„Meine Mutter kommt nach Hause“: Barrierefrei leben im Eigenheim

Umzug ins Seniorenheim oder Mutter zu sich nach Hause holen? Vor dieser Entscheidung stehen täglich Kinder betagter Eltern. Altersbedingte Beschwerden machen das Alleinleben irgendwann unmöglich. Meist ist im eigenen Haus noch Platz. Doch zuvor muss das Eigenheim fit für den neuen Bewohner mit eingeschränkter Mobilität gemacht werden – Barrierefreiheit ist das Gebot der Stunde. Welche Maßnahmen notwendig sind und wer beim barrierefreien Umbau finanziell unter die Arme greift, klären wir hier. Fakt ist: Von einem Eigenheim ohne Hindernisse profitieren alt und jung!

Treppenlift - Foto: Pixabay
Treppenlift – Foto: Pixabay

Wenn der Tag X eintritt

Stadtwohnung, dritte Etage, kein Fahrstuhl: Das war seit Jahrzehnten das Zuhause von Mutter. Seit dem Tod des Ehemannes kam sie hier ganz gut allein zurecht. Doch ein Schlaganfall vor vier Monaten und ein schwerer Sturz im Treppenhaus fesselte sie über Wochen ans Krankenhausbett. Die Knochenbrüche verheilen, doch eines ist klar: Allein zurück in ihre Zweiraumwohnung – das geht nicht mehr. Das Laufen fällt ihr schwer, Treppen sind zur unüberwindbaren Hürde geworden, den Haushalt schafft sie nur noch mit Mühe, Pflegegrad 2 wurde bewilligt. Was also tun?
Wie in diesem Beispiel ergeht es vielen Senioren und ihren besorgten Angehörigen. Irgendwann kommt der Tag, an dem ihre mittlerweile hochaltrigen Mütter bzw. Väter nicht mehr allein in ihrem vertrauten Umfeld wohnen bleiben können. Für Einige ist der Umzug ins Altenheim oder ins Betreute Wohnen die beste Lösung. Andere ziehen zu den eigenen Kindern. Eigenheim-Besitzer haben es hier etwas einfacher: Oft steht genug Platz zur Verfügung – der volljährige Sohn ist gerade ausgezogen –, die Räume sind großzügiger, das Grundstück für Ältere eine Wohlfühloase.

Vor dem Einzug von Mutter: Barrierefrei umbauen

Ist keine Rund-um-die-Uhr-Pflege nötig, ist das Mehrgenerationen-Wohnen unter einem Dach eine runde Sache. Die allen gut tut, wie Studien belegen. Doch so einfach ist es mit dem Einziehen nicht. Oft muss das Eigenheim erst barrierefrei umgebaut werden. Das bedeutet: Sämtliche Hindernisse sollten beseitigt werden. Wie im ganzen Land sind auch in Karlsruhe oder Pforzheim die wenigsten Einfamilienhäuser auf die Bedürfnisse von Senioren ausgerichtet. Experten empfehlen, sein Eigenheim mit der „Brille der Barrierefreiheit“ zu betrachten: Da sind die Wendeltreppe ins Obergeschoss, die Schwelle zur Terrasse, die enge Duschkabine im Bad.

Sachverständiger Manfred Haus aus Dresden sagt: „Doch wo hole ich mir Rat für den altersgerechten Umbau? Anlaufstellen für ein barrierefreies Leben sind Wohnberater, lokale Pflegestützpunkte oder Sozialverbände. Für die Bauplanung muss man auf die Erfahrung von Architekten zurückgreifen. Ein Füllhorn an kleinen Anpassungen, technischen Hilfsmitteln und baulichen Eingriffen erleichtert das Alltagsleben. Von der Klinik ins fertig umgebaute Eigenheim – dieser Idealfall lässt sich eher selten realisieren. Denn ein Umbau ist zeit- und kostenintensiv. Hier hilft ggf. die Inanspruchnahme einer Kurzzeitpflege.“

So rüstet man sein Eigenheim für ein barrierefreies Leben um

Bevor Mutter dauerhaft nach Hause kommt, sollten v. a. diese altersgerechten Umbaumaßnahmen erfolgen – der Umfang ist natürlich von den konkreten Bedürfnissen und dem Geldbeutel abhängig:

