Anzeige

Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Artikel-Schlagworte: „weihnachten“

Weihnachten auf der Alaunstraße

soso

Da ist sie wieder, die Vorweihnachtszeit. Pünktlich zum 1. Advent hängen wieder girlandeförmige Adventskränze über der Alaunstraße.

Weihnachtsspaziergang

Giebelkunst
Auch in diesem Jahr musste er wieder sein, der traditionelle Weihnachtseinkaufsspaziergang. Man kennt das ja von mir, immer alles auf den letzten Drücker besorgen.
Doch bei solchen, straff geführten Spaziergängen kann man so einige Beobachtungen anstellen. So ist mir heute zum ersten Mal die Giebelgestaltung, so heißt das wirklich, an der Böhmischen Straße aufgefallen. Gefördert von der Stiftung Äußere Neustadt ist da ein Kunstwerk entstanden, dass sich sehr schön von den anderen, billigen Graffiti absetzt.
Gegenüber jedoch gibt es ein gewohntes Bild vor der Bäckerei Graf: eine lange Schlange. Zum Glück hab ich meine Brotvorräte schon gestern geholt. Bei der Weinhandlung Bethe bekomme ich Getränk-Geschenke, zuvor war ich schon in meinem Lieblingsteeladen auf der Louisenstraße und beim Weinhändler Jaques auf der Königsbrücker. Inzwischen ist die Tasche ganz schön schwer und traditionell muss ich noch zu Art und Form und ins Catapult. Am Anfang der Alaunstraße staune ich dann doch, nicht nur dass der Obst- und Gemüseladen verschwunden ist, auch der Bäcker an der Ecke ist komplett leer. Merkwürdig, ob die Unterschiede beim Backstubenandrang mit der Produktqualität zusammenhängen? Man weiß es nicht.
Nach Abschluss der Weihnachtseinkäufe hätte ich nun gern einen Espresso in der Kaffee-Bar auf der Görlitzer, unmittelbar neben Maxens “La Rue”, getrunken. Doch Pech, zu Weihnachten ist hier die Tür verrammelt – also ab nach Hause.

Die Girlanden hängen wieder

Am Freitag wurde nun auch der untere Teil der Alaunstraße mit weihnachtlichen Girlanden geschmückt. Auch die Louisenstraße hat in diesem Jahr welche abbekommen. Damit auch keiner das heilige Fest vergisst.
Weihnachtsgirlande

Weihnachten naht

Alaunstraße im Dezember 2006

Alaunstraße im Dezember 2006


“Bald nun ist Weihnachtszeit … dumm di dumm dumm.” Das darf doch wohl nicht wahr sein, noch ist September und der Nachbar holt schon die Adventstitel raus. Lustige Schneeflocken haben gestern und heute die Neustadt eingeweißt und damit auch farbtechnisch das baldige Fest angekündigt. Die Räumungstrupps und die Mittagssonne haben die Straße aber schnell wieder grau werden lassen. Ab dem 28. November wollen die Initiatoren vom Neustädter Advent wieder Weihnachten feiern. Dazu gibt es am 28. Dezember in der Dreikönigskirche eine musikalische und weihnachtliche Festveranstaltung. Glücklicherweise wird die Alaun- und Louisenstraße nicht mehr mit Weihnachtslichtern geschmückt. Dafür haben die Kalender-Experten vom Advenster nun einen Terminplan.

Von weihnachtlichen Gefühlen

Frostiger Wind zwackt mir in der Nase. Den Mantelkragen hochgeschlagen, die Mütze tief in die Stirn gezogen, eile ich durch die engen Gassen der Neustadt. Überall leuchtet und blinkert es. Weihnachtszeit ist Glitzerzeit. Dass die Bäcker mich mit Stollen locken, wundert mich nicht, dass der Kostümverleih an der Förstereistraße jetzt einen rot-weißen Anzug im Schaufenster hat muss wohl so sein. Doch das selbst eine der berühmtesten Bars der Neustadt mit einem Christmas-Daiquiri lockt, lässt mich dann doch staunen.

Das weihnachtliche Treiben macht auch um die Neustadt keinen Bogen, und es scheint als wäre der Trubel in diesem Jahr noch ein bisschen ärger als sonst. Klar, gewisse Dinge, wie den einbrechenden Weihnachtsmann auf der Förstereistraße gibt es schon fast ewig, aber erstmals konkurrieren zwei Advendskalender. Der eine ist künstlerisch und zeigt gestaltete Fenster und heißt deswegen auch Advenster. Der andere ist musikalisch und zieht von Haus zu Haus, heute zum Beispiel wird ab 19 Uhr vor der Martin-Luther-Straße 29 musiziert.

