Défier: Der Hahn auf dem Beton

Die endlosen Weiten, von denen Aaron Baumgärtel und seine Skater-Gang träumen, sind aus Beton und Granit. In neuen Baustellen schimmert die Hoffnung – auf versiegelte Flächen, Treppengeländer und Stufen. Das nostalgische „Tunnelbrett“, entworfen von seinem Streetwear-Label Défier, ist Reminiszenz an einen Sehnsuchts-Ort.

„Défier bedeutet die Stirn bieten, herausfordern, sich über etwas hinwegsetzen“, sagt Aaron Baumgärtel. Vor gut drei Jahren haben er und sein Kumpel Christoph Eske die Marke gegründet. Ihr Zeichen ist ein stolzer Hahn – „ein Tier, irgendwo zwischen majestätisch und rotzig.“ Entwickelt hatten sie es als Marke für Urban Golf. Eine Variante der eher mit Snobismus assoziierten Sportart, die im Stadtraum mit Tennisbällen gespielt wird.

Défier, die Marke mit dem stolzen Hahn. Foto: Philine
Défier, die Marke mit dem stolzen Hahn. Foto: Philine

Mehr Lifestyle als Sport

Aaron Baumgärtel und Christoph Eske sind in Klotzsche aufgewachsen und in der Dresdner Skaterszene verwurzelt. „Ich habe mit 13 angefangen“, erzählt Aaron. Die gängigen Spots waren damals der Kulturpalast, der Ufa-Palast an der Prager Straße, das alte Terminal am Klotzscher Flughafen und der Tunnel am Goldenen Reiter.

Alle sind als Szene-Treffpunkte Geschichte. „Wir haben damals das Skaten auf der Straße gelernt“, sagt Aaron. „Die Kids heute lernen es im Skatepark.“ Das sei bequem, aber wesentlich weniger reizvoll.

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„Skaten“, sagt Aaron, „ist mehr Lifestyle als Sport.“ Anecken gehört dazu – und das passiert nun mal beim Skaten der Straße (skaten erfordert den Akkusativ). Weil es laut ist, Kratzer macht und Risiken birgt. Die Straße ist die Wildnis, der Park die Zivilisation. Zahm ist die Szene geworden, resümiert Aaron ohne Bitterkeit. „In Dresden ist die Skater-Subkultur so gut wie nicht mehr vorhanden.“

Défier betreibt deshalb Nachwuchs-Pflege und fördert ein Team von vier Skatern. Rick Hoffmann, der die Skateboard Academy Dresden leitet, war der Erste im Bunde. Es folgten Leo Schumacher und Paul Schmidt. David Raderecht gehört noch zur Skater-Generation, die auf der Straße fahren lernte. Er steuert die Musik zu Promo-Clips bei und fungiert als Modell für das Label.

Leo Schumacher aus dem Team Défier. Foto: PR
Leo Schumacher aus dem Team Défier. Foto: PR

Défier unterstützt die Fahrer mit Boards und Kleidung. Das Sponsoring verhilft neben den materiellen Entlastungen zu größerem Selbstbewusstsein und Anerkennung. „Unser Ziel ist es, irgendwann mehr zu bieten“, sagt Aaron. Er skatet heute selbst wieder – und ist mit seiner Gang ständig auf der Suche nach skatebaren Flächen. Wo anderen in Anbetracht von riesigen Betonmischern das Grausen kommt, keimt bei der Gang die Hoffnung. Jede Baustelle könnte zukünftig ein guter Skate-Spot werden.

Reminiszenz an die wilden 90er

Mit 18 Jahren stürzte Aaron beim Skaten heftig auf den Kopf. Ein Zwischenfall, der eine 13-jährige Pause nach sich zog. „Ich war gehemmt“, erzählt er. Er machte am ESB-Mediencollege an der Jordanstraße eine Ausbildung zum Grafiker. Schon an der Mittelschule experimentierte Aaron mit Bildbearbeitungsprogrammen.

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„Ich habe damals für unsere Crew eine Website gebastelt“, erzählt er. „Dass ich das mal beruflich mache, lag auf der Hand.“ Aaron entwirft Merchandise für Unternehmen und Musiker*innen.

Rick Hoffmann aus dem Team Défier. Foto: PR
Rick Hoffmann aus dem Team Défier. Foto: PR

Christoph Eske hatte seinem Kumpel Aaron schon mehrfach in den Ohren gelegen: „Los, wir gründen ein Klamottenlabel.“ Aaron hatte das nie so wirklich ernst genommen, sagt er. Irgendwann wurde ihm klar: ‚Der will das wirklich.‘ Im Jahr 2017 baute er die Website für Défier.

Der Verkauf startete erst einmal im Bekanntenkreis. Mittlerweile hat sich Défier vom Urban Golf wieder dem Skaten zugewandt. „Von Skaten habe ich einfach mehr Ahnung“, sagt Aaron. Christoph ist Chef von den Dresdner Adventure Rooms, man teilt sich Büroräume an der Königsbrücker Straße.

Als Reminiszenz an die wilden 90er hat Défier das Tunnelbrett kreiert. Eine limitierte Auflage von 50 Brettern zum An-die-Wand-Hängen soll es werden. Die Unterseite zeigt Szenen, in denen der mittlerweile zugeschüttete Tunnel am Fuß der Augustusbrücke geskatet wird, fotografiert von Erik Groß.

Verkauf aus dem BMW-Kofferraum

Eigentlich sollte das Liebhaberstück am Sonnabend am Tunnel präsentiert werden, doch das scharfe Grafiker-Auge von Aaron entdeckte einen Grünstich auf den Brettern. Sie gehen nun zurück. Eine neue Firma muss gefunden werden, die Feier verschiebt sich auf unbekannte Zeit. „Durch Corona hieß es die ganze Zeit, wir müssten mit Verzögerungen rechnen. Dann kamen die Boards pünktlich, sahen aber nicht wie erwartet aus“, kommentiert Aaron lachend die Ironie des Schicksals. „Ich muss ja damit zufrieden sein.“ Erik Groß muss nun wohl oder übel weitere 50 Bretter signieren, sobald sie eingetroffen sind.

Der Défier-Dealer-BMW. Foto: PR
Der Défier-Dealer-BMW. Foto: PR

Derweil macht Défier anders von sich reden. Hinter AE-Motors verbergen sich zwei Schrauber, die sich dem Aufbau von Vintage-BMWs verschrieben haben. Sie haben einen BMW E30 aufgemöbelt und sportlich gelackt. Aus dessen Kofferraum werden Défier-Artikel an einschlägigen Spots und bei Wettbewerben verkauft. Und selbstverständlich auch beim Launch der Tunnelbretter – wenn es dann so weit ist.

Défier Clothing

2 Kommentare zu “Défier: Der Hahn auf dem Beton

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