  • Bau einer Rampe für barrierefreien Eingang des Hauses
  • Montage einer automatisch öffnenden Haustür
  • Einbau eines Treppenlifts an Treppe ins Obergeschoss
  • Ausstatten der Räume mit rutschfesten Bodenbelägen, um Stürzen vorzubeugen
  • Schaffen von breiteren, schwellenlosen Zugängen
  • Einbau von Haltegriffen bzw. Handläufen im ganzen Haus
  • Anpassen einzelner Möbel (z. B. Höhe Esstisch)
  • Erhöhen des Toilettensitzes im Bad
  • Einbau einer bodengleichen Dusche oder Wanne mit Einstiegstür im Bad

Ein Treppenlift bringt Lebensqualität zurück

Zweifellos stellt die Treppe die größte Barriere in einem mehrgeschossigen Eigenheim dar. Damit Mutter mobil bleibt, ist der Einbau eines Treppenlifts die optimale Lösung. Mit dem elektrisch angetriebenen Hilfsmittel gleitet sie auf einem Schienensystem sicher ins Obergeschoss. Und gewinnt damit Selbstständigkeit und Selbstvertrauen zurück. Treppenlifte werden je nach Bedürfnissen der Nutzer (Mutter mit eingeschränkter Mobilität) und baulichen Gegebenheiten im Haus (Wendeltreppe, die für andere Hausbewohner weiter nutzbar sein muss) individuell angepasst. Sie können praktisch in jedem Eigenheim installiert werden.

Treppenlifte sind kostenintensiv. Der notwendige Lift-Typ, die Form der Treppe und die Zahl der Etagen bestimmen den Preis. Die am häufigsten nachgefragte Variante ist der Sitzlift – auch in unserem Fall die Mobilitätshilfe der Wahl. Dieser Aufzug ist ideal für Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß aber noch nicht auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Da es sich um eine kurvige Treppe handelt, muss die Führungsschiene extra hergestellt werden. Ansprechpartner sind die oft deutschlandweit tätigen Treppenlift-Anbieter. Sie übernehmen Aufmaß, Montage und Serviceleistungen.

Wer fördert das barrierefreie Leben?

Sein Haus barrierefrei umzurüsten kostet viel Geld – überwiegend das eigene. Deshalb sollten alle Maßnahmen gut geplant sein und frühzeitig Fördermöglichkeiten recherchiert werden. Denn an den Umbaukosten für ein barrierefreies Leben im Eigenheim beteiligen sich ggf. Dritte. Wichtig: Der Antrag auf finanzielle Förderung muss vor dem Umbau-Start bewilligt sein. So unterstützt die Krankenkasse ab Pflegegrad 1 „Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes“. Der Zuschuss kann pro Person (Mutter) bis zu 4000 Euro betragen. Ferner zahlt die Pflegekasse bei Vorliegen eines Arztrezeptes auch kleinere Investitionen wie Haltegriffe.

Förderprogramme einzelner Bundesländer zur „Wohnraumanpassung“, darunter auch Baden-Württemberg, sind eine weitere Option. Damit werden Umbaumaßnahmen in Sachen Barrierefreiheit unterstützt – wie die bodengleiche Dusche. Allein dieses Projekt kann mit bis zu 4.500 Euro zu Buche schlagen! Für die Antragstellung ist zwingend eine Beratungsstelle einzubeziehen. Hier dreht es sich nicht um einen Kredit. Im Gegensatz zu den zinsgünstigen Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Mit bis zu 50.000 Euro werden im Rahmen des Programms „Altersgerecht Umbauen“ entsprechende Vorhaben gefördert. 0,78 Prozent beträgt der effektive Jahreszins derzeit.

Vom barrierefreien Wohnen profitieren alle

Anlass für den Umbau ist der Einzug von Mutter. Schnell wird klar: Vom barrierefreien Leben im Eigenheim haben alle Bewohner etwas. Die Badewanne mit Einstieg oder breitere Türen bieten spürbar mehr Wohnkomfort, die lästigen Türschwellen im Haus haben schon länger gestört, endlich ist die Terrasse ebenerdig zugänglich. Als Maßnahmen für Altsein und Gebrechlichkeit fallen diese Eingriffe ohnehin nicht auf. Und jünger werden auch die Eigenheim-Besitzer nicht, insofern sind die Investitionen ein Beitrag zur eigenen „Altersvorsorge“.

Kurzum: Ein barrierefrei umgebautes Eigenheim macht das Alltagsleben für alle Generationen leichter. Vor allem das Plus an Bewegungsfreiheit und Sicherheit sind ein großer Gewinn. Die hohen Kosten für die Umgestaltung lassen sich durch die Inanspruchnahme von Fördermitteln abfedern.

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