedriglohnsektor – Dresdner Neustadt.

    Viele von uns kennen das. Keine Kohle – da ist es naheliegend in einer Kneipe zu jobben. Kneiper_innen in der Dresdner Neustadt werben und verdienen mit dem Label „Szeneviertel“ ganz gutes Geld. Ihre Interessen verteidigen sie schon mal mit Forderungen nach mehr Videoüberwachung und Sicherheitspartnerschaften mit der Polizei während der BRN.

    Die FAU BNG macht jetzt etwas zum Thema, was schon lange auf den Tisch gehört: nämlich Geschäftsmodelle, die von vornherein darauf setzen, dass die „Szeneclubs und -kneipen“ nur funktionieren, wenn sich andere ordentlich ausbeuten lassen.

    Da werden Kellner_innen auf Rechnung beschäftigt, um sich die Sozialversicherungsbeiträge zu sparen. Da werden Stundenlöhne unter 6 Euro bezahlt, mit der Ansage „Ihr habt ja noch das Trinkgeld“. Über die Gewährleistung sozialer Errungenschaften wie Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall wird noch nicht mal im Ansatz nachgedacht. Anstatt tatsächlich Arbeitsplätze zu schaffen, werden Minijobs, Scheinselbstständigkeiten und Aufstockung durch die ARGE einkalkuliert.

    Die Arbeitnehmer_innen laufen im Hamsterrad. Von einem Job zum nächsten, ohne langfristige Perspektiven, ohne ausreichenden Kündigungsschutz, ohne ein festes Kollegium und gewerkschaftliche Vertretungen. Dass die Arbeitnehmer_innen die ungesunden Kellner_innenjobs nicht ewig machen können und trotzdem keinerlei Absicherung für das Alter von den Besitzer_innen der Kneipen bekommen, scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein.

    „Links“ – ohne Arbeitskritik?

    Besonders brisant wird das, wenn sich um „linke“ Gewerbetreibende handelt. Sie hängen sich Plakate gegen Nazis in die Kneipen, Kapitalismuskritik ja – aber nur abstrakt. Ihre Beschäftigungsmodelle beruhen auf den genannten Säulen und zusätzlich nutzen sie aus, mit den Lohnarbeitenden aus der Szene „befreundet“ zu sein.

    Sie wissen, dass Freund_innen ihre Interessen nicht verteidigen werden. Sie bauen auf „Verständnis“ für das Zurückzahlen von „Krediten“ oder anderer Unwegsamkeiten, denen Kneipenbesitzer/innen so ausgeliefert sind. (Die Schulden ihrer „Freund_innen“ interessieren sie meistens wenig.) Man sei ja eigentlich auch links. Und man wolle ja auch kollektiv… Über die Ausgestaltung der Speisekarte darf man als Angestellte/r dann schon auch mal mitreden. Es wird als „Freundschaftsdienst“ begriffen, jemandem einen Job zu geben.

    Ohne Zweifel ist es nett, jemandem in einer Notsituation zu helfen. Und ohne Frage werden die Bedingungen nicht von Kneiper_innen geschaffen. Sie profitieren allerdings von ihnen und verdrängen das einfach. Die Hierachien sind eigentlich klar, werden aber verwischt. Die Besitzverhältnisse werden nicht in Frage gestellt. Das zeigt sich spätenstens dann, wenn es um Lohnforderungen geht.

    Kollektiv – statt nur dabei!

    Dies wirft einen weiteren Aspekt auf, den die FAU nun dankenswerterweise auch zum Thema macht. Es ist die Frage danach, warum kollektive Probleme immer wieder individualisiert werden. Die Forderung nach der Kollektivierung der Kneipe „Trotzdem“ erscheint zunächst abwegig – wer möchte den Gruftischuppen schon „haben“?

    Allerdings ist es tatsächlich ein Problem, wenn sich auch Linke für individuelle Geschäftsmodelle entscheiden anstatt kollektive Projekte in Angriff zu nehmen. Dadurch schwächen sie eine kollektive Organisierung. Sie wählen den leichten Weg. Kollektive Praxen beziehungsweise die Bewirtschaftung kollektiven Eigentums zu erproben ist kein Zuckerschlecken, aber ein ernst gemeinter Versuch, kapitalistischer Ökonomie tatsächlich etwas entgegenzusetzen.

    Und jetzt?

    Eine pseudolinke Kneiperin schmeisst Kraft ihrer Wassersuppe Gewerkschaftsmitglieder raus – einfach weil sie es kann. Das ist beileibe keine linke Praxis, sondern zutiefst autoritär!

    Aus all diesen Gründen ist es mehr als erfreulich, dass sich Leute trauen und massive persönliche Konflikte in Kauf nehmen, um all diese Missstände zu thematisieren. Ihr habt es geschafft, dass man sich klar auf eine Seite stellen kann. Die verwischten Grenzen habt ihr wieder deutlich gemacht. Ihr seid auf dem richtigen Weg! Gewerbetreibenden, gerade denen, die es eigentlich besser wissen müssten, kann man nur eins sagen: Schämt Euch!

  35. gewerbetreibender
    2. Februar 2014 um 10:54

    @zoozan: mit copy und paste für die fau… Naja, haben wir schonmal besser gesehen. aber mit keinem wort auf meine argumentation eingehen: unter welchen bedingungen haben die leute bei johanna angefangen zu jobben? warum haben sie sich nichts besseres gesucht. (eine antwort habe ich: faulheit bzw. bequemlichkeit) – in meiner bude hat sich bisher keine/r von denen beworben, warum nicht?
    leider findet sich noch nichtmal eine reale adresse auf euren websites. was ist das für eine gewerkschaft, die kein büro hat? obskur, oder nicht?!

  36. gewerbetreibender
    2. Februar 2014 um 10:56

    @dom: eine fristgerechte kündigung muss auch begründet werden… z.B. mit Betriebsbedingtheit

  37. christoph
    2. Februar 2014 um 11:58

    mal ganz kurz gesagt lassen sich diese Gewerkschaftsutopien nur durch saftige Preiserhöhungen finanzieren… links hin oder her.. bei Forderungen nach bezahltem Urlaub usw kostet das Sterni dann eben 6,- € und dann hat sich die Geschichte ganz schnell von selbst erledigt

  38. Kira
    2. Februar 2014 um 12:24

    Fristgerechte Kündigungen sind nicht zu begründen, zumindest in Kleinstbetrieben in denen das Kündigungsschutzgesetz nicht greift.

  39. paul
    2. Februar 2014 um 12:45

    Ich weiß ja nicht, was sich diese „Gewerkschaft“ dabei gedacht hat! Wenn ich Kneiper wäre, dann würde ich doch jetzt nie im leben jemanden einstellen, der auch nur randlich mit der FAU zu tun hat. Die Konsequenz wäre ja offensichtlich, daß ich jedesmal, wenn ich jemanden entlasse, durch öffentliches Mobbing dazu erpresst werden kann, meinen Laden abzutreten! Schutzgelderpresser machen auch nichts anderes.

  40. Thomas
    2. Februar 2014 um 13:53

    @paul
    Zum Glück muss man in D keine Angaben zur Gewerkschaftszugehörigkeit machen und kann somit gewerkschafts- und arbeitnehmerfeindlichen Leuten wie dir das Handwerk legen.

    Im übrigen:
    Der BNG blieb garkeine andere Wahl, als das rechtlich einwandfreie Mittel des Streiks (damit einhergehend das völlig normale Mittel von Streikposten), und eine damit verbundene Eskalation zu wählen, denn auf Verhandlungsanfragen ließ sich Frau Kalex nicht ein und so mussten Maßnahmen ergriffen werden, die die Gekündigten schnell zum Erfolg führen könnten – bevor die Kündigungen durch sind. Dass das nötig war, zeigt, dass eine Kündigung nun nochmal vorverlegt wurde! Dass nun auch der Vorwurf des massiven Diebstahls in den Raum geworfen wird, zeugt nicht gerade von einer Deeskaltionsbereitschaft seitens Frau Kalex. Ob sie damit durchkommen wird, wird wahrscheinlich später ein Gericht klären, vor dem sie erstmal beweisen muss, was an diesen Vorwürfen drann ist. Denn wenn es stimmt was sie behauptet, ist ja möglich, warum hat sie nicht schon viel früher reagiert und z.B. die Schlüssel ausgetauscht oder ähnliches. Dass diese Sache nun als Reaktion auf den Streik publik wird, ist schon seltsam. Aber dazu kann hier niemand was sagen, denn wissen tun es nur die direkt Beteiligten.

    Ich verstehe den ganzen Trubel hier nicht!? In z.B. Frankreich würde kein Hahn für so einen kleinen Arbeitskampf krähen. Syndikalistische Gewerkschaftspraktiken sind dort völlige Normalität, welche anderen Druckmittel hat einer Gekündigter, völlig egal, ob gerecht- oder ungerechtfertigterweise, denn sonst bei einem öffentlichen Betrieb, als öffentlich darauf aufmerksam zu machen? Einen langen Prozess führen? Ist eine Taktik, kann man machen, muss man aber nicht. Direkter zum Erfolg kann ein Streik führen und darum gehts ja letztendlich für die Gekündigten – zum Erfolg gelangen, also die Kündigungen unwirksam machen und einen Haustarifvertrag, also einen Vertrag, der eine faire Bezahlung (völlig irrelevant, was andere zahlen) und andere völlig normale! Arbeitnehmerrechte vertraglich festlegt (auch ein völlig legitimer Vorgang).

    Wir haben uns hier anscheinend so an lahme Gewerkschaften, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und abgebaute Arbeitnehmerrechte gewöhnt, dass hier einige denken, es bräche die Revolution in der Neustadt aus, wenn ein paar Kellner einen Streik ausrufen, um nicht gekündigt zu werden und einen Tarifvertrag zu erhalten. Macht euch mal locker.

  41. Sascha Möckel
    2. Februar 2014 um 14:25

    Liebe Neustädter,

    ich bin schockiert, wieviel Boshaftigkeit in euren Zeilen steckt … macht ihr das auch unter richtigen Namen? Nicht jeder muss seine Identität preisgeben, ich würde aber mal gerne mit euch vis a vis diskutieren – um herauszufinden, ob ihr dann auch noch so argumentiert.

    Ein halbes Jahr klauen die Angestellten – haha …

    Da sammel ich die Schlüssel ein, entweder ich geh nur noch selber ins Lager oder suche mir ein/zwei Menschen denen ich vertraue – das ist doch ein billiger Vorwand.

    Ja … gewerkschaftliche Organisation ist nicht mehr so beliebt, aus diversen Gründen. Das jedoch jemand die ganze Belegschaft kündigt, weil diese sich organisieren, das sind Zustände wie bei amazon, in den USA oder Kolumbien bei Coca Cola. Das sich dann noch Leute finden, die sich erdreisten das zu rechtfertigen – das ist bitter. Ich finde ihr solltet euch schämen. Lohn – 5-6 € der Standard in der Neustadt – das ist nicht in Ordnung. Jetzt werden von euch die Leute klein gemacht, die sich dagegen wehren … ja – es ist etwas hemdsärmelig die FAU, die Texte sind nicht geschliffen. Hey, das sind einfache, direkte Menschen – die aber wenigsten das Herz am rechten Platz haben.

  42. Letzter Kunde
    2. Februar 2014 um 15:38

    Stimmt, Lohnabhängige mit Selbstbewusstsein sind das schlimmste Problem des modernen Kapitalismus. Und natürlich kann mensch mit 300,- im Monat ganz locker ne eigene Kneipe aufmachen. Und natürlich findet mensch überall nen Job. Und logisch, wer versucht seine Arbeitsbedingungen zu verbessern sollte wegen Nötigung in den Knast. Jede ver.di-Gewerkschaftsgruppe sollte ein Verfahren wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung bekommen. Wir sind alle Mittelstand und jeder kann es schaffen. Wer joblos ist oder zu scheiß Bedingungen arbeiten ist einfach Faul und selbst schuld. Die eiserne Lady Tatcher lässt grüßen. Ich hoffe ihr seid wenigst alle Arbeitgeber_innen das ihr so einen „Klassenkampf von oben“ hier fahrt.

    Btw: Mal drüber nachgedacht, dass die Kellner_innen in Sachen Überstunden, Lohnhöhe, bezahlter Urlaub etc. echt zurückgesteckt haben. Aus Empathie für die Chefin. Das sie erst gestreikt haben, als sie auf die Straße gesetzt werden sollten – nicht vorher? Das hier klarer Rufmord und Kündigung wegen gewerkschaftlicher Tätigkeit von Seiten der Chefin gefahren wurde?

    Als die Kneipen Rauchverbot kriegen sollten, da konnten sich die Unternehmer_innen der Neustadt ganz fix organisieren und ihren Arsch retten. Warum wird kein gemeinsamer Unternehmer_innenverband aufgemacht der sich politisch gegen die steigenden Steuern und Mieten zu wehr setzt und mit Gewerkschaften wie NGG und BNG reguläre Tarifverträge abschließt? Warum wird den Chef_innen immer das Recht zu gesprochen und wenn Arbeitnehmer_innen ihr Recht einfordern werden sie hier als halbe Terrorist_innen stilisiert.

    Ihr macht mich traurig.

  43. Heiner
    2. Februar 2014 um 15:48

    @christoph –> Wie nennt sich das noch mal, wenn sich jemand bis zur Kenntlichkeit verstellt? Wenn schon das Sterni nicht schäumt, dann wenigstens der Christoph, wenn er daran denkt, dass es 6,- Euro kosten könnte, wenn die unverschämten Proleten jetzt auch noch solche Zumutungen wie bezahlten Urlaub fordern. Sollen die doch froh sein, dass sie ihn überhaupt bedienen dürfen und sollen sie froh sein, wenn sie ünerhaupt unbezahlten Urlaub bekommen! Demnächst kommt vielleicht dann auch noch jemand und will von Christoph ein paar Euro mehr für sein T-Shirt haben, nur weil die blöden Näherinnen in Bangladesh keine Lust mehr haben, sich von ihren Fabrikbossen einschließen und bei lebendigem Leib verbrennen zu lassen. Wo kommen wir denn dahin? Wehret den Anfängen und scheinen bei Christoph bei den Alkohol-Preisen zu liegen. Merkst du noch was oder hast du es schon hinter dir?

  44. christoph
    2. Februar 2014 um 17:54

    ich merke das Äpfel und Birnen verglichen werden

  45. Seldon
    2. Februar 2014 um 18:01

    Thomas, Sascha, letzter Kunde, Heiner. Jeweils ein (schwarz-rotes) Sternchen unter den Beitrag!

  46. Pingback: Trotzdem unbequem!
  47. Letzter Kunde
    2. Februar 2014 um 18:28

    Hier nun mal die Sicht der Belegschaft auf das Statement der Chefin:

    http://trotzdemunbequem.blogsport.de/2014/02/02/17/

  48. 2. Februar 2014 um 19:38

    Umso mehr ich die ganze Beiträge lese, um so mehr komme ich zu der Überzeugung, dass es hier darum geht, ein Exempel zu statuieren (als alter Verschwörungstheoretiker würde ich mich nicht mal wundern, wenn hier sogar noch ein Konkurrent die Finger im Spiel hätte, der den Laden platt machen will). Da versuchen wieder mal einige, alle Probleme der Welt zu lösen, auf Kosten einer einzelnen Person zu lösen (Zitat aus dem Statut der FAU „Die Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union (FAU) ist eine klassenkämpferische Gewerkschaftsföderation. Sie geht von einem grundsätzlichen Interessengegensatz
    zwischen Kapital und Lohnabhängigen aus.“ Der ganze obskure Gewerkschaftsschmus – warum gründet man eine eigene, wenn man nicht ganz konkrete Absichten hat und nur auf den gewerkschaftlichen Schutz aus ist – ist mehr als seltsam. Der die Neustadt bewegende Streit ist eine perfekte Plattform, um sich für größere Aufgaben ins Gespräch zu bringen. Das Guerillia-Marketing läuft ja schon seit einiger Zeit ganz gut: http://kennzeichend.wordpress.com/2014/02/02/fau-an-anarchist-union/

    Berechtigte Forderungen hin und her. Ich denke, dass es neben Unregelmäßigkeiten in der Kasse noch ganz andere Gründe gibt, die nicht hochgekocht werden sollen. Das sorgt dafür, dass das Ganze noch ungünstiger für Johanna aussieht. Die sich, wie ja oft genug betont, als Linke / Anarchistin sieht. Sicher ist es nicht ihre Absicht, denen in den Rücken zu fallen, die ihr politisch nahe stehen. Vielleicht wäre es besser, einigen davon mal ordentlich in den Hintern zu treten.

  49. Seldon
    2. Februar 2014 um 19:54

    Hallo letzter Kunde
    vielen Dank für die Ergänzung. Ich finde gerade im letzten Absatz wird die Krux deutlich, in welcher sich Kleingewerbetreibende befinden (wirtschaftliche Zwänge einerseits, soziale Zusammenhänge andererseits)
    „Der Kleinbürger (als Besitzer der Produktionsmittel, aber selbst arbeitend, keine oder wenig Angestellte, nicht despektierlich gemeint) ist … zusammengesetzt aus ein Einerseits und Andererseits. So in seinen ökonomischen Interessen, und daher in seiner Politik, seinen religiösen, wissenschaftlichen und künstlerischen Anschauungen. So in seiner Moral, so in allem.
    Er ist der lebendige Widerspruch. …“ K. Marx, Über Proudhon

    Stellt sich die Frage: Kann man (Klein)Kapitalist und Sozialist/Anarchist sein? Man kann sicher netter Arbeitgeber, fairer Arbeitgeber (um das Buh-Wort „Kapitalist zu vermeiden) usw sein, ist dabei aber eben den betriebs- und volkswirtschaftlichen Zwängen unterworfen, die das System eben ausmachen. Das gilt natürlich auch für Genossenschaften oder ähnliche Kollektivbetriebe, aber „Wir anerkennen die Kooperativbewegung als eine der Triebkräfte zur Umwandlung der gegenwärtigen Gesellschaft, die auf Klassengegen-sätzen beruht. Ihr großes Verdienst besteht darin, praktisch zu zeigen, dass das bestehende despotische und Armut hervorbringende System der Unterjochung der Arbeit unter das Kapital verdrängt werden kann durch das republikanische und segensreiche System der Assoziation von freien und gleichen Produzenten.“ K. Marx, Forderungen der IAA
    ;)

  50. HFF
    2. Februar 2014 um 19:58

    mir macht das alles den eindruck als wenn in ermangelung einer „realen äußeren“Bedrohung zur „Selbtbeschäftigung/zerflieschung“ übergegangen wird…
    Als wenn sonst alles in Ordnung wäre.

    Desweiteren haben wir das unserer „Elterngeneration“,welche ja damals auf die Straße ging um prekäre Beschäftigung endlich zu ermöglichen,zu verdanken.

    Ich kenn „die ganze Bande“,soll heißen sowohl die Crew als auch die Cheffin,und bin(mal wieder) enttäuscht aber irgenwie nicht mehr überrascht, WIE(nicht DAS) die Sache diskutiert wird…
    Würd mir da mehr Fingerspitzengefühl wünschen(von Allen),seh aber auch ein wenn dann jemand“zumacht“ und sich die“Diskusion“einfach nimehr gibt…

    Werd heut abend ma rübergehn und mir Für und Wieder bei ner Hopfenkaltschale zu Gemüte führen…
    Prostmahlzeit…

  51. rosa
    2. Februar 2014 um 20:49

    Dieser Fall bestätigt nur wieder die gängige Praxis im Herrschaftsbereich der Besitzerin, unbequeme Menschen aus ihrem Umfeld auszusortieren. Der nicht erwiesene Vorwurf des Diebstahls, der es dann aus was für Gründen auch immer doch noch in die verschwurbelten Kündigungsschreiben geschafft hat, ist die Fortsetzung einer üblichen Vorgehensweise, um sich Leute, die der Besitzerin nicht nach dem Mund reden, vom Hals zu schaffen, um schnell und rücksichtslos eine Vollzeitstelle für ein Familienmitglied zu schaffen. Dass es ausgerechnet die Gewerkschaftsmitglieder trifft, spricht für sich.

  52. mojomax
    2. Februar 2014 um 21:44

    Wenn ich hier so einige der Kommentare lese wundert es mich nicht, dass es sich in Deutschland so lebt, wie es sich hier eben lebt. So einige hier würden wahrscheinlich noch ihren Chef verteidigen wenn sie schon unter der Brücke schlafen, man könnte wirklich meinen jeder dritte hier wäre Großinvestor oder Arbeitgebervorsitzender, so wie hier die Gewerkschaften und die Streikenden angegangen werden.(Informiert euch erstmal über die FAU bevor ihr flamt.) Aber typisch Deutsch, wie immer überheblich und selbstgefällig ausm gemütlichen Chefsessel von zuhause aus auf die Chaoten schimpfen. Man selber ist ja ein vernünftiger, aufgeklärter,differenzierter (SPIESS)Bürger der es sich in der Mitte der Gesellschaft schön gemütlich gemacht hat und jetzt erhobenen Zeigefingers den anderen die Welt erklärt. Nice.

  53. Mensch
    2. Februar 2014 um 23:24

    @undergroundnoises

    Eigentlich wollte ich mich ja gar nicht mit reinhängen, aber der Kommentar hat dann doch gelockt – weil so dermaßen unqualifiziert, dass mir die Augen brennen. Als Verschwörungsbegeisterter dürfte der Punkt „Hintergrundrecherche“ in deinem Wortschatz existent sein – dann lies mal bitte, was FAU (oder im spanischen CNT) ist – und das Konzept der Basisgewerkschaft. Und dann denk nochmal über deine obskure „Neugründung“ nach.
    Aber anscheinend ist hier flamen wichtiger, als sich mal tatsächlich mit aktuellen gesellschaftlichen Konflikten auseinanderzusetzen und vllt mal mehr als 2 Sekunden vor dem Gegenpost nachzudenken.
    Und zwecks Hintern treten – der Streikposten steht genau dafür, um sich mit den Gewerkschaftsleuten auch inhaltlich auseinandersetzen zu können – mach ma. Vielleicht kommt was bei rum.

    Sicher läuft beim Trotzdem-Streik nicht alles, wie man das bei Schland-üblichem „Arbeitskampf“ *hust* gewohnt ist, aber das finde ich eher gut als kritikwürdig.

    Check your sources, think, then post.
    Trolls feeded.

    Beste Wünsche den Streikenden!

  54. Dom
    2. Februar 2014 um 23:31

    Vergesst bitte nicht, dass es hier um eine Mittelständlerin geht und nicht um einen großen betrieb, der solche Dinge mit einer Portokasse wegstecken kann.
    Mir tut die Inhaberin jetzt schon leid, weil das angesprochene Klientel oder die gaste jetzt nicht wissen ob sie draußen Mahnwache halten sollten oder ihre EUR in den Laden tragen sollten.

    Ich werde die Woche reingehen!

  55. Miguel
    3. Februar 2014 um 00:19

    Danke an Mensch, der Beitrag von undergroundnoises ist mir auch übel aufgestoßen. Zur „Mittelständlerin“, es obliegt jedem auf den anderen zu zu gehen, niemand geht hier einfach so pleite und schon garnicht wenn Menschen von ihren Grundrechten gebrauch machen. Ängste schüren haben wir aktuell in diesem Land wieder genug, aber es gibt die Gesprächsmöglichkeiten hier vor der Kneipe und generell. Also anstatt zu sagen, jetzt ist alles vorbei, einfach mal Arsch in der Hose haben und einen Konflikt auch mal live debattieren. Ich weiß, ist nicht normal hier, wäre aber mal was wirklich neues.

  56. Kira
    3. Februar 2014 um 07:40

    Mittelständler haben gem. Definition mind. 10 Mitarbeiter. Informiert euch doch bitte erstmal (jur. Und betriebswirtschaftlich) bevor ihr hier fröhlich Manifeste zitiert.

