Kleingärtnern: Altes Hobby, neuer Trend

Kleingärtnern ist heute genau das, was viele suchen. Foto: fotolia.com © Eberhard
Kleingärtnern ist heute genau das, was viele suchen. Foto: fotolia.com © Eberhard
Kleingärtnern hat sich immens gewandelt und spricht heute auch die Klientel „Jung, Erholungssuchend, Liberal“ an. Warum es sich deshalb gerade für Städter wie uns lohnt, mitzumachen und wie das in und um Dresden geht, haben wir im folgenden Artikel breit ausgesät.

Was soll ich im Kleingarten?

…fragt sich jetzt vielleicht mancher Leser. Die Antwort ist verblüffend einfach:

Das finden, was Schrebergärtner schon seit jeher dort suchten und fanden

Was das ist?

  • Eine im allerbesten Sinn „stadtnahe Erholung“ mitten in einem Stück Natur, die man sich tagtäglich zum Feierabend gönnen kann.
  • Eine entschleunigende Komponente, weil Mutter Natur den Takt vorgibt, nicht das Internet oder andere neuzeitliche Errungenschaften.
  • Jede Menge Gleichgesinnter aus unterschiedlichsten Alters- und Sozialschichten. Alle wollen nur eines: Ruhe, etwas Geselligkeit, Natur.
  • Ein Hobby, das nicht nur jedes Fitness- und Sonnenstudio ersetzt, sondern auch sicht- und genießbare Resultate in Form von leckerem Gemüse, Früchten, Blumen produziert.
  • Ein tieferes Verständnis für die Natur und somit auch Respekt für Umweltbelange. Was man im Kleingarten buchstäblich im Kleinen erlebt, funktioniert so großmaßstäblich in der gesamten Umwelt.

Wer jetzt noch nicht ganz überzeugt ist, kann sich vielleicht folgendes vor Augen halten: Es gibt wohl kaum eine günstigere Möglichkeit, an ein Wochenendhaus zu gelangen, als einen Kleingarten samt Laube.

Schrebergärten sind die perfekte Dosis Natur, die von jedem gestemmt werden kann. Nicht zu klein, nicht zu groß. Foto: fotolia.com © Jacob Lund
Schrebergärten sind die perfekte Dosis Natur, die von jedem gestemmt werden kann. Nicht zu klein, nicht zu groß. Foto: fotolia.com © Jacob Lund

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Kleingärten finden sich nur in entsprechenden Kolonien? Nicht ganz falsch, aber auch weit davon entfernt, richtig zu sein.
Prinzipiell gibt es mehrere Wege, in und um die Stadt herum an sein Gartenglück zu gelangen:

  • Man wendet sich an den Stadtverband Dresdner Gartenfreunde e.V. Der listet auf seiner Homepage freie Gärten. Dabei handelt es sich um einen klassischen Kleingärtnerverein oder besser gesagt den Dachverband von sage und schreibe 361 Kleingärtnervereinen im Großraum Dresden.
  • Man begibt sich direkt zu den einzelnen Kleingartenkolonien, und spricht mit der Leitung. Diese hat direkten Kontakt zu ihren Schrebergärtnern und kann einem oft besser verraten, ob demnächst etwas frei werden wird. Hierbei sowie bei dem vorherigen Punkt pachtet man ausschließlich; mietet also auf lange Zeit.
  • Man surft auf eBay-Kleinanzeigen und ähnliche Seiten und lässt sich Dinge wie „Kleingarten“, „Gartengrundstücke“ usw. anzeigen. Das hat nicht nur den Vorteil, dass es die geographische Lage vergrößert, sondern exkludiert die Notwendigkeit, Vereinsmitglied zu sein und ermöglicht oftmals neben Pacht auch den Kauf, was preislich weit unterhalb von Baugrundstücken liegt.

Dabei sollte man grundsätzlich darauf achten, dass das Grundstück bei jedem Wetter und auch im Alltag problemlos zu erreichen ist, nicht nur am Wochenende. Es bringt nichts, wenn man in der Neustadt lebt, aber sich, um zum Kleingarten zu kommen, jedes Mal weit über Freital hinausbegeben muss.

Bei den jährlichen Kosten kann man für ein gepachtetes Grundstück, rechnet man Strom, Wasser, Mitgliedsbeitrag, Versicherung usw. zusammen, von ungefähr 300 Euro ausgehen, also um die 25 Euro pro Monat.

Am Ende wird man, ganz gleich ob man gekauft oder gepachtet hat, bereits der Form nach Kleingärtner sein. Allerdings geht es dann erst richtig los.

Auch unter dem Reglement des Bundeskleingartengesetzes gibt es viel Raum für Selbstentfaltung. Foto: fotolia.com © Mario
Auch unter dem Reglement des Bundeskleingartengesetzes gibt es viel Raum für Selbstentfaltung. Foto: fotolia.com © Mario

Wie sieht der Plan aus?

Vollkommen gleich, um was für einen Kleingarten es sich handelt, man wird nun auf einem Stück Land stehen, das in Sachen Bebauung und Bepflanzung nicht zwingend dem entspricht, was man sich selbst darunter vorstellt.

Doch bevor man in einen der nächsten Bau- und Gartenmärkte im Stadtbereich fährt und sich mit Material und Werkzeug eindeckt, ist es notwendig, einen Plan zu haben. Auch der ist mit mehreren Schritten, die eine Leitlinie vorgeben, verbunden.

