Hoch lebe die Fliegenklatsche

Sag mir, wo die Fliegen sind, wo sind sie geblieben? Könnte man heute in Abwandlung des Chansons von Marlene Dietrich singen. Heute findet man Insekten aller Art seltener. Eine Folge der Überdüngung, der Insektensprays, des Klimawandels? Ja. Vor mehr als 100 Jahren wimmelte es noch von diesen Plagegeistern in den Parks, in den Straßen und Biergärten, in den Wohnungen von Pieschen bis Zschachwitz. Vom Frühjahr bis zum Herbst waren die Zeitungen deshalb voll mit Gesundheitsratschlägen und Kampfmittelangeboten.

Die Biester frühstücken mit

So übertrage nämlich laut Dresdner Nachrichten die Gemeine Stubenfliege allerlei üble Krankheiten, wie zum Beispiel die gefürchtete Tuberkulose. So legten diese Biester kleine Klümpchen mit 60 bis 70 Eiern in Fleisch, Wurst und Käse. „Schon nach 24 Stunden kriechen aus diesen kleinen Eiern weißen, kegelförmige Larven, die sich dann schnell in die von ihnen bewohnten Esswaren hineinarbeiten und sie durchwühlen.“

Dabei werde das Unverdaute aus ihren Körpern, mit allerlei Bakterien garniert, in das Essen ausgeschieden und ein Fäulnisprozess beginne, der dann etliche Krankheiten beim Menschen hervorrufen könne. Igitt. Dagegen solle und müsse sich der Mensch wehren, so die Zeitung.

Fliegenklatsche: Anzeigen für Hilfsmittel gegen Fliegen von vor 100 Jahren
Anzeigen für Hilfsmittel gegen Fliegen von vor 100 Jahren

Aufrüstung mit Fliegenklatsche

Ein auch damals schon recht teures Gegenmittel waren die Gazefenster. Wer sich diese nicht leisten konnte, griff auf ein anderes Hilfsmittel zurück – die ganz normale Fliegenklatsche. Sie hatte damals Hochkonjunktur. Aber die Fliegenjagd war kein Spaziergang. Sie brauchte Zeit, körperliche Kondition und Zielsicherheit im Treffen.

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Wem diese Eigenschaften nicht gegeben waren, dem blieb nur das passive Utensil, der geleimte Fliegenfänger oder auch Fliegentüte genannt. Dieser geringelte Fänger hing übrigens bis in die 70er Jahre an fast jeder Deckenlampe in fast jedem Zimmer, oft ganz schwarz, weil mit Fliegenleichen übersäht. Neu erfunden hatte diesen Fliegenfänger 1909 übrigens ein Schwabe, der Bäckermeister und Hustenbonbon-Produzent Theodor Kaiser aus Waiblingen. Der Leim war nun hitzebeständig und der Fänger lange lagerfähig. 1922 wurden bereits 20 Millionen von ihnen unter dem Namen „Aeroxon“ produziert, 1930 fast 124 Millionen.

Vorgänger dieses erfolgreichen Geschäftsmodels waren sogenannte Fliegenlatwerge, die in pulverisierter Form u.a. das für uns Menschen nicht gerade sehr gesunde Arsenik in erheblichen Mengen enthielten – eine Erfindung des französischen Apothekers Dubois aus Limoges im Jahre 1848. Ferner wurde mit Leim versehenes Fliegenpapier, eine Erfindung aus den USA, seit den 1880er Jahren verwendet. Oder man bestrich ganz einfach Holzstöcke mit dünnflüssigem Fliegenleim, an denen sich die Störenfriede zu Tode zappelten – die Variante für Arme.

Tierschutz contra Fliegentod

Diese ‚Mördermethoden‘ im Kampf gegen die Insektenplage riefen schon damals Tierschützer auf den Plan. „Wie grausam sind doch die Menschen, ein so kleines Tierchen, ein Wunderwerk der Schöpfung auf diese Art zu töten“, so ein Leser der Dresdner Nachrichten. „Werden denn die Kinder nicht roh, wenn sie die mit Fliegenleichen bedeckten Fliegentüten sehen? Könnten denn nicht die Lehrer in der Schule die Fliege den Kindern durch das Mikroskop zeigen, ihnen die Feinheiten des Tierchens recht anschaulich machen und sie dann vor eine Fliegentüte führen? Die mitleidigen Kinder würden sich mit Abscheu abwenden.“ Und natürlich müsste dann auch die Geschäftswelt dem Fliegenmorden Einhalt gebieten und einfach sagen: Wir führen keine Fliegentüten und Salonfliegenfänger mehr.

Übrigens, im Hygienemuseum kann man sich eine Stubenfliege in Übergröße anschauen, wobei sie gar nicht mehr so niedlich und süß wirkt, sondern eher einem außerirdischen Monster gleicht. Bliebe dann doch die klassische Fliegenklatsche, deren Handhabung natürlich auch eine sportliche Komponente enthielte. Die süße Fliege gibt’s im Kunsthof bei der Fruchtfliege.

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Unter der Rubrik „Vor 100 Jahren“ veröffentlichen wir in loser Reihenfolge Anekdoten aus dem Leben, Handeln und Denken von Uroma und Uropa. Dafür hat der Dresdner Schriftsteller und Journalist Heinz Kulb die Zeitungsarchive in der Sächsischen Landes- und Universtätsbibliothek durchstöbert.

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