Musikstadt Dresden: Ein Rückblick und Ausblick

Die Semperoper in Dresden – Foto: stock.adobe.com © Sina Ettmer
Die Semperoper in Dresden – Foto: stock.adobe.com © Sina Ettmer
Bei den kulturellen Veranstaltungen in Dresden spielt Musik natürlich eine zentrale Rolle. Auch, wenn Konzerte, Live-Auftritte & Co im Moment nicht möglich sind und teilweise sogar auf digitale Kanäle verlagert werden, bedeutet das also nicht, dass die Musik nicht dennoch das Leben vieler Menschen in Dresden prägt. Denn es handelt sich um eine regelrechte Musikstadt, deren Tradition seit jeher eng mit der Musik verknüpft ist. Es lohnt sich daher ein Rückblick in die Geschichte und auf die Antwort der Frage, wie Dresden zu einer der wichtigsten Musikstädte überhaupt geworden ist:

Die Anfänge der Dresdner Musikgeschichte

Die Geschichte der Stadt Dresden ist durch viele bekannte Namen geprägt. Dazu zählen zum Beispiel Johann Sebastian Bach, Richard Wagner oder Heinrich Schütz. Letzterer mag zwar weniger bekannt sein, gab jedoch in den Jahren 1585 bis 1672 den Anstoß, dass sich Dresden überhaupt zu einer Musikstadt entwickelt hat. Er war es nämlich, der als erster Komponist aus der Stadt weltweites Renommee erlangte. Dabei wurde er nicht einmal in Dresden geboren, sondern war der Sohn eines Gastwirts in Weißenfels. Jedoch ergab sich durch einen glücklichen Zufall, dass der Landgraf in dem Wirtshaus zu Gast war und Heinrich Schütz singen hörte – mit einer solch großen Begeisterung, dass er das Kind zu fördern begann.

Seine Karriere setzte sich daraufhin in Kassel fort und anschließend in Venedig, bis er schlussendlich nach Dresden kam. Der Kurfürst Johann Georg I. hatte ihn nämlich im Jahr 1617 zum Hofkapellmeister ernannt. Eine große Ehre für Heinrich Schütz, denn der Hof von Dresden war einer der bedeutendsten Fürstenhöfe überhaupt. Sein weiteres musikalisches Schaffen brachte Heinrich Schütz daher internationalen Ruhm, der daraufhin mit der Stadt Dresden verknüpft wurde. Immerhin 87 Jahre lebte er dort, bis er schließlich im Jahr 1672 verstarb.

Dresden als die Stadt der großen Namen

Angesichts seiner wichtigen Rolle für die Stadt Dresden, ist es schade, dass Heinrich Schütz heutzutage beinahe in Vergessenheit geraten ist, denn wer von der Musikstadt Dresden spricht, der meint vor allem Johann Sebastian Bach sowie Richard Wagner. Zwei große Namen, welche allerdings erst deutlich später die Musikgeschichte der Stadt prägte. Es war das Jahr 1733, als Johann Sebastian Bach seine „Missa“ schuf und damit einen Meilenstein der Musikhistorie kreierte. Sie war es auch, die ihm im Jahr 1736 Zugang zum Dresdner Hof als „Compositeur bei der Hof Capelle“ verschaffte. Eigener Aussage zufolge, wurde die Komposition gezielt für den Geschmack des Dresdner Publikums geschrieben – was offensichtlich auch international gefiel. Interessanterweise, lebte Bach aber niemals in Dresden, sondern war sozusagen „Pendler“ aus Leipzig, von wo aus er immer wieder für Konzerte in der Frauen- oder Sophienkirche nach Dresden reiste.

Anders war das bei Richard Wagner, der in den Jahren 1842 bis 1849 tatsächlich in Dresden lebte – und dort natürlich auch arbeitete. Sein Anstoß, um in die Musikstadt zu ziehen, was eine Zusage der Dresdner Hofoper für die Aufführung seines Werks „Rienzi“. Zuvor war er mit diesem Vorhaben in Paris gescheitert. Dresden sollte somit die nächste Stufe seiner Künstlerkarriere darstellen und tatsächlich feierte er dort große Erfolge. Die Uraufführung des „Rienzi“ galt im Nachhinein sogar als sein Durchbruch. Auch weitere seiner Werke wurden in der Stadt aufgeführt, bevor seine Zeit in Dresden aber im Jahr 1849 ein eher unschönes Ende nahm. Dennoch: Sein Name ist untrennbar mit der Stadtgeschichte verknüpft…und damit ist die Liste noch lange nicht beendet. Auch

  • Georg Friedrich Händel,
  • Wolfgang Amadeus Mozart,
  • Carl-Maria von Weber,
  • Felix Mendelssohn Bartholdy und
  • Clara Wieck

haben musikalischen Spuren in Dresden hinterlassen. In der Vergangenheit gab es also kein Dresden ohne Musik und auch keine nationale sowie internationale Musikszene ohne Dresden. Da stellt sich die Frage, wie die Situation in der Gegenwart aussieht.

Welche Rolle spielt Musik heutzutage noch?

