Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Artikel-Schlagworte: „Oscar“

Viel Bewegung in der Neustädter Kneipenszene

Auf der Görlitzer Straße 46 wird bald mit dem La Bodegita eine kubanische Kneipe öffnen. Im ehemaligen Mc Louis wird ab Mitte Juni eine neue Kneipe eröffnen. Beide Lokale suchen übrigens noch Personal. Ein paar Schritte weiter auf der Louisenstraße 58 eröffnet am 1. Juni ein ayurvedisches Fastfood-Restaurant. An der Jordan- Ecke Alaunstraße hat seit Neuestem das Andalusia mit spanischer Küche geöffnet.

Und noch etwas Spekulation: Die Räume des ehemaligen Oscar auf der Böhmischen Straße wird wohl eine Außenstelle des Klubs Neue Mensa. In der Auffahrt wurde schon häufiger ein Kleintransporter des KNM gesehen.

Von hektischen Passagieren und lässigen Polizisten

Es ist Samstag und Nacht und verdammt kalt. Eigentlich wollte ich nur schnell ein paar Videos aus dem Oscar, der Filmkneipe, holen. Doch ein kleiner Snack ist ja auch nicht schlecht, also auf in den Kiosk auf der Rothenburger Straße.

Da leuchtet es blau und blinkend, ein Streifenwagen. Meine Neugier ist geweckt. Die Straßenbahn steht still, laut schimpfend stehen Passanten am Straßenrand. Empörte Rufe dringen an mein Ohr: „eine Sauerei ist das“ und „sieht der Idiot nicht, dass hier Schienen sind“. Ein ziemlich beleibter Herr fuchtelt hektisch mir den Armen: „Ich will jetzt weiter, haut diese Karre endlich um.“ Die Zornesröte steigt im ins Gesicht.

Ursache des ganzen Auflaufs ist ein roter Golf. Die Polizei hat schon den Abschleppdienst gerufen und versucht jetzt, die Passagiere zu beruhigen. Das gelingt nur mäßig. Der beleibte Herr läuft immer noch auf und ab, vielleicht auch wegen der Kälte. Neugierig geworden, frage ich einen Polizisten: „Wo wird der eigentlich hingeschleppt?“ Der junge Wachtmeister erklärt lässig: „Ach, den stellen wir einfach in irgendeiner Nebenstraße ab.“ Das hört der Herr mit den fuchtelnden Armen und ruft empört: „Auf den Schrottplatz gehört der, ab in die Presse.“

Ein Jugendlicher, ebenfalls Bahn-Passagier kommt zu unserer kleinen Wartegemeinschaft. Er schlägt vor, doch einfach den Kleinwagen beiseite zu heben. Doch der lässige Wachtmeister wird noch ein bisschen lässiger und winkt ab. Jetzt sei schon alles in die Wege geleitet. Schließlich muss doch alles seine Ordnung haben. Das glaube ich auch, zumal mir die nächtliche Straßenblockade nicht so nahe geht. Bin ich doch zu Fuß unterwegs. Um der Vollständigkeit willen inspiziere ich noch des Golfes Nummerntafel. Bestimmt wieder einer aus dem Umland, die parken hier immer so verrückt. Irrtum, feinstes Dresdner Kennzeichen, der müsste sich doch eigentlich auskennen. Und der hintere Reifen hängt mitten in der Schiene. Davor steht ein zweiter Streifenwagen, als ob er eine plötzliche Golf-Flucht befürchtet. Die Straße ist dicht, die Passagiere schimpfen und der durch die Neustadt kreisende Kneipen-Such-Verkehr dreht noch ein paar extra Runden. Mir wird es zu kalt, die Minusgrade siegen über die Neugier und ich werde keine spektakuläre Abschlepp-Aktion mehr erleben.

Anmerkung 2006: Neuerdings soll eine Ampel die Kreuzung bereichern. Siehe hier.

Von großen Ideen und kleinen Haken

„Von wegen Luft ablassen, anzünden müsste man die.“ Gregor, den ich im Oscar auf der Böhmischen Straße traf, war nicht so angetan von meinen Gedanken zum Parken in der Neustadt. „Diese Blechkarren stehen doch nur im Weg rum.“ Zur Erinnerung: Vor zwei Wochen hatte ich berichtet, wie ein Hausmeister über falsch parkende Autos denkt. Dabei fiel auch die Idee mit dem Luft ablassen.

Viel größere Ideen hat der Dresdner Martin Schramm, der zwar gerade in Wien weilt, doch in Gedanken noch in der Neustadt ist. Per E-Mail schickte er mir seine Visionen eines autofreien Szene-Viertels. Ein Parkhaus am Rande sollte her, und alle Autos dort hinein, denn zu Fuß sei die Neustadt viel schöner. Soweit kann ich folgen. Doch dann geht es weiter. Statt der Parkgebühr könnte der Autofahrer doch gleich auf sein Vehikel verzichten und eine Monatskarte für die Straßenbahn erwerben. Große Ideen fordern Taten. Also lasse ich das Auto mal stehen und probier es mit Laufen. Alle Wege in der Neustadt sind kein Problem, doch was ist wenn ich über die Elbe will. Zum Fußball vielleicht, Dynamo lockt. Die Linie 13 fährt dahin, soweit ich bisher wusste eine gute Viertelstunde. Doch was muss ich nun erleben, die fährt doch wirklich mit der Kirche ums Dorf, über Johannstadt und Hauptbahnhof – fast dreimal so lange. Gut das ist ´ne Ausnahme, aber irgendwie ist es doch immer so, wenn ich die Tram brauche, ist sie immer gerade abgefahren. Alles nur Zufall. Doch die kleinen Haken an der großen Idee lassen mir keine Ruhe. Herr Schramm erklärt, dass man in der Bahn ein Buch lesen könne und dabei entspannen. Habe ich so noch nie erlebt. Wenn ich ausnahmsweise in die gelb-schwarzen Gefährte einsteige, ist entweder kein Platz frei oder nach spätestens einer Haltestelle steigt eine Rentnerin mit Krückstock zu, der ich dringend meinen Platz anbieten muss, um mir dann neben johlenden Kinder die Beine in den Bauch zu stehen.

Aber schön wäre es schon mit der Neustadt ohne Autos. Dann vielleicht doch die Variante mit dem Parkhaus. Dort müssten dann auch Mietschirme zu haben sein, falls es mal regnet, und gleich ein großer Plan mit allen Kneipen drauf. Rund um die Neustadt werden Tore aufgestellt, damit sich auch kein einzige Wägelchen hineinverirrt. Ein Grenzschild wäre auch nötig. „Erlebnispark Äußere Neustadt“. Da würden dann auch die brennenden Autos hinpassen und für den Dresdner Altstädter wäre wieder ganz klar: In der Neustadt ticken sie doch nicht ganz richtig.

Neustadt bei Flickr