  57. einer
    3. Februar 2014 um 08:18

    @ alle: glaubt denn hier irgend jemand, dass nach dem ganzen Theater das Trotzdem jemals wieder so sein wird wie es war?
    Die drei KellnerInnen wollen genau dort weiter / wieder arbeiten – warum? Nichts auf dieser Welt ist von Dauer. Das Gehabte ist bereits kaputt.
    Die K. sollte einfach die Bude dicht machen und morgen ne neue Gewerbeanmeldung durchführen.
    Nix gegen einen vernünftigen Lohn für vernünftige Arbeit, aber wer sich von Ideologien steuern lässt, lässt sich just in diesem Moment nicht von der Vernunft leiten. Ideologie und Sachsicht sind von Haus aus nicht kompatibel – Gott sei Dank – denn stelle man sich vor die Ideologie der NS-Zeit hätte mit Sachsicht einhergehend überlebt, oder die des Römischen Reiches, oder die des Stalin, oder die des Dschingis Khan, oder … dann wäre die Fau (im übrigen ist der Sitz der Fau Webseite, nach meinen Recherchen, in Panama und das Impressum entspricht nicht dem TMG) gar nicht existent.

    Auch Gewerkschafter müssen essen und Klopapier benutzen. Woher bekommen sie denn ihr Geld?? Aus den Beiträgen der KellnerInnen? Logisch muss die Fau jetzt was tun!

    Ideologische Fundamentalisten gründen heute eine Gewerkschaft und bringen Mut, Wagnis, Verantwortungsübernahme und Risiko zu Fall. Als Sippenhaft kann man auch die Konsequenzen für die K. und deren Familie betrachten. Da nimmt die Fau den Kollateralschaden biligend in Kauf. Tolle Gewerkschaft, das …

    Am besten man lese mal nach, was Stresemann tat – da werden ein paar Dinge klarer

  58. Seldon
    3. Februar 2014 um 08:47

    @Kira, der einzigem, der von „Mittelstand“ redete, war Dom, aber der hat kein Manifest zitiert…was meinst Du?
    Was die rechtliche Situation in Kleinstbetrieben angeht, hast Du ja durchaus recht, allerdings gibt es auch hier Einschränkungen des Kündigungsrechts, bspw. durch das Verbot „treuwidriger Kündigung“, bei Verstoß gegen die guten Sitten, das Gebot eines „Mindestmaßes an sozialer Rücksichtnahme”. Greift das hier? Keine Ahnung, aber ein Streik ist erstmal nichts ehrenrühriges, hat nichts mit Rufmord zu tun, aber ist sicher geschäftsschädigend. Das ist ja das (einzige) Druckmittel, das der AN gg. AG hat, wenn es hart auf hart kommt. Warum sollte in kleinen Betrieben nicht gestreikt werden? Jeder halt da, wo er arbeitet. Wo denn sonst? Wie ein Kommentator hier so schön sagte: „Bevor die Linke sich vor Werkstore der Autofabriken stellt und zur Weltrevolution aufruft, sollte sie erst mal wieder lernen Kämpfe im eigenen Alltag zu führen. Gegen die eigenen Vermieter_innen und Chefs zum Beispiel. Nur so können die Erfahrungen gesammelt werden, die nötig sind um sich mit ganz anderen Kalibern anzulegen, General Motors etwa. Übrigens stocken mehr als 10% der Beschäftigten in der Gastro mit Hartz IV auf, es gibt also einiges zu tun. Dass sich viele Linke eher mit den Chefs identifizieren („Die gehen doch Pleite wenn sie mehr Lohn zahlen!“, „Macht doch ne eigene Kneipe auf!“, „Die schöne Subkultur!“) zeigt wie wichtig es ist mal wieder einen Klassenstandpunkt zu beziehen und sich mit den Beschäftigten zu solidarisieren“

    Damit ist erstmal nicht zu den speziellen Gegebenheiten im und um’s Trotzdem gesagt, könnt‘ mir vorstellen, dass es sich beide Seiten nicht leicht gemacht haben, es möglichweise dumm gelaufen ist, keine Ahnung…

  59. neustädter
    3. Februar 2014 um 09:19

    grundlegend ist es auch rufmord eine öffentliche stellungnahme zu verfassen wo allen angestellten unterstellt wird, dass sie klauen. ich stell mir dann die frage was ist schlimmer ist, johanna die dann einfach ihr konzept ändert und eine standard kneipe, wie sie in der neustadt üblich ist und wovon sie nicht weit entfernt ist eröffnet und damit ihre lebensgrundlage noch mehr festigt oder die mitarbeiter, die in der neustadt wiedererkannt werden und in keiner kneipe irgendein job bekommen, weil jeder der vermutung von johanna zustimmt und denkt das sie klauen würden! für die mitarbeiter war der job sicherlich auch eine lebensgrundlage, die den jetzt im zuge von betriebswirtschaflicher neuorientierung, genommen wurde.
    da solidarisier ich mich doch lieber mit den mitarbeitern, solch „möchte gern szene kneipen“ gibts in der neustadt genug, da brauchen wir nicht noch eine.

    Solidarität mit den gekündigten Angestellten der Kneipe „trotzdem“

    Für eine baldige Lösung des Konflikts!

    Nur wer uns liebt,
    wird mit uns teilen.
    (Erich Mühsam)

  60. chris
    3. Februar 2014 um 09:39

    Sorry, hier geht mir in der Diskussion Einiges auf den Zeiger.

    Da die Diebstähle aktenkundig sind, gabs die ja. Und als Gewerbetreibender muss sich Niemand bestehlen lassen und damit vielleicht noch seine wirtschaftliche Existenz aufs Spiel setzen. Wenn das Vertrauen gegenüber seinen Mitarbeitern derart gestört ist, hilft wirklich nur Kündigung. Und das ist konsequent und die einzig richtige Entscheidung, wenn es eben anders nicht fruchtet.

    Angestellte klauen öfter wie die Raben und haben dabei keinerlei Unrechtsbewußtsein.

  61. neustaedter
    3. Februar 2014 um 10:22

    Und die meisten Chefs beklauen des Mitarbeiters
    Lebenszeit weil sie ihre angestellten unterbezahlen. Das interessiert auch keinen

  62. Seldon
    3. Februar 2014 um 10:33

    Hallo einer,
    ja, da ist wohl inzwischen einiges an- und verbrannt. Das Trotzdem wird ganz sicher nicht mehr so sein wie früher…und? Daher ja auch der Vorschlag, sie der Besitzerin abzukaufen und an gleicher Stelle einerkollektiv betriebene aufzumachen, wenn ich das richtig verstanden habe.
    Was ist denn eine vernünftige Arbeit, was ein vernünftiger Lohn? Mal so ganz unideologisch.Ist es besonders vernünftig, für andere zu arbeiten? Ist es vernünftig, andere für sich arbeiten zu lassen?
    Ideologie?
    Wo siehst Du welche Ideologie am Werk? Welche „Sachsicht“ ist unideologisch, wo werden objektive Sachzwänge aus ideologischen Gründen behauptet?
    Die FAU ist eine Interessenvertretung ihrer Mitglieder, die sich selbst organisieren, finanzieren und aktiv werden…wo liegt da jetzt das Problem? Woher die jetzt ihr Geld bekommen? Ich nehmen mal an, sie verdienen es, gehen arbeiten. Ist ja eine Organisation von Arbeitern…(Mitgliedsbeitrag 6..7,-EUR/Monat)
    Ich glaube, die FAU gibt’s schon etwas länger und wurde nicht extra gegründet, um den „Mut, Wagnis, Verantwortungsübernahme und Risiko“ von Neustädter Kneipenwirten „zu Fall“ zu bringen…
    „Mut, Wagnis, Verantwortungsübernahme, Risiko“, ja, da ist es wieder, das Mantra der Adepten des heiligen Geistes des Unternehmertums. Glaubst es, es erfordert keinen Mut, ist kein Wagnis, sich als Arbeiter zu organisieren und gegen das Establisment zu stellen? Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde im Arbeitskampf scharf geschossen, etwas jenseits des Tellerrands ist es auch heute noch gang und gebe, und was das Risiko angeht, so besteht das einzig darin, in Hartz IV zu rutschen. Ein Risiko, das so ziemlich alle abhängig Beschäftigten tragen…
    Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass hier im Speziellen sicher viel aufgebaut, verzichtet, in Kauf genommen wurde, dass einiges schief lief, keine Ahnung, vllt. haben die Gewerkschafter hier tatsächlich einen Bock geschossen, ich kenn die Einzelheiten nicht…aber pauschales Gewerkschafts-bashing ist definitiv nicht angesagt!
    Was Stresemann angeht, versteh‘ ich den Zusammenhang nicht: der war Nationalliberaler und als solcher hat er mit Arbeiterkampf eher nichts am Hut gehabt. Im Gegenteil hat er einiges dazu beigetragen, Arbeiter zusammenzuschießen…in Sachsen, in Thüringen (Deutscher Oktober 1923)
    Was genau meinst Du?

  63. andi_dd
    3. Februar 2014 um 11:11

    Dass sich Ladeninhaber gegen Diebstähle wehren, bleibt ja jedem unbenommen. Aber sicher nicht auf diese Weise, da ist es legitim, Stress zu machen.

    Finde im Übrigen gut, dass sich die FAU mal der gesamten Thematik annimmt. Es kann ja nicht angehen, dass Geschäftsmodelle auf mickrigen Löhnen und teilweise schlichten Verstößen gegen geltendes Recht basieren. Und da macht es auch Sinn, sich auf die „Kleinen“ zu konzentrieren. Bei Großarbeitgebern sind die Arbeitsbedingungen ja häufig besser, unter anderem, weil es da gewerkschaftliche Organisation gibt.

  64. Frank
    3. Februar 2014 um 13:25

    Es ist aber schlicht dämlich, eine der letzten Nischen alternativer (?) Kultur im Viertel mit derart neostalinistischen Methoden selbst plattzumachen. Dort zu arbeiten, inmitten des eigenen kulturellen Umfeldes, umgeben vom eigenen Freundeskreis, ohne wesentliche hierarchische Struktur, bei einer Arbeit, die einen nicht restlos erledigt zurücklässt (der Beruf „Kellner“ hat im Übrigen mit Abwaschen und Bierzapfen nur peripher was zu tun) stellen viel, viel größere Freiheiten dar, als der übergroße Teil werktätiger Bevölkerung sie hat. Jetzt daherzukommen und Leuten vorzuwerfen, sie hätten unsaubere politische Ansichten (siehe Selbstdarstellung auf blogspot) oder sich einzubilden, irgendwer hätte irgendeine Verpflichtung, irgendjemanden zu beschäftigen, ist absolut weltfremd.
    Ich kann mich noch (bin nämlich über 25) gut an prügelnde, vermeintliche Feministinnen im Conni erinnern. Das hier hat ne ähnliche Qualität, macht jemand was, was meine Weltsicht verletzt, oder GLAUBE ich, er macht so was, fange ich an zu greinen und werde dann zügig übergriffig. Selbst wenn die Frau Wirtin ab sofort neoliberal und arschlochig daher käme, wäre das Maximum, was man hier tun könnte (und müsste), miteinander zu REDEN. Alles andere ist Schlechte Laune, Diktatur und Herrschaft. Es gibt genug wirklich miese Gastro/Clubketten in der Neustadt, die ihr besetzen könntet.
    Friseurketten, wo Frauen und Männer für 4€ Haare schneiden.
    Netto, DM, Imbissketten … usw usw
    Aber da wisst ihr und die FAU natürlich, daß die dortigen Besitzer nicht lange fackeln würden. Was macht man also : sucht sich den schwächsten, weil un-marktwirtschaftlichsten und unmafiösesten (s.o.) Betreiber raus und trampelt drauf rum. Sehr gut !! Ich persönlich wünsche Euch : 1.)Arbeitsamt und 2.) daß ihr euch bei P***** und Co. bewerben müsstet. Nur um mal zu merken, wie weit Arbeiten im Trotzdem von der deutschen Norm weg war. Habt Euch von der FAU vors falsche Loch schieben lassen. Waschlappen !

  65. nurmalso
    3. Februar 2014 um 13:42

    Was für ein Thema. Zum einen sehr interessant zu sehen, wie sich hier die linke Seite aufreibt, wenn plötzlich Realität auf Weltbild trifft. Die üblichen Vorwürfe werden nun gegen eine der „eigenen“ gerichtet, weil auch diese den Problemen gegenüber steht, die sonst viele andere Gewerbetreibende/Unternehmer (oder böse einfach „Kapitalisten“) haben. Es war ja immer einfach, es der anderen, „ausbeuterischen“, „parasitären“ Seite zuzuschieben, bedingt durch ein wohl irgendwie geartetes „schlechter Mensch sein“. Nun trifft es eine der eigenen, der man dieses „schlechte Mensch sein“ nicht so leicht unterschieben kann, und dennoch tut sie sowas… das Ergebnis ist Verwirrung.

    Was ich aber wirklich abstoßend finde, ist die Art und Weise, wie hier wieder mit Menschen umgegangen wird. Sei es die Betreiberin, seien es die Angestellten. Die wirklichen Details kennen wohl nur diese selbst, und trotzdem echauffieren sich hier viele und maßen sich an, über Dinge zu urteilen, deren Hintergründe sie nicht kennen. Da werden Leute ohne Belege als kriminell hingestellt, und andere genauso beleglos als Ausbeuter und Egoist abgestempelt. Völlig egal, welcher Meinung man ist, aber so geht’s nicht.

    Ich weiß nicht, was die Lösung für dieses Problem in dieser Kneipe ist, aber ich weiß, was die Lösung nicht ist: Leute vorzuverurteilen, und dieses Problem, was diese Leute haben, für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Lasst sie ihre Probleme doch selbst klären, anstatt auf Eskalation und Demagogie zu setzen.

  66. Lutz
    3. Februar 2014 um 13:58

    Da zünde ich glatt heute mal wieder eine Empörungskerze an…

  67. andi_dd
    3. Februar 2014 um 14:13

    Diktatur etc. sind alles große Begriffe und hier fehl am Platz. Die FAU streikt, das ist ihr gutes Recht. Genauso das Installieren eines Streikpostens.

    Dass es nun das Trotzdem trifft, kann nicht wundern: Man erwartet von einer linken Kneipe nicht unbedingt, dass auf Verdacht die halbe Belegschaft hinausbefördert wird. Und sollte das auch nicht durchgehen lassen.

    Übrigens ein wahrlich tollkühner Schritt: Immerhin lebt das Trotzdem vom Ruf einer linken Kneipe, dann muss man sich auch daran messen lassen. Die Betreiberin setzt mit ihrem Handeln die wirtschaftliche Existenz auf Spiel.

  68. einer
    3. Februar 2014 um 14:24

    @ Seldon: ja ich bin libertär – durch und durch. Freiheitsliebend – durch und durch. Einzig ein unregulierter Markt ist der Ausweg aus der derzeitigen – gesamtgesellschaftlich betrachteten – Misere und pauschales Gewerkschafts-Bashing – ja, auch das ist mein Ding ^^. Gewerkschaften waren und sind der Knebel der Arbeiter. Siehe weiter unten zu Stresemann. Mit Freiheit haben Gewerkschaften nichts am Hut. Gerechtigkeit – wie im vorliegenden Fall – einzufordern bedeutet nichts anderes als sich über den anderen zu erheben und ihm mitzuteilen, dass er unwürdig, minderwertig, falsch oder klein ist. Der Ansatz jeder Gewerkschaft ist die Überheblichkeit, einerseits seinem Mitglied zu sagen, dass er ohne sie (die Gewerkschaft) keine Chance hat. Das nenne ich Erniedrigung des Mitglieds und im Fall des Gewerkschaftskampfes kommt die Erniedrigung des Unternehmers dazu. Erniedrigung des Menschen – im weitesten Sinne – durch den Kampfeswillen selbsternannter Gerechtigkeitkämpfer. Wenn Gewerkschaftsführer eine Prüfung ablegen müssten, bevor sie solche werden könnten, auf was wären sie zu prüfen? Recht?, Glaube? Streetfight? Opportunismus? Redegewandtheit?
    Was haben sie, dass sie ermächtigt Arbeitsplätze zu zerstören oder in Gefahr zu bringen? einzig ihre Überzeugung (Ideologie)! und was nutzen sie? einzig den Arbeiter …

    Ohne das Mantra der Adepten des heiligen Geistes des Unternehmertums bliebe was …?

    Vernunft ist die Abwesenheit von Ideologie (was ist richtig was ist falsch, siehe oben: Erniedrigung und Überheblichkeit, die Anmaßung von Recht bzw. Gerechtigkeit) – pure Vernunft basiert auf Sachlichkeit und Realismus. Wenn aber der Lohn (Arbeitsplatz) als Standhaftigkeit für Ideologie herhalten muss, ist die Sonne schon vorm dem Abend unter gegangen.

    Stresemann: Streikbrecher und Freidensnobelpreisträger! Weitere Infos findet man dazu im Netz, in Videotheken und in diversen Sachbüchern. Er hat Verantwortung übernommen, die keiner tragen wollte. Entgegen aller Wichtigkeit tat er das Richtige.

    Nicht alles was wichtig erscheint ist richtig, aber alles was Richtig ist, ist auch Wichtig.

    Danke für Deine Einlassungen und die Aufforderung zur Gegenrede, Seldon. Respektvoll!

  69. Seldon
    3. Februar 2014 um 14:30

    @Frank, @nurmalso
    Deutlich wird an dem Fall doch zunächst mal, dass sich die Interessen von „Arbeitnehmer“ und „Arbeitgeber“ diametral gegenüberstehen. Das hat nichts mit moralischer Bewertung zu tun, sondern liegt in der Natur der Sache. Sowas wie „Sozialpartnerschaft“ gibt es im kapitalistischen Unternehmen nur solange, wie es die Rahmenbedingungen (und Machtverhältnisse) hergeben. Und auch ein kleines Unternehmen ist ein solches, wenn sich hier Besitzer und Angestellte gegenüber stehen. Ein netter Chef, gute Atmosphäre, usw. mögen in guten Zeiten die Konfliktlinie verdecken, in schlechten tritt sie eben deutlich zu Tage. Es hat nichts mit Stalin zu tun (wo hätte es seinerzeit auch freie Arbeiterassoziationen gegeben), sich als Arbeitnehmer zu organisieren und seine Interessen zu vertreten! Im Austausch, Diskussion,

  70. maxmojo
    3. Februar 2014 um 14:48

    @frank : seit wann ist ein streik denn neostalinistisch?
    Sollen die Angestellten etwa froh sein, dass ihr Job im Vergleich zu manch anderem noch einigermaßen human ist? Es ist schon lustig wie manche meinen der Arbeitnehmer sollte auch noch dankbar sein, dafür, dass er überhaupt noch eine Arbeit hat.
    Laut den Streikenden hat die Wirtin ja eben keine lust gehabt zu REDEN. Und inwiefern ein Streik nun Diktatur und Herrschaft sein soll musst du mir auch näher erklären. Allein formal ergibt der Satz keinen Sinn. Und ja es gibt schlimmere Läden aber wie schon bemerkt führt FAU keine Stellvertreterkämpfe sondern wird dort aktiv wo sie Mitglieder hat. Viele die hier die Ideologie Keule schwingen sind selbst so ideologisch verbrämt, dass sie besser leise sein sollten.

  71. Seldon
    3. Februar 2014 um 14:49

    @Frank nochmal,
    wie der Kommentator hier schön sagt: „Gewerkschaftliche Kämpfe führt mensch am besten am eigenen Arbeitsplatz. Da diese Leute eben in einer Szene-Kneipe arbeiten, führen sie auch den Kampf dort. Das hat weniger mit Szene-Fixierung zu tun, sondern mehr damit, das eigene Leben als politisches zu begreifen.“

    Genau um das miteinander Reden geht es doch der FAU, oder hab‘ ich da was falsch verstanden?

    Wenn die Leute in den „miesen Gastro/Clubketten in der Neustadt“ sich organisieren würden und für bessere Arbeitsbedingungen kämpften, könnten sie von der FAU bestimmt Unterstützung bekommen, von Außen den Arbeitskampf aufzuzwingen wird kaum funktionieren.

  72. HFF
    3. Februar 2014 um 14:52

    war gestern drüben,hab mir alles angehört,und festgestellt:
    Mummpitz! der ganze zauber hat sich für mich erledigt,ich werd niemanden mehr wiedersprechen,nur noch warten bis er/sie es selber tut/tun…
    prostmahlzeit

  73. s.
    3. Februar 2014 um 15:15

    ich hoffe auf eine schnelle und einvernehmliche Lösung!!!

    für alle die denken hauptsache arbeit sei dieser song ans herz gelegt: http://www.youtube.com/watch?v=t_s2LdFsi28

  74. Seldon
    3. Februar 2014 um 15:17

    @einer,
    Du gehst kaum auf das ein, was ich schrob, aber zu Deinem Kommentar:
    Freiheit?
    Der Freiheit des Marktes geht die Unfreiheit des Arbeiters voraus, der die Waren, die frei und unreguliert ge- und verkauft werden, ja zunächst mal produzieren muß. Unfrei, denn er bestimmt nicht das was, noch wie oder wieviel produziert wird, er verkauft seine Arbeitskraft und diese gehört ganz und gar seinem „Arbeitgeber“. Ja, er kann sich seinen AG frei wählen, im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten und so er denn überhaupt eine Wahl hat, verkaufen (seine Arbeitskraft) MUSS er allemal, wenn er nicht verhungern will. Er wäre so frei, doch selbst ein Unternehmen zu gründen? Der Einzelne, vllt., aber immer wird eine Mehrzahl von eben dieser „Freiheit“ ausgeschlossen durch das Eigentum, das er nicht, jmd. anderes aber hat.
    Ja, der Arbeiter ist frei, doppelt frei sogar: frei von Produktionsmitteln, frei von allem was er sonst verkaufen könnte als seiner Arbeitskraft, die er aber frei genug ist zu verkaufen, an wen auch immer er sie verkaufen kann.
    Gleichheit?
    „Wenn die Gleichheit vor dem Gesetz die Ungleichheit unter dem Gesetz ignoriert, schützt sie die Reichen vor den Armen, mehr nicht.“ Fichte, ein weiterer Freigeist, dessen Todestag grad zum 200sten Mal sich jährt. „Es ist Grundsatz jeder vernünftigen Staatsverfassung: Jedermann soll von seiner Arbeit leben können. Sobald also jemand von seiner Arbeit nicht leben kann, ist er von diesem Augenblicke an nicht mehr rechtlich verbunden, irgendeines Menschen Eigentum anzuerkennen. Von dem Augenblick an, da jemand Not leidet, gehört keinem derjenige Teil seines Eigentums mehr an, der als Beitrag erfordert wird, um einen aus der Not zu reißen, sondern er gehört rechtlich dem Notleidenden an. Wie kein Armer, so soll auch kein Müßiggänger in einem vernunftmäßigen Staate sein.“ dito
    Brüderlichkeit?
    Gemeinsamkeit? Gesellschaft? Ein Knebel? Menschen die sich zusammenschließen, ihre Interessen gemeinsam zu vertreten knebeln sich nicht, sondern befreien sich. Und genau davor haben die sogenannten „Liberalen“ Angst.

  75. ikarus
    3. Februar 2014 um 15:24

    Ich möchte den Beteiligten zurufen:

    Johanna, setz Dich mit den Kellnern noch mal an einen Tisch, findet eine Lösung für das Diebstahlproblem und teilt die Stunden so auf, dass der Familienangehörige auch auf einen halbgrünen Zweig kommt.

    Kellner, redet mit Johanna und lasst den klassenkämpferischen Antagonismus derweil zwischen den Buchdeckeln, wartet auf einen Gegner, der diesen Krafteinsatz lohnt und macht derweil nicht den Laden mit all seinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen kaputt. War doch immer ganz schön da.

    Sonst bewahrheitet sich mal wieder das Klischee, dass der größte Feind des anarchistischen Kommunisten der kommunistische Anarchist ist.

  76. andi_dd
    3. Februar 2014 um 15:39

    Sehe nicht, warum sie sich einen anderen Gegner suchen sollen. Da sind FAU-Mitglieder direkt betroffen, und zwar von einer einschneidenden Maßnahme: Es wäre doof, sich nun anderen Arbeitgebern zu widmen. Zumal sich die FAU-Leute zur eigenen Vertretung organisieren. Wann, wenn nicht nach einer fragwürdigen Kündigung, sollen sie aktiv werden?

