Neue Heimat 2025 – Dresden als Kulturhauptstadt

Im Rahmen der Reurbanisierung ziehen in Deutschland immer mehr Menschen in Städte. Das Leben in der Stadt gewinnt wieder an Bedeutung und in Zeiten, in denen Begriffe wie Work-Life-Balance und Stadtmarketing längst Teil unseres Alltags geworden sind, bedeutet dies nicht mehr nur eine Zunahme an Arbeitsplätzen in der städtischen Industrie.

Überall wird daran gearbeitet, das Leben in den Städten so lebenswert, abwechslungs- und perspektivenreich wie möglich zu gestalten. Dresden ist dabei keine Ausnahme. Mit einem ambitionierten Projekt hofft die Stadt nun, die kulturelle und infrastrukturelle Entwicklung nochmals anzuregen.

ÖPNV, Grünflächen, klassische Architektur. Drei Stärken der Stadt auf einen Blick.
ÖPNV, Grünflächen, klassische Architektur. Drei Stärken der Stadt auf einen Blick.

Dresden bewirbt sich als Kulturhauptstadt

Im Herbst des Jahres 2016 wurde es bekannt, knapp ein Jahr später war bereits ein Büro für die Mitarbeiter der Kampagne eingerichtet, damit das Projekt eine zentrale Anlaufstelle erhält: Dresden will bzw. wird sich auf den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bewerben.

Die Landeshauptstadt, die für Architektur, Kunst, Musik und Theater weltbekannt ist, würde sich mit einem Erhalt des Titels in eine lange Reihe von europäischen Kulturzentren einreihen. Weitere deutsche Städte, die in der Vergangenheit den Titel trugen sind (West-)Berlin, Weimar und Essen.

Das Motto der Kampagne lautet „Neue Heimat Dresden 2025“, womit ausgedrückt werden soll, dass es hauptsächlich um die Menschen und das Miteinander innerhalb der Stadtkultur geht.

Wir leben in Zeiten von Stimmen, die an der Relevanz der EU zweifeln und in denen die politische Spaltung der Gesellschaft zuzunehmen scheint – und in Dresden ist dies deutlich zu spüren. Daher kommt ein solche Aktion, die kulturellen Zusammenhalt belohnt und den Platz von Gemeinden innerhalb Europas betont, gerade recht.

Die Wahl zur Kulturhauptstadt 2025

Seit 1985 werden jedes Jahr von der EU Städte ausgewählt, die ein Jahr lang den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ tragen dürfen. Innerhalb dieses Jahres findet dann eine Vielzahl besonderer kultureller Veranstaltungen unter dieser Flagge statt – es ist also, genauso eine Herausforderung wie auch Auszeichnung.

Für das Jahr 2025 sind wieder deutsche Städte an der Reihe. Die Bewerbung zum Auswahlverfahren findet knapp sechs Jahre vor dem jeweiligen Jahr statt – für 2025 haben Bewerber also noch bis Ende September 2019 Zeit, eine Mappe einzureichen. Dabei sind als Kriterien die vorhandenen kulturellen Einrichtungen nur eine Basis – entscheidend ist das in der Ausschreibung angekündigte Kulturprogramm für das Titeljahr und dessen Nachhaltigkeit darüber hinaus.

Der Melina-Mercouri-Preis, der bei erfolgreicher Vorbereitung ausgezahlt wird, ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert. Die Entwicklung der Stadt im Rahmen der Vorlaufzeit für das Veranstaltungsjahr ist also besonders relevant und wird mehrmals von der Kommission überprüft.
Außer Dresden bewerben sich nach aktuellem Stand noch sieben weitere deutsche Städte für das Jahr 2025. Mit den weiteren Konkurrenten traf man sich am 16. Oktober 2018 in Berlin zum Austausch im Rahmen einer Auftaktveranstaltung. Namentlich waren dies:

  • Chemnitz
  • Gera
  • Hannover
  • Hildesheim
  • Magdeburg
  • Nürnberg
  • Zittau

Planung parallel mit dem Konzept Dresden 2025+

Für die Vorbereitung auf eine erfolgreiche Bewerbung und die Aufstellung eines attraktiven Programms wurde die Politik bereits aktiv. Für die Planung des Kulturprogramms hat der Stadtrat etwa 1,8 Millionen Euro bereitgestellt.

