Werd ich jetzt blond?

Verdrossen und missmutig stapfe ich durch die Neustadt. Das Haar wallt mir schon fast auf den Schultern. Auf der Kamenzer wird mir plötzlich blond vor Augen. Das könnte die Lösung sein, der René, der soll sein Handwerk beherrschen, wurde mir von verschiedener Seite geflüstert. Natürlich komme ich nicht gleich dran, kriege aber einen Termin für den gleichen Tag.

Wild flattert die Mähne im Novemberwind.

Wild flattert die Mähne im Novemberwind.

Als ich zur vereinbarten Zeit in den Laden komme, werde ich erstmal wieder nach draußen komplimentiert. Denn blond sind zwei Läden, nur durch den Hausflur getrennt und mein Schnitt sollte in der Filiale Süd stattfinden. Drinnen sehe ich René schon hantieren, ob mich der Meister selbst … ?

„Hallo, komm doch rein, hier kannst Du ablegen, nimm Platz.“ So zwitschert ein junges Dingelchen, das um das Haupt herum ganz schön blondiert ist. Na, vielleicht gehört das hier zur Berufsehre dazu, der Meister trägt ja auch diesen gelblichen Haarton. Er ist aber gerade mit einer Dame beschäftigt, die reichlich Alufolie in ihren Haaren trägt. Ist das ein neuer Trend? Und falls ja, krieg ich sowas auch?

Natürlich nicht, die Blondine klärt meine Schnitt-Wünsche: Kurz, mit der Schere und gewaschen. Dann wird mir der Kopf gewaschen und ich kann den herrlichen Salon begutachten. Auf dem rauen Putz zeichnen sich Reste einer Ornament-Tapete ab. Die Spiegel hängen an der nackten Wand. Inzwischen hat Judy, so heißt die Friseurin, mich fest anvisiert und schnippelt los. Glücklicherweise hat sie keine Alufolien in Reichweite, meine natürliche Haarfarbe bleibt also erhalten. Wir plaudern über den Bäcker nebenan und darüber, dass man früher beim Friseur rauchen durfte. Ich werde sehr gut unterhalten. Auf Nachfrage bestätigt sie mir, dass man hier schon für drei Euro einen Maschinenschnitt bekommen kann. Aber das wollte ich ja nicht. Nach etwa zwanzig Minuten ist sie fertig. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, sie verlangt 16, ich gebe 18 Euro und kann mich wieder unter die Leute wagen. Irgendwie ist es ihr gelungen, sogar meine mürrische Stimmung wegzuzaubern.

  • Fazit: Gute Unterhaltung und guten Schnitt gibt es beim blond. Herrenschnitte gibt es ab 14 Euro, Damenschnitte ab 19 Euro.
  • blond
    Kamenzer Straße 47, Telefon: 0351 8894253
Nicht blond, dafür kurz

Nicht blond, dafür kurz

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9 Kommentare zu “Werd ich jetzt blond?

  1. Kelly
    30. November 2011 at 10:13

    Das war nicht irgendeine Frisörin sondern die wunderbare Miss Vintage Hair ;) http://m.facebook.com/Miss.Mint.VintageHair?_rdr
    Schätze dich glücklich! :)

  2. Alexander
    30. November 2011 at 12:54

    dort war ich letztens auch und mußte auch den laden wechseln…is schon lustig…und die wandgestaltung läßt auch raum für „Augenentdeckspiele“

  3. 30. November 2011 at 15:57

    …und schuppsdiwupps verliert man nicht nur ein paar Haare. Auch aus dem gar grimmig dreinschauenden „Winter-Schmuddelwetter-Muffel-Gesicht“ wird ein strahlendes Grinsen. Die scheinen da wirklich wahre Wunder verbringen zu können…

  4. Conni
    30. November 2011 at 16:01

    Judy ist klasse!!! Toller Salon, tolle Leute, Schnörkels, aber stilvoll. Bislang war ich nur mit meinen Kindern da wegen des bezahlend nach Alter, aber ich bin fest entschlossen, mich auch selbst mal hinzuwagen.

  5. Ronny
    3. Dezember 2011 at 02:10

    „Das Haar wallt mir schon fast auf den Schultern…“ – sehr gut! :)
    Den Vorher – / Nacher Effekt hast Du auch perfektioniert. So sehen zufriedene Kunden aus. Und wenn man im Salon das „Winter-Schmuddelwetter-Muffel-Gesicht“ ablegen kann, hat mich der Artikel endgültig überzeugt. Danke! :)

  6. 3. Dezember 2011 at 06:42

    Finde bei der wenigen Arbeit am Haupthaar sollte eine Rasur bei dem

  7. 3. Dezember 2011 at 06:42

    Preis allemal drin sein. Es ist einfach zu früh…. :(-o

  8. Sebastian
    25. März 2014 at 15:11

    Gestern habe ich diesen Friseur aufgrund der vielen positiven Bewertungen selbst einmal ausprobiert und muss sagen, dass ich mich der positiven Kritik nicht anschließen kann.
    Grundsätzlich mag es sein, dass Angestellten ihr Handwerk beherrschen, aber in Bezug auf Dienstleistung und Service habe ich gestern einen ganz schlechten Tag erwischt.

    Zunächst kam ich triefnass vom Regen in dem Salon an, der mich optisch, mit minimalistischer Ausstattung im 50er Jahre Ambiente, sofort angesprochen hat.

    Da auf meine Begrüßung keine wirkliche Erwiderung zurückkam, setzte ich mich zunächst einmal. Hier hätte ich mir mehr Aufmerksamkeit gewünscht und evtl. ein Handtuch da mir der Regen nach wie vor über das Gesicht ran.

    Als ich an der Reihe war, wurde ich sofort mit der obligatorischen Plane eingewickelt und gefragt, ob die Haare gewaschen werden sollen. Ich wollte jedoch zunächst einmal darüber sprechen was denn überhaupt mit meiner Haaren geschehen soll. Bisher hatte ich eine klassische Pomadefrisur, die jedoch auf Grund meines dünner werdende Haares eine Überarbeitung benötigte.

    Ich legte mein Problem dar und erhielt schon sehr spärliche Vorschläge, woraufhin ich zunehmenst, verspannte, da ich eine grundsätzliche Kreativität in diesem Beruf voraussetze. Ich ermutigte die Mitarbeiterin dahin gehend mit der Einschränkung, dass ich keinen 0815 Schnitt möchte und sie legte los.

    Während des Haarschnittes verriet sie mir dann auch, dass nebenan zwei Kolleginnen auf diese Art der Frisuren spezialisiert wären und ich solle dies doch einfach beim nächsten Mal sagen.
    Das Problem ich hatte es bereits bei der telefonischen Terminabsprache explizit gesagt und dann erwarte ich auch, dass darauf eingegangen wird.

    Fazit: Ich habe jetzt einen 0815 Bubihaarschnitt. Fachlich gut nur halt nicht wirklich kreativ. Leistungen wie das ausrasieren des Nackens und der Kanten mit einem Rasiermesser fehlten auch, auf Nachfrage wurde der Nacken mit einer Maschine noch nachgezogen.

    Tipp an den Salon: Hört euren Kunden genauer zu oder fragt nach. Ich bin auch gerne bereit mehr zu zahlen aber für einen solchen Schnitt kann ich auch zu einem von den vielen Discount Friseuren gehen.

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