Der Typ mit den Bussen

linieDa steht er vor mir. Grinst mich frech an. Bruno mit der wei­ßen Stups­nase und den ver­chrom­ten Kul­ler­au­gen will nur hallo sagen. Der orange Klein­bus steht mit­ten auf dem Alaun­platz. Die Tür geht auf und Böcky steigt aus. Dreist hat er sei­nen Bully direkt neben der Gulasch­ka­none platziert.

Böcky und seine Busse
Böcky und seine Busse
Böcki, der eigent­lich Jan Böcken­hauer heißt, beginnt zu erzäh­len. Er ist in Par­chim auf­ge­wach­sen, hat nach eini­gen Umzü­gen aber seine Hei­mat in der Neu­stadt gefun­den. “Hier passt ein­fach alles, Leute und Leben”, sagt der 30-Jäh­rige und grinst schel­misch. Eigent­lich hat er mal was mit Zah­len gelernt, dann auch als Steu­er­fach­an­ge­stell­ter gear­bei­tet. Bis dann die­ses Ding mit dem Klein­bus war. “Wir hat­ten einen T3-Cam­per in der Fami­lie, mit dem sind wir oft in den Urlaub gefah­ren, aber im All­tag stand er rum”, also hat er ver­sucht ihn zu ver­mie­ten. Erst an Freunde, dann schwappte die Sharing-Eco­nomy-Welle heran. “Aber für so ein altes Fahr­zeug gab es keine geeig­nete Platt­form”, erzählt er. Inzwi­schen hatte er schon wei­tere Busse ange­schafft und ein Unter­neh­men gegrün­det. Der Name: “Indie­Vans”.

Wenn man mit nem Bully auf dem Alaunplatz parkt, gibts neugierige Blicke.
Wenn man mit nem Bully auf dem Alaun­platz parkt, gibts neu­gie­rige Blicke.
Inzwi­schen hat er 14 Busse, die meis­ten sind im Indus­trie­ge­lände unter­ge­bracht. Doch das Expan­si­ons­ge­schäft läuft an. “Nächs­tes Jahr sol­len es 30 wer­den”. Es klingt eine Menge Stolz in Böckys Stimme mit. Auch geo­gra­fisch will er wach­sen, seit die­sem Jahr brum­men die ers­ten bei­den Bul­lys auch von Bre­men aus. 

Das Kon­zept ist schlicht. Er sucht nach alten Cam­pern, die zum Teil schon ein paar 100.000 Kilo­me­ter auf der Uhr haben. Mit Hilfe eines Mecha­ni­kers wer­den die auf­ge­motzt und dann gibt es für die Inter­es­sen­ten 70er Jahre Urlaubs­ge­fühl für klei­nes Geld. Die Preis­liste beginnt bei 50,- Euro pro Tag in der Neben­sai­son für die Low-Bud­get-Cam­per. “Unsere Preise sind fair und trans­pa­rent”, sagt Böcky. Vor allem sind sie leicht zu ver­ste­hen und ermög­li­chen auch einen Urlaub mit rela­tiv klei­nem Bud­get. “Wir cam­pen sel­ber gern und tau­schen diese Erfah­run­gen mit unse­ren Kun­den aus”, berich­tet er. Da kann ein Über­gabe-Gespräch schon mal in Fach­sim­pe­lei über die bes­ten Stell­plätze in Nord­ita­lien enden. Der Kon­takt zu den Kun­den ist ihm wich­tig. Die Ein­wei­sung in das Fahr­zeug dau­ert in der Regel eine Stunde. “Wir fer­ti­gen unsere Kun­den nicht ein­fach ab”, ver­si­chert Böcky.

Bruno: innen ist er ein echter Camper
Bruno: innen ist er ein ech­ter Camper
Bruno ist einer der letz­ten sei­ner Art. “Eine Kost­bar­keit, die erhal­ten blei­ben muss”, schwärmt Böcky. Der Bus hat schon mehr Jahre auf dem Buckel als sein Ver­mie­ter und schnurrt immer noch präch­tig. Aus­ge­stat­tet mit Kühl­box, vier Schlaf­plät­zen, Herd und Hoch­dach kos­tet er 100,- Euro pro Tag. Dafür kann man ihn auch für kurze Zeit mal auf den Alaun­platz stel­len und kei­ner ist wirk­lich böse. Neu­gie­rige Kin­der­bli­cke sind garantiert.
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