Natürlich muss dieses reibungslos ablaufen und von der Infrastruktur der Stadt getragen werden können. Um dies bis zum Jahr 2025 sicherzustellen, hat die Stadt also noch einiges vor sich.

Glücklicherweise ist Dresden schon unabhängig der Bewerbung bestens dafür aufgestellt: Unter dem Titel „Zukunft Dresden 2025+“ gibt es ein langfristiges Strategiepapier, das auch darüber hinaus die Entwicklung der Stadt analysieren und vorausplanen wird, um die neuen Herausforderungen, die das Leben in Städten in der Zukunft mit sich bringen wird, gut zu meistern.

So wird es zunehmend schwieriger, bezahlbaren, attraktiven Wohnraum für die wachsende Stadtbevölkerung zu schaffen. Auch die Verkehrslage wird stetig schlechter, so dass der ÖPNV innovative Umstrukturierungen benötigt.

Die Strategie, die im Rahmen von 2025+ angewandt wird, baut auf langjährigen Erfahrungen in der Stadtplanung auf. Die Gestaltung der Stadt wird seit 2003 mit gesamtstädtischen Entwicklungskonzepten aktiv verfolgt – seit 2016 im Rahmen des „integrierten Stadtentwicklungskonzepts“ (INSEK).

Das Projekt umfasst sämtliche expliziten Aspekte des Städtebaus wie soziale Infrastruktur, Wirtschaft, Mobilität und so weiter – aber tut dies unter Mitbestimmung der Bürger und setzt sich für vier Hauptziele ein:

    Dresden soll …
    … eine lebenswerte Stadt sein,
    … Leistungskraft haben,
    … schonend mit Ressourcen umgehen,
    … und sich als Kulturstadt in Europa etablieren.

Bauliche Maßnahmen und kulturelle Entwicklung gehen also Hand in Hand. Kultur funktioniert nicht ohne Menschen, und damit diese sich beim Leben in der Stadt wohlfühlen, muss die kulturelle Infrastruktur entsprechend gestaltet werden. Besonders was die Verkehrspolitik angeht sind Bürgerinnen und Bürger hier ebenfalls bereits aktiv.

Gemeinschaftliche Maßnahmen für das Konzept Kulturhauptstadt

Genau auf solche Aktivität seitens der Bewohner setzt Dresden bei dieser großen Aufgabe. Dies wird durch den Fokus auf Bürgerbeteiligung verdeutlicht. Das zuvor bereits genannte Kulturhauptstadtbüro wurde eigens dafür eingerichtet, um die Kampagne für kreative Bürger zugänglicher zu machen. Mehr als das sogar – sie ist fast vollständig von ihnen abhängig.

Anstatt undurchsichtiger Programme zur Kulturförderung, die in einem Hinterzimmer entschieden werden, setzen die Projekte hier auf Dialog, Miteinander und Einbeziehung der Dresdnerinnen und Dresdner. Die erfolgreichsten Bürgerprojekte können Teil des Programmes im Jahr 2025 werden.

So war eine der ersten Aktionen, die im Rahmen der Vorbereitung auf die Bewerbungsphase stattfanden, die „Erste Zukunftskonferenz der Kinder“, bei der Ideen für kulturelle Projekte von Schülerinnen und Schülern gesammelt wurden. Das Projekt „Friends Day“ – ein schulfreier Tag, an dem die Kinder zusätzlich auf digitale Geräte verzichten und mit Freunden Kultureinrichtungen besuchen wollen – wurde dort zur Realität gemacht.

