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Tanz, Macht und Geschichte: „MIR“ feiert Premiere

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Zwei Frauen, zwei Lebenswege und eine Gesellschaft, die sich politisch verändert: Am Freitag feiert im Societaetstheater das Tanz- und Theaterstück „MIR“ Premiere. Auf der Bühne steht allein die 21-jährige Kornelija Aleksaitė. Für die Absolventin der Palucca Hochschule ist es das erste eigene öffentliche Stück.

Kornelija Aleksaitė, hier bei einer Probe in der Tenzaschmiede - Foto: Anton Launer
Kornelija Aleksaitė, hier bei einer Probe in der Tenzaschmiede – Foto: Anton Launer

Eigentlich sollte Frédéric Coupet nur bei ein paar Bewerbungen helfen. Das war im vergangenen Oktober. Aleksaitė kannte den Künstler, Performer und Coach bereits seit einigen Jahren. Aus der Unterstützung entwickelte sich jedoch schnell etwas Größeres.

Coupet und Aleksaitė begannen gemeinsam zu improvisieren und Figuren zu entwickeln. Nach ungefähr zwei Wochen stand fest: Hier entsteht ein Stück. „MIR“ heißt es inzwischen, am Freitagabend wird es im Gutmann-Saal des Societaetstheaters erstmals öffentlich gezeigt.

Zwei Frauen und ihre Dämonen

Im Zentrum stehen zwei fiktive Frauen in einer Gesellschaft der 1920er- und 1930er-Jahre. Die eine ist eine junge Cabaret-Tänzerin. Sie führt zunächst ein vergleichsweise geregeltes Leben, wird aber zunehmend von der politischen Realität eingeholt. Die andere ist Politikerin und nähert sich im Laufe des Stücks immer weiter der Macht.

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Ursprünglich war diese zweite Figur als älterer männlicher Politiker gedacht. Während der Entwicklung stellten Aleksaitė und Coupet jedoch fest, dass sie auch als Frau funktioniert.

Sie haben das Stück gemeinsam entwickelt: Kornelija Aleksaitė und Frédéric Coupet - Foto: Anton Launer
Sie haben das Stück gemeinsam entwickelt: Kornelija Aleksaitė und Frédéric Coupet – Foto: Anton Launer

Beide Hauptfiguren werden von Aleksaitė gespielt. Hinzu kommen zwei „Dämonen“ und weitere Figuren. Für das Publikum sollen die Wechsel vor allem über Körpersprache und Stimme erkennbar werden.

Damit ist „MIR“ weder reines Tanzstück noch klassisches Schauspiel. Aleksaitė beschreibt die Arbeit als Physical Theatre.

Vom Tanz zum Schauspiel

Die gebürtige Litauerin kam mit 13 Jahren an die Palucca Hochschule für Tanz, seit 2019 lebt sie in Dresden. Für „MIR“ musste sie sich neue Ausdrucksformen erschließen. Vor allem die Verkörperung verschiedener Charaktere und Schauspieltechniken seien für sie neu gewesen.

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Coupet arbeitet seit mehreren Jahren als Coach für Tänzerinnen und Tänzer und brachte Schauspieltechniken ein, etwa die Methode von Stella Adler, bei der die innere Motivation und Gefühlswelt einer Figur im Mittelpunkt stehen. So entwickelte sich nach und nach die Frage: Wer ist diese Tänzerin? Was erlebt sie? Wie reagiert sie auf eine Welt, die sich um sie herum verändert?

Seit März steht fest: Es wird ein Solo.

Kornelija Aleksaitė schlüpft bei der Tanzperformance in verschiedene Rollen - Foto: Anton Launer
Kornelija Aleksaitė schlüpft bei der Tanzperformance in verschiedene Rollen – Foto: Anton Launer

Wenn Geschichte zurückkommt

Hinter „MIR“ steht eine Frage, die ziemlich gegenwärtig klingt: Warum kehren gesellschaftliche und politische Entwicklungen wieder?

Das Stück blickt auf die 1920er- und 1930er-Jahre, erzählt aber keine konkrete historische Geschichte. Vielmehr geht es um Verhaltensmuster und gesellschaftliche Mechanismen – darum, wie Menschen sich politischen Entwicklungen anschließen und ihre Entscheidungen verändern, wenn sich die Welt um sie herum verschiebt. Aleksaitė und Coupet interessieren sich dabei besonders für Parallelen zur Gegenwart.

Für Regie, Dramaturgie und Probenbetreuung zuständig: Frédéric Coupet - Foto: Anton Launer
Für Regie, Dramaturgie und Probenbetreuung zuständig: Frédéric Coupet – Foto: Anton Launer

Deutsch, Litauisch und eine erfundene Sprache

Auch sprachlich setzt „MIR“ auf Wechsel. Zu hören sind Deutsch, Litauisch, Englisch und Französisch sowie eine fiktive Sprache, eine Art „Newspeak“. Besondere Sprachkenntnisse braucht das Publikum nicht.

Die Musik für die Inszenierung stammt vom Dresdner Musiker David Le Thai. Am Klang und an der Atmosphäre des rund 75-minütigen Stücks wird bis kurz vor der Premiere gearbeitet.

„MIR“ – Frieden, Welt und Ich

Auch der Titel ist aus dem Arbeitsprozess hervorgegangen. „Mir“ ist im Deutschen das Pronomen, das russische „мир“ kann sowohl „Frieden“ als auch „Welt“ bedeuten. Zugleich klingt darin der Name der Tänzerin Mir an, der während der Figurenentwicklung entstand. Eine eindeutige Übersetzung gibt es deshalb nicht.

Für Aleksaitė ist die Premiere zugleich ein persönlicher Schritt. Ihre Zukunft sieht sie weiterhin zwischen Tanz, Performance und Schauspiel. Nach der Dresdner Premiere soll „MIR“ weitergespielt werden, Aleksaitė und Coupet bemühen sich bereits um weitere Aufführungsmöglichkeiten.

MIR – Premiere

  • Freitag, 2. Oktober 2026, 20 Uhr
  • Societaetstheater, Gutmann-Saal
  • Dauer: etwa 75 Minuten, empfohlen ab 14 Jahren
  • Konzeption: Kornelija Aleksaitė und Frédéric Coupet
  • Performance und Choreografie: Kornelija Aleksaitė
  • Regie und Dramaturgie: Frédéric Coupet
  • Musik: David Le Thai
  • Kostüm: Kim Josephine Schölch

Tickets und weitere Infos auf der Seite des Societaetstheaters.

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