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Zur Erinerung: Infoveranstaltung für Hecht-Parker
Während in der Neustadt schon längst ein “Park-Leid-System” mit Tiefgaragen und Automaten installiert wurde, diskutieren die Karpfenteichler, ähm, Hechtviertel-Bewohner noch. Aus diesem Anlass lädt der HechtViertel e.V. zu einer Informationsveranstaltung mti dem Titel „Parken im Hecht“ ein. Mit dabei sind das Stadtplanungsamt, das Planungsbüro IVAS und interessierte Anwohner. Es soll um folgende Überlegungen gehen: Parkkarten für Anwohner – nötig oder nicht? Ein Parkhaus im Hecht – sinnvoll oder überflüssig? Halteverbote – Ausweitung oder Einschränkung?
- Mittwoch, 21. Oktober, 19 Uhr
- Hechtstraße 32 (Hinterhaus)
Früher übrigens parkte man nicht im Hecht, sondern man fuhr mit ihm. Siehe hier.
Spießer-Viertel Neustadt?
Was ist los mit dem Viertel? Diese Gedanken schossen mir neulich durch den Kopf, als ein paar junge Burschen extra eine Bar verließen, um einen Joint zu rauchen. Wird die Neustadt, der oft beschimpfte Schmutzfleck auf der weißen Weste der Landeshauptstadt zum Vorzeige- und Spießerviertel?
Die Anzeichen sind deutlich. Diesen Beitrag weiterlesen »
In der Menge ertrunken
Nicht so richtig sicher auf den Beinen schwankt der Punk zu der weißen Limousine. „Eh, Alter, so ´ne Kutsche möchte ich auch mal fahrn, ist ja voll geil, eh.“ Der Mann im 15-Meter-Cadillac macht gute Miene zum bösen Spiel. Zwei der Prachtkarossen wollen durch die Neustadt kreuzen. Aber an der Görlitzer/Ecke Louisenstraße ist dann Schluss mit dem fröhlichen Gekreuze.
Denn hier lauert schon die Straßenbahn. Ein kleiner silberner Renault machte sich auf den Schienen breit, vom Abschleppdienst keine Spur. Sämtliche Fahrgäste tummelten sich teils amüsiert, teils aufgeregt auf der Straße. Angereichert wurde das bunte Gemisch von einigen Punks und schlendernden Studenten, die inzwischen die Suche nach freien Kneipenplätzen aufgegeben hatten.
Die Straßebahnfahrerin, leicht am dunkelroten Jackett zu erkennen, lehnt verzweifelt an dem Schienen-Blockier-Renault. Aus der Studio-Bar klingt leise Musik, auch dort ist kein Stehplatz mehr frei. Was ist los in der Neustadt, wer hat nur all die Menschen hergelockt?
Ein Festival soll es sein. „Allez Europa“ – mit Bands und Kunst in Kneipen. Tatsächlich, im Blue Note gibt es Live-Musik. Auch in anderen Bars ist richtig was los. Große Transparente haben seit Tagen auf das Fest hingewiesen. Es scheint kein Problem zu sein, die Neustadt voll zu bekommen. Laut Ankündigung machen über 50 Kneipen mit. Was ist passiert, sind sich die Kneiper neuerdings mal einig, neue Töne aus dem Szene-Viertel. Doch der Schein trügt: Organisator Andreas Preuß hat bei weitem nicht alle Kneipen unter einen Hut bekommen, seine Methode ist etwas anders. Das Motto lautet, erst mal machen und dann sehen was kommt. Das mag nicht jeder, leicht entsteht da der Ruf des Abzockers, doch wie deutlich zu sehen ist, funktioniert es.
Inzwischen hat der Cadillac gewendet. In schlappen sieben Zügen unter dem Gejohle der Massen, der Chauffeur wird sich einen neuen Job wünschen. Die Straßenbahnfahrerin hat neuen Mut gesammelt, nutzt die kleine Pause, um ein Zigarettchen zu schmauchen und die Menschenmenge verteilt sich auf die umliegenden Straßen.
Von großen Ideen und kleinen Haken
„Von wegen Luft ablassen, anzünden müsste man die.“ Gregor, den ich im Oscar auf der Böhmischen Straße traf, war nicht so angetan von meinen Gedanken zum Parken in der Neustadt. „Diese Blechkarren stehen doch nur im Weg rum.“ Zur Erinnerung: Vor zwei Wochen hatte ich berichtet, wie ein Hausmeister über falsch parkende Autos denkt. Dabei fiel auch die Idee mit dem Luft ablassen.