    Meines Erachtens wäre es im starken Interesse der Betreiberin, das Problem zu lösen. Ansonsten wird das den Ruf dauerhaft schädigen. Allein die Tatsache, eine große Anzahl an Leuten auf ein Mal zu entlassen, ist nicht gerade gesschäftsfördernd. Zumindest manche Stammgäste kann das abschrecken, wenn plötzlich vertraute Leute fehlen.

    Die Diebstahlproblematik müsste auch irgendwie zu lösen sein. So kann man ja den Zugriff auf teurere Sachen wie Whiskey etc. begrenzen. Ich gehe mal stark davon aus, dass da keine Bierkisten herausgetragen wurden. Außerdem müsste es doch irgendwem irgendwann auffallen, wenn jemand außerhalb von Geschäftszeiten im Lager rumfroscht, das nur nebenbei.

  77. Seldon
    3. Februar 2014 um 16:06

    @einer nochmal
    Wenn Unternehmer eine Prüfung ablegen müssten, bevor sie solche werden könnten, auf was wären sie zu prüfen? Recht?, Glaube? Streetfight? Opportunismus? Redegewandtheit? Risikofreude? Verantwortungsbewußtsein?
    Was haben sie, dass sie ermächtigt Arbeitsplätze zu zerstören oder in Gefahr zu bringen? einzig ihre Überzeugung (Ideologie)! und was nutzen sie? einzig den Arbeiter …

    (scnr)

    Was genau macht denn den Unternehmer zu einem solchen? “Mut, Wagnis, Verantwortungsübernahme, Risiko”? Oder vielleicht auch und vor allem Eigentum und Verfügungsgewalt über andere, Besitzlose? Diese „vom Tellerwäscher zum Millionär“-Rührgeschichten glaubt doch nun wirklich niemand mehr…oder doch?

  78. Seldon
    3. Februar 2014 um 16:30

    Hallo einer, grad fiel mir ein, dass ich so’ne Diskussion schon mal hatte: fyi.
    Insbesondere die Bärenjagd illustriert ganz gut meine Sicht der Dinge. Was stimmt daran Deiner Meinung nach nicht…

  79. sylvia
    3. Februar 2014 um 17:16

    @ Seldon: Ein Unternehmer braucht zum einen natürlich eine Erlaubnis, um ein Kleingewerbe in der Gastronomie zu betreiben, die nicht jedem erteilt wird. Zum anderen braucht er natürlich Mut, Verantwortungsübernahme und das Wissen um gewisse Risiken, die er damit eingeht. Natürlich gehört auch Kapital dazu, aber um das zu bekommen, verschuldet sich ein Kleinunternehmer sehr oft bis über alle Ohren, um sein Kleingewerbe zu eröffnen.
    Diese Fakten sind dir sicherlich alle bekannt; ich wollte sie nur vorsichtshalber noch einmal zusammen fassen.
    Was mich jetzt wirklich interessiert, wie deine Stellung im großen Rad unserer Gesellschaft aussieht! Jemand, der so häufig aus marxistischen Schriften zitiert und die kommunistische Gesellschaftsform so offen verherrlicht, kann ja weder ein ausgebeuteter Arbeitnehmer noch ein ausbeutender Arbeitgeber sein, denn das macht dann in meinen Augen all deine Argumentationen zu einem dahergebeteten Katechismus. Wie kannst du also in unserem System überleben? Ich bin echt neugierig…

  80. Insider
    3. Februar 2014 um 17:19

    @Seldon,

    Unternehmer müssen eine Prüfung,
    beispielsweise bei der IHK, ablegen bevor sie eine
    Gewerbegenehmigung erhalten. (Zumindest in der Gastronomie)

  81. einer
    3. Februar 2014 um 17:31

    @ seldon
    da hast du nicht ganz unrecht, was macht einem zum Unternehmer – dafür gibt es ein Touché. Ich meine, es ist das was ich schrieb: Mut, Wagnis, Verantwortungsübernahme, Risiko und natürlich auch Eigentum. Ja, auch das! Aber Verfügungsgewalt über andere (ich nehme an du meinst Menschen) unterstellt, dass der Unternehmer bewusst über Ausbeutung nachdenkt – DAS MEINE ICH NICHT!!! Das was Du damit meinst ist wahrscheinlich ein Ausbeuter. Ein Unternehmer ist jemand der was unternimmt – vielleicht um durchs Leben zu kommen, die Familie zu ernähren oder sich einen Alterssitz zusammen zu arbeiten oder mal die Welt zu sehen. Die Pauschale Unterstellung, dass jeder Unternehmer gleichzeitig auch Ausbeuter ist, kann auch aus einem Minderwertigkeitskomplex des Arbeiters stammen – „der Boss beutet mich aus und ich Blödmann lass da mit mir machen“.

    Seldon, den Tellerwäscher trennt vom Millionär nur der Wille etwas erreichen zu wollen – da ich spreche nicht von Erfolg – und diese Distanz hat jeder selbst zu verantworten. Wenn es um die Verteilung von Gewinnen geht – der hat mehr als ich – dann sei mal klar gesagt, dass Gewinn in einem Unternehmen nicht wirklich existiert. Was heute landläufig als Gewinn bezeichnet wird ist keiner, weil Gewinn immer erst am Ende einer Unternehmung durch Schließung oder Abmeldung oder Verkauf des Unternehmens als Übriggebliebenes betrachtet werden kann. Bis dahin ist es Kapital zur weiteren Verwendung – Kreditlinien bedienen, Lohnerhöhungen bezahlen, gestiegene Steuern abfedern, Kassenbeträge abführen etc.
    Und jeder der ein bisschen rechnen kann wird seine Kasse nie völlig entleeren – richtig?

    Danke noch Mal für Deine Beiträge, ich bin jetzt hier raus.

    Ich wünsche dem Trotzdem Durchhaltevermögen, den Streikenden einen langen Atem und uns den nötigen Durst um vielleicht im Trotzdem noch länger eine „unangepasste“ Szenekneipe zu haben.

    Mit der Bärenjagt beschäftige ich mich gerade nicht; die haben Winterschlaf ;-)

  82. Seldon
    3. Februar 2014 um 17:39

    Hallo Sylvia, Dein Interesse an meiner Person ist ja sehr nett, aber ich würde hier gern weiterhin zur Sache diskutieren. Wir kön‘ uns natürlich mal auf’n Bier treffen… (schreib‘ ne PN via Anton wenn Du willst)
    Das u.U. auch Gewerbeerlaubnis usw. nötig werden kann ist mir in der Tat klar, meine etwas rhetorische Frage richtete sich an „einer“ explizit unter Bezug auf seine dort vermutlich ebenso rhetorisch gemeinte Frage zu Gewerkschaftern…
    Es dürfte schon aufgefallen sein, das ich hier eher vom Spezialfall abstrahiere und versuche, allgemeinere Fragen zu stellen und u.U. zu klären. Auch in Bezug auf doch sehr allgemein gehaltene Angriffe auf gewerkschaftliche Tätigkeiten.
    Verantwortungsbewußtsein würde ich so pauschal auch keinem AN absprechen, ebenso wenig Schulden (deren Ausfall doch eher ein Risiko für die Bank darstellt…)

  83. oha
    3. Februar 2014 um 17:40

    @wie beim guten alten Schlecker….

    erst kommt die Gewerkschaft und macht alles schlecht…, dadurch geht keiner mehr dort einkaufen und alle boykotieren den Laden. Er macht keinen Umsatz und muss Insolvenz anmelden…So hohl!!!

    und mal an alle die ne Übergabe für gerechtfertigt halten. Ich als Vermieter würde mir nie und nimmer solche Leute reinholen, die dann wahrscheinlich bei 3 Tropfen an der Heizung, oder Windzug an den Fensterrahmen mit dem Mieterschutzbund kämen…

  84. nurmalso
    3. Februar 2014 um 17:43

    Was Seldon auch ganz gern vergisst, ist Motivation und Einsatzbereitschaft bzw. der Unterschied dieser von Mensch zu Mensch. Ich bin selbst kein Unternehmer, aber ich habe großen Respekt vor Leuten, die einfach was anpacken und auf die Beine stellen, die motiviert sind, und dafür deutlich mehr arbeiten, als der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer. Und es gibt mehr als genug Menschen, die mit „nichts“ angefangen haben – jedenfalls ohne „Produktionsmittel“, und sich allein durch Kreativität und Einsatz ebensolche geschaffen/erworben haben. Dazu hat heute jeder viel mehr Möglichkeiten, als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in der Vergangenheit.

    Geben sie dafür freie Lebenszeit, Privatleben auf? Sicher. Aber es ist ihre Entscheidung, das zu tun. Für mich wär’s nichts, weil mir andere Dinge wichtiger sind. Und ist es nun ungerecht, dass diese Menschen mehr besitzen? Finde ich nicht. Wenn sie es geschafft haben, selbst was eigenes auf die Beine zu stellen, und sich dafür engagiert haben, dann sollen sie ruhig mehr haben als der Durchschnitt (alles in Maßen natürlich, mir braucht jetzt keine mit Banker-Boni zu kommen).

    Sicher gibt es unter Angestellten auch mehr als genug sehr engagierte Leute, aber es gibt eben auch genug, die weniger engagiert sind, die gar nicht Unternehmer sein wöllten, selbst wenn sie die Möglichkeiten dazu hätten/haben. Insofern kann man es nicht verteufeln, wenn der eine sich für die Richtung entscheidet, der andere für etwas anderes. Dass es Unternehmer und Nicht-Unternehmer gibt, ist per se kein Problem, sondern Ausprägung der Vielfalt menschlicher Interessen. Und die sollte man auch zulassen – wir haben im letzten Jahrhundert ja oft genug festgestellt, dass von oben aufgedrückter Zwang zu irgendetwas zwangsläufig schlecht ausgeht. Deshalb sind auch Marxismus & co. von vornherein zum Scheitern verurteilt.

  85. Seldon
    3. Februar 2014 um 17:48

    Ach ja, und warum soll jmd. nicht Marx lesen, Kommunist, Anarchist oder meinetwegen Trotzkist sein und arbeiten gehen oder gar einem Gewerbe nachgehen? Schon Marx war ja u.a. als Korrespondent und Redakteur verschiedener Zeitungen tätig, Engels war bekanntlich Unternehmer…wüßte nicht, wieso das eine oder andere es ausschließen sollte, eine bestimmte „Weltsicht“ zu haben…Ein System zu versuchen zu verstehen und zu erklären schließt doch nicht aus, in diesem System zu leben, da dürfte ja sonst niemand mehr über’s Leben nachdenken oder reden…

  86. Seldon
    3. Februar 2014 um 17:52

    Hallo Oha,
    Schlecker ist ja nun weiß Gott nicht an zu engagierten Gewerkschaftern eingegangen, im Gegentteil ist er ja sehr aggressiv gegen jegliche Arbeitervertretung vorgegangen…:
    „Anton Schlecker hat expandiert wie ein Weltmeister. Es war ein Schneeballsystem. Dabei durften sich die Hersteller der Drogeriewaren, die Lieferanten, sozusagen als Finanzierer dieser Form der Expansion betrachten. Die Erstausstattung der neuen Märkte wurde quasi zum Nulltarif geliefert. Hinzu kam, daß die Industrie lange Zahlungsziele gewährte. Obwohl die von Schlecker versprochenen 1000 Neueröffnungen pro Jahr nie wirklich umgesetzt wurden – bis 2004/2005 gab es durchschnittlich zirka 500 Neueröffnungen jährlich –, schien das für die Lieferanten dennoch, wegen der erhofften Umsatzperspektiven, attraktiv. Sie machten das Spiel mit. Die Zahl der Märkte stieg, der Umsatz wuchs. 2004 hatte Schlecker deutschlandweit 11060 Filialen mit 40400 Beschäftigten. Bis dahin funktionierte das Schneeballsystem. Schlecker hatte die Ware längst verkauft, wenn er Wochen oder Monate später die Rechnungen bezahlen mußte. In der Zwischenzeit konnte er das Geld anderweitig investieren. Das war auch einer der Gründe dafür, daß Schlecker bis zur Insolvenz keine Bankkredite aufgenommen hatte.“ 2006/07 schmolz der Schneeball…

    fyi: http://www.jungewelt.de/2014/02-01/001.php

  87. sylvia
    3. Februar 2014 um 17:59

    @Seldon: war klar…
    Ich hab jedenfalls alles zum Thema gesagt, was mir auf der Seele lag. Ich bin gespannt, wie die ganze Angelegenheit ausgeht und kann nur hoffen, dass hier weder ein Exempel statuiert noch „die Suppe heißer gegessen als gekocht“ wird.

  88. oha
    3. Februar 2014 um 18:22

    @seldon

    naja mit Vergleichen und einer geregelten Restrukturierung, wäre mit Sicherheit für ein Drittel der Läden noch was möglich gewesen. So wollte gar keiner mehr am Schneeball schlecken!Auch wenn er kleiner und besser zu handeln gewesen wäre, war der Name tot und deshalb hat auch keiner einen orginalen Schleckerladen übernommen und das ganze war Geschichte…
    Alles in allem war das auch ein Prozess von Jahren, aber als er 10000 Läden hatte, waren mindestens noch 6000 profitabel…
    Ich will damit nur sagen, dass Gewerkschaften sehr sehr oft einiges vergeigen und wenn dann gar nix mehr geht blöd aus der Wäsche schauen und dann noch mehr eindreschen.

    Man muss ja auch nicht immer einer Meinung sein….

  89. andi_dd
    3. Februar 2014 um 18:36

    Für Seldon kann ich freilich nicht anworten, die Frage wird aber auch häufig an Anarchisten gestellt. Organisationen wie die FAU geben ja offen zu, dass ein Spannungsverhältnis besteht. Und dass es nicht die eine Patentlösung gibt. Deswegen gehen sie an die ganze Sache auch pragmatisch ran. Die konkreten Forderungen im Gastrobereich wie 8,50 Euro Lohn und die Einhaltung bestehender Gesetze ist ja nicht völlig utopisch. Bestenfalls ließe sich das in vielen Betrieben durchsetzen, sodass es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommt. Dazu bedarf es noch mehr Aufklärungsarbeit und Organisation. Aber irgendwo muss man ja anfangen. Und der andere Ansatz, Gäste zu informieren, damit sie Arbeitsbedingungen in ihre Locationwahl einfließen lassen, finde ich auch nicht schlecht.

    Meinetwegen können Unternehmer im Übrigen gerne mehr verdienen, sie gehen tatsächlich Risiken ein. Geschäftsmodelle, die aber auf mickrigen Löhnen beruhen, sind für mich keine Geschäftsmodelle. Miete, Strom und andere Kosten kann man ja auch nicht auf ein Minimum drücken, da muss es auch bei den Arbeitsbedingungen Untergrenzen geben. In anderen Bereichen gibt es auch schon Mindeststandards, warum soll das nicht in der Gastronomie der Fall sein?

    Wobei es in diesem Fall nichtmal unbedingt um die Bezahlung geht, das kommt den 8,50 ja schon fast nahe. Es geht um drei Kündigungen aus fragwürdigen Gründen, mit denen den Betroffenen die Existenzgrundlage zumindest vorübergehend entzogen wurde. Und die Begründung ist ja wohl mehr als dubios: Kollektiventlassungen, weil man einen Dieb nicht erwischt, kommen nicht alle Tage vor. Genau genommen höre ich nun zum ersten Mal von. Dass die Gewerkschaft darauf heftig reagiert, ist nicht überraschend. Zumal der Verdacht im Raume steht, dass die Gewerkschaftsorganisation der eigentliche Grund ist.

  90. andi_dd
    3. Februar 2014 um 18:48

    @ oha: Gewerkschaften haben aber auch das Gesamte im Blick, deswegen nehmen sie gelegentlich Insolvenzen in Kauf. Schlechte Arbeitsbedingungen bei den einen setzen zugleich Unternehmen unter Druck, die besser bezahlen und mehr Rechte gewähren. Im schlimmsten Fall lassen Gewerkschaften das zu, das Dumpingmodell etabliert sich dauerhaft, und gut zahlende Unternehmen geraten in Schieflage.

    Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass der Billigpreis-Pizzaanbieter in der Neustadt manche Pizzeria in Bedrängnis bringt, bei denen Angestellte höhere Löhne erhalten.

    Das Schwierige im Gastrobereich ist natürlich, dass momentan noch völliger Wildwuchs herrscht. Und sich die meisten damit herausreden, dass sie bessere Arbeitsbedingungen nicht gewährleisten können. Wobei hier zum Teil auch der Mut fehlt: Wenn man beispielsweise eine kleine Preiserhöhung damit begründet, dass man fortan Mindestlöhne überweist, dürfte da mancher Gast Verständnis aufbringen. Zumal der Preis nur ein Faktor ist. Einige Betriebe dürften nur deshalb am Existenzminimum kratzen, weil ihnen ein überzeugendes Konzept fehlt und insgesamt ein Überangebot in der Neustadt besteht.

  91. Seldon
    3. Februar 2014 um 19:07

    @nurmalso
    Ja, die Menschen sind unterschiedlich. Groß, dick, schnell, langsam, faul, blond, klein…motiviert, unmotiviert, verantwortungsbewußt oder nicht…ganz sicher gibt es auch faule Unternehmer, freche, linke, rothaarige, dürre, junge, alte…welche der Eigenschaften prädestinieren wohl „Unternehmertum“? Die Eigenschaft, auf die es am allermeisten ankommt ist eben die des Kapitalbesitzes, ererbt, gefunden, erschlichen, erarbeitet, erspart, geborgt…what ever…
    Menschen, so unterschiedlich sie sein mögen, können gemeinsam, miteinander arbeiten, sie können auch ihre aus Kapitalbesitz erwachsene Stellung, Macht, Einfluß nutzen, andere für sich arbeiten zu lassen. Sie können sich auch ihrer gemeinsamen Interessen bewußt werden und sich zusammentun…Es ist kein Naturgesetz, daß einige wenige herrschen und viele arbeiten!

  92. Unternehmer
    3. Februar 2014 um 20:11

    Nachdem ich durch Zufall auf den Arbeitskampf in Dresden aufmerksam wurde, und mir hier alles durchgelesen habe, möchte ich mal ein paar Anmerkungen als Unternehmer machen.

    Ich kann die Hetzjagd gegen die FAU hier nicht verstehen.
    Vor ca. sechs Monaten trat die BNG Dresden an J.K. wegen einer Lohnerhöung heran, auf die sich die Chefin einließ. Seit diesem Zeitpunkt gibt es dort 7,50€ in der Stunde. Bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall werden im Betrieb offensichtlich nicht gezahlt (beides ist jedoch gesetzlich vorgeschrieben!).
    Lohn und Lohnnebenkosten sind, wie Miete/Pacht, Strom, Abfall, Steuern usw aber ganz normale Ausgabenposten, die mit in die betriebswirtschaftliche Planung hineingerechnet werden müssen. Wer das nicht tut, hat weder „Mut“ noch „Verantwortung“ sondern betreibt seine Unternehmung ganz klar auf kosten der dort arbeitenden!
    Wenn diese sich irgendwann einmal zur Wehr setzen ist nur logisch. In diesem Sinne, kann ich als Unternehmer, der J.K. nur raten möglichst schnell zu einem entspannten Verhältnis zurück zu kehren. Dies geht am besten dadurch, das sie sich (auch als Anarchistin, als die sie bekannt zu sein scheint) an Recht und Gesetz in Bezug auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlem Urlaub hält. Eine gute Möglichkeit dazu bietet sich im Abschluß eines eigenen Tarifvertrages (sofern sie nicht Mitglied im Arbeitgeberverband ist und dieser nicht schon einen TV hat).

    PS: In Bezug auf die Diebstähle
    „Aktenkundig“ kann ja nur bedeuten das sie bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt gestellt hat. Damit ist noch nichts gegen die Arbeiterinnen gewonnen. Das einfachste um Diebstähle im eigenen Kleinbetrieb zu verhindern, ist, den Zugang zum potentiellen Diebesgut zu beschränken. Ich bin in meinem Betrieb z.B. der einzige der Zugang zum Lager hat. Ich trage als Unternehmer hier eben meine Verantwortung für mein Eigentum UND für das reibungslose Funktionieren meines Betriebes.

  93. 3. Februar 2014 um 20:41

    @Mensch: Ich gestehe, es war falsch. Nicht die Gewerkschaft wurde extra gegründet, sondern die Betriebsgruppe. Mein Fehler.

    Was sich nicht ändert, ist meine Kritik an dieser Art von „Weltverbesserern“. Da werden gern ideologische Grabenkämpfe geführt, um berechtigte Kritik wegzubrüllen. Kenne ich zur Genüge diesen Typus Mensch.
    Die Forderung nach einem vernünftigen Lohn unterstütze ich selbstverständlich. Auch die nach fairer Behandlung. Nur wie bereits erwähnt, vermute ich da noch ganz andere Gründe bzw. weiß ich ein wenig mehr. Lies doch die erste PM von den Streikenden nochmal, dann kommst Du vielleicht dahinter…

  94. straltentf
    3. Februar 2014 um 21:21

    Wenn schon alle so solidarisch sind: Warum sind/ist denn der/die/das DiebInnEn nicht so solidarisch und zeigt sich selbst an, um die unschuldigen KollegInnEn vor der drohenden Arbeitslosigkeit zu retten?

  95. anni
    3. Februar 2014 um 23:46

    vielleicht haben ja alle etwas geklaut

  96. selber
    4. Februar 2014 um 13:13

    ich kenne das allgemeine problem von beiden seiten
    ich war prekär selbsständig und musste meine besten freunde mit beschissenen löhnen abspeisen und habe auch lange für freunde zu beschissenen löhnen gearbeitet
    mensch sollte nicht vergessen das viele läden nur existieren weil der freundeskreis einspringt und hilft – daraus resultiert aber auch die pflicht das mensch wenn es gut läuft faire bedingungen für die leute schafft die ihre lebenszeit zur verfügung stellen damit der laden läuft
    und das sollte auch j. k. nicht vergessen
    p.s. kapitalismus tötet

  97. nurmalso
    4. Februar 2014 um 13:25

    @Seldon: Den entscheidenden Punkt Motivation/Wille/Wunsch abzutun, indem Du ihn mit beliebigen anderen Adjektiven gleichsetzt, ist leider falsch. Nicht jeder will Unternehmer werden, und nicht jeder Nicht-Unternehmer hat mit Unternehmern ein Problem. Gleichzeitig ist nicht gleich jeder Unternehmer Ausbeuter, und wie gesagt gibt es unzählige Beispiele, in denen sich Menschen aus Nichts viel selbst aufgebaut haben – wie gesagt ohne vorheriges Eigentum an Produktionsmitteln. Die Gesellschaft ist also nicht so leicht in schwarz und weiß, gut und schlecht, Ausbeuter und Opfer zu unterteilen, wie Du andere Verfechter kommunistischer Ideologien es gern hätten. Der Grund für Euren Wunch nach Polarisierung ist der Wunsch nach Anhängerschaft und politischer Macht. Je schlechter Ihr die Lage darstellen könnt, desto mehr glaubt Ihr, Anhänger zu gewinnen. Hatten wir letztes Jahrhundert ja schon mehrmals.

    Die komplexe Gesellschaft aber auf eine so simple Ansicht zurechtzustutzen, wird weder der Situation noch den tatsächlichen Problemen gerecht, und schon gar nicht hilft es denen, denen ihr vermeintlich helfen wollt. Ich denke sogar, dass Eure Vereinfachung schädlich für eben diese Leute ist. Auf jeden Fall hat die Geschichte oft genug gezeigt, dass wenn Menschen an die Macht kommen, die in welche Richtung auch immer polarisieren, einfache gut/böse Polemik skandieren, es nie lange gut ging.

    Ich stimme ja zum Teil mit Deiner Problemanalyse der heutigen Gesellschaft überein, aber Du vereinfachst zu sehr. Es gibt viele Zwischenstufen und Komplexitäten, die Du eben nicht berücksichtigst. Und vor allem ist Deine Antwort auf ein heutiges Problem 200 Jahre alt. Und das ist der unlogischste Punkt in Deiner Agitation.

