Vom Reinkommen und Drankommen

Als Mann hat man ja so seine Gewohnheiten. Ich zum Beispiel kann es überhaupt nicht leiden, wenn ich irgendwo etwas vorbestellen oder reservieren muss. Termine habe ich schließlich im Beruf genug. Ich will mich spontan entscheiden. So auch beim Kürzen des Haupthaares. Schlimm genug, dass ich für die wenigen Resthaare immer noch einen Frisör aufsuchen muss. Doch heute scheint ein ganz böser Tag zu sein. Gut, ich gebe zu, ich habe mich auch zu einer ungünstigen Zeit, am späten Nachmittag, aufgerafft. Jetzt habe ich den Salat, bei meinem Lieblings-Schnippelmeister sitzt ne Wartegemeinschaft. Da gehe ich doch gar nicht erst rein.

Untreu wie ich bei solchen Sachen nun mal bin, suche ich nach Alternativen. Da war doch noch das Haaramt auf der Königsbrücker Straße. Früher hatte hier die berühmte Beatrix Reuschel ihren Salon „Il Parrucchiere“. Doch die frisiert jetzt lieber auf der anderen Elbseite in nobler Umgebung. Nun also Haaramt. Die Werbesprüche schreien mich an und stimmen mich freudig: „Reinkommen und Drankommen“. Ja, so will ich das.

Also nix wie rein. Toll, kein Mensch zu sehen, nur eine adrett lächelnde Friseurin. Ich will schon ablegen und Platz nehmen, Stühle sind ja reichlich frei. Doch sie sagt die unglaublichen Worte: „Wir sind alle besetzt“. Jetzt bin ich verwirrt, suche in den Ecken des Raumes nach der versteckten Kamera und erwarte einen verspäteten Aprilscherz. Aber nein, sie meint es ernst und erklärt, dass in wenigen Minuten etliche Kunden kämen, die einen Termin hätten. Ich könnte ja kurz vor 20 Uhr wiederkommen. Tja, hier wird es wohl nix mit der Spontaneität, trotz schicker Abreißkarten, die das Amt verdeutlichen sollen und eigentlich auch das schnelle Drankommen. Auf den Fersen drehe ich mich um. Dann bleibe ich eben noch ein paar Tage Langhaar-Hippie.

Später am Abend begegnen mir die Abreißkarten wieder. Im Alaungarten bekomme ich die zum Bier dazu. Doch bevor ich fragen kann, ob das jetzt schon eine Reservierung für das nächste kühle Blonde wäre, bekomme ich die Erklärung: „Wenn Du das leere Bierglas und die Karte zurückbringst, gibt es auch den Pfand zurück.“ Dass mich Kellnerinnen duzen, bin ich wegen der langen Haare schon gewöhnt, aber dass ich im Biergarten mein leeres Bierglas wieder zurückbringen muss, trifft mich unerwartet. Solcherart Verabredungen müssen nicht in meinem Terminkalender stehen.

4 comments for “Vom Reinkommen und Drankommen

  1. billi
    14. Januar 2011 at 15:54

    genauso ist es mir auch ergangen – und ich wollte nicht mal ne komplette frisur, nur eine pony-auffrischung.
    zudem muss ich leider sagen, dass ich immer von friseurinnen überzeugt, deren haupthaar mir gefällt. das kann man beim haaramt nicht gerade behaupten. aber das ist ja bekanntlich geschmackssache.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.