Kilimo wird Solibrause

Eigentlich wollten sie gerade mit der Kilimo durchstarten, doch dann kam Corona. Und nein Ki-li-mo ist keine Abkürzung für Kilimandscharo und steht auch nicht für den traditionellen türkischen Teppich Kelim oder Kilim. Kilimo bedeutet ganz einfach Kirschlimonade und ist das neue Getränk von Kolle-Mate.

Die Zutatenliste ist recht simpel: Sauerkirschsaft vom Biohof aus Görlitz, Zitronensaftkonzentrat aus Italien, süddeutscher Bio-Rübenzucker, und nicht zu vergessen Wasser. 

„Kurz vor der Krise haben wir die Kilimo, unser neues Getränk, abgefüllt und wollten damit unbeschwert in den Frühling starten, leider kam es aber anders“, sagt Eduard von Kolle-Mate.

Maria, Corinna, André (Kolle) und Eduard arbeiten alle auf Augenhöhe im zickzack-Kollektiv. Foto: zickzack-Kollektiv
Maria, Corinna, André (Kolle) und Eduard arbeiten alle auf Augenhöhe im Zic-Zac-Kollektiv. Foto: Zic-Zac-Kollektiv

Corona und Kolle-Mate

Anders kam es tatsächlich – und so hat die Corona-Krise auch das im Hechtviertel ansässige Kollektivunternehmen getroffen.„Die Bestellungen bleiben aus, es wird weniger verkauft“, erklärt Eduard. Gerade durch die Schließung der Gastrounternehmen büßt das Unternehmen Verkaufszahlen ein.

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Einnahmen aus Gastro fehlen besonders

„Unsere Kund*innen erreichen wir zwar teilweise noch über den Einzelhandel, aber die Gastro ist mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger“, erklärt Eduard vom zickzack-Kollektiv. So heißt das Unternehmen eigentlich, das hinter den drei Getränken Kolle-Mate, Zotrine und Kilimo steht. „In der Gastro sind wir nämlich nicht nur ein Getränk von vielen, sondern eines, wofür sich die Lokalität im Rahmen ihres begrenzt möglichen Angebots ganz bewusst entschieden hat. Das wissen wir sehr zu schätzen.“ Nun überlegen sie, wie sie all den Clubs, Cafés und Kulturbetrieben nach der Krise weiterhelfen können.

Kilimo wird Solibrause

Eine Idee hat das Kollektiv schon umgesetzt: Die Kilimo wird Solibrause. Das heißt: Fast alle Einnahmen der neuen Kirschlimonade werden gespendet – an Menschen sowie Locations vor Ort als auch an Menschen auf der Flucht. „Eine grundlegende Überlegung besteht darin, sich mit anderen Menschen, Projekten, Kollektiven und kleinen Unternehmen zu verbünden, um sich gegenseitig zu helfen“, erläutert Eduard. Nur die Kosten an Dritte werden bezahlt, ihre unternehmensinternen Kosten spenden sie komplett.

Verzicht auf Einnahmen

Ein Unternehmen, das auf seine Einnahmen verzichtet? Eduard erklärt es folgendermaßen: „Wir verdienen unser Geld mit Kolle-Mate und Zotrine. Wir sind also abgesichert und darüber hinaus, geht es uns hier immer noch verhältnismäßig besser als vielen anderen Menschen gerade.“

Dass der Großteil der Einnahmen gespendet wird, ist neu – auch für das zickzack-Kollektiv und beweist, wie sehr sie sich als gemeinwohlorientiertes Unternehmen begreifen. „Wir – in der Rolle des kleinen Unternehmens – versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten, ethisch vertretbare Getränke herzustellen und diese selbst als Plattform für das Gute, Schöne und Politische zu nutzen.“

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Limos retten nicht die Welt

Zwar wissen sie, dass sie mit der Herstellung von Limonade nicht die Welt retten können, doch trotzdem wollen sie Verantwortung übernehmen. „Genau aus diesem Grund haben wir uns für eine Haltung entschieden, die über den eigenen Flaschenrand hinausgeht und uns als Teil des Ganzen versteht“, schreiben sie auf ihrer Webseite. Doch wie wirtschaftet ein Unternehmen, dass sich dem Gemeinwohl verschreibt?

Das heißt es, gemeinwohlorientiert zu wirtschaften

Das fängt bei hierarchiearm an, geht über den Einheitsstundenlohn weiter und hört vielleicht bei Ökologisch auf. „Wir sind alle Chef*innen“, sagt Eduard, der eigentlich mal Philosophie und Geschichte studiert hat. Gemeinsam mit dem Biologen André, dessen Spitzname übrigens Kolle ist, hat er sich vor acht Jahren zusammengetan und das zickzack-Kollektiv gegründet. „Wir beraten gemeinsam im Plenum über Probleme und entscheiden nach dem Konsens-Prinzip.“ Alle sollen also auf Augenhöhe behandelt werden und das soll sich auch im Lohn widerspiegeln. So bekommt jede*r den gleichen Stundeneinheitslohn. „Dieser variiert ein wenig, je nachdem, ob man Kinder hat oder sonstige finanzielle Beschränkungen.“

