Post-Gelände: Nächster Versuch

Gestern hat die Dresdner Projektentwicklungsgesellschaft erste Eckdaten ihrer Pläne für den Umbau des Postgeländes an der Königsbrücker Straße im Bauausschuss des Stadtrates vorgestellt. Das Unternehmen hat mit dem größten Grundstückseigentümer einen Vorkaufsvertrag, das erklärte Gregor Seyfert, ein Sprecher der Gesellschaft, heute auf Nachfrage.

So sieht der Entwurf der Dresdner Projektentwicklungs GmbH aus.
So sieht der Entwurf der Dresdner Projektentwicklungs GmbH aus. Anklicken zum Vergrößern.

Nach Aussagen von Seyfert soll bei den Planungen besonders auf den denkmalgerechten Erhalt des Gebäudebestandes geachtet werden. Insgesamt soll sich das neue Stadtteilzentrum in die vorhandene Struktur des Standortumfeldes einfügen. Damit kommt er den Wünschen des Neustadt-Grünen Stadtratsmitglieds Torsten Schulze schon sehr nahe. Der fordert: „Wenn es eine Entwicklung gibt, muss es mit Augenmaß erfolgen. Es dürfen nur kleinere Ladenflächen, die das Angebot der Neustadt ergänzen, entwickelt werden.“ Ob dies zu den Plänen passt, muss sich noch zeigen. Die Projektentwickler planen, rund 20.000 Quadratmeter Nutzfläche in den Bestandsbauten und in einem Neubau zu errichten. Dabei sollen 450 Stellplätze entstehen und Geschäfte und Büros. Geplant ist auch ein „attraktiver Lebensmittel-Vollsortimenter“. Wie groß dieser Markt werden soll, lässt Projektentwickler Gregor Seyfert offen. „Wir führen mit verschiedenen Interessenten Verhandlungen und prüfen die Machbarkeit in verschiedenen Richtungen“, erläutert Seyfert, der übrigens selbst in der Neustadt wohnt. Da hänge auch viel von der Stadt und den politischen Entscheidern ab, einen Discounter könne er aber schon ausschließen.

Die Neustädter SPD zum Beispiel forderte schon vor ein paar Monaten, auf dem Postgelände eine Schule und ein Stadtteilzentrum zu errichten (Neustadt-Geflüster vom 12. Januar 2011). SPD-Stadtrat Axel Bergmann erklärte heute auf Nachfrage, dass sich die Investoren an die städtische Verträglichkeitsstudie halten sollten, eine maßvolle Ergänzung sei vorstellbar. Diese Studie empfiehlt für das das Post-Areal ein Verkaufsflächenvolumen von maximal 5.000 Quadratmetern. Eine Schule wäre aus baulicher und verkehrlicher Sicht äußerst schwierig, erklärt Entwickler Seyfert, aber ausschließen möchte er einen solchen Plan derzeit nicht.

So sieht das Gelände derzeit aus.
So sieht das Gelände derzeit aus. Anklicken zum Vergrößern.
Zuletzt wollte die Florana KG an dieser Stelle das Gelände entwickeln (Neustadt-Geflüster vom 9. Juni 2010). Investor Heinz Nettekoven hatte dann aber von dem Vorhaben Abstand genommen. Die Stadtverwaltung hatte signalisiert, dass es in dem Bereich nur eingeschränkte Genehmigungen für Verkaufsfläche geben wird.

Eine Genehmigung eines großen Einkaufsmarktes an dieser Stelle könnte auch auf das benachbarte Edeka-Projekt im DVB-Hochhaus Auswirkungen haben. Sollte es am Postgelände die Genehmigung für einen großflächigen Markt geben, könnte das Hochhaus-Projekt noch abgeblasen werden.


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14 Kommentare zu “Post-Gelände: Nächster Versuch

  1. Warum immer und überall Gigantismus? Warum Parkplätze, Verkehr in die Stadt ziehen? Wer braucht riesige Einkaufszentren? Wer hat das Gefühl, es gäbe in der Neustadt eine Unterversorgung mit irgendwas? Wer, außer Investoren, die Rendite sehen wollen und nicht gesunde, am Menschen orientierte Stadtentwicklung?

    Wachstum über alles??? Ich kriegs K***….

  2. Was für ein belangloser Mist. Wieder mal wird ein komplettes Stadtquartier, statt vernünftige Wohnbebauung zu planen, mit völlig gesichtsloser, elbeparkmäßiger 08-15-Gewerbearchitektur zugesch***en. Siehe Bautzner Straße, siehe Kamenzer Straße, siehe geplante Güterbahnhofbebauung, siehe Verkehrsbetriebehochhausplanung. Das Dorf hat uns schon lange eingeholt, maracus. Das ist Gewerbepark Weißig 1990, nichts weiter. Urbanität sah/sieht anders aus. Wie sich ein so großes Einkaufsdings mit dem wohl hoffentlich nicht machbaren 4-spurigen Ausbau der Königsbrücker vereinbaren lässt, weiß wohl allein das Stadtplanungsamt (falls dort überhaupt noch geplant wird).
    Frank

  3. wozu plant jemand denn so nen mist. wieder ein flachbau-klops, der weder strassenzüge noch anschaubare fassaden bringt. das ist anti-stadt. und was soll der schmarrn mit dem denkmalschutz, das einzige gebäude (das hässliche postamt samt mensa) bleibt ohnehin stehen. ansonsten gibts dort nur vergammelnde baracken über baracken. ich glaub die träumen alle. wie wärs mal mit stadtreparatur? schaut euch das ganze schlamassel bis zum neustädter bahnhof doch an. die neustadt ist seit längerem ausgebucht, warum denkt da keiner an mietwohnhäuser mit grünen anwohnerhöfen. die gehen weg wie sonstwas. solche shoppingprojekte kann eine stadt auch mal ablehnen. ich geb dem keine chance.

