Tafel Dresden weiter geöffnet

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie berichten die Tafeln deutschlandweit über Engpässe in der Lebensmittelversorgung für einkommensschwache Personen – auch der Tafelladen in Dresden-Neustadt hat geschlossen. Das hat aber nicht nur mit Corona zu tun. Doch wie genau sieht die Lage der Tafel in Dresden seit der Corona-Krise aus und gibt es wirklich weniger Lebensmittel?

Edith Karakus, Sven Schatz, Enrico Böhme und Martin Rave helfen ehrenamtlich bei der Tafel Dresden.
Edith Karakus, Sven Schatz, Enrico Böhme und Martin Rave helfen ehrenamtlich bei der Tafel Dresden.

Die Tafel Dresden versorgt normalerweise mehr als 5.000 Menschen wöchentlich mit Lebensmitteln. Sie versteht sich selbst als Lebensmittelretter und als Umverteiler des Nahrungsmittelreichtums an sozial Benachteiligte. Über 200 Ehrenamtliche holen die Lebensmittel in den Supermärkten ab, sortieren sie und geben sie an Bedürftige sowie an soziale Einrichtungen weiter.

Die Finanzierung erfolgt ausschließlich aus Spenden und den Einnahmen aus dem Lebensmittelverkauf. Die Tafel erhält keine staatliche finanzielle Unterstützung.

Doch seit der Corona-Krise hat sich auch einiges für die Tafel Dresden verändert.

„Vor zwei Wochen holten wir von den Supermärkten nur noch knapp die Hälfte der Lebensmittel ab“, berichtet Alrik Schumann, Vorstandsmitglied des Vereins. Der Grund ist der gleiche, wie der mysteriöse Schwund des Toilettenpapiers: Die Dresdner Bevölkerung fing an zu hamstern. Soweit hatten bisher auch MDR und andere Medien berichtet.

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Seit der vergangenen Woche normalisieren sich jedoch die Lebensmittelspenden, und die Tafel Dresden holte sogar mehr Lebensmittel ab. Denn nicht nur geschlossene Hotels und Restaurants wollten ihre Lebensmittel loswerden, auch die Supermärkte bestellten in ihrem Eifer zu viel. „Die Leute müssen ja auch erstmal ihre Hamstervorräte verbrauchen,“ sagt Schumann.

Weniger Tafelkunden

Das Problem dabei ist jedoch: Es kommen weniger Tafelkunden. „Ich denke, das liegt besonders an drei Punkten: Die Risikogruppen, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, trauen sich nicht zu kommen. Außerdem denken die Leute auf Grund fehlerhafter Informationen, dass wir geschlossen haben oder dass wir nicht genügend Lebensmittel haben“, so Schumann.

Dabei haben zum Großteil alle Tafelausgaben ganz normal geöffnet, außer die Tafelläden in Dresden-Neustadt, Altenberg und Schlotwitz, weil entweder die hygienischen Bestimmungen nicht eingehalten werden können oder das Personal vorwiegend zur Risikogruppe gehöre. Der Tafelladen in Dresden-Neustadt hat jedoch auch aus Personalgründen geschlossen, die nicht nur durch die Corona-Krise bedingt sind. Für diesen Standort sucht die Tafel Dresden für die Zeit nach der Corona-Krise weitere verantwortungsbewusste Helfer*innen. Derzeit ist eine Einarbeitung nicht möglich.

Der Tafelladen Dresden-Neustadt in der Gutschmidstraße bleibt vorerst geschlossen.
Der Tafelladen Dresden-Neustadt in der Gutschmidstraße bleibt vorerst geschlossen.

Schwierige Finanzierung

Durch die ausbleibende Kundschaft wird für den Verein die ohnehin schwierige Selbstfinanzierung eine echte Herausforderung. „Wir nehmen 25 Cent pro Einheit von unseren Tafelkunden – also zum Beispiel 25 Cent pro fünf Äpfel“, erklärt Carola Oehme, ebenfalls Vorstandsmitglied des Vereins. Auf diese Einnahmen seien sie angewiesen, um die Ausgaben decken zu können – seien das die Fahrkosten, die Miete oder Instandhaltungskosten. „Eine staatliche oder kommunale Unterstützung zur Grundfinanzierung der Tafel-Arbeit wäre generell angebracht“, so Alrik Schumann.

