Neustadt in Sachsen und europaweit

Gründerzeitviertel Dresden Neustadt

Gründerzeitviertel Dresden Neustadt

Der Dresdner Ortsteil Neustadt steht mit seinem Namen beileibe nicht alleine da, zahlreiche andere Kommunen in Sachsen, Deutschland und ganz Europa nennen sich gleich. Das liegt auch ziemlich nahe, denn neben der ursprünglichen „Altstadt“ entwickelten sich überall neue Stadtbereiche, denen meist automatisch die Bezeichnung „Neustadt“ zufiel. Viele „Neustadts“ sind allerdings längst nicht mehr blutjung.

Dresdens Innere Neustadt am rechten Elbufer durfte sich bereits ganz zu Anfang des 15. Jahrhunderts über ein eigenes Stadtrecht freuen. Bis ins 17. Jahrhundert hinein nannte sich der Bezirk noch „Altendresden“. Nach einem Brand entstand aus den Trümmern die „Neue Stadt bey Dresden“ – kurz die Neustadt.

Relief von Altendresden vor dem ehemaligen Tunnel unter der Großen Meißner Straße

Relief von Altendresden vor dem ehemaligen Tunnel unter der Großen Meißner Straße

Gen Norden verjüngen sich die Bauten deutlich, die schmucke Gründerzeit-Architektur kennzeichnet den Beginn der Äußeren Neustadt. Besonders augenfällige Attribute sind die enge Bebauung und eine Vielzahl von Geschäften, Gastronomien und kulturellen Einrichtungen. Kurz gesagt: Neustadt lebt – und das gar nicht einmal so schlecht.

Auch andernorts sprießen die Namensvetter wie Pilze aus dem Boden, zum Beispiel an der romantischen Weinstraße. Ganz folgerichtig nennt sich die besagte pfälzische Kommune „Neustadt an der Weinstraße“, sie besteht aus einer Kernstadt und neun angrenzenden Stadtteilen. Immerhin 50.000 Menschen leben in diesem malerischen Zentrum deutschen Weinbaus, das Jahr für Jahr das berühmte Deutsche Weinlesefest austrägt. Die Wahl der Deutschen Weinkönigin gehört zu den speziellen Attraktionen dieses Events, Besucher zieht es aber auch gern zum bekannten Hambacher Schloss, welches sich auf städtischem Boden befindet. Vor beinahe 200 Jahren, nämlich im Jahr 1832, kam diesem historischen Gemäuer eine ganz besondere Bedeutung zu: Es wurde zum Schauplatz des Hambacher Festes, einer bürgerlichen Demonstration für eine freie Selbstbestimmung des Volkes und der nationalen Einheit.

Neustadt an der Weinstraße - Foto: Pixabay

Neustadt an der Weinstraße – Foto: Pixabay

Im Niederdeutschen nennen die Bewohner ihren Hamburger Stadtteil Neestedt, ins Hochdeutsche übersetzt bedeutet das nichts anderes als „Neustadt“. Er liegt ganz zentral in Hamburg-Mitte, zwischen St. Pauli und der Altstadt. Nur das Alsterfleet trennt die Neu- von der Altstadt. Im Osten des Viertels haben sich vielerlei Banken, Kontore und Geschäfte angesiedelt. Der Westen wartet nebenbei auch mit reinen Wohngebieten auf, ein vielseitiges Viertel also, das alles bietet, was der Städter zum bequemen Leben braucht. Darüber hinaus hat sich in Hamburg-Neustadt das Casino Esplanade angesiedelt, mit einem breiten Spielangebot, welches von Poker über Blackjack und Automaten auch mehrere Live Roulette-Tische beinhaltet. Einwohner und Gäste genießen hier gern die eine oder andere spannende Partie des geselligen Klassikers, um sich vom stressigen Alltag abzulenken und einfach mal eine Runde zu klönen. Doch wie es sich für Hamburg gehört, ist die Sache in Wirklichkeit noch etwas vielschichtiger: Es gibt nämlich noch eine alte Neustadt, die sich östlich des Alsterfleets gruppiert und heutzutage der Altstadt angehört. Die Zeiten wandeln sich nun einmal, aus „Neu“ wird immer irgendwann „Alt“, wenn auch nicht immer dem Namen nach.

Über die Grenzen Deutschlands hinaus erstreckt sich eine Städtefreundschaft mit dem vielsagenden Titel „Neustadt in Europa„: Insgesamt gehören diesem Bund 37 Gemeinden an, egal, ob es sich nun um Ortsteile oder eigenständige Städte handelt. Die meisten von ihnen, nämlich 27 an der Zahl, befinden sich in Deutschland, doch auch in Ungarn, Österreich, Polen und einigen anderen Ländern hat sich der Neustadt-Virus ausgebreitet. Die Wiener Neustadt liegt etwa 50 Kilometer von Österreichs Hauptstadt entfernt, sie blickt auf eine etwa 800-jährige Geschichte zurück. Besonders interessant erscheint die Tatsache, dass es sich im Ursprung um keine „wilde“, sondern eine geplante Ansiedlung handelt, die im Jahr 1194 nach einem Beschluss des Herzogs Leopold V. und seiner Amtsträger ihren Anfang nahm. Entsprechend historisch gestaltet sich das Stadtbild mit seinem Kulturparcours, der an allen wichtigen Gebäuden vorüberführt. Die Dresdner Neustadt ist jedoch kein Teil dieses Projektes.

Nové Město na Moravě, das heißt übersetzt: „Neustadt in Mähren“, kurz: Neustadt. Die 10.000-Einwohner-Gemeinde in Tschechien schmückt sich mit einem äußerst sehenswerten Stadtkern. Die historische Denkmalzone strotzt nur so von prächtigen Fassaden und Skulpturen, selbstverständlich gibt es auch ein Rathaus mit charmantem nostalgischen Flair und ein prunkvolles Schloss.

Nové Mesto nad Váhom, Neustadt an der Waag, liegt in Ungarn, genauer gesagt im nördlichen Donauhügelland. Die 20.000-Einwohner-Stadt besitzt politisch keine besondere Bedeutung, doch rundherum locken malerische Burgen und gut ausgebaute Skigebiete mit ihren Reizen. Die Burg Beckov in den Weißen Karpaten diente beispielsweise seit dem 12. Jahrhundert der Grenzsicherung und gehört heute zur Slowakei, während die Burg Čachtice in den Kleinen Karpaten auf prähistorischen Boden errichtet wurde. Im Skigebiet Bezovec lockt allwinterlich die weiße Pracht, sich auf Skiern und Schlitten gründlich auszutoben – und auch auf dem höchsten Gipfel der Weißen Karpaten, den Velká Javořina, findet zur kalten Jahreszeit ein turbulentes sportliches Treiben statt.

Aus diesem Blickwinkel erscheint Neustadt eher wie ein europäisches Gemeinschaftsprojekt mit insgesamt mehr als 500.000 Bewohnern. Eine Großstadt, die sich auf mehrere Länder verteilt, verbunden durch eine starke Partnerschaft, gegründet auf dem Prinzip „Werbung auf Gegenseitigkeit“. Aber auch am anderen Ende der Welt, in Australien gibt es eine Neustadt. „Newtown“ ist ein Vorort von Sydney im Bundesstaat New South Wales.

linie
linie