  4. Herr Seyfert rühmt sich scheinbar damit, selber in der Neustadt zu leben. Und hat doch das Leben in der Neustadt nicht kapiert. Er sollte sich was schämen. Was sind das für ARSCHitekten, die menschlische Bedürfnisse reineweg VERGESSEN haben? Es gibt noch was anderes als schoppen, fressen und sch… Ist es denn so schwer, was für ’s Wohlfühlen, Gemeinnutz und Umweltgefühl zu planen? So eine geile Riesenfläche – das wäre doch eine Chance!!?

  5. Für mich ist’s ja ein Unding, dass dieser Riesen-Post-Koloss unter Denkmalschutz steht. Vielleicht kann mir ja jemand sagen, was an diesem Bau so erhaltenswürdig ist, außer ein paar Wandreliefs (Kunst am Bau) etc. Denn Fakt ist eins, wie soll man so ein Riesenbiest nutzen? Das ist ja beim Hochhaus am Albertplatz schon seit Jahren ein Problem. Schule usw. ist ja alles gut und richtig, nur welcher Investor will das zahlen? Das muss die Stadt selber tragen. Bleiben im Endeffekt immer die gleichen (doofen) Vorschläge für das x-te große Einkaufszentrum, was ich ehrlich gesagt für die Neustadt nicht nur nicht als zwingend notwendig erachte, sondern auch für schädlich für den hiesigen Einzelhandel, obgleich das von den Verantwortlichen ja immer bestritten wird. Im Gegenteil, dass man in Richtung Königsbrücker Straße beim Hochhausprojekt zwei kleine Altbauten(die wunderbar für Wohnnutzung im Grünen wären) opfern will, ist nicht nachzuvollziehen. Diese Bauten sollten im Grunde das Maß für die weitere Bebauuung vorgeben und nicht eine Großstruktur nach der Anderen.

    (siehe rechts im Bild: http://www.elbcontor-red.com/fileadmin/user_upload/Referenzen/Entwicklung/Bilder/koenigsbruecker_strasse_5.jpg)

  6. „warum denkt da keiner an mietwohnhäuser mit grünen anwohnerhöfen. die gehen weg wie sonstwas. “
    da stimme ich dir prinzipiell zu, nur befürchte ich, wenn das (mit gewinnabsicht seitens des bauherrn) gebaut würde, gäbe es hier zu lesen, dass noch ein volvo-ghetto ebenfalls überhaupt nicht in die neustadt gehört ;)
    so gesehen wäre ein ausweichpark für den manchmal überfüllten alaunplatz die einzig mehrheitsfähige lösung…

  7. Wir können noch lange darüber diskutieren. Am Ende wird es so wie auf der Kamenzer. Keiner wollte den Bau, einige haben dagegen etwas unternommen und heute gehen alle dort einkaufen.

    Wir wissen auch, dass kleine Interessengruppen nicht viel ausrichten können. Die Entscheidung wird letztendlich von drei Gruppen getragen:

    Investor(en)
    Partei(en)
    Komune(n)

    Die Entscheidung wird ein Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessen dieser drei Gruppen sein. Dabei scheint das Kapital mit dem Ziel der Gewinnmaximierung immer den größten Einfluß zu nehmen. Und das nicht nur bei den Investoren!

    Es gibt jedoch einen Weg, den jeder Einzelne gehen kann. Jeder Einzelne kann

    boykotieren
    unterstützen
    aufklären

    Jeder Einzelne zählt dabei und kann Einfluß nehmen. Das geht, indem man Verantwortung übernimmt und sich seines Handelns bewußt wird. Schließlich hat jeder die Wahl was man kauft, wo man es kauft und welche Wirkung die Entscheidung hat. Ganz nach dem “Ursache-Wirkung-Prinzip”. Dabei muß man natürlich gut überlegen, aber das Ganze entwickelt sich dann zu einem Spiel, das man gerne spielt.

    Ich kann mir vorstellen, dass irgendwann und irgendwo ein unbeliebter Supermarkt eröffnet, und keiner geht hin.

  8. Warum hier auf das Postgebäude so geschimpft wird, entgeht leider meinem Verständnis. Nachdem die Prager Straße vom Kommerz komplett als städtebauliches Ensemble zerstört wurde, ist das Postgebäude eines der wenigen übrig gebliebenen Perlen einer spannenden Architekturepoche.

    Die Fassadengestaltung, die hier kritisiert wird, geht für mich nicht aus dem Bild hervor – gibts da mehr Info-Material? Ich denke, das ist noch in der Entwicklung und mit einigen Bauherren kann man auch über Defizite reden und diese abstellen.

    Der Parkplatz könnte es evtl. ermöglichen, dass das Parken innerhalb der Neustadt jenseits der Königsbrücker nur noch für Anwohner erlaubt wird. Das würde meiner Meinung nach das Viertel wesentlich beruhigen.

    Interessant finde ich auch den Durchgang von der Königsbrücker zur Dr.-F.-Wolf-Str.,
    sowas fehlt mir zwischen Kamenzer und Görlitzer – oder gibts da irgenwo ein Schlupfloch?

  9. @ FX

    An Planungen für so eine Blockdurchquerung zwischen Kamenzer und Görlitzer kann ich mich erinnern – aber im verkehrlichen Rahmenplan ist die scheinbar nicht mehr vollständig vorgesehen. Das scheitert aber sowieso meist an der (Privat-) Eigentümerstruktur in der Neustadt.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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