Doch auch der größte Weihnachtstrubel zieht vorbei. In der Neustadt ist dieser Zeitpunkt am 24. Dezember, schon nachmittags. Dem großen Anteil der hier lebenden Studenten ist geschuldet, dass Alaun- und Louisenstraße dann ziemlich leer aussehen. Erst später am Abend wird es wieder voller und in den Kneipen werden Verdauungsschnäpse nach dem Festtagsschmaus gekippt.

Dann ist es natürlich auch Zeit für zwei der Neustädter Weihnachtsklassiker: Das etwas andere Krippenspiel mit Olaf Schubert in der Scheune. Und die legendäre Hardrocknacht im Heavy Duty anlässlich des Geburtstages von Motörhead-Sänger Lemmy.

Doch bis dahin ist noch über eine Woche Zeit und während mir die Kälte schon wieder im Gesicht zwickt, sehe ich eine Gruppe junger Burschen mit roten Weihnachtsmannmützen um die Ecke biegen. Jetzt freue ich mich erst recht auf Heiligabend oder genauer noch auf die Nacht nach dem Abend.

Von leeren Straßen und einer vollen Kneipe

Tiefschwarz und leer wie ein Höllenschlund in einem überdrehten Science-Fiction-Film liegt sie da. Die Autos, sonst dicht gedrängt im Halteverbot parkend, sind geflüchtet. Ein eisiger Wind weht durch die Görlitzer Straße, die Fahnen am La vie en Rose flattern hoffnungslos. Es ist Weihnachten in der Neustadt, die Bewohner sind fast alle verschwunden, ausgeflogen, zu Eltern und Onkeln, zu Tanten und Christstollen, heim zum Gänsebraten mit Rotkraut, wer kann schon mit Traditionen brechen. Und keiner feiert hier, soll das Szene-Viertel zum Fest der Liebe ganz allein bleiben, arme Neustadt.

Noch am Vormittag des 24. gab es geschäftiges Treiben, der Geschenke-Kauf-Rausch, pausenlos treffe ich bekannte Gesichter auf der Straße, alle in Eile und mit dicken Taschen unterwegs, im Konsum auf der Alaunstraße treffen sich die Hiergebliebenen. Ich höre von gemütlichen Feiern im kleinen Kreis: „Komm doch mal vorbei.“ Gut zu wissen, dass nicht alle verschwinden. Selbst noch auf Geschenksuche streife ich durch die Plattenläden, im Hard Wax auf der Rothenburger Straße überfällt mich wieder der typische Weihnachtsduft. „Kann ich Dir irgendwie helfen, oder willste vielleicht ein Stück Stollen – Kaffee?” So viel Kundenfreundlichkeit überrascht mich dann doch, hier hat das Fest seine Bestimmung gefunden, Gemütlichkeit, gepaart mit angenehmer Musik. So bezaubert irre ich weiter durch die Straßen der Neustadt.

Doch mit der einsetzende Dunkelheit wird es immer leerer und mitten in der Nacht dann das: Der Wind pustet abgerissene Plakatstückchen vor sich her. Zu gruselig für meinen Geschmack.

Also biege ich in die Louisenstraße ein. Dort finde ich einen Ort pulsierenden Lebens. Im Heavy Duty ist der Teufel los. Harter Rock dringt aus den Boxen, der Zigarettenqualm erschwert die Sicht. Schwere Jungs mit langen Haaren und Bärte lümmeln am Tresen. Es wird gefeiert, nein nicht Weihnachten, heute hat Lemmy Geburtstag. Lemmy ist der Sänger der Kult-Band Motörhead. Grund genug für all die Rocker, heftig zu saufen. Tequilla, brauner Rum und Bier, Gläser klirren, ab und zu fällt eins zu Boden. Hier wird gelebt bis in die frühen Morgenstunden, wenn die harten Burschen einsam wankend den Heimweg antreten.

Die nächsten Tage sind hart, die Neustadt bleibt leer, Parkplätze im Überfluss. Vorbereitungen laufen an, für die große Party. Silvester steht vor der Tür. Die Neustädter Kneipen sind gewappnet. Spätestens dann wird es hier wieder voll und alle sind wieder da.

Neustadt bei Flickr
Vergangenes