    Wenn Du das komplexe System als solches akzeptierst, es in Deiner Suche nach Lösungen respektierst und nach vorn statt nach hinten blickst, wer weiß, vielleicht kommen da ja interessante Dinge raus.

  98. Seldon
    4. Februar 2014 um 14:46

    Hallo nurmalso,
    findest Du nicht, dass die Festlegung auf „Motivation/Wille/Wunsch“ als „entscheidenden Punkt“ eine gewisse Vereinfachung darstellt. Die Frage war doch: Was macht einen „Unternehmer“ zu einem solchen? Hier sollte vieleicht erstmal geklärt werden, was wir unter einem „Unternehmer“ verstehen (wollen). Aus meiner Sicht verschleiert dieser, ähnlich dem gern verwendeten Euphemismus „Arbeitgeber“, einen ganz wesentlichen Aspekt der kapitalistischen Wirtschaft, nämlich dass sich zwei Personengruppen mit divergierenden Interessen gegenüberstehen: Arbeiter (lohnabhängig Beschäftigte, „Arbeitnehmer“) und Kapitalist (Eigentümer, „Unternehmer“, „Arbeitgeber“). (Und nein „Arbeiter“ sind nicht nur die mit dem Vorschlaghammer in der Hand und ölverschmierten Gesicht, auch angestellte Informatiker oder Friseure gehören dazu, „Arbeitgeber“ nicht nur die raffgierigen Stahlbarone). Jeder, der andere Menschen für sich arbeiten läßt, beutet diese aus, ob er sie nun vergleichsweise gut bezahlt oder nicht. Das ist keine moralische Wertung, so funktioniert einfach das System. Ausbeutung heißt „erzwungene Arbeitsleistung“. Erzwungen in dem Sinn, dass der fremde Wille des „Arbeitgebers“ mein Tun bestimmt, mir mein Arbeitsprodukt nicht gehört, mir für meinen Lebensunterhalt ein willkürlicher, zumindest den Wert meines Arbeitsprodukt unterschreitender Anteil desselben gezahlt wird…erzwungen daddurch, dass ich mir zwar halbwegs frei ausuchen für wen, nicht jedoch ob überhaupt für jmd. ich arbeiten möchte. Ja, man kann sich selbstständig machen, eine Firma aufbauen, selbst zum „Unternehmer“ werden, aber es gibt immer, muß immer geben eine Mehrzahl eigentumsloser, (lohn)abhängig Beschäftigter. Aktuell arbeiten in D-Land ca. 30Mio abhängig Beschäftigte, 3Mio sind arbeitslos, Im „erwerfähigen Alter sind ca 40 Mio, Alte, Kinder, Kranke rausgerechnet (Zahlenwerk hier) wären also ca. 20% selbstständig tätig, davon ein Großteil als „Selbstausbeuter“…Du sagst jetzt allen Ernstes, 30Mio Leute könnten ein Unternehmen gründen, würden es aber allein deshalb nicht tun, weil es ihnen an Tatendrang gebricht?
    Dieses Verhältnis ist aber nicht naturnotwendig, oder was sagst Du. Genauso gut könnten alle gemeinsam für sich arbeiten, das Arbeitsprodukt könnte ihnen gemeinsam gehören, sie könnten statt den Profit einzelner zu mehren ihre Arbeitszeit reduzieren…

  99. s.
    4. Februar 2014 um 16:40

    @seldon
    „Dieses Verhältnis ist aber nicht naturnotwendig, oder was sagst Du. Genauso gut könnten alle gemeinsam für sich arbeiten, das Arbeitsprodukt könnte ihnen gemeinsam gehören, sie könnten statt den Profit einzelner zu mehren ihre Arbeitszeit reduzieren…“

    schön wärs. bin dafür.
    http://www.youtube.com/watch?v=XtMPGhXnzWE

  100. nurmalso
    4. Februar 2014 um 16:45

    Hallo Seldon,

    nein, die Frage in meinem Post war nicht, was einen Unternehmer zu einem Unternehmer macht. Mein Punkt ist ein anderer, und zwar, was Menschen wollen. Manche wollen Unternehmer sein, andere widerum nicht. Wie gesagt, dies ist nicht alleiniges Kriterium, sondern eines von vielen, aber eben ein entscheidendes.

    Ebenso habe ich nicht gesagt, dass alle Arbeitnehmer (erfolgreich) Unternehmer werden können. Aber dennoch gibt es genug Beispiele, wo dies der Fall ist, auch ohne die von Dir genannte Voraussetzung des Eigentums an Produktionsmitteln zu erfüllen. Denn diese „Voraussetzung“ halte ich für falsch, zumal in heutigen Zeiten. Man sollte nicht unter den Tisch fallen lassen, dass Menschen durchaus eine realistische Chance dazu haben.

    Und jemand, der eine tolle Idee hat, diese umsetzt, und Mitarbeiter (unter fairen Bedingungen) anstellt, evtl. auch Arbeitslose oder „gering“ Qualifizierte, der beutet sie nicht zwangsläufig aus, sondern vielleicht bietet er ihnen auch eine Chance. Eine Chance, nicht arbeitslos zu sein, nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein, eine Aufgabe zu haben, mit Menschen zusammenzuarbeiten etc. pp. (über die positiven Aspekte von Job auf Psyche gibt es genügend Abhandlungen). Auch hier machst Du es Dir zu einfach, da Du das völlig ausblendest. Offensichtlich können Unternehmer bei Dir immer nur Ausbeuter sein – Ausbeuter an sich selbst oder an anderen. Und der Punkt ist nicht glaubwürdig.

    Und wie die Leistungskraft eines ganzen Landes aussieht, „wenn alle gemeinsam für sich arbeiten, das Arbeitsprodukt ihnen gemeinsam gehört und alle gemeinsam ihre Arbeitszeit reduzieren“ – tja, das haben wir ja von 1949-1990 erlebt, oder nicht. Mangel allerorten, und das nicht nur an „Wohlstandsprodukten“. Nicht nochmal, danke.

  101. Seldon
    4. Februar 2014 um 18:48

    Hallo nurmalso,
    OK, was wollen Menschen? Ganz unterschiedliche Sachen, richtig! Die aktuell verfochtene These ist, der Markt würde diese unterschiedlichen Bedürfnisse bedienen, indem private Interessen privat verfolgt werden. Es werden Waren produziert, in der Hoffnung diese absetzen zu können, hierzu werden Menschen und Material in Bewegung versetzt (um das Wort „Ausbeutung“ mal für den Moment zu vermeiden). (und ja: es gibt einen Blumenstrauß immaterieller Bedürfnisse, die aber genau deshalb eben nicht erarbeitet werden (können), mithin nicht in der Sphäre der Arbeit, der Wirtschaft befriedigt werden können, weshalb es hierfür eher förderlich sein dürfte, diese weiter zurückzudrängen. Ein Ansinnen, das dem kapitalistischen System schiere Zumutung ist) Trügt die Hoffnung (finde ich für meine Waren keinen Abnehmer) (was schon allein aufgrund der Konkurrenzsituation in welcher ich mich mit anderen Anbietern befinde, sehr wohl möglich ist) war dies für die Katz. Umgekehrt ist das bloße Bedürfnis und das Vorhandensein des befriedigenden Gegenstand nicht hinreichen. Ich benötige notwendig noch ein Tauschmittel: „Das heißt aber auch, dass man an die Sachen, die man braucht, nicht kommt, wenn man nichts für sie einzutauschen hat. Ganz unabhängig davon, ob sie vorhanden sind oder nicht.
    Dass das so ist, liegt am Eigentum. Um auf etwas zugreifen zu können, benötige ich einen Eigentumstitel, den der Staat mit seinem Gewaltmonopol und dem bürgerlichen Recht garantiert. Vom „Reichtum der Gesellschaften“ bin ich ‚dank‘ Eigentum und Tauschprinzip zunächst ausgeschlossen. Im Hinblick auf den Zweck einer Produktion könnte einen die Tatsache, dass Menschen angesichts voller Supermarktregale verhungern, stutzig machen: Die Befriedigung der Bedürfnisse Menschen scheint in einer Marktwirtschaft so betrachtet nicht der Zweck der Produktion zu sein.“ Im Gegenteil ist der Markt den Bedürfnissen gegenüber völlig blind: Ob Tellerminen oder Schweinehälften, produziert wird, was Profit verspricht, nicht was gebraucht wird. Produziert werden lieber Diät-Pillen für die zahlungsfähige Kundschaft als Malaria-Mittel für die bedürftige…
    WAs die DDR-Keule angeht (Nord-KOrea fehlt noch): es war eben nicht so, dass selbstbestimmt und frei produziert wurde, sondern (kurz) im und für den Staat. Der Unterschied zwischen Staats- und Gemeineigentum ist klar?
    Weil’s mir zum Thema Bedürfnisse und Arbeit zu passen scheint nochmal Fichte:

    Jeder will so angenehm leben, als möglich: und da jeder dies als Mensch fordert, und keiner mehr oder weniger Mensch ist, als der andere, so haben in dieser Forderung alle gleich Recht. Nach dieser Gleichheit ihres Rechts muß die Teilung gemacht werden, so, daß alle und jeder so angenehm leben können, als es möglich ist, also, daß alle ohngefähr gleich angenehm leben können.

    Es ist Grundsatz jeder vernünftigen Staatsverfassung: Jedermann soll von seiner Arbeit leben können. Sobald also jemand von seiner Arbeit nicht leben kann, ist er von diesem Augenblicke an nicht mehr rechtlich verbunden, irgendeines Menschen Eigentum anzuerkennen. Von dem Augenblick an, da jemand Not leidet, gehört keinem derjenige Teil seines Eigentums mehr an, der als Beitrag erfordert wird, um einen aus der Not zu reißen, sondern er gehört rechtlich dem Notleidenden an. Wie kein Armer, so soll auch kein Müßiggänger in einem vernunftmäßigen Staate sein.

  102. Seldon
    4. Februar 2014 um 19:03

    Nur kurz noch zum Bereich Ideen haben und verwirklichen: ja, es gibt ganz unterschiedliche Menschen, manche haben Ideen, manche sind Macher, andere sind Mitmacher, Vormacher, Schuhmacher…Das alles sind Qualitäten, die einer Assoziation freier Menschen zugute kommen können, zumal eben nur gemeinsam aus der über dem Kopf aufglimmenden Lampe eine Straßenbeleuchtung wird: gemeinsam mit Glasbläsern, Schlossern, Elektrikern, Kraftfahrern, Straßenbauern, und schon die Voraussetzung für die zündende Idee wurde gemeinsam von und mit Eltern, Lehrern, Buchautoren und -bindern, steuerfinanziertem Mutterschaftsurlaub usw geschaffen. Will sagen: Wieso sollten jetzt 2, 10 oder 100 Leute für den ideenreichen Jungunternehmer arbeiten und nicht mit? Das ist ja nun auch keine spinnerte Utopie, es gibt sehr gut funktionierende Genossenschaften all over the world, es gibt open source Projekte ohne Ende. Da funktioniert’s, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, es könnte nicht auch beim Bäcker um die Ecke, der Stammkneipe oder Infineon funktionieren…

  103. Seldon
    4. Februar 2014 um 19:08
  104. s.
    5. Februar 2014 um 02:33

    @seldon

    der kampf gegen windwühlen

    deshalb: http://www.youtube.com/watch?v=fdLIEP22wfA

  105. blankes entsetzen
    5. Februar 2014 um 09:26

    mensch, merkt ihrs noch?
    da stellt ihr euch am ende auf nen streikposten mit jemandem, der klaut und arbeitsplätze gefährdet? was soll das denn. erinnert mich stark an die verschwundene kasse im conni.
    kollektiventlassung ist wirklich scheisse, stimmt. aber deswegen den kompletten laden nachhaltig demontieren? Kollektivierung, das ich nicht lache. Zieht der J.K. doch nicht ihren Laden ab, macht einfach nen eigenen auf. als kollektiv. aber so ne erpressung, so wird die gewerkschaftsidee wieder durch den dreck gezogen.

  106. Ilona aus Berlin
    5. Februar 2014 um 11:46

    1. Diebstahl ist nicht ok und untergräbt jedes Vertrauen.

    2. Wie hier die Chefin mit diesem Problem umgeht, ist genauso nicht ok und betrifft vorallem Unschuldige. Kündigung auf Verdacht kann niemals die Lösung sein!!!! Diese sogenannte linke Chefin stellt hier selbst ein Armutszeugnis aus, weil ihr die Kreativität zur souveränen Lösung ihres Problems fehlt.

  107. andi_dd
    5. Februar 2014 um 14:32

    Ich finde sowohl den Beitrag von „Unternehmer“ als auch von „Ilona“ sehr lesenswert.

    Wie die Rufmordkampagne „Die Diebe“ einschlägt, ist unfassbar. Richtig ist, siehe die Stellungnahme der Chefin: Sie weiß nicht, wer stiehlt. Vielleicht ist es nur einer der Drei, vielleicht keiner. Andere Mitarbeitenden hat sie ja nicht entlassen. Und das Problem, dass auch weitere Personen Zugriff auf das Lager haben, ignoriert sie.

    Dreie werden gekündigt, die Chefin begründet das mit Diebstahl. Sie beschuldigt keinen Einzelnen, aber nimmt alle in Mithaftung. Was Perfideres hätte sich kein ausbeuterischer Arbeitgeber ausdenken können. Jeder, der als künftiger Arbeitgeber infrage kommt, hat doch im Hinterkopf, dass jene Person mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ein Dieb ist.

    Angesichts der Tatsache, dass sich die Solidaritätsadressen gen Chefin mehren, weil die Chefin was aufgebaut hat und Diebe, Linksradikale, Anarchisten des Stalin-Flügels dies nun gefährden, ergänze ich: Ich habe gestern den Streikposten besucht und was in die Kasse geworfen. Weil ich die Aktion richtig finde. Und das sage ich als schnödes Ver.di- und SPD-Mitglied. ;-)

  108. nurmalso
    5. Februar 2014 um 14:51

    @Seldon:

    Erstens, ist ein Unternehmer, der faire Jobs aufgrund seiner Kreativität, Einsatzbereitschaft etc pp schafft, besser als kein Unternehmer, der keine schafft. Und somit Leute weiter zu Hause sitzen und nichts zu tun haben. Und Du liegst falsch, wenn Du glaubst, dass Arbeit keine immateriellen Bedürfnisse befriedigt. Informiere Dich, dann reden wir über den Punkt weiter.

    Zweitens, ja, das gegenwärtige System ist nicht optimal. Dennoch ist eine Vergemeinschaftung der Produktion (alle entscheiden gemeinsam, was produziert wird, wie soll das passieren? Wahlen?) noch weniger vielversprechend. Man könnte das Sprichwort mit den Köchen bringen, man kann sich auch einfach die Erfahrungen anschauen, die in der Geschichte damit gemacht wurden. Beweis erbracht, es hat nicht funktioniert, weil es so auch nicht funktionieren kann.

    Drittens sprichst Du von Verantwortung. Verantworung ohne Eigentum? Sicher, in einer Traumwelt. Schau Dir die Realität an – natürlich kannst Du sagen, dass das System schuld ist, aber was mit „öffentlichem Eigentum“ passiert, sieht man immer und überall, und auch unter jedem System. Kuck mal in die nächste öffentliche Toilette. So weit reicht es bei unserer ach so weit entwickelten Menschheit. Deine Träume sind nobel, allein scheitern sie an der Realität. Nicht an der der Systeme, sondern an der der menschlichen Natur.

    Viertens glaubst Du doch nicht ernsthaft, dass 200 Jahre alte Ideen heutige Probleme lösen? Das zu glauben ist nun mindestens grob fahrlässig, weil es sämtliche Entwicklungen ignoriert, die seitdem stattgefunden haben.

    Fünftens ist Deine Aufteilung der Menschen im heutigen System, in ausbeuterische Unternehmer und Opfer (Angestellte) oberflächlich, anmaßend, herablassend und ignorant. Oberflächlich und ignorant, weil es viele Menschen gibt, die eben nicht in Dein einfaches schwarz-weiß Muster fallen. Anmaßend, weil Du Dir erlaubst, über eine Masse an Menschen zu urteilen, deren individuelle Sichtweisen Du nicht kennst. Und herablassend, weil Du Menschen in Schubladen steckst, ebenfalls ohne auch nur 1% davon im Detail zu kennen.

    Ich stimme Dir zu, dass der heutige Konsumexzess nicht gut ist, mit allen Begleiterscheinungen. Ich habe für mich persönlich eine andere Entscheidung getroffen – nicht Konsum ist Luxus für mich, sondern Zeit. Aber diese Entscheidung sollte man jedem selbst überlassen, und den Menschen die Freiheit dazu geben. Deine Vorschläge beginnen mit einer menschenverachtenden Vereinfachung, führen wieder zur Einschränkung von Freiheit und enden mit einem Mangel an allem. Dann werden Leute nicht hungern trotz voller Supermarktregale, sondern hungern wegen leerer Supermarktregale.

  109. oha
    5. Februar 2014 um 15:04

    @Ilona aus Berlin

    kreative Vorschläge bitte….

  110. s.
    5. Februar 2014 um 15:50

    @oha
    dazu müsste ilona aus berlin auch die örtlichkeiten kennen.

  111. Seldon
    5. Februar 2014 um 16:30

    Hallo nurmalso, leider gehst Du kaum auf meine Ausführungen aus, sondern darüber hinweg und formuliert Deine Thesen parallel dazu…nuja
    zu 1. Arbeit als Selbstzweck? Besser irgendwas tun als nichts? Arbeitslosigkeit ist doch nur deshalb ein Problem, weil dadurch die „Tauschmittel“ knapp werden (s.o.)
    zu 2. Ja natürlich kann man gemeinsam entscheiden, was und wie produziert wird. Wie genau das procedere aussieht, kann ebenfalls gemeinsam festgelegt werden. Kebnnnst Du Vereine, Genossenschaften. Da funktioniert das genau so. Auf diese Art werden 10.000de Menschen ernährt oder Industrieroboter hergestellt, warum soll das nicht funktionieren? Weil die Mehrheit blöd ist? (das nennn‘ ich arrogant!)
    Aber genau dies: gemeinsame, selbstbestimmte Entscheidungen treffen, konnten die Arbeiter im Ostblock eben nicht, falls Du das mit Deinen Anspielungen auf die Geschichte meinst. Andere Versuche, wie die Pariser Kommune oder in der span. Republik, wurden nicht Opfer von Mißwirtschaft sondern von Kanonen!
    zu 3. Eben weil es kein oder kaum gemeinschaftliches Eigentum gibt und die Menschen es gewöhnt sind, das jeder Akt, und sei es das Klo zu putzen, von Dienstleistern aller Art getan wird, gegen Geld, und eben ohne die Verantwortung der Beteiligten. Der Mensch ist kein kloverschmutzendes, geldverdienendes Wesen, sondern durchaus ein soziales. Ich weiß ja nicht, in welchen Gemeinschaften Du so unterwegs bist, in denen, in denen ich mich bewege, sind die Leute durchaus in der Lage, für mehhr als ein sauberes Klo zu sorgen!
    zu 4. Sind durchaus noch ältere Erkenntnisse geeignet, bestimmte Erscheinungsformen der Welt und der Gesellschaft zu erklären, von griechischen Tragödien bis zum Kepplerschen Gesetz. Man könnte ja auch einfach mal anfangen, sich mit den absoluten Grundlagen, auf denen „unser“ Wirtschaftssystem beruht, zu beschäftigen. Diese zu erweitern, wenn nötig, kann man allemal.
    zu 5. Ich teile nicht Menschen ein sondern benenne „Funktionen“ und deren Eigenschaften, die das Wirtschaftsgeschehen bestimmen. Diese werden von Menschen ausgefüllt, ja, aber es geht nicht um den einzelnen Arbeiter, den einzelnen Kapitalisten, sondern eben die Funktion, die das System bestimmt. Da wird komplett von individuellen Eigenschaften abgesehen, moralisch nicht gewertet…Aber „Eigentum“ bzw. „Eigentumslosigkeit“ sind nun mal die KOmponenten, die das Verhältnis von Kapital und Arbeit ausmachen. Welche denn sonst? Arbeit ist eine gemeinschaftliche Tätigkeit. Die Form der Arbeitskooperation bestimmt die Form der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Beides zusammen bestimmen das Zusammenleben der Menschen und damit ihre Gesellschaftsform. Gesellschaften unterscheiden sich je nach ihrer spezifischen Arbeitsteilung und Arbeitskooperation. Der Kapitalismus ist die bisher produktivste und rationellste Form. Ich würd‘ ja gerne mal eine einleuchtendere Erklärung als die marxsche zu deren Funktionsweise hören. Bisher hab‘ ich nur gehört „falsch, falsch, falsch“, Was wäre denn „richtig“?
    Wer fällt denn nicht in eine der beiden Kategorien: „Besitz von Kapital“, „Lohnabhängig beschäftigt“? und sind das ggf. Einzelfälle oder von relevanter Anzahl? Wieso ist es herablassend, Menschen nach bestimmten Kategorien zu sortieren? Wenn die FRagestellung eine andere ist, ist die Kategorisierung eine andere, bspw. Stadt- undd Landbewohner, Frauen und Männer, Junge und Alte. Aber um hier allgemeingültige Aussagen zu treffen, muß man doch nicht jeden einzelnen Vertreter kennen! Was genau ist denn dann auch noch gleich „menschenverachtend“? Ich finde eher Dein Menschenbild, mit Verlaub, etwas fragwürdig: Menschen sind im Großen und Ganzen (mit Aussnahme irgendwie gesegneter Unternehmerpersönlichkeiten) nicht in der Lage sich verantwortungsvoll und selbstbestimmt zu organisieren, können zwar eigenmächtig entscheiden, was und wie sie konsumieren, nicht aber was und wie sie produzieren wollen, sind egoistisch, aggressiv,… Was nicht noch?

  112. oha
    5. Februar 2014 um 16:45

    @s.

    und das würde es wahrscheinlich noch nicht einmal einfacher machen.

  113. anarcho
    5. Februar 2014 um 19:08

    Da ich selbst mal Inhaber (Pächter mit Konzession) einer
    Szenekneipe war und die Kneipe als Anarchotreff erkennbar
    war und lief, hab ich Schwierigkeiten mit der Umgehensweise
    von beiden Seiten. Wir waren damals auch sieben Leute um die
    Kneipe täglich am laufen zu halten. Angestellte oder einen
    Lohn in Geldform gabs allerdings nicht, weil mit dem Gewinn
    aus dem Umsatz grade mal die Pacht, Nebenkosten und die Ware
    finanzierbar waren. Dafür gabs für alle MitkollektivistInnen
    Essen, Trinken und Wohnen im Kneipenhaus umsonst.
    (Diebstahl konnte es somit garnicht geben)
    Es gab auch keine Verträge sondern nur die freie Vereinbarung
    zwischen uns.
    Das war für Alle ok, aber betriebswirtschaftlich gesehen
    ein rumhangeln am Existenzminimum und ohne zusätzliches Geld
    durch Jobs, Arbeitsamt etc. wäre es für die KollektivistInnen
    auch nicht auf Dauer gegangen.
    Eine Kneipe mit günstigen Preisen, kann meiner Meinung nach
    damals wie heute nicht genügend Umsatz machen, damit für 7
    Leute ein Einkommen erwirtschaftet wird, wovon alle leben können.
    Das heist entweder Familien oder Kollektivbetrieb mit Idealismus und wirtschaftlich gesehen Selbstausbeutung
    betreiben, oder wie in diesem Fall eine verantwortliche
    Eigentümerin/Pächterin mit Angestellten, die nicht ausreichend bezahlt werden (können).
    Beide Möglichkeiten sind machbar, aber meiner Meinung nach
    kein Kampffeld für eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft.
    Auf der einen Seite eine Kneipenpächterin in prekären Verhältnissen und auf der anderen Seite Kellnerinnen in
    prekären Verhältnissen. Ich sehe in diesem Fall nur Ausgebeutete und kein klares Oben und Unten. Um ein
    kollektives Betreiben der Kneipe zu erwägen, wäre ein
    gegenseitiges Vertrauen und gemeinsame Ideale die Vorraussetzung. (das läßt sich nicht erzwingen) Für ein
    wieder Einstellen unter Tariflohn reicht es wirtschaftlich
    wahrscheinlich nicht aus.
    Gibt es keine Einigung, verliert die Kneipe Kundschaft und
    und macht zu.
    Was soll das also?
    Es gibt viele Selbstständige im Handwerks- und Gastronomiebereich, die weniger Stundenlohn verdienen als
    ihre Angestellten. Das Chef_in sein ist nicht immer mit
    Privilegien verbunden und hat für nicht Wenige auch große
    Nachteile. Ich würde mir wünschen, das da Einige mal ihr
    schwarz/weiß bzw. oben/unten Denken etwas abflachen.
    Trotzdem geht es darum:
    Bildet Kommunen und Kollektive und unterstützt diese !
    Chefs und Lohnarbeit abschaffen!

