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Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

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Beschreibung
Das Neustadt-Geflüster von Anton Launer erzählt täglich frische Nachrichten aus dem Kneipen- und Szene-Viertel Dresden-Neustadt. Damit es nicht langweilig wird, werden diese mit Hintergründen, Albernheiten, Gerüchten, Klatsch, Tratsch, Tests und heißen Diskussionen aus der Äußeren Neustadt vermischt. Und natürlich gibt es hier die besten Informationen über die Bunte Republik Neustadt.

Artikel-Schlagworte: „Veränderung“

Von Ampelspaß und Parkplatzwahn

Ampel an der Rothenburger Straße

Ampel an der Rothenburger Straße

Mag sein, dass der durchschnittliche Neustädter sich etwas weniger an Regeln hält, als der Durchschnittsdresdner. Immerhin gibt es hier im Viertel auch überdurchschnittlich viele Graffiti, umgekippte Mülleimer und schnorrende Straßenpunks. Nicht, dass jetzt jemand glaubt, dass die letzten beiden Fakten miteinander zusammen hängen. Nein, dies sollte nur eine kleine Aufzählung der Unspießigkeiten des Szene-Viertels sein. Dazu kommen noch solche Fakten, wie eine hohe Kneipen- und Studentendichte und eine relativ große Anzahl alkoholisierter Personen. Dieses alles nur als kurze Einleitung zu den demnächst anstehenden Veränderungen hier im Viertel. Diesen Beitrag weiterlesen »

Von vielen neuen Dingen

Es tut sich wieder was im Viertel. Ein kleines bisschen kommt es mir wieder so vor, als wären wir noch einmal in den 90er Jahren. Neue Läden machen auf, überall wuseln Bauarbeiter durch die Straßen – es geht rund in der Neustadt.

Natürlich stimmt das nicht so ganz. Doch ein bisschen neue Aufbruchstimmung ist da. In einem der schönsten Häuser auf der Königsbrücker Straße ist endlich Leben eingezogen, ein Laden mit Filmen auf Silberscheiben zum Ausleihen. Der ignorante Kulturbanause wird behaupten, dass es so was doch an anderer Stelle auch in der Neustadt schon lange gibt. Nun, der Unterschied ist fein, immerhin gibt es hier die etwas anderen Filme. Klar, auch die gibt es schon zum Leihen, in der Filmkneipe Oscar auf der Böhmischen Straße, übrigens gegründet mitten in den 90ern. Nur dort gibt es die Filmchen leider nur auf Band und das ist so gar nicht mehr zeitgemäß.

Lebensmittel Otto auf der Schönfelder

Lebensmittel Otto auf der Schönfelder

Ein anderer Laden erwacht auch wieder zum Leben Günther Ottos Lebensmittelladen auf der Schönfelder Straße. Der alte Herr Otto ist ja bekanntlich in den Ruhestand getreten, doch nun haben sich zwei junge Damen gefunden, die Schwung und Bio in die Bude bringen wollen. Und ich kann endlich wieder in meinem Lieblingsladen einkaufen und das auch noch mit besserer Qualität. Wo ich schon mal in der Gegend bin, kann ich auch gleich einen Blick auf die Bauarbeiten an der Prießnitzstraße werfen.

Naja, hier ist noch einiges zu tun, der Zeitplan, auf einem Schild am Bischofsweg dokumentiert, ist jedenfalls nicht mehr zu halten. Und neue Kneipen gibt es auch jede Menge, vielleicht liegt es am Mut fürs neue Jahr, vielleicht gibt es diesmal wirklich einen kleinen Aufschwung. Ich jedenfalls kann neuerdings wieder ganz beschwingt durch die Neustadt schreiten.

Die Neustadt am Abgrund

Alaunstraße, mitten im Herzen des Viertels, hier verläuft direkt neben einer schmalen Asphaltschicht eine ungesicherte Baugrube. Nun zu Tode stürzen kann man sich zwar nicht, doch für einen Beinbruch reicht es allemal und mit gebrochenem Bein lässt es sich schlecht vor rasenden Planierraupen flüchten. Aber keine Sorge, der Neustädter ist aufmerksam und mir ist noch kein Baugrubensturz bekannt geworden. Doch dieser physische Abgrund ist nur der eine, der andere bereitet mir größere Sorgen.

Ist die Neustadt, das von mir heiß geliebte Szene-Viertel auf dem Sprung? Auf dem Wege zur neuen Bürgerlichkeit? Die Anzeichen sind da und lassen sich nicht wegdiskutieren. Immer öfter begegnen mir schwangere Frauen und Pärchen mit Kinderwagen. Spielplätze sind neuerdings übervoll. Anwohner beschweren sich über zu laute Musikveranstaltungen und trendige Szene-Clubs machen reihenweise zu. Ein paar Beispiele gefällig? Herr Rosso und sein Hund, wohl der angesagteste Intellektuellen-Treff der Stadt, seit Monaten zu. Der Rockclub The Church geschlossen, das Titty Twister flüchtet sich in Renovierungsarbeiten, die trendige Cocktailbar Dé ja vue hat auch aufgegeben. Stattdessen gibt es neuerdings einen Secondhandladen für Kinderklamotten und vielerlei Geschäfte, die Produkte rund um Natur und Entspannung feilbieten. Und im Zeitungsladen auf der Rothenburger stehen neben verschiedenen Wasserpfeifen ein Ratgeberbuch für Eltern „Die kleinen Nervensägen“.

Als wäre das alles nicht schon Demütigung genug, sagt mir doch neulich ein Bekannter, dass er jetzt lieber abends in der Altstadt weggehen würde, da sei jetzt der Teufel los. Na dann, gute Nacht Neustadt.

Auch vor dem Spätshop auf der Louisenstraße ist nichts los, ein einziger Punk sitzt noch mit seinen zwei Hunden da und ich bin so mitgenommen, dass ich im spontan eine Zigarette spendiere und dabei die tiefe Schnittwunde an seinem Handgelenk erkenne. Aber die hängt nicht mit der Situation in der Neustadt zusammen, er hatte nur ein bisschen Stress mit seiner Ex, erzählt er mir und dass er demnächst bald wieder in den Knast muss, das sei bei diesem kalten Sommer aber gar nicht so schlimm, nur weiß er leider noch nicht, was mit seinen Hunden wird. Tja, für die Hunde wird es wohl künftig auch schwieriger werden in der neuen Bürgerlichkeit der Neustadt.