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Tafel nimmt momentan keine neuen Helfer*innen auf

Neben den fehlenden Tafelkunden hat sich auch Zahl der Ehrenamtlichen verkleinert. So fehlen vor allem die Menschen, welche die Tafelarbeit aus den Maßnahmen für Arbeitsgelegenheiten (AGH) nutzen. Wo andere Tafeln in Deutschland gegenwärtig weitere Freiwillige aufnehmen, hat sich die Tafel Dresden vorerst dagegen entschieden.

Vorstandsmitglied Anja Hoke erklärt: „Wir können nur mit einer begrenzten Zahl an Personen, die Hygieneregelungen einhalten. Kommen weitere externe Helfer*innen hinzu, wird es unübersichtlich und wir können die Meldekette bei einem Corona-Fall nicht aufrechterhalten.“ Und die Hygieneregeln sind streng – nur fünf Personen können gleichzeitig den Raum betreten und bei der Lebensmittelsortierung muss der Mindestabstand garantiert sein.

Wie kann die Tafel Dresden unterstützt werden?

Unterstützung wünscht sich die Tafel momentan, aber auch nach der Corona-Krise, besonders finanziell. „Und wenn das alles vorbei ist, können hier gern hundert Leute anfangen. Wir haben genug Arbeit“, so Anja Hoke. „Die Tafel Dresden freut sich über verantwortungsvolle Menschen, die bei der Sortierung, Lebensmittelabholung, Webseitgestaltung und viel mehr helfen wollen.“

Aktuell blickt auch die Tafel Dresden in eine ungewisse Zukunft, denn natürlich sei nicht abzusehen, wie sich die Corona-Krise weiterhin auf den Verein auswirke.

Auch die Tafel Dresden muss sich an die Corona-Krise anpassen und darf nur noch 5 Personen einlassen.
Auch die Tafel Dresden muss sich an die Corona-Krise anpassen und darf nur noch 5 Personen einlassen.

Informationen zur Tafel Dresden

  • Der Tafelladen Dresden-Neustadt (Gutschmidstraße) hat bis auf weiteres geschlossen. Tafelkunden können jedoch zur Tafelausgabe in die Zwickauer Straße 32 kommen.
  • Die Öffnungszeiten aller Tafelausgaben finden sich unter: www.dresdner-tafel.de/tafellaeden
  • Die Tafel Dresden wünscht sich besonders finanzielle Unterstützung. Auch eine Fördermtigliedschaft ist möglich. Das Spendenkonto der Tafel Dresden:
  • Bank für Sozialwirtschaft
    IBAN : DE 24 8502 0500 0003 6479 01
    BIC : BFSWDE33DRE

Korrektur-Hinweis

Wir hatten ursprünglich berichtet, dass die Tafel in Pieschen (Zeitgeist – Großenhainer Straße) geschlossen ist, Roberto Kemmler, der Teamleiter der dortigen Tafel hat sich nun bei uns gemeldet und sagt, dass dort weiterhin mittwochs geöffnet ist.

5 Kommentare zu “Tafel Dresden weiter geöffnet

  1. An dieser Stelle möchte ich einfach nur von Herzen Danke an die Leute der Tafel sagen und das hat nicht nur wegen der aktuellen Krise.
    Diese Leute hätten generell mehr Achtung und Aufmerksamkeit für ihr Engagement verdient als pinke Hasen die den Sozialismus wieder aufleben lassen wollen und ihrem geistigen Alter entsprechend auf Töpfen rumklopfen…
    Das was diese Leute machen ist wahres und gelebtes soziales Engagement, mögen alle gesund diese Krise überstehen!

  2. @ Ichkannsnichtmehrhörenesgibtnichtnurschwarzundweiss … Einfach mal ein Kompliment zu schreiben, ohne im zweiten Absatz wieder den Nörgler raushängen zu lassen, ist zu viel verlangt?

  3. @Anton… ich wüsste nicht was seine Meinung kundtun mit nörgeln zu tun hat, oder hab ich einfach nur die falsche Meinung? Wäre in diesem Zusammenhang ein Statement gegen eine bestimmte Partei kein nörgeln gewesen?

    Schade dass ein ehrlich gemeintes Danke zu solchen Diskussionen führt nur weil man selbsternannten Weltrettern welche kein soziales Engagement leisten den Spiegel vorhält… in dem Sinne Jungs, Mädels und sonstige Geschlechter der Tafel nochmals Danke und macht weiter so, ohne euch wäre die Welt noch ein Stückchen kälter!

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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