    1. Oberste Richtlinie für alles, das grünt, ist das sogenannte Gartenjahr. Jeder Monat hat seine festen Arbeiten, die nur dann getätigt werden sollten. Bedeutet, wenn man im Juli loslegt, ist es für dieses Jahr schon zu spät, um beispielsweise Lauch anzubauen.
    2. Wichtige Rechtsgrundlage ist das Naturschutzgesetz des Freistaats Sachsen. Das gibt auch Zeiträume vor, etwa wann Hecken und Bäume geschnitten bzw. gefällt werden dürfen. Wichtig: Nichtbeachtung kann herbe Strafen nach sich ziehen.
    3. Falls man sich in eine Kleingartenkolonie eingemietet hat, sollten deren Vereinsstatuten ebenfalls befolgt werden. So streng wie einst sind zwar die wenigsten Vereine noch, aber ihnen ist eben zumindest an einem gepflegten Gesamt-Look gelegen, weshalb sie gewisse Standards vorgeben, die allerdings nicht untragbar streng sind.

Gut zu wissen: Das Bundeskleingartengesetz, an das sich die Vereine so halten, hat nichts mit Biedermeierei zu tun. Viel mehr sorgt das Gesetz dafür, dass Kleingärten unter einem besonderen Schutz stehen, durch den zahlreiche Rechtsvorschriften, die sonst bei „normalen“ Gärten greifen, keine Wirksamkeit haben.

Besonderes Augenmerk sollte man auch der Laube widmen. Hier gibt das Kleingartengesetz folgendes vor:

Im Kleingarten ist eine Laube in einfacher Ausführung mit höchstens 24 Quadratmetern Grundfläche einschließlich überdachtem Freisitz zulässig; die §§ 29 bis 36 des Baugesetzbuchs bleiben unberührt. Sie darf nach ihrer Beschaffenheit, insbesondere nach ihrer Ausstattung und Einrichtung, nicht zum dauernden Wohnen geeignet sein.

Die genannten Baugesetzbuch-Paragraphen befassen sich u.a. mit Bebauungsplänen und Nutzungsbeschränkungen, die nur für „richtige“ Gebäude gelten.

Allerdings gibt es bei uns im Osten einen Passus, der den Gesetzesteil mit den 24 Quadratmetern aushebelt: Was vor dem Stichtag 3. Oktober 1990 gesetzeskonform errichtet war, hat Bestandsschutz. Das gilt selbst dann, wenn die Laube renovierungsbedürftig ist.

Wenn das getan ist, kann man sich mit Grundlagenliteratur eindecken. Dabei empfehlen sich folgende Themenbereiche:

  • Arbeiten mit Holz und Stein (für Laube, Wege und Co.)
  • Arbeiten mit Wasser und Elektrik (auch für die Laube)
  • Bodenbearbeitung
  • Zierpflanzen
  • Gemüse- und Fruchtanbau

Man braucht keine hochwissenschaftlichen Werke. Viele Infos findet man auch im Netz, in Foren, bekommt sie von seinen Parzellennachbarn. Aber völlig „blind“ sollte man keinesfalls loslegen.

Noch vor allem anderen sollte man dafür sorgen, dass die Laube als Basis bezugsfertig ist. Erst dann kommen die Pflanzen dran. Foto: fotolia.com © Eberhard
Noch vor allem anderen sollte man dafür sorgen, dass die Laube als Basis bezugsfertig ist. Erst dann kommen die Pflanzen dran. Foto: fotolia.com © Eberhard

Womit sollte ich starten?

Ganz besonders, wenn man in einem Kleingarten steht, der von einem altersschwachen Vorbesitzer jahrelang notgedrungen vernachlässigt wurde, wird es einen reizen, sofort loszulegen.
Tatsächlich ist das wichtigste erst mal die Laube. Denn sie muss die Basis sein, von der aus man alles andere macht. Das bedeutet:

    1. Zunächst sollten Undichtigkeiten beseitigt werden, damit innen trockene Verhältnisse herrschen.
    2. Es folgt die strukturelle Integrität: Sind Balken oder Bretterwände auszutauschen? Ist der Boden noch in Ordnung?
    3. Nun kommt die Sicherheit: Die Laube muss sich anständig verschließen und sichern lassen. Ganz besonders, wenn sie nicht in einer dauerhaft bevölkerten Kleingartenkolonie liegt.

Warum das alles? Weil man mit den nötigen „Entkrautungsarbeiten“ genug zu tun haben wird. Man will einen sicheren Ort für die neuen, teuren Werkzeuge, seine Gartenklamotten haben oder will eine Möglichkeit haben, einfach mal nach Feierabend in den Garten zu fahren.

Wer direkt mit dem Kampf gegen Unkraut loslegt, wird praktisch gezwungen, die ersten Wochen nur mit harter Arbeit zu verbringen und hat bei Regen auch Pech. Macht man hingegen erst einmal die Laube bezugsfertig, kann man viel entspannter loslegen.

Was ist mit den Nachbarn?

Gegensätze ziehen sich an. Egal wen man als Nachbarn bekommen wird, man sollte auf alle davon mit einem Lächeln zutreten, so früh wie möglich in seiner Kleingärtnerkarriere.
Nicht nur, weil man nebeneinander die schönsten Zeiten des Jahres verbringen wird, sondern auch, weil diese Menschen meist einen reichhaltigen Erfahrungsschatz haben. Denn der Garten macht alle gleich, egal woher sie kommen und was sie sonst machen.

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