Über Hausbesetzungen in der Neustadt

In den 90ern Jahren galt die Dresdner Neustadt als das Viertel der Hausbesetzerszene. Doch was war danach? Das Gebiet wurde modernisiert, der Leerstand ging rapide zurück. Berichte über Besetzungen wurden immer seltener. Der Verein Educat-Kollektiv will deshalb auf Hausbesetzungen aufmerksam machen, die seit den 2000ern in der Dresdner Neustadt stattfanden.

Hausbesetzung auf der Lößnitzstraße
Hausbesetzung auf der Lößnitzstraße 2016

„Das kleine Nachbeben von 2007 bis 2011 ist aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden“, erklärt der auf Bildungsarbeit spezialisierte Verein. Am kommenden Sonntag, den 17. Mai um 13 Uhr bietet das Kollektiv einen Stadtspaziergang zu ehemals besetzten Häusern in der Dresdner Neustadt an. Der ist in digitaler Form zu erleben.

Corona macht Wohnungsnot deutlich

„Durch die Corona-Pandemie wurde einmal mehr deutlich, dass ein eigenes Zuhause, in dem #Stayathome praktiziert werden kann, nicht für alle zur Verfügung steht. Wohnungslose können nicht einfach zuhause bleiben,“ erklärt Theo vom Educat-Kollektiv. Zusammen mit Wolf wird er den Stadtrundgang durchführen. „Wir besuchen bei unserer Tour zum Beispiel die Kamenzer Straße. Dort hatten Aktivist*innen 2007 eine Brachfläche besetzt.“ Auch der Pestalozziplatz oder die Hechtstraße werden virtuell besichtigt. Zudem sollen nicht nur laute Besetzungsaktionen im Fokus stehen, sondern auch stille Besetzungen von Wohnungslosen thematisiert werden.

Hausbesetzung auf der Königsbrücker Straße im März 2007
Hausbesetzung auf der Königsbrücker Straße im März 2007
Dabei sei es gerade für Wohnungslose seit den 2000ern schwieriger geworden, Freiraum in der Dresdner Neustadt zu finden. „Dass die Dresdner Neustadt als ein Hausbesetzer*innenstadtviertel gilt, ist ein Ruf von früher. Heute ist es ein durchgentrifiziertes Stadtviertel mit vielen modernisierten Wohnungen“, erklärt Bildungsreferent Theo. „Dennoch halten sich Obdachlose hier auf, da in der Dresdner Neustadt alternative Lebensentwürfe mehr Respekt erhalten.“

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Ein virtueller Stadtspaziergang

Die beiden Bildungsreferenten führen virtuell durch die Neustadt und erzählen, wie es zu Besetzungen kam. Wer besetzt eigentlich Häuser und Freiräume. Wie läuft ein Besetzungsalltag ab? Der Rundgang wird außerdem gespeist durch persönliche Ehrfahrungsberichte eines ehemaligen Besetzers. Auch die diesjährige Besetzungsaktion auf dem Putzi-Gelände (Königsbrücker Straße) wird thematisiert.

Eigentlich hatte das Educat-Kollektiv den Stadtrundgang für die Aktionswoche „Housing Action Day“ organisiert (Neustadt-Geflüster am 28.März 2020). Im Rahmen dessen waren zahlreiche Großdemonstrationen in fast allen europäischen Großstädten geplant, um gegen zu hohe Mieten, Zwangsräumungen und Wohnungslosigkeit zu protestieren. Doch auf Grund der Corona-Beschränkungen hat der Verein den Stadtspaziergang verschoben.

Gerichtsverhandlung gegen Putzi-Besetzung beginnt

Am 18. Mai beginnen die Gerichtsverhandlungen zur Putzi-Besetzung. Daher sieht der Verein nun den passenden Moment den öffentlichen Fokus auf Hausbesetzungen zu lenken. Anfang des Jahres hatten Aktivist*innen für mehrere Tage die Gebäude in der Königsbrücker Straße 12 bis 16 besetzt (Neustadt-Geflüster am 23. Januar 2020). Nach der Räumung durch die Polizei wurde gegen alle Menschen, die sich auf dem Putzi-Gelände aufhielten, Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung gestellt.

Auf ihrer Website erklärt das Bündnis „wirbesetzendresden“, warum sie dennoch Besetzungen als legitim erachten: „Besetzungen und andere politische Handlungen sind nicht nur Kämpfe darum, wem die Stadt gehört. Ganz im Gegenteil: Sie wollen die Stadt in ihren Grundfesten verändern, sie sind „gesellschaftliche Utopie und kollektive Forderung zugleich.“ Am kommenden Montag, den 18. Mai stehen zwei Menschen, die sich an der Besetzung beteiligten, vor Gericht.

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Educat-Kollektiv will aus Geschichte lernen

Der vor einem Jahr gegründeten Verein Educat bietet diverse Bildungsformate rund um Dresden an. Sie arbeiten besonders zu den Themen Antidiskriminierung, Geschlechtergerechtigkeit, Gewerkschaft und Umwelt. „Unser Ansatz dafür ist, aus der Vergangenheit Konsequenzen zu ziehen, die gegenwärtigen Verhältnisse zu verstehen und Handlungsmöglichkeiten für eine transformative Gesellschaft zu entwickeln“, erklärt das Kollektiv auf ihrer Website. Aus der Vergangenheit lernen, um für die Zukunft zu handeln – auch aus der Geschichte der Hausbesetzungen können einige Schlüsse gezogen werden.

Anfang des Jahres hatten mehrere Aktivist*innen die Gebäude auf dem Putzi-Gelände besetzt.
Anfang des Jahres hatten mehrere Aktivist*innen die Gebäude auf dem Putzi-Gelände besetzt.

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4 Kommentare zu “Über Hausbesetzungen in der Neustadt

  1. Auch diese journalistische Glanzleistung besticht eher durch Meinung/Haltung, als durch Fakten.

    Sowohl der Stadtbezirk Neustadt, als auch die Äußere Neustadt haben die mit Abstand jüngste Bevölkerung und die meisten Zuzüge in den letzten Jahren. Ende 2018 wohnten über 44% der Bewohner seit weniger als drei Jahren in der Äußeren Neustadt.
    Weiterhin gibt es in der ÄN – neben der Friedrichstadt – die wenigsten Privat-PKW pro Haushalt, man wählt Grüne, Linke oder SPD (zusammen ca. 75%).

    Statt also den plumpen Manipulationsversuchen der sogenannten Bildungsreferenten des Educat-Kollektivs auf den Leim zu gehen, sollte sich jeder mal fragen, wer die eigentlichen Treiber der allseits verkündeten Gentrifizierung sind.

    P.S. Die Zahlen kann jeder (Depp) googeln:

    https://www.dresden.de/media/pdf/statistik/Statistik_1213_66-67_E2013_Wohndauer.pdf

    https://www.dresden.de/de/leben/stadtportrait/statistik/publikationen/interaktive-anwendungen/stadtteilkatalog.php

  2. Lieber Fidel, hilf mir mal weiter. Welche Teile des Beitrages sind Deiner Ansicht nach Meinung/Haltung. In welchem Abschnitt gibt es plumpe Manipulationsversuche. Und nicht zuletzt, was haben die statistischen Zahlen, die jeder (Depp) googeln oder auch im Neustadt-Geflüster nachlesen kann, mit dem Inhalt des Beitrages zu tun?

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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