Viel größere Ideen hat der Dresdner Martin Schramm, der zwar gerade in Wien weilt, doch in Gedanken noch in der Neustadt ist. Per E-Mail schickte er mir seine Visionen eines autofreien Szene-Viertels. Ein Parkhaus am Rande sollte her, und alle Autos dort hinein, denn zu Fuß sei die Neustadt viel schöner. Soweit kann ich folgen. Doch dann geht es weiter. Statt der Parkgebühr könnte der Autofahrer doch gleich auf sein Vehikel verzichten und eine Monatskarte für die Straßenbahn erwerben. Große Ideen fordern Taten. Also lasse ich das Auto mal stehen und probier es mit Laufen. Alle Wege in der Neustadt sind kein Problem, doch was ist wenn ich über die Elbe will. Zum Fußball vielleicht, Dynamo lockt. Die Linie 13 fährt dahin, soweit ich bisher wusste eine gute Viertelstunde. Doch was muss ich nun erleben, die fährt doch wirklich mit der Kirche ums Dorf, über Johannstadt und Hauptbahnhof – fast dreimal so lange. Gut das ist ´ne Ausnahme, aber irgendwie ist es doch immer so, wenn ich die Tram brauche, ist sie immer gerade abgefahren. Alles nur Zufall. Doch die kleinen Haken an der großen Idee lassen mir keine Ruhe. Herr Schramm erklärt, dass man in der Bahn ein Buch lesen könne und dabei entspannen. Habe ich so noch nie erlebt. Wenn ich ausnahmsweise in die gelb-schwarzen Gefährte einsteige, ist entweder kein Platz frei oder nach spätestens einer Haltestelle steigt eine Rentnerin mit Krückstock zu, der ich dringend meinen Platz anbieten muss, um mir dann neben johlenden Kinder die Beine in den Bauch zu stehen.
Aber schön wäre es schon mit der Neustadt ohne Autos. Dann vielleicht doch die Variante mit dem Parkhaus. Dort müssten dann auch Mietschirme zu haben sein, falls es mal regnet, und gleich ein großer Plan mit allen Kneipen drauf. Rund um die Neustadt werden Tore aufgestellt, damit sich auch kein einzige Wägelchen hineinverirrt. Ein Grenzschild wäre auch nötig. „Erlebnispark Äußere Neustadt“. Da würden dann auch die brennenden Autos hinpassen und für den Dresdner Altstädter wäre wieder ganz klar: In der Neustadt ticken sie doch nicht ganz richtig.
Von wildem Trubel und lauschigen Plätzchen
„Endlich Ruhe“, sagt Peter erleichtert und lehnt sich zurück. Im Oosteinde haben wir eine Oase gefunden. Die Kneipe im Stadtteilhaus am Ende der Louisenstraße ist noch nicht so bekannt. Es sind fast nur Neustädter hier, von Peter mal abgesehen. Direkt an der Prießnitz ist hier ein stiller Ort in der lauten Neustadt, die vor allem an den Wochenenden überquillt. Die meisten Kneipen sind proppe voll, und der so genannte Parksuchverkehr kreist durch das Viertel. Auf dem Weg hierher sind wir an Blumenau und Mona Lisa vorbeigeschlendert: überall schöne Menschen. Vor allem junge Mädchen, die sich extra für die Neustadt herausputzen und knapp in Weiß und Schwarz gekleidet über die Straßen stolzieren. Auch die jungen Burschen sind ansehnlich mit ihren Waschbrettbäuchen, die sich unter knappen Shirts abzeichnen, den engen Jeans und den obligatorischen Turnschuhen. Doch seltsam gleichförmig sehen sie aus.
Hier im Oosteinde ist das anders. Mit am Tisch sitzt Andreas, grau und langhaarig mit leicht trüben Blick und zerschlissenen Schuhen. Um die Mundwinkel zuckt ein Lächeln, selten zwar aber herzlich. Pit, der in Schlabberpulli und zerrissener Hose am Nachbartisch sitzt, ist ästhetisch für die Louisenstraße heute eine Zumutung. Aber eine sehr charmante Zumutung.
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Anmerkung 2006: Das Oosteinde gibt es immer noch, das Mona Lisa hingegen hat schon lange aufgegeben.
Anmerkung 2009: Das Oosteinde feiert seinen 10. Geburtstag. Siehe hier.