  114. der strolch
    5. Februar 2014 um 20:01

    @s.
    mal lieber nix gegen windmühlen sagen! ;-)

    … und bei all dem bitte nicht vergessen:
    http://www.youtube.com/watch?v=bjTQwiRScVo

  115. Unternehmer
    6. Februar 2014 um 01:06

    In Zukunft werden Unternehmer*innen wie J.K. es viel leichter haben, denn der „Grund­satz der Ta­rif­ein­heit nach dem Mehr­heits­prin­zip“ soll in Ge­set­zes­form ge­gos­sen wer­den.

    ****Anmerkung der Redaktion: Kommentar gekürzt, da reine Kopie von der Website des IWW Bremen ****

    —> Lieber „Unternehmer“, bitte die Kommentarregeln beachten.

  116. ZiuZiu
    6. Februar 2014 um 02:19

    Die Art und Weise wie sich in diesem Falle pseudolinke Neustädtler anfixen lassen, um hier für Kriminelle die Fahne zu schwenken und in großem Stil Rufmord begehen, ist mal wieder ein nettes Armutszeugnis für die achso hippe Szene.
    Einfach lächerlich – wer denken kann wird darauf nicht reinfallen, und das Trotzdem wird es weiterhin geben – ohne Diebstahleinbußen und zur Not auch mit verlogenen Komikern vor der Tür.

    Führt doch bitte euren „Arbeitskampf“ dort, wo er gebraucht wird.

  117. Hendrik
    6. Februar 2014 um 02:56

    @Anarcho: Grundsätzlich Respekt vor Deiner Meinungsäusserung. Nur die letzen beiden Sätze zeugen nicht ganz von einem Verständnis der erfolgreichen Funktionsweise von Gastro-Betrieben. Die sind eher Fau-schlau.

    @Andi_DD Alter Schwede. Wie kann man hier eine 80ger-Jahre Nummmer a la Verdi a ka SPD abziehen? In welcher Welt lebst Du denn?

    Glücklicherweise UNTER 10%. Verschlaf ruhig weiter.

  118. ray-on
    6. Februar 2014 um 10:10

    Es ist wirklich interessant zu beobachten, wie Menschen die sich eigentlich einem alternativen und liberalen Milieu zurechnen, reagieren wenn ihre materiellen Interessen in Frage gestellt werden.

    Da machen einige jungen Leute nichts weiter, als ihre (theoretisch) grundgesetzlich und menschenrechtlich (ILO) verbriefte Koalitionsfreiheit in Anspruch zu nehmen, und was passiert? Sie werden entlassen, öffentlich als Kriminelle denunziert und in den Kontext totalitärer Ideologien gerückt.

    Wenn man sich das in der Diskussion hier vorhande Ausmaß an Demagogie und Populismus vor Augen führt, wird deutlich, wie schnell manch vermeitlich freiheitliebende Person im extrem rechten Kontext wieder auftaucht, sobald ihre materiellen Interessen auch nur in Frage gestellt werden.

    Sehr interessant, und sehr bedenklich…

  119. roy-an
    6. Februar 2014 um 10:25

    Es ist höchst interessant zu beobachten, wie hier Menschen, die sich ihrer Ausdrucksform nach wohl der alternativen oder linken Szene zugehörig fühlen, reagieren, wenn ihnen ihr Spielzeug weggenommen wird.

    Da muss eine Kneipenchefin, die in der Neustadt die höchsten Löhne zahlt und selbst kaum über die Runden kommt, über einen langen Zeitraum mit ansehen, wie ihr die Bude leer geklaut wird. Zieht sie dann die Reißleine und entlässt die Spitzbuben, reagieren die mit Demagogie und Populismus, verdrehen die Tatsachen und schlagen vor, dass sie die Kneipe doch abgeben soll.

    Anarchistisch ist das möglicherweise, fair und sozial aber keinesfalls.

  120. ray-on
    6. Februar 2014 um 10:37

    Welche Belege liegen denn dafür vor, dass auch nur eines der Gewerkschaftsmitglieder geklaut hat? Welche Beweise liegen dafür vor, dass im Trotzdem überhaupt geklaut wurde? Hier werden rechtsstaatliche Minimalstandarts sehr großzügig außen vor gelassen.

    Belegt ist allerdings zu genüge, dass es ein beliebtes Mittel von Unternehmen und UnternehmerInnen ist unbeliebte Angestellte los zu werden, in dem man ihnen Diebstahl in die Schuhe schiebt. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auf den Fall Emmely: http://de.wikipedia.org/wiki/Fall_Emmely

  121. roy-an
    6. Februar 2014 um 11:07

    Und da ist sie, die populistische Falle. Die Wirtin wird als Lügnerin diskreditiert und gleich mal auf Praktiken einer Supermarkt-Kette verwiesen. @ray-on: Kennst Du die Verhältnisse vor Ort, hast Du mit den Beteiligten gesprochen?

    Zu den rechtsstaatlichen Standards, die wesentlichen Punkte des Kündigungsschutzgesetz gelten für Betriebe mit mehr als 10 Angestellten. Das ist hier nicht der Fall, damit reicht eine normale fristgerechte Kündigung aus.

  122. Seldon
    6. Februar 2014 um 12:18

    @ray and roy,
    „Reißleine ziehen und Spitzbuben entlassen“ vs. „Arbeitnehmerinteressen“. Was im Einzelnen im Trotzdem ablief weiß niemand außer den Beteiligten. ray hat sich ja eher zu den Reaktionen hier im Blog geäußert, roy nicht unbedingt subtil und differenziert Partei für die „Unternehmerseite“ ergriffen. Ich würd‘ ja gern den konkreten Fall außen vorlassen und feststellen, dass es eben einen klaren Widerspruch zwischen „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“ gibt, immer und überall, wo sich diese gegenüberstehen. „Arbeitnehmer“ vertreten ihre Interessen am Besten dort, wo sie eben arbeiten und „Ihrem“ „Arbeitgeber“ gegenüber…wem denn sonst?
    Das Kleingewerbetreibende hier eben zwischen den Stühlen sitzen liegt in der Natur der Sache: die Kapitaldecke ist fadenscheinig, die Konkurrenz groß, die Position gg. „Arbeitnehmer“ entsprechend schwach, erst recht, wenn persönliche Beziehungen und Befindlichkeiten (auch weltanschaulicher Art) dazu kommen.

    „Der Besitz der Produktionsmittel durch die einzelnen Produzenten verleiht heutzutage diesen [selbständigen, kleinen] Produzenten [den Selbstausbeutern in Kneipen, kleinen Buchläden, kleinen Handwerksläden, den berühmten Tante Emma-Läden] keine wirkliche Freiheit mehr … Seine Existenz ist unsicherer als die des Proletariers, der wenigstens dann und wann ruhige Tage erlebt …“ F. Engels, Bauernfrage

    „Der Kleinbürger [wie dieser bei M/E heißt] ist … zusammengesetzt aus ein Einerseits und Andererseits. So in seinen ökonomischen Interessen, und daher in seiner Politik, seinen religiösen, wissenschaftlichen und künstlerischen Anschauungen. So in seiner Moral, so in allem.
    Er ist der lebendige Widerspruch. …“ Marx, Über Proudhon

    Soll man da jetzt Mitleid haben oder andere Arbeits- und Lebensbedingungen für alle einfordern, (einüben, propagieren)? Ich denke: Letzteres…

  123. ray-on
    6. Februar 2014 um 12:20

    Sie begründet die Entlassungen mit betriebsinternen Diebstählen – öffentlich. Kann man dann etwa nicht erwarten, dass sie diese Behauptungen, die auf die betroffenen Gewerkschaftsmitglieder offensichtlich erhebliche Auswirkungen hat, auch belegt? Tut sie das nicht, dann muss sie wohl damit leben, dass ihre Aussagen äußerst kritisch hinterfragt werden. Ob man die Verhältnisse vor Ort genau kennt, oder auch nicht, ist in diesem Zusammenhang völlig unerheblich.

    Im Bezug auf die rechtsstaatlichen Minimalstandarts, habe ich mich auf die Unschuldsvermutung bezogen, nicht auf das Kündigungsschutzgesetz. Es mag sein, dass es ihr arbeitsrechtlich möglich ist allen Gewerkschaftsmitgliedern in ihrem Betrieb zu kündigen. Dann muss sie sich aber kaum wundern, wenn diese dagegen gewerkschaftliche Maßnahmen ergreifen. Letzteres sollte m.E. möglich sein, ohne das die Gewerkschaft und ihre Mitglieder öffentlich diffamiert und kriminalisiert werden.

  124. sylvia
    6. Februar 2014 um 12:34

    @seldon: du wiederholst dich :-(

  125. roy-an
    6. Februar 2014 um 12:35

    Moment mal. Zuerst wurde Johanna von der FAU unterstellt, dass sie rechtsoffene Personen in der Kneipe duldet, dann, dass sie einen Angehörigen einstellen wollte, dann, dass sie nur die Gewerkschaftsmitglieder rausschmeißt.

    Nachdem sie ihre Erklärung abgegeben hat, wird das wieder auseinander genommen. Ich kann gut verstehen, dass sie sich nicht weitergehend äußern will.

  126. Miguel
    6. Februar 2014 um 14:09

    @sylvia:
    roy-an auch^^

    @roy-an:
    rechtsoffene Person ok, Behauptung.
    Angehörigen stimmt nicht, einen Freund/in der Familie und ja, sie schmeißt gerade nur die Gewerkschaftsmitglieder raus. Und das ist ein extrem fragwürdiger Punkt, oder? Warum nur die? Warum dann nicht gleich alle? Warum bricht sie ein international wie in diesem Land existenzielles Grundrecht sich, weil man auf der schwächeren Seite steht (die Kellner können ja nicht J.K. auf der Arbeit kündigen) gewerkschaftlich organisieren zu dürfen? Kannst du es uns sagen? Warum nur die Gewerkschafter?

  127. Annie
    6. Februar 2014 um 14:17

    Ich war gestern im Trotzdem. Die Streikposten kamen rein und holten Bier-Nachschub :)

  128. roy-an
    6. Februar 2014 um 15:06

    @Miguel: Weil offenbar der vierte Angestellte ihr Vertrauen hat. Den Zusammenhang mit der Gewerkschaft sehen doch nur die Gewerkschafter bzw. ihre Sympatisanten.

  129. Svenny
    6. Februar 2014 um 15:17

    Fakt ist doch, dass die Geschäftsführerin hier von ihrem Recht als Eigentümerin gebraucht hat und legitim das getan hat, was sie für richtig hält in Anbetracht der internen Diebstahlthematik. Und das geht diese sogenannte „Gewerkschaft“ einfach mal überhaupt nichts an.
    Aber nun wird hier Aufmerksamkeit heischend versucht, den Laden kaputt zu streiken, wider besseren Wissens in großem Stil Rufmord begangen, und auf dem Rücken ehrlicher Unternehmer versucht, Politik zu betreiben.

    Streikt ruhig so lange, bis auch dieses Neustädter Original dichtmachen darf – ihr macht euch diesen Stadtteil selbst kaputt, und verratet dabei alles, wofür ihr eigentlich stehen wollt.
    Mal für wirklich relevante Sachen einzutreten, dafür fehlt diesen Leuten offenbar der Schneid – aber ist ja auch bequem, wo das Trotzdem gleich um die Ecke liegt 

  130. derstrolch
    6. Februar 2014 um 15:59

    @Svenny
    wie flach ist das denn bitte schön. immer nur ja & amen sagen. wo währen wir jetzt, wenn nur solche leute (wie du scheinbar bist), sich in den letzten 2000 jahren durchgesetzt hätten.

    ..und eine kneipe die es erst seit 10jahren gibt, ist bestimmt kein original. oda?
    dann bin ich jetzt auch ein original kommunist, weil ich anfang der 80er mal ein pionierhalstuch getragen habe. oda?
    ein original kapitalist, weil mir vor 23jahren der bundesteutsche pass gegeben wurde. oda?

  131. ZiuZiu
    6. Februar 2014 um 16:52

    Klar. Leute wie der Strolch, die unreflektiert das nachplappern, was Leute die es mit ihrem Ego nicht verkraften können gekündigt zu werden, in die Welt setzen, haben uns in den letzten 2000 Jahren immer besonders weitergebracht :)

    Wir sollten uns in Deutschland alle so eine feine Gewerkschaft suchen, die unser Spielzeug kaputt macht, wenn wir nicht mehr damit spielen dürfen nach einer Kündigung ^^

  132. Heinz Braumeister
    6. Februar 2014 um 19:44

    @ roy-an

    Der vierte „Angestellte“ Kellner ist nicht angestellt sondern Selbständig,der darf bleiben solange er nicht aufmuckt. Des Diebstahls verdächtigt wird er sicher genauso wie die Anderen.

  133. Julia
    6. Februar 2014 um 21:04

    wer will das alles wissen? mäh

  134. t.
    6. Februar 2014 um 23:17
  135. Sebastian
    7. Februar 2014 um 00:41

    Was heult ihr den rum? Ob der Kündigungsgrund nun legitim ist oder nicht ist doch nun völlig egal… Ist immer scheiße gekündigt zu werden, aber so ein Aufriss? Kann mir schon vorstellen das ihr gekündigt wurdet weil ihr in einer Gewerkschaft seid und ständig eure Forderung gestellt habt, ist auch euer recht… ebenso ist es das Recht der Chefin euch rauszuschmeißen wenn ihr eure Nase nicht mehr passt, nur das man eben nicht das als Kündigungsgrund in Deutschland angeben darf.

    Ihr habt Angst um eure Existenz? Dann sucht euch doch einfach ein neuen Job, ist ja nicht so das es in Dresden keine gibt. Sehe ständig irgendwo Zettel an den Türen hängen das Kellner gesucht werden.

    Euer Strike ist ebenfalls ein Witz, das was ihr erreicht ist nur das ihr Gäste vergrault und euch den Kopf mit Alkohol voll laufen lasst, wie man wunderbar auf dem Fußweg erkennen kann.

    Also macht da einen Abflug und nutzt eure Zeit sinnvoll… z.b mit Bewerbung schreiben. Egal aus welchem Grund, ich wöllt da nicht mehr arbeiten und ihr sicher auch nicht, also wo soll das bitte hinführen?

  136. Dom
    7. Februar 2014 um 07:50

    Das ist keine Gewerkschaft – war gestern da und hab mich ansprechen lassen. Nicht zu fassen, ich würde euch alle wegen Verleumdung anzeigen! Da werden Thesen in den Raum gestellt ohne einen Beweis, nutzt lieber eure Zeit und schreibt Bewerbungen oder macht einen eigenen Laden auf, wenn ihr so gut seit!

  137. MDR-Gucker
    7. Februar 2014 um 08:31

    Das ist ja interessant. 3-6 Dienste monatlich – bei 7,50 Euro/Stunde – eine Schicht geht von großzügig gerechnet 19 Uhr bis 3 Uhr – also 8 Stunden. 8*7,50*6, wir reden hier also von einem maximalen Ausfall in Höhe von 360,- Euro.

    Meyer im Interview „dann haben wir eben erstmal nichts mehr“ … soll das heißen, er hat bislang von 360,- Euro im Monat gelebt? Wer soll das glauben?

    Und wieso kam denn die Kündigung unvermittelt? Sie wurde doch fristgerecht ausgesprochen.

  138. 7. Februar 2014 um 09:41

    Ich hab vorhin ’ne Katze gesehen. Das war interessant.

  139. sylvia
    7. Februar 2014 um 10:23

    Schön, dass endlich jemandem auffällt, dass es hier um 400 Euro Jobs geht…

  140. ray-on
    7. Februar 2014 um 10:57

    Erde an Mob: Stimmt, Leute die sich mit mehreren Jobs über Wasser halten müssen, sollten sich schon einmal gerade gar nicht erdreisten ihre Grundrechte wahrzunehmen. Wo kämen wir denn da auch hin!?

  141. mojomax
    7. Februar 2014 um 12:00

    Kann mir schon denken, dass die meisten, die hier auf der Unternehmerseite stehen und die Gewerkschaft schlechtmachen, nicht von 400 Euro im Monat leben müssen. Wahrscheinlich ist Papi selber Unternehmer und man fühlt sich gleich mal persönlich angegriffen wenn jemand darauf aufmerksam macht, dass zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber immer ein Interessengegensatz besteht, ganz egal wie prekär der Arbeitgeber nun auch selbst lebt. An die, die noch einen gutbezahlten Job haben, denkt mal drüber nach was passiert, wenn ihr selber irgendwann wegrationalisiert und rausgeschmissen werdet, weil es sich für euren Chef finanziell nicht mehr lohnt euch zu beschäftigen. Ob ihr dann immer noch so denkt? Aber vielleicht schon, schliesslich ist es manchen zufolge heute ja gar kein Problem schon am nächsten Tag einen neuen und besseren Job zu finden. Die werden einem quasi hinterhergeschmissen, ist ja allgemein bekannt.

  142. Zschertnitzer
    7. Februar 2014 um 12:21

    @ray-on
    Wieso erzählt dieser Wolf Meyer dann, dass er nun nichts mehr hat. Ich frage mich, ob das Propaganda für ganz Dumme ist, oder ob der das womöglich selbst glaubt. Ist der nicht in der Lage sich beim Amt zu melden? Da gibt’s durchaus mehr als in einem Minijob, wenn man das Wohngeld dazu zählt.

    Minijobs gibt’s in Dresden übrigens wie Sand am Meer, aber da müsste man womöglich richtig arbeiten und einen Stundenlohn von 7,50 wird’s wohl auch selten geben.

    Wie soll eigentlich so jemand eine Kneipe übernehmen können (von kaufen war ja keine Rede!) und eine regelmäßige, monatliche Abfindung erwirtschaften können? Einklagen kann Johanna Kalex den Anspruch wahrscheinlich auch nicht, und wenn sie das Café dann wieder haben will, weil diese Vorzeigeklassenkämpfer ihren Teil des Vertrags nicht einhalten, wird es dann wohl eine rührselige Kampagne gegen Räumung und Gentrifizierung geben…

  143. Unternehmer
    7. Februar 2014 um 12:21

    An die Freunde und Freundinnen der J.K.:

    MIt einer Mischung aus Faszination und Ekel habe ich die letzten Tage euren „E-War“ in der Kommentarspalte des Neustadttickers verfolgt.

    Ich rate euch mal dazu, euch ein Programm von Volker Pispers an zu schauen. Der kommt zwar aus dem Westen, hat aber zum Thema Arbeit, Abeitslosigkeit, Lohnhöhe und DDR-BRD ne Menge zu sagen. Und vielleicht seid selbst Ihr dann in der Lage mal einfache Tatsachen zu regestrieren und entsprechend zu würdigen.

    An alle anderen:
    Als Unternehmer trage habe ich „Mut“, denn ich trage persönlich das ökonomische Risiko. Ich schaffe „Arbeitsplätze“ und vieles andere mehr. Aber ich habe auch die Verpflichtung, bei Strafe des Untergangs(!), alle Kosten realistisch ein zu Planen und die Preise meiner Güter/Waren/Dienstleistungen und die Qualität usw in eine entsprechende Relation zu den Kosten zu setzen.

    J.K. scheint dies nicht gemacht zu haben, was sich jetzt natürlich rächt. Die Löhne im Trotzdem waren bis vor kurzem noch erheblich niedrieger als jetzt. Das jetzt 7,50€/Stunde gezahlt wird, haben die Kellner und Kellnerinnen ihrem engagement und der Untersützung der BNG-FAU zu verdanken.
    Ob J.K. sich ans Gesetz hält und ihren Angestellten den jährlichen, bezahlten Urlaub gibt, ihnen, im Falle von Krankheit ihren Lohn weiter auszahlt usw usf weiß ich nicht. Da ich mich aber in der Gastronomie auskenne, vermute ich, das das alles nicht geschieht. Die eigene ökonomische Existenz auf Rechtsbruch und Niedrieglöhne auf zu bauen, kann und darf kein Modell für die Wirtschaft sein (und rede hier weder von anarchistische Vorstellungen von Arbeiterkontrolle, noch von kommunistischen Vorstellungen einer „Diktatur über das Proletariat“).

    Das sich die Angestllten zur wehr setzen, kann ich sehr gut nachfühlen, und sie haben meine volle Solidarität!

    Ein Laden muss vernünftig laufen – ansonsten hat er rein ökonomisch keine Existenzberechtigung!

  144. oha
    7. Februar 2014 um 13:24

    @ray-on

    ein Geschäft, muss natürlich keinen Gewinn machen…

    Wo kämen wir denn hin, wenn ein Geschäft ein Geschäft macht.

    Haben Geschäftstreibende nicht grundsätzlich auch Grundrechte? Wie zB. wirtschaftlich zu arbeiten, seine Idee so umzusetzen wie man es für richtig hält, sich aussuchen zu können wer für einen arbeitet.

    Nochmal, wer meint er hat das Zeug dazu es besser zu machen:
    immobilienscout24.de

    Oder einfach mal zum Frisör gehen und Bewerbungen schreiben, damit die Möglichkeit besteht nicht nur im Trotzdem arbeiten zu können, wo Äußerlichkeiten nicht an erster Stelle stehen. Wenn mich solch ein Typ bedienen würde und das ist nicht böse gemeint, bin ich wahrscheinlich in ner Eckkneipe zu fairen Preisen und erwarte auch nicht viel. Wahrscheinlich ist es mir auch egal ob er nebenher nen Bier trinkt, oder was auch immer für lockere Vorteile hat. Und da brauch mir keiner was erzählen, der muss sich keine feinen Herrenschuhe kaufen, 1 mal im Monat zum Frisör gehen, seine Chefin fragen, ob er ein Bier trinken darf, weiße Hemden kaufen, auf die Minute pünktlich sein, den Krankenschein am 1.ten Tag einreichen, frisch rasiert zur Arbeit kommen, die Chefin bedienen und und und

    Wenn einer nen Vorteil kennt den ein Hotelmitarbeiter hat, auf gehts…Die verdienen zB. noch weniger, weil die ein Festgehalt bekommen und unbezahlte Überstunden sind da nix, pro Woche!!!

    Mir kommt es eher so vor als wenn da nicht die Fähigkeit besteht sich anpassen zu wollen, um eine Alternative zu finden, sondern vielmehr versucht wird das gute alte zurückzubekommen, übernehmen zu wollen(ohne auch nur zu wissen, was dahintersteckt), BLOß NICHT WAS NEUES, WO ES WAHRSCHEINLICH SCHLIMMER IST UND ICH MICH ANPASSEN MUSS…

    Das ist meine Meinung und da gibt es auch nix zu rütteln.

    1. entweder selber was machen
    2. anpassen und Chancen erhöhen
    3. erstmal Hartz 4 beantragen
    4. den Dieb zu stellen und noch ne Chance zu bekommen

  145. oh gott
    7. Februar 2014 um 14:37

    na das sind ja ganz reizvolle Aussichten. Entweder selber Chef werden, sich anpassen, oder eben Hartz IV beantragen. Eine wahre Freude! Gut, dass die Streikenden sich für eine andere als die hier aufgezählten Möglichkeiten entschieden haben.