Eine der interessantesten Ideen ist das Förderprogramm „2025 Euro für 2025“, bei dem kreative Ideengeber für kulturelle Initiativen diesen Geldbetrag zur Unterstützung erhalten konnten. Insgesamt wurden anstatt der zu Beginn angekündigten zehn sogar 13 Projekte für die Förderung ausgewählt.

Der Fokus lag dabei wieder auf Ideen, die ein gesellschaftliches Miteinander und die lokale Identität betonen. Einer der Sieger war beispielsweise der Löbtauer Kulturverein mit ihrem „Stadtteilladen LÖBTOP“, welcher regelmäßig der Schauplatz kostenloser Veranstaltungen ist und somit als Treffpunkt des Stadtteils fungiert.

Die Stadtkultur mit Straßenfesten und Weihnachtsmärkten bildet eine gute Grundlage für soziales Miteinander.
Die Stadtkultur mit Straßenfesten und Weihnachtsmärkten bildet eine gute Grundlage für soziales Miteinander.
Die „Orte des Miteinanders“ sind ein weiteres, andauerndes Projekt des Fördervereins. Die Mitarbeiter des Kulturhauptstadtbüros sammelten Vorschläge für Orte im gesamten Stadtgebiet, die für die Verbundenheit der Bürgerinnen und Bürger stehen.

Aus den Vorschlägen wurden schließlich 25 ausgewählt. Für diese wurden dann unter den Mottos „Na dann mach doch“ und „Na dann mach doch mit“ Ideen für Veranstaltungen gesammelt und schließlich durchgeführt – immer mit dem Fokus lokaler Interaktivität.

Bedeutung für das Stadtbild der Zukunft

Grünflächen, Freizeitmöglichkeiten, Kulturprogramm. Die Stadt der Zukunft steht vor einem herausfordernden Spagat.
Grünflächen, Freizeitmöglichkeiten, Kulturprogramm. Die Stadt der Zukunft steht vor einem herausfordernden Spagat.
Die Initiative aus Brüssel soll europaweit dafür sorgen, dass Städte ihre kulturelle Entwicklung in den Fokus stellen und gleichzeitig ihren Platz im gemeinsamen Kulturkreis Europas festigen. Es geht also um das Miteinander innerhalb der Metropolen, aber auch darüber hinaus.

Um einer gesunden Stadtkultur Raum bieten zu können plant Dresden eine Optimierung des ÖPNV, unter anderem in Form zusätzlicher Haltestellen. Wohnungsknappheit soll mit der Schaffung von neuem, bezahlbarem Wohnraum und der Anwendung innovativer Konzepte wie Mehrgenerationenwohnen bekämpft werden.

Die Durchgrünung, obwohl schon auf einem hohen Niveau, soll weiter ausgebaut werden, um ruhige Aufenthaltsorte und eine klimagerechtere Stadt zu schaffen. Auch brach liegende Flächen sollen umstrukturiert werden.

Diese und ähnliche Vorhaben wurden durch die Benennung konkreter Schlüsselprojekte zu Dresden 2025+ genauer festgelegt. Eine solche Hauptaufgabe ist beispielsweise der Aufbau des grünvernetzten Altstädter Promenadenrings.

Krisen der nahen Vergangenheit haben gezeigt, dass Europa und insbesondere Städte regelmäßig vor Konfliktthemen stehen, die nur durch einen guten Zusammenhalt überwunden werden können. Oder, wie auf einer Beteiligungsrunde 2017 zu hören war: „Kultur ist, wie wir miteinander umgehen“.

Interesse geweckt?

Kontaktieren Sie das Kulturhauptstadtbüro mit Ihren Ideen:

  • Besucheranschrift: Kulturpalast, Schlossstraße 2, Eingang Galeriestraße, 01067 Dresden
  • Telefon 0351 4882025, E-Mail kulturhauptstadt@dresden.de
  • Öffnungszeiten: Mittwoch 10 bis 14 Uhr, Donnerstag 14 bis 18 Uhr