Natürlich spielt Musik in Dresden nach wie vor im kulturellen Bereich eine wichtige Rolle, wie bereits eingangs erwähnt. Entsprechende Konzerte & Co gibt es beinahe täglich in vielen verschiedenen Locations. Die Semperoper in Dresden ist dabei natürlich einer der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte – sowohl für die Musikszene als auch in touristischer Hinsicht. Sie hat schließlich eine lange Tradition und beinahe jeder Opernfan, der einmal in der Musikstadt ist, möchte eine Aufführung auf den Spuren der großen Namen der Vergangenheit mit eigenen Augen sehen. Die Sächsische Staatsoper Dresden wird, wie der Name vermuten lässt, staatlich betrieben und zählt pro Jahr fast 300.000 Besucher.

Aber wie sieht es sonst aus mit Dresden und der Musik? Auch, wenn der internationale Ruhm mittlerweile abgeklungen ist, so beeinflussen sich die beiden nach wie vor gegenseitig. In Dresden gibt es beispielsweise die Hochschule für Musik, welche entsprechende Studiengänge anbietet. Es gibt die Philharmonie und es gibt auch schlichtweg eine große „Szene“ rund um die Musik. Das betrifft längst nicht nur die Klassik, sondern auch moderne Stilrichtungen wie Rock, Pop, usw.

Wie sich Musik im Laufe der Zeit verändert hat

Es lässt sich also durchaus auch eine Entwicklung feststellen, sprich Dresden hält zwar seine musikalische Tradition in Ehren, doch hat sich über die Jahrhunderte eben auch verändert sowie diversifiziert. Mittlerweile gibt es zahlreiche „moderne“ Bands aus Dresden, die überregionale Bekanntheit genießen. Das gilt sowohl für Cover-Bands als auch jene, die mit eigener Musik ihr Glück versuchen. Gemeinsam „jammen“, Konzerte besuchen oder einfach zusammen Musik hören…so oder so ähnlich sieht für viele junge Menschen in Dresden die ganz normale Freizeit aus.

Die Musik in Dresden aus wirtschaftlicher Perspektive

Die Nachfrage an Instrumenten in Dresden ist hoch – Foto: stock.adobe.com © Nomad_Soul
Die Nachfrage an Instrumenten in Dresden ist hoch – Foto: stock.adobe.com © Nomad_Soul
Dementsprechend hoch ist in Dresden natürlich auch die Nachfrage nach Instrumenten. Gleich mehrere größere sowie kleinere Läden wie das „Zoundhouse“ bieten hier verschiedenste neue oder gebrauchte Instrumente zum Kauf an. Und auch sie können in den vergangenen Jahren einige Veränderungen feststellen. Das gilt zum Beispiel für ein steigendes Umweltbewusstsein beim Kauf eines neuen Instruments. So interessiert zum Beispiel immer mehr Käufer von Holzinstrumenten, welche Hölzer verarbeitet wurden und ob diese die strengen Richtlinien erfüllen, welche zum Beispiel für Palisander lange Zeit galten. Mittlerweile gibt es diesbezüglich zwar eine Ausnahmeregelung, dennoch spielt die Nachhaltigkeit in der Dresdner Musikszene eine zunehmend wichtige Rolle.

Alles in allem lässt sich also festhalten, dass der Glanz der Musikstadt keinesfalls über die Jahre verloren gegangen ist. Aber die Szene hat sich durchaus verändert und weiterentwickelt. Heutzutage meistert sie einen optimalen Spagat aus klassischer Musik und dem Andenken an die großen Namen sowie einer modernen Szene.

Gibt es (noch) Musikveranstaltungen in Dresden?

Bleibt nur noch die Frage offen, ob Dresden denn auch namhafte Musikveranstaltungen zu bieten hat? Schließlich sind Festivals vor allem bei den jüngeren Generationen mittlerweile sehr beliebt und in den Sommermonaten auch wichtige Sammelpunkte für Musiker aus aller Welt. Tatsächlich finden in Dresden alljährlich die Dresdner Musikfestspiele statt. Sie richten sich vor allem an Klassik-Fans aus ganz Europa und feierten im Jahr 2017 bereits ihr 40-jähriges Jubiläum. Es handelt sich somit um ein traditionsreiches und renommiertes Musikfestival, das auf historischen Vorreitern basiert, nämlich den einstigen Musen- und Zwingerfestspielen der sächsischen Kurfürsten. Jedes Jahr treten in diesem Rahmen Weltstars aus aller Welt auf, zum Beispiel Marilyn Horne oder das Orchester der Mailänder Scala. Ganze 150.000 Menschen besuchten dieses Spektakel im Jahr 2013 und in den Jahren 2017 sowie 2018 wurden erstmalig auch „Palastkonzerte“ außerhalb der regulären Festspielzeit abgehalten.

Allerdings könnte es auch im Jahr 2020 eine weniger schöne Premiere geben, nämlich eine eventuelle Verschiebung oder Absage der diesjährigen Veranstaltung aufgrund der COVID-19-Krise. Dennoch lässt sich abschließend sagen, dass Dresden nach wie vor eine echte Musikstadt ist und das mit großer Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft bleiben wird.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.