  146. Traudchen Caspers
    7. Februar 2014 um 14:42

    @oha

    „1. (…) selber was machen“

    jaja, das kenne wir, das gute alte CREDO: Jeder kann Millionär werden – aber leide eben nicht alle!
    wenn sich alle mit ner Kneipe in der Neustadt Selbsständig machen würden, dann würden die Mieten steigen und die Kneipendichte so hoch werden, das sie sich alle gegenseitig kaputt-konkurrieren würden, …

    „2. anpassen und Chancen erhöhen“

    das hat so ein Politfuzzi vor ein paar Jahren auch mal gesagt, ist aber trotzdem unterstes Boulevardpresseniveau. Im übrigen widerspricht das allen Untersuchungen. Stöber mal ein wenig auf http://boeckler.de – da wirst du feststellen das Arbeiter*innen die besten Chancen in Betrieben mit Gewerkschaft haben.

    „3. erstmal Hartz 4 beantragen“

    jau, das Recht auf Hartz 4 hätten die Arbeiter*innen des Trotzdem so oder so (solange sie nicht Studieren – und wenn sie Studieren haben sie kein Recht auf Hartz 4), bei den niedrigen Löhnen. Damit sind sie auch nicht allein. Millionen anderer Arbeiter*innen haben das Recht und Millionen nehmen es nicht in Anspruch. Das ist u.a. sehr verständlich, kommt man so doch in die Mühlen der Deutschen Bürokratie.

    „4. den Dieb zu stellen und noch ne Chance zu bekommen“

    Das ist ja wohl die Rückkehr des Blockwards und Denunzianten. So was gabs im Westen 1000 Jahre und im Osten noch ein paar Jahre länger.

    Ich glaube was du willst, ist ein gewerkschaftsfreier Polizeistaat voller Arschkriecher und Spießer,… – Naja, da hast du wohl, das muss ich an dieser Stelle offen vermuten, von dir selbst auf eine ideale Gesellschaft geschlossen

  147. nurmalso
    7. Februar 2014 um 15:15

    @Seldon:

    Wie immer drückst Du Dich um konkrete Probleme und Aussagen, schreibst viel Text, viele Zitate mit viel Ideologie und wenig Greifbarem, und wenn Du Dich zu konkreten Themen äußerst, dann verweist Du auf „wird später irgendwer schon irgendwie machen“. Von daher kann man auf Deine Aussagen schlecht Stellung beziehen, da sie oftmals sehr nebulös und allgemein sind.

    Bleiben wir beim Konkreten:
    Wenn Du meinen 1. Punkt nochmal durchliest – wo habe ich gesagt „Besser irgendwas tun als nichts“. Das war nicht meine Aussage, und bitte unterstelle mir nichts, was ich nicht gesagt habe. Also nochmal ganz direkt: Ich behaupte, es ist besser, einen Unternehmer zu haben, der neue Ideen umsetzt und verwirklicht und damit Menschen die Möglichkeit zur Arbeit gibt, als diesen nicht zu haben. Weil die Menschen, die bei ihm arbeiten, sonst arbeitslos wären. (sicher nicht unbedingt auf einen konkret beziehbar, aber auf eine größere Menge)

    2. Bitte erkläre doch Deine Vorstellung davon, wie bei einer Volkswirtschaft wie Deutschland die gemeinsame Festlegung der Produktion passieren soll. Mit einem 80-Millionen-Verein wirst Du es nicht vergleichen wollen, und auch da gäbe es einen Vorstand – Diktatur also? Ich habe auch keinesfalls gesagt, dass die Mehrheit blöd ist – bitte bleib sachlich. Ich sage, dass es praktisch nicht zu organisieren ist. Aber ich bin gespannt, wie GENAU Du Dir das denkst.

    3. Es geht nicht darum, wer öffentliche Toiletten säubert, sondern darum, wie sie benutzt werden. Schau sie Dir an, dann weisst Du Bescheid, wie die Menschen „gemeinsames Eigentum“ behandeln. Verschmutzen, beschmieren, kaputt machen – ich weiß ja nicht, in welchem Edelviertel Du wohnst, aber wo ich hinsehe – sei es in Dresden, an Autobahnen etc. pp sind die meisten öffentlichen Toiletten nicht in sehr gutem Zustand. Natürlich, das ist vielleicht nicht das beste Beispiel – aber es zeigt die Richtung, wie „gemeinsames Eigentum“ behandelt wird.

    4. Möchtest Du gerade wirklich antike Dramen und Naturgesetze mit der Entwicklung von Gesellschaften vergleichen? Das ist ja wohl kaum passend – Naturgesetze sind Konstanten, Dramen großteils der Unterhaltung dienlich, doch Gesellschaften sind variabel, sich ständig verändernd und durchaus real. 200 Jahre wirtschaftliche und soziale Entwicklung blendest Du einfach aus? Und dann denkst Du, dies wäre eine gute Voraussetzung, um eine gute Lösung umzusetzen? Was ist mit Globalisierung, Internet, veränderte Rollenbilder etc pp – um nur einige wenige zu nennen, und diese alle ignorierst Du? Nicht überzeugend.

    5. Gut, dann sprich von Funktionen. Es gibt also eine ausbeutende und eine Opfer-Funktion. Da beide von Menschen gefüllt werden, sind wir wieder am gleichen Punkt. Null Differenzierung, dafür jede Menge Herablassung. Herablassend, weil Du jeden Menschen, der eine Funktion erfüllt, entweder als Ausbeuter oder Opfer hinstellst. Dass das kaum für alle etwa 3 Mrd (?) arbeitsfähigen Menschen zutreffen kann, muss Dir klar sein? Oder welch übergeordnetes Wesen bist Du, dass Du alle kennst, und es Dir anmaßen kannst, dieses Urteil zu fällen?

    Ebenfalls habe ich auch nicht gesagt, dass alle Unternehmer „gesegnete Unternehmerpersönlichkeiten sind“ – mitnichten. Ich habe auch nicht gesagt, dass alle anderen egoistisch und aggressiv sind – wo findest Du diese Interpretationen? Ist das wieder Deiner schwarz-weiß-Sicht geschuldet, in der Du die Welt siehst?

    Mein Grundproblem mit Deiner Ideologie ist nichtmal, dass sie nicht praktikabel ist und nicht funktioniert. Mein Grundproblem ist, dass Du oder die anderen Kommunisten den Menschen die Entscheidungsfreiheit nehmen wollen. Wenn sie materiellen Dinge immateriellen vorziehen, so sollen sie doch. Anderen sind immaterielle Dinge wichtiger, sollen auch die die Möglichkeit dazu haben. Aber Menschen ein System aufzuzwingen, in dem sie keine Wahlfreiheit haben, kann es nicht sein.

    Zugegeben – vieles liegt heute im Argen. Aber Deine kommunistische Lösung ist keinesfalls besser. Oberflächlich mag es gute Argumente geben, aber je weiter man nachhakt und zu konkreten Fragestellungen vordringt, desto mehr entlarvt es sich als unlogisch und heiße Luft, sorry. Und ein fehlerhaftes System mit einem anderen fehlerhaften System zu ersetzen, ist völlig sinnlos.

    Also ich glaube, Du liegst falsch, und verschwendest Deine Zeit, wenn Du weiterhin Phantomen aus der Vergangeheit nachjagst.

  148. oha
    7. Februar 2014 um 18:57

    @Traudchen

    zu 1. ob nun ein anderer mehr verkauft und ich daran kaputt gehe, oder ich beklaut werde und meine Umsätze einfach nicht für solche Löhne und Mitarbeiterzahlen ausgelegt sind, ist doch egal. Wenn du alles besser, oder kreativer, oder angepasster machst als andere, ist es egal ob du die 200 Kneipe bist, dann kommen die Leute zu Dir.
    Aber den Punkt schließe ich bei dir schon mal aus, du scheinst die Marktwirtschaft nicht verstanden zu haben…sorry und Geschäfte die man übernehmen könnte, und dadurch die Anzahl nicht erhöhen würde, gibt es auch in der Neustadt…

    zu 2. Das ist ja wohl einzige Mathematik, wenn ich zB. englisch kann, ohne dass es meine Muttersprache ist, dann ist die Chance mich zu verständigen in der Welt ja wohl höher…In der Gastronomie kommt gepflegt halt besser an, nenn es spießig oder was weiß ich, ist halt so in den meisten Läden? Ja vielleicht benötigt man grundsätzlich auch ne Ausbildung zum Restaurantfachmann, ob die Vorhanden ist weiß ich nicht…?!

    zu 3. weißt Du wie viel Leute studieren und nicht streiken? Denk mal nach…
    Mühlen der Bürokratie…Statt den Staat und die Allgemeinheit zu nutzen um Unterstützung zu finden, dann doch eher auf einzelne Personen einwirken und das mit den Mühlen einer demokratischen Gewerkschaft. Da erklärt einem natürlich jemand welche Rechte ich habe und was alles bürokratisch Möglich ist, was man machen könnte…ich kotze gleich…im übrigen schon mal ein Büro gesehen von einem selbsständigen aus der Gastro? Und wie viel Bürokratie für so einen kleinen Miniladen jetzt ensteht….

    zu 4. Der Dieb hatte die Möglichkeit sich selber zu stellen…hatte aber keine Eier oder es war Ihm wohl zu bürokratisch!
    Moment Mal denunzieren, mit dem Finger zeigen, etwas wegnehmen wollen, das Ideal erklären, ist dass nicht jenes was die Gewerkschaft, mit so einem Miniladen da macht.

    Hab nix gegen Deine Meinung, aber hieb und stichfest ist das nicht…

  149. oha
    7. Februar 2014 um 20:31

    Ergänzung @ Traudchen

    im übrigen ist es doch so wie von dir beschrieben, oder warum hast du einen nickname, Angst das man mit dem Finger auf dich zeigt?

    Im übrigen, wenn eine Straftat begangen wird und der Täter wird verpfiffen, ist das immer noch rechtens. Deine Ostvergleiche sind hinfällig, da es bei besagten Denunzierungen um Meinungsäußerung ging und die ist meines Wissens mittlerweile legal!

  150. andi_dd
    7. Februar 2014 um 23:28

    Ich gebe Unternehmer völlig recht: Da trägt man Risiko und zugleich Verantwortung. Das muss man abwägen. Es gibt viele Selbstständige, die verdienen selbst gut und bieten zugleich ordentliche Arbeitsbedingungen. Es gibt welche, die beuten aus reiner Profitgier die Angestellten aus. Und es gibt welche, die beuten sich und andere aus, weil einfach ihr Geschäftsmodell nicht trägt. Dann sollen sie es sein lassen.

    Das muss sich jeder und jede Selbstständige selbst überlegen. Nicht wenige können das mit sich ausmachen, weil alle Beteiligten von profitieren. Wenn ich mich Anarchistin nenne, auf Verdacht entlasse und dann Streikposten vor der Türe habe, würde ich mir aber überlegen: Nenne ich mich noch Anarchistin oder trete ich gleich der FDP bei?

  151. Letzter Kunde
    8. Februar 2014 um 06:27

    Leider erlaubt mir die Zeit nicht, hier auf alle Beiträge individuell zu antworten, auf die ich gerne antworten würde. Ich will hier nur mal gern wieder ein paar Sachen klarstellen.

    Was heißt Arbeiter_in in der Neustädter Gastronomie sein? Meist eine Teilzeittätigkeit mit 250 – 450€ im Monat. Entweder damit klar kommen, Fahrrad fahren, Holz für den Offen bei Abrissbaustellen erbitten, evtl. Containern, Glück haben noch ein 12 qm² Zimmer mit Klo auf dem Gang abbekommen zu haben. Oder Gängelei beim Amt zusätzlich zum Job. Oder drei Jobs. Meist Nachts unterwegs, wenig Tageslicht. Scheiß Schlafrythmus, oft Gliederschmerzen, leicht in der Alkoholismusfalle um den Scheiß zu ertragen. Oder: Selbstständig, auch drei Jobs, bei Krankheit und Kündigung voll am Arsch, keine Arbeitnehmer_innenrechte, kaum oder keine Renteneinzahlung, rest wie oben.

    Was heißt Chef_in in der Neustädter Gastronomie sein? Ggf. dicke Karre, fette Wohnung, ein paar Läden, Personal zu scheiß Löhnen ausbeuten. Aber auch: Ständig am machen, kaum mehr oder weniger als Personal verdienen, ständig vor der Insolvenz stehen, sich mit Mieterhöhung, Mafia und Finanzamt rumärgern – irgendwann Burnout oder Pleite, keine Rentenversicherung – ebenfalls am Arsch.

    Soweit so schlecht. Nun die Frage: Welche Alternativen gibt es? Viele Kneipen werden von ehemaligen Gastro-Arbeiter_innen aufgezogen ohne ein schlüssiges Konzept. Auf dem Wunsch vom/ von der Arbeiter_in zur/m Kleinbürger_in aufzusteigen wird kalkuliert und wo die Rechnung knapp wird oder zu optimistisch war wird letztlich oft an den Löhnen als variabelstem Kostenpunkt gespart. Alles irgendwie verständlich und keine reine Bosheit – nur Dummheit. Die oberen Ränge einer wirtschaftlichen Hierarchie haben halt eine begrenzte Platzzahl. Die Angst der Unternehmer_innen (wieder) gemeine, prekarisierte Arbeiter_innen zu werden ist dann Antrieb für Kurzschlussreaktionen, siehe Kündigungen Trotzdem und hunderte andere Neustadtgeschichten. Die Sachzwänge und Existenzängste lassen einen schnell vom idealistischen Kollegen zum auf Kontrolle bedachten Chef werden. Wofür das alles? Es gewinnt fast niemand daran.

    Von den Arbeitgeber_innen kann mensch deshalb erwarten, das Geschäftsmodelle vorsichtig und mit guten Arbeitsbedingungen kalkuliert werden BEVOR eine Gastronomie eröffnet wird. Ebenso kann mensch von Arbeitgeber_innen deren Empathie für die Beschäftigten mehr ist als Heuchelei, erwarten, dass sie sich gegen Finanzamtschikanen, Preisdumping etc. politisch zur Wehr setzen. Das sie Arbeitgeber_innenverbände bilden, die einheitliche Mindeststandards garantieren etc.. Kurz um, dass sie die Verantwortung, die sich durch ihr größeres Kapital ergibt nicht von sich weisen.

    Von den Arbeitnehmer_innen ist zu erwarten, dass sie den Unternehmer_innen durch lebendigen Zusammenhalt und gewerkschaftliche Aktionen Anreize bieten sich korrekt zu verhalten. Wer Arbeiter_innen übers Ohr haut, dem müssen Kund_innen und Personal wegbrechen, die Kacke muss am dampfen sein. Betriebe in denen sich fair verhalten und ffair bezahlt wird müssen dagegen brummen, so das sich deren Geschäftsmodell weiter etablieren kann. In die Kerbe schlagen eben auch die Aktionen am Trotzdem. Das Trotzdem wurde so lange in Ruhe gelassen und von Arbeiter_innen sogar konkret empfohlen, bis sich die Arbeiter_innen verarscht vorkamen. Unter diesen Bedingungen musste die bisher gewährte Unterstützung eben aktiv zurück gezogen werden. Das passiert gerade.

    Das ist jetzt alles eigentlich grundsätzliches in einer sozialer gedachten Marktwirtschaft und eigentlich so reformistisch, das es einem als Anarchist das Frühstück heraus würgen möchte aber scheinbar ja für viele noch zu radikal.

    Generell sind gewerkschaftlich kontrollierte, kollektiv geführte Betriebe aber wohl die beste Lösung für eine bewusst denkende Kundschaft. Arbeitsbedingungen werden regelmäßig von externen Stellen kontrolliert, es gibt keinen strukturellen Interessengegensatz unter den Beschäftigten und durch die Vernetzung mit anderen gewerkschaftsnahen Betrieben kann dem Betriebsegoismus auch einiges entgegen gehalten werden. Die Beschäftigten haben Entfaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten und die Kund_innen haben Klarheit in was für eine Art Geschäft ihr Geld fließt.

    Das Trotzdem hat gezeigt, dass es die Kund_innenerwartung enttäuscht hat. Deswegen steht die Gewerkschaft davor und protestiert. Deswegen bleiben auch viele der linken und gewerkschaftlich orientierten Kund_innen (sowohl syndikalistische als auch zentralgewerkschaftliche) aktuell fern.

    Und was die „saufenden“ Streikposten angeht: Ja wenn da Abends 30 Leute stehen und im Schnitt 1,5 Bier trinken, dann stehen da am Ende 45 Flaschen rum. Ich weiß aber nicht was daran schlimm ist, schließlich ist es ihr Feierabend den die Leute ehrenamtlich für diesen Solidaritätsakt opfern. Da können sie wohl auch mal ein Bier trinken. Vor den Kündigungen hätten sie das sicher drinnen erledigt und niemand hätte sich daran gestört.

    Gruß

  152. Seldon
    8. Februar 2014 um 11:38

    Hallo nurmalso,
    Ja, ich versuche, allgemeine, allgemeingültige Zusammenhänge zu beschreiben. Ich rede nicht über Lieschen Müller oder Johanna Kalex, ich rede nicht über das „Trotzdem“, ich rede nicht mal über Kneipen. ich rede sozusagen über den ganzen Elefanten! Wenn wir über Fußball reden, reden wir vielleicht über Bälle, Tore, zwei Mannschaften…wir reden nicht über das Material des Balles, sondern über einen „idealtypischen“ Ball, der zur Not auch mal eine Blechbüchse sein kann, nicht über die Farbe der Torpfosten oder ob Netz oder nicht, sondern über ein „abstraktes Loch“, notfalls markiert durch zwei Jackenhaufen, nicht über Rasen oder Sand…versteht Du das Prinzip von Abstraktion? (Und trotzdem kann man selbst zu dem überschaubaren Thema „Fußball“ die eine oder andere umfängliche Abhandlung schreiben, prägnante Zitate eingeschlossen. Auch diese können kommentiert, hinterfragt, diskutiert werden: was genau scheint Dir unverständlich, nicht nachvollziehbar, fehlerhaft?) Wenn ich nun vorschlage, etwas anderes zu spielen, weil Fußball eben tendenziell blöd ist und es viel besser kommt, den Ball in die Hand zu nehmen und in Körbe, die an der Wand befestigt sind, zu werfen, dann kannst Du zwar behaupten, das würde nicht funktionieren, aber bitte auch irgendwie nachvollziehbar begründet. Das es mit den Körben nicht funktionieren kann, weil es ja schon mal versucht wurde, einmal auf einem Feld voller Stolperfallen, einmal mit auf den Rücken gebundenen Händen, ist da ein eher kein Argument!
    Und jetzt noch zu den fünf Punkten:
    zu 1. Arbeit:
    Du behauptest, „es ist besser, einen Unternehmer zu haben, der neue Ideen umsetzt und verwirklicht und damit Menschen die Möglichkeit zur Arbeit gibt, als diesen nicht zu haben. Weil die Menschen, die bei ihm arbeiten, sonst arbeitslos wären.“
    Kurz: Unternehmer schafft Arbeit. Arbeit gut weil sonst arbeitslos. (Oben war noch von „fairer“ Arbeit die Rede, was auch immer das sein soll, ich nehme an Du meinst „faire“ Entlohnung. Wobei „fair“ ja nun eine sehr subjektive Kategorie ist und im Allgemeinen auch keine, die im Verhältnis zwischen AG und AN eine Rolle spielt.)
    Arbeit gut weil sonst arbeitslos? In „unserer“ Gesellschaft sicher richtig, denn Arbeit(slohn) ist nunmal Voraussetzung für Lebensunterhalt und gesell. Teilhabe. Arbeit ist aber auch hier eben nur Mittel zum Zweck. Es geht nicht eigentlich darum „Arbeit“ zu „haben“, sondern Lohn zu bekommen! (Den man im Übrigen gern verwendet um die arbeitslose Zeit angenehm zu gestalten) Jeder Fortschritt dient auch dazu, Arbeit zu vermindern (Produktivität) und schafft damit nur ein Problem in einer Gesellschaft, die eben auf der Ausbeutung von Arbeit beruht. Arbeit „als solche“ ist aber eben kein Wert an sich. Auch ein Wirbelsturm schafft Arbeit!

    Zu 2. Ich glaube, Deine Vorstellungen über Vereinsarbeit sind etwas eingeschränkt, wenn Du den Vorstand als „Hilfsdiktator“ einschätzt. Auch geht es nicht darum, die „Deutschland AG“ in einen e.V. umzuwandeln, sondern, sozusagen bottom-up, ein Netz vielfältiger Assoziationen zu schaffen, die miteinander kooperieren, selbstbestimmt und frei ihre Belange auf betrieblicher, kommunaler, regionaler Ebene diskutieren und lösen. Also eben nicht, wie im RealSoz, per ordre de partie, sondern als Gruppe gleichberechtiger Menschen in Kooperation mit vielen anderen solcher Gruppen. Wie das im Einzelnen funktioniert? Keine Ahnung, das organisiert jede Gruppe für sich, wählt Repräsentanten, stimmt jede Frage ab, … frei und abhängig. Unvorstellbar? Etwa so unvorstellbar, wie die Tatsache, dass Menschen anderen Menschen gehören konnten? Das Menschen fliegen könnten? Das Könige nicht gottgesandt sind?
    Ich denke mir da gar nichts GENAU! Es gibt aber vielfältige Vorstellungen, wie das aussehen könnte. Was die Menschen probieren, für gut befinden, verwerfen, müssen sie eben selber bestimmen! Und die Möglichkeit dazu gegen schwerwiegende Widerstände erkämpfen, Nischen finden und besetzen, überkommene Mechanismen hinterfragen und demontieren! Wenn Du von mir eine Blaupause verlangst, verkennst Du a) die Funktionsweise historischer Entwicklung (auch die französischen Bürger haben schließlich nicht zunächst die Funktion des bürgerlichen Staates nach 1789 konstruiert und dann planvoll und gezielt das feudale Regime gestürzt) und verlangst b) genau dass von mir, was Du mir andererseits immer vorwirfst: Dass ich die Menschen bevormunden und in starre Korsetts packen wöllte…

    zu 3. Nochmal: Gemeineigentum ist etwas anderes als das was aktuell als „öffentliches Eigentum“ firmiert. (und als Staatseigentum!) Die Verantwortung dafür obliegt eben nicht den Nutzern, sondern Firmen oder Behörden, die dafür Geld bekommen oder ausgeben, NICHT den Bürgern!

    Zu 4. Ja, die Gesellschaft ändert sich, und wer anders als Marx hätte das eindrücklicher geschildert und analysiert:
    Globalisierung? Globalisierung ist ein neues Wort für eine altbekannte Sache: die kapitalistische Konkurrenz auf dem Weltmarkt.
    Nicht ganz unberechtigt beginnen unsere Geschichtsbücher die Epoche des Kapitalismus mit den Entdeckungs- und Eroberungsfahrten der Europäer in alle Welt, denn „der Weltmarkt bildet selbst die Basis dieser Produktionsbasis.“ K. Marx, Kapital III
    Internet? „Das Kapital treibt seiner Natur nach über jede räumliche Schranke hinaus. Die Schöpfung der physischen Bedingungen des Austauschs – von Kommunikations- (!) und Transportmitteln – wird also für es in ganz anderem Maße zur Notwendigkeit – die Vernichtung des Raums durch die Zeit.
    Insofern das … Produkt nur massenhaft verwertet werden kann auf fernen Märkten im Maße als die Transportkosten abnehmen und insofern andererseits Kommunikationsmittel und Transport selbst nur Sphären der Verwertung, der vom Kapital betriebenen Arbeit darstellen; insofern massenhafter Verkehr stattfindet – wodurch mehr als die notwendige Arbeit ersetzt wird –, ist die Produktion billiger Transport- und Kommunikationsmittel Bedingung für die auf das Kapital gegründete Produktion und wird daher von ihm hergestellt.“ K. Marx, Grundrisse

    Was genau ändert sich durch neue technische Errungenschaften? „Bei dem heutigen Stand der Produktion produziert die menschliche Arbeitskraft nicht nur in einem Tag einen größeren Wert, als sie selbst besitzt und kostet; mit jeder neuen wissenschaftlichen Entdeckung, mit jeder neuen technischen Erfindung steigert sich dieser Überschuss ihres Tagesprodukts über ihre Tageskosten, verkürzt sich also derjenige Teil des Arbeitstags, worin der Arbeiter den Ersatz seines Tageslohns herausarbeitet, und verlängert sich also andererseits derjenige Teil des Arbeitstags, worin er dem Kapitalisten seine Arbeit schenken muss, ohne dafür bezahlt zu werden.“ F. Engels, Zu Lohnarbeit und Kapital

    zu 5. Nochmal die ganz konkrete Frage mit Bitte um konkrete Antwort:

    Wer fällt denn nicht in eine der beiden Kategorien: “Besitz von Kapital”, “Lohnabhängig beschäftigt”? und sind das ggf. Einzelfälle oder von relevanter Anzahl? Wieso ist es herablassend, Menschen nach bestimmten Kategorien zu sortieren?

