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Von aufheulenden Motoren und kreischenden Trennschleifern
Der Motor heult auf. Mit lautem Krachen rastet der zweite Gang ein und das Auto macht einen Satz nach vorn und prescht mit mehr als 60 Stundenkilometern die Straße entlang. Nein, ich habe keinen Ausflug zum nagelneuen Lausitzring unternommen, ich stehe auch nicht neben einer Autobahnauffahrt. Ich wollte eigentlich nur gemütlich schwatzen bei einem Tässchen Espresso vor dem „Copas y Tapasr“. Doch statt Gemütlichkeit rast hier ein Auto nach dem anderen vorbei. Dabei ist in der Äußeren Neustadt Tempo 30 angesagt. Mag sein, dass hier und dort vielleicht ein Schild fehlt, doch allein die Beschaffenheit der Straßen sollte den vernünftigen Auto-Fahrer bremsen. Oder sollen hier irgendwelche Achs- und Stoßdämpferfirmen zu neuen Umsatz-Rekorden animiert werden.
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Von würzigen Bohnen und Öl in der Maschine
Mit einem leisen, aber hörbaren Knall schlägt der Barkeeper das verbrauchte Kaffeepulver in den Abfall. Dann hält er das Sieb in die Mühle und zieht einen Hebel. Eine genau abgemessene Portion braunes Pulver fällt auf das Sieb, das dann in die Maschine geklemmt wird. Wenige Sekunden später steht eine kleine, weiße Tasse mit heißem Espresso vor mir. Ein würziger, etwas herber Duft steigt auf. Ein letztes Mal lasse ich den Löffel in der kleinen Tasse kreisen, sämtliche Zuckerstückchen haben sich aufgelöst. Leise schlürfe ich das fast kochend heiße Getränk, das Coffein strömt durch meine Blutbahnen und regt den müden Geist an.
Fast in allen Neustädter Kneipen wird Espresso serviert. Und fast überall schmeckt er anders. Alfredo, ein waschechter Italiener aus der Gegend um Genua ist Espresso-Kenner. Er lobt vor allem den im Rosso und im Mio. Beides sind kleine Kneipen, an der Louisenstraße gelegen.
Für den rabenschwarzen, heißen Trank mit der goldbraunen Kreme obendrauf braucht man die richtigen Zutaten und die richtigen Tricks. Die Kaffee-Bohnen müssen echte schwarz- und durchgeröstete Arabica sein, die Maschine sollte ordentlichen Wasserdruck haben, und die Tassen müssen vorgewärmt sein. Nur dann wird der Espresso richtig edel. Auch für die kremige Schicht kennt Alfredo einen Trick aus seiner Heimat. “Gib einfach einen Schuss Rhizinus-Öl in die Kaffee-Mühle, dann hast du die schönste Kreme.” Doch Vorsicht, ein kleiner Schuss zu viel und die Gäste kommen nie wieder.
Im Rosso, wie das Café Herr Rosso und sein Hund meist zärtlich genannt wird, wird die Tradition mit den kleinen Kaffee-Schlückchen hoch gehalten. Bereits der erste Besitzer, Steffen, konnte stundenlang über die Zubereitung des edlen Moccas philosophieren. Und auch heute noch gibt es natürlich ein leckeres Mini-Gebäck und ein Glas Wasser dazu.
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Anmerkung 2010:
Leider haben sowohl das Mio als auch das Rosso inzwischen ihre Pforten geschlossen. Leckeren Espresso gibt es im Combo und im Blumenau.





