Von Kamelen und Sex in der Wüste

El Grande
El Grande
Es ist heiß. Die Deckenventilatoren rotieren zwar auf Hochtouren, doch wälzen sie nur die schwüle Luft hin und her. Wenigstens mein Bier ist kalt. Jeder Schluck bringt Entlastung. Der Schweiß perlt mir über die Stirn. Mühsam halte ich mich am Tresen fest. Die Trägheit hat mich vollkommen im Griff. Dann geht das Licht an. Eine siebenköpfige Truppe steht auf der Bühne und greift in die Instrumente. Einer nimmt sich das Mikrofon. Zwei, drei, vier, gibt die Schlagzeugerin den Takt vor. Meine Trägheit ist wie weggeblasen. Schweiß auf der Stirn? Egal, mich hält es nicht mehr am Tresen ich muss ran an die Combo. Was ist das nur?

Die „Tequila-Monsters“, eine Truppe mit sechs Männern im mittleren bis reifen Alter und einer Schlagzeugerin. Eine Truppe mit riesigen Sombreros, das sind die klassischen mexikanischen Stroh-Hüte und farbenfrohen Ponchos. Der Sänger, El Grande, springt hin und her, singt über Kamele, die Wüste und was bei der Hitze richtig gut ist: Sex. Die Musik lässt sich nicht einordnen, sie spielen einfach alles nach, von hartem Rock über Country bis hin zu Hip-Hop-Stücken und alles auf eine irgendwie mexikanische Art. Dabei sind sie alle Dresdner, zum Teil gestandene Musiker mit Diplom und Doppel-Diplom. Und Captain Otto Tabasco hält die Fäden zusammen. Künftig wollen sie regelmäßig hier spielen. Doch jetzt kündigt er erstmal das letzte Lied an. Daran glaube ich nun noch nicht, denn inzwischen ist es voller geworden. Leute die hier in der Groovestation eigentlich nur den Billardstock schwingen wollten, sind stehen geblieben. Und tatsächlich nach dem Lied gibt es einen riesigen Applaus und Rufe: „Zugabe, Zugabe“. Ein bisschen geschmeichelt, spielen die „Monsters“ weiter.

El Grande, der Mann mit dem größten Sombrero und der Mann mit dem Mikrofon geht völlig aus sich heraus, am Boden liegend schreit er die letzten Töne, dann zuckt er nur noch und die total erschöpfte Band hört nach der fünften Zugabe endlich auf. Das Publikum zeigt Einsicht und klatscht nur noch höflich. Schade, dass der nächste Auftritt erst im September sein soll.

1 Kommentar zu “Von Kamelen und Sex in der Wüste

  1. Diese Band ist ein Phänomen, das sich schon seit Jahren hält und immer an anderen Orten neu aufflammt. Sehr sympathisch die Jungs. Jeden Monat kann man sich die Bandprobe im Bärenzwinger für umsonst anhören. Dafür kostet der Tequile dort auch nur 1€ (4cl) als Entschädigung. Ich find’s toll, dass es die immernoch gibt.

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