  153. Traudchen Caspers
    8. Februar 2014 um 11:57

    „sozial ist was arbeit schafft!“ – so der hier von den freundinnen der kalex wiederholt und penetrant vorgebrachte glaubensgrundsatz.

    demnach handelt die kalex „sozial“, da sie ja arbeit schafft.
    die gewerkschaft sowie „der dieb“ handeln asozial, da sie ein unternehmen zesrören/arbeitsplätze zerstören.

    da weiß man ja auf welcher seite man zu stehen hat.

    ps: wieviel sinn dieses credo macht (sozial ist was arbeit schafft) wird vielleicht in den worten von volker pispers deutlich:

    „wenn du jmd. mit nem baseballschläger die zähne aus dem gesicht holst, muss der ins krankhaus, zahnprotehesen müssen hergestellt werden usw usf,….“

    in diesem sinne – hinterlasse ich euch noch schröders wahlkampfparole (arbeit! arbeit! arbeit) und wünsche „jedem das seine“ (ohne euch zu verraten aus welcher quelle da kommt, aber das wisst ihr sicher)

  154. Franzl Lang
    8. Februar 2014 um 15:21

    @Traudchen: Was hat denn Platon damit zu tun?

  155. Miguel
    9. Februar 2014 um 00:27

    Was bei den meisten doch nicht zusammen geht ist, dass es in deren Welt nur formelle Hierarchien gibt, nach den man leben muss. Aber so ein starres Modell hat es eben nie wirklich gegeben. Ja, man darf seinem Chef, Professor, Arzt auch mal widersprechen. Das macht sogar Sinn wenn es das öfter gebe. In wievielen Jobs hat Mensch nicht schon gearbeitet und hat die uneffizienz gesehen wenn EINER einfach überfordert ist, oder generell menschlich dazu nicht in der Lage. Wieviel geht uns dadurch an Geldmitteln jährlich verloren? Ich rede hier nicht nur von Korruption und riesige Managergehälter in Großfirmen, auch die uneffizienz bei falschen Materialbestellungen/ flaschen Einschätzungen im Kleinen. Einfach weil die unteren Ebenen ja nicht gefragt werden müssen… obwohl es meist dann genau die Menschen sind, die direkter mit Problemen zu tun haben als die Chefetage.

    Und warum Gewerkschaften? Nun, auf Arbeitsstellen ist es nunmal schwieriger seinem Chef allein die Stirn zu bieten, ohne das er einen einfach anfängt zu schikanieren. Deshalb ist es notwendig jemand von außen zu haben, der Druck macht, falls die Oberen auf dumme Ideen kommen, als Ausgleich. Es wird ewig gestrige geben die das nie verstehen, leider. Weil sie es nicht verstehen können oder selbst genug abgesichert sind um sowas sehen zu müssen. Trotzdem ist das Konzept „formelle Hierarchie“ meist genau das, was sie nicht wollen: Uneffizient, unwirtschaftlich, mittelfristig Arbeitsplatzgefährend.

  156. oha
    9. Februar 2014 um 12:51

    @Miguel

    das mag stimmen, aber in dem Fall um den es hier geht passt das wahrscheinlich nicht.

    Hier ist der Chef noch an der Front, selbst und ständig. Das ist eine Vermutung, aber bei der Größe des Ladens gehe ich davon aus…

    Was Du meinst sind staatliche Behörden :-) , Aktiengesellschaften, oder Großkonzerne und vor allem Parteien, bzw. der Staat ansich.

    Nur weil es hier einfacher ist Druck auszuüben, muss das noch lange keinen Nutzen bringen. Wenn die Deutsche Bahn Druck bekommt, erhöht Sie halt die Löhne und der Verlust wird durch steigende Fahrpreise kompensiert.

    Du kannst davon ausgehen, dass 90% der Leute günstig trinken wollen, oder finanziell gar nicht anders können!

    So wie ich es mitbekommen habe, muss das Trotzdem ja wirklich fast schon familiär sein, auch mit Gästen…, leider bekommen die irgendwann das Gefühl zu wissen was gut oder schlecht ist für einen Laden und hängen sich in Sachen rein, oder werden persönlich!!!

    Erzähle einem Außenstehenden so wie mir die Geschichte und er wird beide Seiten betrachten, ohne zu wissen wie welche Person früher gehandelt hat. Eine Gewerkschaft ist meiner Meinung nach grundsätzlich nie neutral und verliert sich ganz schnell in Mustern. Schließlich erhält Sie auch nur Informationen, von jemanden der meint er hätte Nachteile.

  157. mojomax
    9. Februar 2014 um 15:55

    Es scheint mir nötig nochmal drauf hinzuweisen, dass sich die FAU das Trotzdem nicht per Dartwurf auf die Neustadtkarte ausgesucht hat, sondern eben dort aktiv wird wo sie ihre Mitglieder hat. Selbstverständlich gibts wohl auch schlimmere Läden,Branchen usw. wo Streiks noch viel angebrachter und viel nötiger wären. Dass es nicht dazu kommt, liegt eben daran, dass sich dort die Arbeiter eben nicht gewerkschaftlich organisieren, was mich nicht verwundert, da ich aus eigener Erfahrung nur zu gut weiß, dass selbst Menschen die kaum noch vom Lohn die Miete zahlen können, ziemliche Vorbehalte gegen so ein Engagement haben. Schade aber leider ist es so. Wie dem auch sei, ich finds richtig keine Stellvertreterkämpfe für Leute zu führen die gar nicht in die Gewerkschaft wollen,(Weil hier immer wieder der Ruf laut wird, die sollten dort protestieren wos nötig wäre) sondern dort aktiv werden wo Leute vor Ort sind. Den anderen Beschäftigten steht es ja jederzeit frei in die Gewerkschaft einzutreten und sich zu organisieren. Die Empfehlung die hier manche machen, zufrieden zu sein und sich nach unten zu orientieren (lohnmässig) dann zufrieden zu sein, dass man 2,50 die Stunde mehr verdient ist Schwachssinn.Nur weil es anderen schlechter geht ist, das kein Grund NICHT eine Verbesserung der persönlichen Verhältnisse zu fordern. Sonst bräuchten wir hier auch kein Mindestlohn, sondern sollten froh sein, dass wir hier soviel am Tag verdienen wie manche Afrikaner in einem Monat.

  158. dom
    9. Februar 2014 um 17:43

    Dann alle wieder einstellen, bierpreis um 1, 50 erhöhen und dann kurz danach mangels gästen schliessen!

  159. s.
    9. Februar 2014 um 18:38

    @dom
    was ist das für eine logik? die leute schlecht bezahlen, so dass sie selbst noch nicht mal das existenzminimum (http://www.cecu.de/existenzminimum.html)erreichen (http://www.youtube.com/watch?v=t_s2LdFsi28)? ich hoffe, du wirst nie so eine prekäre situation erleben.

  160. oha
    9. Februar 2014 um 18:52

    @s.

    7,50 + Trinkgeld schlecht, wo ist die Logik?

  161. s.
    9. Februar 2014 um 19:53

    @oha
    keine bezahlung im krankheitsfalle. selbst krankenversichern, keine lohnfortzahlung im urlaub. ziehst du die fixkosten von den 7,5€ bleibt nur ein taschengeld. sprich ein prekäres leben, welches man führt. (wenn man unabhängig von hartz 4 leben möchte – was ich gut verstehen kann). und ehrlich gesagt, warum sollen prekäre löhne mit steuergeldern aufgehübscht werden? das problem ist gesellschaftlich zu suchen. natürlich möchte/ kann keiner 5 oder 6€ pro bier in ner kneipe bezahlen. aber auch nur weil viele menschen zu wenig verdienen.

  162. Frank
    9. Februar 2014 um 20:21

    Kann mal bitte bitte jemand ausrechnen, was die Flasche Bier (Sterni) in einer rel. gutgehenden Kneipe kosten müsste, damit 4 Angestellte UND der chef/die chefin 8,50(n) verdienen und kranken- und rentenversichert sind und bezahlten Urlaub kriegen ?
    Sind hier neben notorischen Welterklärern auch ein paar gastro/bwl-feste Menschen unterwegs ? Sonst stochern wir hier noch ewig um Nebel.

    Frank

  163. anni
    9. Februar 2014 um 20:28

    ab 2015 ist doch Mindestlohn ca. 8,50€?

  164. christoph
    9. Februar 2014 um 20:39

    @ dom… so einen Vorschlag hatte ich doch schon in etwa vor einer Woche… kam nicht gut an

  165. oha
    9. Februar 2014 um 21:16

    @s.

    was denn nun Angestellter und 7,50 + Trinkgeld und automatisch bei der Krankenkasse angemeldet, oder 400,- Basis und jeder Zeit kündbar, oder selbstständig und dann natürlich selber verantwortlich für Urlaub und Versicherungen.

    Kenne genug Leute die Promo machen für 10,- die Stunde, ohne Trinkgeld und auch alles selber bezahlen müssen.

    Ich kenne die Verträge nicht, aber wenn fest angestellt und keine Krankenversicherung bezahlt, sieht der Fall anders aus…

    Wenn 400,- Basis oder selbstständig beschäftigt, würde ich erst gar nicht diskutieren mit den Leuten!

    Hast Du genauere Infos? Zumal es sich wahrscheinlich nicht um fest handelt, bei den im MDR angegebenen Stundenzeiten.

    Bei 20%(viel gerechnet) Abgabe an die Krankenkasse, sind das immer noch 6,- + Trinkgeld. Was ich dann am Ende des Monats habe, richtet sich natürlich danach, wieviel Bock ich habe zum arbeiten. Bei ner 40 Stunden Woche (im normalen Fall) sind das 960,- + Trinkgeld…

  166. oha
    9. Februar 2014 um 22:56

    @Frank

    wenn alles feste da Arbeiten und die anderen Fixkosten gut geschätzt sind dann ungefähr so:

    8 h am Tag auf, macht bei 30 Tagen 240h im Monat mal 2 Leute pro Abend 480h. Wenn netto also ca 4000,- an Löhnen + 25% Sozialabgaben also 5000,-

    Miete : 800,-
    Löhne : 5000,-
    Strom : 250,-
    Versicherung: 150,-
    Müll/GEMA/IHK sonstiges : 120,-
    Reparaturen/Neuanschaffungen : 120,-

    Zusammen: 6500,- ca

    Um das umzusetzen, spielen die Verkaufspreise ne Rolle…gehen wir mal von 1,50 Euro pro Sterni aus dann muss Du 4330 Flaschen kaufen a´ 40 Cent??? also 1730,- Euro netto.

    Also komplett netto: 8230,- erstmal!!! Sagen wir 10000,- ca. dies durch 1,50 im Verkauf pro Bier heißt pro Monat 6666 Flaschen und pro Tag 200 !!! Wenn Du die 0,5l pro Flasche für 3,- Euro verkaufst halt nur 100….pro Tag

    Wenn dann Sommer in der Neustadt ist, musst einiges wieder aufholen…und Sterni ist kein guter Vergleich, da Du das sehr günstig einkaufen kannst, vobei Du an einem Fassbier nicht soviel Gewinn hast, oder an anderen Bieren. Das sind halt Preise die passen müssen und eine Mischkalkulation, da kann mann nicht grob 300 – 400% Prozent draufpacken. Dein Tee würde nämlich sonst ca. 40 Cent im Cafe kosten.

    Alles in allem würde ich tippen bei der Menge an Festangestellten und aufbauen einer Sommerlochreserve ca. 600,- pro Tag minimum Umsatz!!! Wären jeden Tag JEDEN!!!! also 30 Gäste a 20 EURO Umsatz egal was dann Getrunken wird…

    !!!!ACHTUNG BEISPIELRECHNUNG !!!! da auch noch Steuern bezahlt werden müssten bei 600,- und 30 Tagen 3420 EUR, Du selber aber im Falle alle würden für 600,- Pro Tag Sterni trinken, nur 900,- Euro erstattet bekommst bei 40 Cent a 19% MwST…..

  167. s.
    10. Februar 2014 um 13:15

    @oha
    „sind das 960,- + Trinkgeld…“
    das ist unter dem existenzminimum. da kannst du dir nichts extra leisten. bei den steigenden preisen (miete etc.) wird das leben auch immer schwieriger. aber wenn dir das als lohn reicht – mir nicht.

  168. oha
    10. Februar 2014 um 15:20

    @s.

    dann mach dich für Hartz 4 stark!!! Die bekommen 360,- pro Monat und Miete bezahlt….Bleiben bei 960,-, 600,- für ne Wohnung. Wäre schon ne ordentliche Bude! Plus Trinkgeld dann immer noch!

  169. oha
    10. Februar 2014 um 15:21

    @s. und wenn da nicht 10,- Euro Trinkgeld habe am Abend, dann sollte ich den Job wechseln!!!

  170. 10. Februar 2014 um 15:53

    also ehrlich – hier wird doch an der realität total vorbei diskutiert.
    wenn jmd ne kneipe auf macht, dann weiß er/sie, das damit in aller regel nicht allzu viel zu verdienen ist, insbesondere wenn es sich um das konzept einer irgendiwe linken szenekneipe und/oder alternativladen handelt.
    auf dem schirm haben solche wirte und wirtinnen neben miete, steuern und sonstigen abgaben gerade eben noch die löhne. diese sind meistens relativ niedrig. (der im trotzdem wurde erst letztes jahr auf bestreben der bng um 20% (!) auf 7,50€ erhöht).
    was die meisten wirte und wirtinnen „vergessen“ ist der gestzliche jahresmindesturlaub, auf den alle (!) arbeiter*innen ein recht haben und zwar ganz unabhängig davon ob sie nun eine stunde im monat arbeiten oder 45 stunden in der woche!
    bezahlter urlaub sind natürlich „doppelte“ kosten. denn entweder muss der kellner/die kellnerin die im urlaub ist bezahlt werden und eine urlaubsvertretung ebenfalls oder es ist so wenig zu tun, das eine urlaubsvertretung nicht nötig ist, aber dann wird auch nicht genig verdient um den/die urlauber/in zu bezahlen.
    auch die lohnfortzahlung im krankheitsfall ist ein gesetzlich garantiertes grundrecht für alle arbeiter*innen, unabhängig von der stundenzahl und den sonstigen bedingungen zu denen sie angestellt sind. auch kranke arbeiter*innen sind für einen wirt/eine wirtin nur zusätzliche kosten.
    kosten ist ein gutes stichwort: da es billiger ist leute als minijobber*innen arbeiten zu lassen statt als midijobber*innen oder gar in vollzeit, findet man dieses angestellten modell sehr häufig. andere modelle wie zum beispiel „soloselbständige“ scheinen im kommen zu sein, sind aber zu über 90 % nur scheinselbständige, für die grundsätzliche die gleichen regelungen wie für alle anderen arbeiter*innen auch gelten.

    zum thema mindestlohn
    zum einer wird der nicht kommen, und selbst wenn er kommt, ist das ein armutlohn, da man mit dem lohn von 8,5€/stunde bei einer normalen vollzeitstelle unterhalb der gültigen armutsgrenze bleibt. ganz zu schweigen davon, das ein solcher mindestlohn millionen menschen in die altersarmut entlässt. ein armutsresistenter mindestlohn hätte im sommer 2013 eine höhe von mindestens 10,50€/stunde bei einer vollzeitstelle haben müssen. und dieser müsste jährlich nach oben angebpasst werden, da dieser mindestlohn keinen puffer für vermutete inflation beinhaltet.

    und jetzt noch mal ein wenig marktwirtschaft:
    betriebe, die am merkt nicht bestehen können, weil sie u.a. ganz unseriöser weise die kosten nicht richtig berechnet haben, gehen besser insolvent, als das man sie durch nicht-legale maßnahmen rettet (vorenthaltung der lohnfortzahlung im krankheitsfall, verenthaltung von gesetzlich vorgeschriebenen mindesturlaub).
    und was mal gar nicht geht, ist, das szene/alternative/linke kneipen nur funktionieren, weil die beschäftigten mit einem lohn deutlich unter der armutsgrenze abgespeißt werden, solche betriebe sollten meiner meinung nach tatsächlich dicht machen. oder wie schon rio reiser sang „ich will was dafür sehen“

  171. nurmalso
    10. Februar 2014 um 16:05

    @Seldon:

    1. Arbeit ist kein Wert an sich? Weit gefehlt. Wiederholt, aber nun zum letzten Mal: Ich empfehle Dir, Deine Lücke in der Kenntnis menschlicher Psyche und der entsprechenden Bedürfnisse zu schließen. Dann reden wir darüber weiter.
    Und selbst ohne diese Kenntnisse ist es leicht einleuchtend: Es gibt Leute, denen macht ihr Job Spaß. Wenn es nur um das beste Aufwand/Nutzen-Verhältnis ginge, wäre die Jobwahl vieler Menschen wohl anders (inkl. mir).

    2. Ich kann ja verstehen, dass Du Fehlerpunkte der Ideologie Deiner Wahl gern ausblendest, um sie so gültig wie möglich erscheinen zu lassen. Nichtsdesto trotz bleiben sie bestehen, und gerade die Versorgungssicherung der Bevölkerung (eine Grundaufgabe der Wirtschaft) muss sichergestellt werden. Dabei ist die Auwahl der Produktion nichts Triviales, so wie Du es hinstellst. Es geht nicht darum, dass das irgendwer irgendwie organisiert, sondern dass die Versorgung von xx(xx) Millionen Menschen gesichert ist. Nahrung, Medizin, Kleidung etc für Kinder, Alte, Junge, Kranke, Dicke, Dünne… für das alles werden sich die Leute schon irgendwie zusammenraufen, irgendwie lokal, in Kommittees, überregional organisieren? Nicht sehr überzeugend.

    3. Mir ist völlig egal, ob wir es Staatseigentum, öffentliches Eigentum, Gemeineigentum o.ä. nennen. Du kannst hier die Haare gern spalten – meine Kernaussage bleibt bestehen: Ohne individuelles Eigentum nicht ausreichend Verantwortung. Wenn allen alles gehört, kümmert sich keiner mehr um irgendwas, die Motivation dafür ist weg, es strengt sich keiner mehr an. Und ja, die öffentlichen Toiletten waren nur ein Beispiel, und nein – ich halte die Menschen nicht für schlecht, ich beurteile nur ihre Natur anders als Du (und bin der Meinung realistischer zu sein).

    4. An Deiner Argumentation an diesem Punkt sieht man mal wieder, dass der Kommunismus aus einer völlig anderen Epoche stammt. Aus einer Epoche, zu der der Großteil der Produktion aus materiellen Gütern bestand, sei es industrieller oder landwirtschaftlicher Art. Eine Zeit, zu der die große Mehrzahl der Arbeiter in die Fabriken gingen oder die Bauern raus aufs Feld. Wenn Du den Unterschied zur heutigen Zeit nicht siehst, dann hat es wohl auch keinen Zweck, diesen jetzt im Detail zu beschreiben. Ich nenne nur Stichworte wie virtuelle Organisation, Crowdfunding, verteiltes Arbeiten, digitale Produkte, Online-Dienstleistungen, Homeoffice, Work-life-Balance durch mobiles Arbeiten und bessere Integration ins Leben, Arbeitszeitkonten usw usf… der Unternehmer, der mit der Peitsche hinter den Arbeitern am Fließband steht, ist längst nicht mehr überall real. Sorry – aber die Bilder, die Du von der Gesellschaft zu haben scheinst, sind einfach veraltet.

    5. Definitionsfrage (es gibt Leute, die sind beides, es gibt Leute, die sind keins etc… – aber darauf will ich nicht hinaus) Worauf ich hinaus will: Du verknüpfst automatisch mit „Besitz von Kapital“ die Eigenschaft des Ausbeuters, und mit „Lohnarbeit“ (wobei heutzutage viele Leute Gehälter beziehen, nicht Lohn) die Eigenschaft des Opfers. Ich finde es herablassend, pauschal alle Unternehmer aus Ausbeuter zu titulieren, und pauschal alle Arbeitnehmer als Opfer. Erstens weil Du keine weitere Differenzierung vornimmst, und Milliarden Menschen in einen von zwei Säcken steckst. Zweitens, weil Dein Urteil allein Dein subjektives Urteil ist (ja, ideologisch begründet, dennoch subjektiv), und Du gar nicht mal in Betracht ziehst, dass die „Betroffenen“ durchaus anders sein könnten (wenn auch Deine Ideologie diese Abstufung nicht vorsieht, sondern bei ihrer einfachen schwarz/weiß Denkweise bleibt). Und drittens könnten es die „Betroffenen“ durchaus anders sehen oder erleben, was Du wiederum aufgrund der ideologischen Definition schlichtweg ausblendest.

    Ja, wir leben in einer Gesellschaft, die den Konsumexzess zelebriert, und ja, wir leben über unsere REssourcen, und nein, es ist beides nicht gut. Und ja, wir haben jährliche Produktionssteigerung, die Arbeitslosigkeit herbeiführen. Die einzige Lösung nach meiner Ansicht, aus dieser Situation herauszukommen, ist eine Bewusstseinsänderung der Menschen herbeizuführen; sowie Arbeit und Wohlstand besser zu verteilen. Aber nochmal, ich glaube nicht, dass eine veraltete Ideologie mit radikalem Bruch zur jetzigen Situation der richtige Weg ist. Wir wollen die Dinge besser machen, und nicht anders schlecht.