Gemeinwohlorientiert heißt für sie auch, nicht-profitorientiert zu wirtschaften: Jeder unnütze Gewinn wird gespendet. So erklärt sich der Soli-Cent. Das heißt, ein Anteil der Einnahmen von Kolle-Mate und Zotrine werden an ökologische oder soziale Projekte gespendet. Diese werden transparent auf der Webseite veröffentlicht. Transparenz ist dem Unternehmen generell wichtig, ebenso wie ihre Haltung. Sie wollen ihre politische Meinung kundtun. „Wir selbst werden nicht zum Geschäft,“ sagt Eduard, „wir behalten daher unsere politische und demokratische Haltung auch während der Geschäftszeiten bei.“

Kolle-Mate sieht sich als Konsumkritiker*in

Folglich haben sie auch eine Meinung zum Konsum. Auf ihrer Webseite schreiben sie: „Konsum kann die Welt nicht verbessern oder retten, nur der Verzicht sowie der äußerst bewusste und vernünftige Umgang mit den vorhandenen Ressourcen kann dies vollbringen.“ Wie kann aber ein Limonadenhersteller Verzicht propagieren. Sollen denn die klausurgeplagten Student*innen und übermüdeten Eltern nun auf die aufputschende Wirkung der Kolle-Mate verzichten und lieber Wasser trinken? Das Kollektiv-Unternehmen sieht es eher so: „Wir verzichten z.B. einerseits auf Aktivitäten, die den Konsum unnötig in die Höhe treiben, wie z.B. klassische Werbung oder kommerzielle Sponsorings. Andererseits versuchen wir möglichst korrekte Produkte herzustellen, die Vielfalt und Zusammenhalt in jeglicher Hinsicht fördern und unterstützen.“

Faire und biologische Getränke

Deshalb werden alle Zutaten fair und biologisch hergestellt. Die Getränke werden in Mehrwegflaschen abgefüllt und nur an Läden im Umkreis von 300 km beliefert. Das ist laut einer Studie vom Umweltbundesamt noch ökologisch vertretbar. Deshalb umfasst das momentane Liefergebiet der Zickzack-Limos vor allem das MDR-Sendegebiet. Manchmal findet es sich aber auch mit etwas Glück in Rostock oder Stuttgart. „Wir haben schon sehr viele Anfragen aus Nord- und Süddeutschland erhalten, können damit aber keine kurzen Lieferwege garantieren.“

Und genau da kommt Corona wieder ins Spiel. Denn um die Lieferwege zu verkürzen, wollte das Kollektiv dieses Jahr damit beginnen, die Limonaden dezentral abzufüllen. Momentan werden die Limonaden nämlich nur in der Nähe von Chemnitz abgefüllt. „Da hat uns Corona aber erstmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Pläne liegen vorläufig auf Eis. Nur in Würzburg werden voraussichtlich bald die zickzack-Limonaden abgefüllt.“

Was Kolle-Mate betrifft

Zuletzt sollte aber noch das Wort an das Kollektiv selbst übergeben werden, denn auch sie haben noch etwas zur Krise zu sagen: „Was wir noch loswerden möchten? Die Krise offenbart, wie hinfällig alles wird, wenn die Menschen nicht zusammenhalten und der Profit mehr zählt als alles andere. Das Wohl aller sollte deshalb künftig nicht mehr von der Gnade einzelner Menschen, Unternehmen oder Regierungen abhängig sein, denn globale Krisen lassen sich mit solidarischen Gesellschaften und der Achtung der Menschenwürde besser lösen als mit Nationalismus, Kapitalismus und Ausgrenzung.

Fürs Unternehmen wünschen wir uns eine solidarische und weltoffene Gesellschaft, denn was nützt ein florierendes Unternehmen, wenn nach der Krise alles so weitergeht wie bisher. Und für die Gesellschaft wiederum wünschen wir uns viel mehr nicht-profitorientierte und kapitalismuskritische Unternehmen, die die Methoden und Ziele der „freien“ Marktwirtschaft hinterfragen und ablehnen.“

Limos nicht in jedem Discounter erhältlich

Wem nach dieser Erklärung, der Gaumen nur so tropft, kann sich in der Neustadt auf die Suche machen, denn die Limos finden sich nicht in jedem beliebigen Discounter oder WG-Kühlschrank. Wenn die Gelüste nun überhandnehmen, könnten folgende Läden Abhilfe schaffen: Zickzack-Getränke finden sich beispielsweise im Späti Bio7 oder in der VG Dresden. Auch der D&F Getränkemarkt kann den Durst nach solidarischer Mate, Zitrone oder Kirsche stillen.

Informationen zum zickzack-Kollektiv

Die Limos gibt es in der Neustadt unter anderem bei:

Weitere Möglichkeit der Unterstützung:

Einige Sozialunternehmen wie Quartiermeister oder Kolle-Mate haben einen ganz besonderen Lieferservice für Getränke ins Leben gerufen: den Stay Home Club. Von jeder Bestellung fließen fünf Euro an den Klubnetz e.V., damit sollen Dresdner Clubs und Künstler finanziell unterstützt werden. Weitere Infos siehe: www.facebook.com/SHCDresden

6 Kommentare zu “Kilimo wird Solibrause

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