  172. Seldon
    10. Februar 2014 um 17:16

    Hallo nurmalso,
    zunächst mal Danke f. d. anregende Diskussion!
    nun zu
    1.) Jaja, Arbeitsmotivation, Arbeitszufriedenheit, Hobby zum Beruf gemacht…was ist da Henne, was Ei? Arbeite ich, weiul mich das zufrieden macht, oder bin ich zufrieden, weil ich in der Arbeit irgendwie Anerkennung, Selbstbestätigung usw. (vermeintlich) bekomme, mein Hobby hatte ich jedenfalls schon vorher und unabhängig von der Arbeit, sonst hätte ich es ja nicht zum Beruf machen können…Abgesehen von den ganzen küchenpsychologischen BLW-Wisheiten sind 200 Jahre Arbeitsgesellschaft sicher nicht ganz unschuldig an einer gewissen Aufwertung des Phänomens „Arbeit“, schon Kant hat ja postuliert: „Warum ist die Arbeit die beste Art, sein Leben zu genießen? Weil sie beschwerliche (an sich unangenehme und nur durch den Erfolg ergötzende) Beschäftigung ist und die Ruhe, durch das bloße Verschwinden einer langen Beschwerde, zur fühlbaren Last, dem Frohsinn wird, da sie sonst nichts Genießbares sein würde.“
    Wen würdest Du denn empfehlen? Ich empfehle Hannah Arendt: vita activa, Erich Fromm, und, ok, Marx, aber da wirst Du wohl kein Lust haben…wenigsten zum Stichwort Entfremdung?
    Naja, und wo schon dabei sind Lafargue, Recht auf Faulheit + Manifest gg. die Arbeit

    zu 2. es wird ja nicht bei Null angefangen, es werden ja nicht plötzlich alle Fabriken, Krankenhäuser und Serverbänke verschwinden. Auch jetzt wird wohl kaum zentral geplant, aber es wird nochnichtmal der Bedarf ermittelt! Es wird spekuliert ob dies oder das verkauft werden kann und drauflos produziert (und ggf. mit höllischem Werbeaufwand und Lobbyarbeit beeinflußt) Niemand hatte Bedarf nach Rasierern mit fünf Klingen, aber unter Konkurrenzdruck wird eben versucht mit mehr oder weniger sinnigen Gadgets (und unter Kostendruck) Marktanteile zu sichern oder zu erobern. Der Bedarf von vielen Menschen wäre sehr einfach zu decken, ohne viel Organisationsaufwand, wird er aber mangels Kaufkraft nicht…und der heilige Markt mit seiner unsichtbaren Hand ist auch dazu nicht geeignet! Guck‘ Dich einfach um!

    zu 3.)
    „Ohne individuelles Eigentum nicht ausreichend Verantwortung“? Es gibt durchaus genügend Beispiele, das auch gemeinschaftliches Eigentum verantwortungsvoll genutzt wird, andererseits auch ausreichend Bsp., in denen Privateigentum eben gesellschaftlich höchst verantwortungslos genutzt wird. Da scheint mir Deine Aussage doch etwas sehr gewagt und mindestens arg pauschalisiert.

    zu 4.) hier geraten wir langsam an Grenzen des sinnvoll diskutierbaren ohne eine gemeinsame Begriffsbasis. Marx hat zwischen direkt und indirekt produktiver sowie unproduktiver Arbeit unterschieden. Näheres hier. Erstere geht durch wiss/techn. Fortschritt in der Tat (und mit Marx konform) zurück (Mit wachsendem kapitalistischem Reichtum kann dieser Teil der Dienstleistungsklasse ebenfalls wachsen, indem „sich um das Kapital eine Masse Parasitenkörper anlegen, die unter einem oder dem anderen Titel so viel von der Gesamtproduktion an sich ziehen …“ K. Marx, Grundrisse)
    Ändert aber nichts am Mechanismus ansich…
    zu 5.)
    ich verknüpfe eben nicht! Ich sage lediglich, es gibt Gruppe A und Gruppe B. Gruppe B arbeitet für Gruppe A (und wird ausgebeutet, ja, ebenso wie eine von A ausgebeutete Eisenmine, wir können meinetwegen auch ein anderes Wort verwenden…was schlägst Du vor? Ob sich der Einzelne seiner Ausbeutung aktiver oder passiver Art nun bewußt ist oder nicht, ist dabei völlig irrelevant. auch wenn Du jeden Morgen fröhlich singend zu Deinem Arbeitgeber eilst und soviel verdienst, dass Du dreimal im Jahr Urlaub machen kannst und tollste Konsumgüter anhäufen, wirst Du (Deine Arbeitskraft) ausgebeutet, da Dir eben nicht Dein Arbeitsprodukt (ob materiell oder nicht) bezahlt wird, sondern lediglich die Verfügung über die Arbeitskraft für eine bestimmte Zeit abgekauft wird. Ob der AG ein lieber netter Kerl ist, steht da nicht zur Debatte und wird auch nicht moralisch bewertet, es wird lediglich der Fakt benannt, dass AN Mehrwert schafft. Aber ok, Definitionsfrage? Definiere Ausbeutung.

    „Bewusstseinsänderung der Menschen herbeizuführen“ ist dass nicht immer der Vorwurf gegen Kommunisten verbunden mit der Aussage, „der Mensch ist halt so“? Kommunisten wollen aber eben nicht das Bewußtsein ändern, sondern die materiellen Vopraussetzungen der Gesellschaft!
    „Die Forderung das Bewusstsein zu verändern, läuft auf die Forderung hinaus, das Bestehende anders zu interpretieren, d. h. es vermittelst einer anderen Interpretation anzuerkennen.“ K. Marx, Deutsche Ideologie

    Und zum Schluss noch ein Graffitti-Spruch: „Das herrschende Bewußtsein ist das Bewußtsein der Herrschenden!“

  173. googlehupf
    10. Februar 2014 um 18:15

    @Seldon
    Ich habe keine Lust in die Diskussion einzusteigen möchte Dir aber eine Frage stellen die ich mir schon mal gestellt habe. Bin gespannt auf die Antwort:

    Hast du dich eigentlich jemals mit Werken/Positionen, außerhalb des (post-)marxistischen Umfeldes beschäftigt, z.B. schlimmen Marktradikalen? Ernsthaft beschäftigt, d.h. vielleicht auch mal Primärliteratur und nicht nur aus der Außenperspektive/Feindbeschreibung? Falls ja, womit/mit wem?

  174. oha
    10. Februar 2014 um 18:36

    @Rudolph Mühland

    mit dem Urlaub ist doch Quatsch…

    wenn Du mit 1 h rechnest erst Recht!!! Bei einer 40h Woche, stehen Dir grob 2 Tage Urlaub pro Monat zur Verfügung, also im Jahr 24 Urlaubstage…

    Bei welcher Festanstellung, welche Urlaubsverpflichtend ist, arbeite ich unter 20h pro Woche??

    Im übrigen wofür bräuchte ich Urlaub, wenn ich 1 h oder von mir aus auch 20h im Monat arbeite, da wäre mehr als genug Freizeit…

    Ansonsten geb ich Die soweit Recht, aber Aufgrung der Tatsache, dass in Kneipen viel in Bar bezahlt wird, ensteht ja auch innerhalb kurzer Zeit ein ordentliche cash flow, bei dem sich so mancher von Woche zu Woche durchbringt…

  175. Booby
    10. Februar 2014 um 21:22

    Godwinpunkt schon erreicht? (SCNR)

  176. u.
    11. Februar 2014 um 05:30

    @oha
    ob Ihnen die gesetzliche regelung nun eingängig ist oder nicht spielt keine rolle. der gesetzliche (bzw. tarifliche) urlaubsanspruch besteht – bei teilzeitkräften eben anteilig.
    jemand der unter 20 stunden pro woche arbeitet (trifft z.b. bei mir zu und selbstverständlich ist meine festanstellung – wie jede lohnarbeit, fest oder nicht, midi oder mini oder „normal“- „urlaubsverpflichtend“!) möchte natürlich ebenso eine mehrwöchige urlaubsreise unternehmen können wie ein/e vollzeitbeschäftigte/r. „quatsch“ ist das gewiss nicht sondern recht und gesetz.
    Sie sagen, man habe „genug freizeit“, wenn man zb 20 std.pro monat arbeiten würde. im falle der gastronomie hieße dies wahrscheinlich ein bis zwei abende pro woche zu arbeiten, da sollte sich auch in Ihrem denken die sinnhaftigkeit des gesetzlichen bzw. tariflichen urlaubsanspruchs verdeutlichen.

  177. Seldon
    11. Februar 2014 um 09:05

    @googlehupf,
    hallo, Danke der Nachfrage, ich hab‘ durchaus mal in Mill, Hayek, Mises … reingeschnuppert, aber zugegebenermaßen nicht sonderlich intensiv. Dann doch eher verschiedene Sekundärliteratur (nicht nur von „feindlicher Seite“). Aber wir können gern drüber reden. Ich bin ja durchaus interessiert. Was genau ist Dein Argument? Mir ist die Fokussierung auf den (ach so freien) Markt und die sich dort bahnbrechende individuelle Freiheit und Geld“politik“ etwas zu eindimensional. Aber um hier vielleicht nochmal mit einem Mißverständnis aufzuräumen: Ich halte mich durchaus nicht f. einen Wirtschafts- (oder Marx-)spezialisten. Es ist halt eines meiner Interessengebiete, ein mehr als komplexes und kompliziertes… Was wesentliche Grundlagen zum Verständnis des aktuellen Wirtschaftssystems angeht, halte ich das, was ich von und bei Marx ff. gelesen habe für durchaus einleuchtend und hilfreich, andere Ansätze bisher nicht, und wenn wir hier wirtschaftliche Probleme verhandeln, sollten erstmal die Grundlagen geklärt sein, finde ich. Oben kannst Du den Versuch betrachten, sich über einige davon zu verständigen. Da kannst Du gern noch eine fundierte Sicht einbringen…

  178. oha
    11. Februar 2014 um 12:11

    @u.

    Ja die gesetzliche Regelung in der Gastronomie ist mir eingängig. Ab 451,- EUR handelt es sich um einen Teilzeitjob, welcher lohnsteuerpflichtig ist und somit fest. Wenn ich also von 20h im MONAT spreche und jemand in der Gastronomie 22,55 EUR die Stunde verdient trifft das zu. Ob Ihnen die Stundenlöhne in der Gastronomie eingängig sind, bezweifel ich ganz stark!

    Wenn Sie !!!z.B.!! 20h pro Monat arbeiten, so wie ich es beschrieben habe und von normalen 5 h pro Abend ausgehen, haben Sie 26 Tage Freizeit im Monat, Also mehr als ein normaler Festangestellter im JAHR…, ob sie dann noch auf Ihren anteilig berechneten Urlaub als 20h Kraft/Monat und die Lohnfortzahlung pochen ist Ihr Ding, entspricht aber nicht der Praxis.

    Mal ganz ehrlich, wenn jemand 20h verteilt auf 4 Wochen und 2 Tage die Woche arbeitet, sind das 2,5h pro Tag. Wenn das nicht in irgendeiner Form ausgeglichen werden kann, dann kennen Sie wahrscheinlich die chaotischste Kneipe der Welt! Ich denke das könnte man vielleicht 2 Monate schaffen, damit der Mitarbeiter, ausgeruht und voller Tatendrang dann wieder 20h/Monat volle Leistung bringen kann. :-)

    Desweiteren ist es selbsterklärend, dass im Falle einer Festanstellung/ Teilzeitanstellung/ Minijob der Urlaub anteilig gerechnet wird. Das habe ich auch nie bestritten!

    Aber ich merke schon, auch wenn es hier um Kneipen in der Neustadt geht, welche sich ganz gerne mal als eigene Republik sieht, wird im Falle eines Problemes, sich dann doch wieder auf staatlichen Gesetze berufen. Sobald dann jemand marktwirtschaftlich denkt, ist es natürlich wieder Kommerz und der pure Ausbeuterkapitalismus.

    Auch wenn ich mich vielleicht strafbar gemacht habe, aber eine 450,- EUR Kraft die bei mir gearbeitet hat, hat weder Urlaub gefordert, noch bekommen. Genauso wenig hat Sie für Getränke bezahlt und mit mir das Trinkgeld teilen müssen.

  179. 11. Februar 2014 um 14:40

    @oha
    die neustadt ist so oder so den regeln und gesetzen der brd unterworfen. die kalex und auch du haben ja auch null problem sich diesen gesetzen zu unterwerfen.
    allerdings wenden sie diese gesetze gegen abhängige nicht ein!

    also enthaltet ihr euren kellner*innen den gesetzlich voreschriebenen urlaub vor. und diese gesetzliche regelung gilt unabhängig von der wochenarbeitszeit (egal ob 1, 5, 20 oder 40 stunden) und vom stundenlohn (egal ob sittenwidrige 1,50€ , armselige 6€, armutslöhne von 8,50€ oder 65€)

    und wenn die kellner*innen krank sind, tauschen sie halt ihre schicht – und bekommen eben keine lohnfortzahlung im krankheitsfall und wahrscheinlich erledigen sie auch noch den job des bosses, indem sie selbstorganisiert den tausch organisieren anstatt einfach nur dem boss oder in diesem fall der chefin bescheid zu geben das sie wg krankheit nicht kommen.

    fakt in dem konflikt ist doch folgendes:

    1) letztes jahr konnte die BNG eine lohnerhöhung um 20% prozent auf jetzt 7,50€/stunde erwirken.

    2) dieser lohn bleibt noch immer unter der mindestlohnforderung der regierung zurück, die angeblich 2015/16 umgesetz werden soll

    3) dieser lohn, ist ein armutslohn, der er deutlich unter 10,50€ liegt, die man 2013 hätte mindestens bekommen müssen um bei einer normalbeschäftigung nicht unterhalb der armutsgrenze zu bleiben und auch keine angst vor altersarmut zu haben bräuchte

    4) die gewerkschaftsgruppe wird entlassen (ein schelm wer böses dabei denkt)

    5) laut aussage der kalex hat sie die gewerkschaftsgruppe entlassen obwohl neben den gewerkschafter*innen noch zahlreiche andere personen zugang zum lager hatten/haben aus dem angeblich waren verschwunden sind und ein täter/eine täterin nie ermittelt werden konnte. maßnahmen um die angeblichen diebstähle zu verhindern wurden nicht ergriffen (zumindest erwähnt sie nichts in dieser art.)

    6) die kalex will einen freund der familie oder einen verwandten einstellen – vollzeit – als ersatz für die gefeuerten. der fängt aber nicht sofort an. (hat er noch einen job? muss er erst kündigen? oder wurde er gekündigt und die kalex hat ihm den job angeboten?)

    7) die betriebsgruppe der bng fordert einen haustarifvertrag

    8) die entlassenen fordern die aufhebung der kündigungen

    9) die freunde und freund*innen der Kalex fangen einen cyber-war an in dem sie die gewerkschaft versuchen zu diskreditieren und den arbeiter*innen das recht und/oder die berechtigung absprechen sich selbst zu organisieren und für ihre ureigensten interessen ein zu treten.

    10) es bleibt bisher spekulativ, ob die kalex in den vergangenen jahren urlaub bezahlt hat und oder löhne bei krankheit weiter gezahlt hat oder nicht, da dazu bisher weder von ehemaligen noch von aktuellen kellner*innen aussagen vorliegen. auch nicht von der kalex.

  180. oha
    11. Februar 2014 um 16:33

    @ Rudolph

    wie gesagt, ich gebe dir soweit Recht. Aber gesetzlich hin oder her bleibt ne Aushilfe ne Aushilfe. Üblicherweise ist der Lohn ja auch weit höher als bei einem Festangestellten im selben Betrieb, da ja keine Lohnsteuer bezahlt wird. Der Stundenlohn für einen festen liegt bei 5,50 netto, oder sogar weniger, da ein gewisses Maß an Überstunden vorausgesetzt wird. Der Feste hat natürlich mehr Dienste und evntl. macht er auch Kasse am Gast und hat dadurch mehr Trinkgeld. Bei mir sind die Festen mit 400,- bis 500,- Euro Trinkgeld im Monat dabei…

    Eine Aushilfe kann sich grob Ihre Dienste selber einteilen und rechnet exakt auf die Stunde ab und ist zum größten Teil ungelernt, also KEINE !gesetzliche!Fachkraft.

    Wie viel Urlaub Du gesetzlich hast, wenn Du 20h im Monat arbeitest, wirst Du sicher ausrechnen können, ich denke das ist für nen Studenten der Lust auf Geld nebenher hat, eher nebensächlich.

    Und ja im Trotzdem hat es ein geschmäckle und wäre ein ordentlicher Zufall, aber Gastro ist nun mal kein Ordnungsamt und es sollte für beide Seiten passen! Alkohol trinken, während der Arbeit ist auch nicht richtig, wird aber in einer lockeren Bar nie ein Kündigungsgrund sein.

    Ich finde es nur immer schade, wenn dann Haustarifverträge gefordert werden. Ganz ehrlich würde ich mir da auch angepisst vorkommen, da mit Sicherheit die Zahlung von 7,50 in gewisser Weise ein Entgegenkommen war. Wenn mir dann noch jemand vorschreibt, wer mein Gast sein darf….Dafür gibt es Gott sei Dank kein Gesetz, außer beim Alter hehe

    Du hast Recht Gesetz bleibt Gesetz, aber einen Streik hab ich so in noch keiner kleineren Kneipe mitbekommen und überschreitet meiner Meinung nach das Verständnis von geben und nehmen. Das es dann noch in einer derartigen Kneipe passiert, ist schon fast lächerlich, für eine ganze Szene…

    Glaub mir wenn alle Gastronomen in Deutschland ALLE Gesetze einhalten würden, dann würde es nicht einen Laden geben! Hygieneverordnung, Toilettengröße, Beschäftigungsverhältniste, Steuern und und und

    Im übrigen, war ich noch nicht einmal im Trotzdem und habe dennoch ein Gefühl, was fair und unfair ist.

    Sollte der Laden wirklich übernommen werden, was ich für total abwegig halte, bin ich gespannt was dann die beteiligten am Ende des Monats raus hätten und wie loyal die zueinander wären, ohne das der eine denkt er macht mehr als der andere…Zumal wir beide ja anscheinend wissen, welche Umsatzgröße generiert werden müsste.

    In diesem Sinne, allen Beteiligten ein faires Ende und ein Miteinander für die Zukunft. In anderen Kneipen geht es doch auch, ohne Streik.

  181. Zschertnitzer
    11. Februar 2014 um 17:06

    @u.
    Keine Ahnung wie du darauf kommst, dass Minijobbern eine mehrwöchige Urlaubsreise zusteht. Wenn ich die übliche Urlaubsformel auf 3-6 Einsätze pro Woche anwende, komme ich auf 4-5 Urlaubstage im Jahr. Soweit die Theorie. Ich habe während des Studiums auch in einigen Minijobs gearbeitet, Urlaub habe ich nirgendwo bekommen. Scheint in der Praxis nicht weit verbreitet zu sein.

    @Mühland
    Ein Nebenjob nebem dem Studium ist sicher nicht dazu gedacht, einen gegen Altersarmut abzusichern, dazu ist schließlich das Studium da. Auf jeden Fall klingt es nicht fair, dass sich Johanna Kalex hoch verschulden soll, damit ihre Kellner einen schönen Lebensabend genießen können.

  182. 11. Februar 2014 um 20:15

    @oha

    trinkgelder sind nicht bestandteil des lohnes!! sondern geschenke die der gast an den kellner/die kellenrein macht. dieses geld gehört immer und ausschließlich dem kellner/der kellnerin die es bekommen hat!! das darf der chef/die chefin gar nich na sich nehmen, denn das wäre diebstahl!
    der stundenlohn richtet sich nicht nach festanstellung/aushilfkraft und auch nicht danach ob jemand voll- oder teilzeit arbeitet, sondern einzig und allein nach der tätigkeit (und im rahmen der tätigkeit bestimmen dann ggf noch so dinge we ausbildung, berufserfahrung, usw die konkrete lohnhöhe), ausgangspunkt des vergleiches ist immer der bruttolohn. minijobber*innen haben halt den zweifelhaften vorteil, das ihr brutto=netto ist, da von ihrem lohn ersteinmal nichts abgezogen wird (es sei denn sie wollen freiwillig in sozialkassen zahlen).

    das gebot der gleichbehandlung sowie das recht auf bezahlten urlaub und lohnfortzahlung im krankheitsfall ist ebenso unberührt vom arbeitsverhältnis. d.h. es macht auch hier keinen unterschied ob/wie jmd qualifiziert ist oder welche tätigkeit ausgeübt wird, ob es minikobber*innen sind oder sie weniger als 1 stunde im monat arbeiten. nimm das zur kenntnis und halte dich in deinem betrieb daran. und wenn du es von dir aus machst, freuen sich deine kellner*innen sogar. wenn nicht, kann es dir wie der kalex passieren ;)

    bosse können es ihren angestellten erlauben am arbeitsplatz alkohol zu konsumieren und/oder zu essen. müssen sie aber auch nicht. un in der gastro (meint hier eigentlich in der hauptsache kneipen, kann aber auch bars, diskos usw meinen) ist es oft so, das die bosse die kellner*innen sogar dazu anhalten, zumal gäste kellner*innen schon mal einladen, also umsatz machen und wenn kellner*innen dann ablehnen mit dem gast an zu stoßen, finden das bosse oft nicht gut (wie das im trotzdem ist weiß ich nicht)

    glücklicherweise ist deine private meinung gänzlich uninteressant in bezug auf den haustarif und die kampfmaßnahmen dazu. beides sind ausschließlich dinge die die beiden parteien angeht und je eher sie sich einigen desto besser. aber dazu müsste die kalex überhaupt willig sein überhaupt nur mal mit den kolleg*innen der gewerkschaft zu verhandeln. solange sie die verhandlungen total verweigert bleibt die „ultima ratio“, also der vollstreik!

    @Zschertnitzer
    die kalex soll sich nicht verschulden – entweder ihr betrieb kann sich am markt behaupten, oder eben nicht. bis dahin ist es den arbeiter*innen selbst überlassen die rechtsbeugungen hin zu nehmen oder sich dagegen zur wehr zu setzen. und einen haustarifvertrag haben zu wollen ist eine absolut legitime sache.
    das du dagegen bist, ist natürölich klar. du bist student und spätestens nach deinem studium entweder im mangement oder selbst unternehmenr also boss. das du dir arbeiter*innen wünscht, die sich nicht mal ihr gesetzliches recht nehmen ist auch klar. unddu bist ganz offenichtlich eine memme, die sich hinter ihrer alternativ angehauchten fdp-moral versteckt, da du in deinen studijobs nie den mut aufgebracht hast dein ureigenstes recht ein zu fordern. diese, deine eigene feigheit läßt dich jetzt nur um so lauter gegen die arbeiter*innen des trotzdem kläffen.

    kollektivierung des betriebes:
    sollte die kalex ihren betrieb so nicht weiterführen können/wollen und sollte sie sich mit den arbeiter*innen über einen verkauf der kneipe an diese einigen, dann werden die kollektivist*innen sicher neue verträge machen. wie diese aussehen werden, werden wir ggf erleben.

  183. oha
    11. Februar 2014 um 23:22

    @ Rudolph

    abschließend nur noch 1 Satz, da es wie gesagt fair sein sollte und nicht wie beim Ordnungsamt!

    Wenn ich selber an der Bar stehe und der Cocktail schmeckt und die Toilette ist schön sauber und es wurde zügig zubereitet, dann könnte das Trinkgeld immer noch geteilt werden und wenn von mir aus der Koch was bekommt oder die Putzfrau…

    Aber bei Geld hört bei einigen wohl die Fairness auf und Sie werden gierig…

    Sorry, mit der Einstellung würde Dich ein Angestellter hinter den Kulissen nicht bestreiken, sondern als gänzlich asozial abstempeln ;-)

  184. u.
    12. Februar 2014 um 09:06

    @“tschernitzer“
    „Keine Ahnung wie du darauf kommst, dass Minijobbern eine mehrwöchige Urlaubsreise zusteht.“
    Der gesetzliche/tarifliche Mindesturlaub bemisst sich nunmal nach Wochen.
    Wenn ich angenommen ein Tag pro Woche 5 Stunden in einer Kneipe arbeite und mein Urlaubsanspruch bei 6 Wochen liegt, dann stehen mir 6 Urlaubstage á 5 Stunden zu, die eben 6 Wochen entsprechen.
    Auch hier gilt: wer seine Rechte nicht kennt, bleibt rechtlos.
    Informationen zur Rechtslage bei Minijobber/innen finden sich unter http://www.minijob.cc

  185. oha
    12. Februar 2014 um 10:14

    @u.

    Erst nervt langsam und ist doch völlig an der Realität vorbei….

    Wenn ich Minijober bin und 20h im Monat arbeite und 10,- EUR die Stunde verdiene habe ich 200,- EUR Lohn + Trinkgeld. Ich müsste dann also zumindestens noch beim Arbeitsamt gemeldet sein oder woanders fest angestellt sein.

    Ob das Arbeitsamt Dir frei gibt das Du 6 Wochen Urlaub machen kannst und vor allem wovon Du Deinen 6 Wochen Trip bezahlst sei erstmal dahingestellt. Du sollst ja in eine geregelte Arbeit kommen!!!

    Bist Du nebenher festangestellt und eine andere Variante gäbe es nicht, dann gilt für deinen Chef das Gesetz:

    Grundsätzlich soll der Urlaub zusammenhängend gewährt werden, es sei denn, dass dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe eine Teilung des Urlaubs erforderlich machen.
    Kann der Urlaub aus diesen Gründen nicht zusammenhängend gewährt werden und hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Urlaub von mehr als zwölf Werktagen, so muss einer der Urlaubsteile mindestens zwölf aufeinander folgende Werktage umfassen (§ 7 Abs. 2 BUrlG).

    Das wäre dann wieder Fairnes Deinen Kollegen gegenüber…

    Ja ich weiß wenn aber einer geerbt hat und nur aus Spaß arbeitet und der einzige Kollege ist bla bla bla

    • 12. Februar 2014 um 10:51

      Die Diskussion ist hiermit geschlossen. Meiner Meinung nach sind alle Argumente mehrfach ausgetauscht worden. Vielen Dank allen Beteiligten für den respektvollen Umgang miteinander.

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