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Von Problemen mit dem Wasser lassen
Im Vergnügungsviertel Neustadt gibt es deutlich mehr als 100 Kneipen, Cafés, Bars und Restaurants. Und jede dieser Einrichtungen hat eine Toilette. Also sollte das Problem mit dem Urinieren doch wohl keins sein. Immerhin braucht der potenzielle Wasserlasser von keiner Stelle im Szene-Viertel weiter als 500 Meter zu laufen und schon gibt es die Möglichkeit, gepflegt und hygienisch den Strahl ins Becken zu halten. Immerhin rund 50 Prozent der Besucher schaffen das auch problemlos. Sogar in extremen Situationen, wie zur Bunten Republik oder während des Schaubudensommers. Lange Schlangen vor den Damentoiletten haben ja auch etwas Kommunikatives. Ganz anders sieht das nun bei den Herren aus. Ich will hier niemandem zu nahe treten, aber an welchen Stellen da der Lümmel herausgeholt wird, also bitte.
Energische Geschäftsleuten können ob solchen obskuren Benehmens schon mal explodieren. Ich erinnere da gern an den Auftritt des Geschäftsführers eines Supermarktes anlässlich des damals hochbrisanten Themas „Punker auf der Alaunstraße“. Der Herr lief puterrot an und beschimpfte einen der verzottelten Jugendlichen: „Und du, du hast an meine Toreinfahrt gepinkelt.“ Eigentlich hätte ja jetzt der andere rot anlaufen müssen, doch der grinste nur. Seit jenem Eklat vor Jahren hat sich niemand wieder getraut, auf das Problem hinzuweisen, dabei stinkt es gewissermaßen zum Himmel. An anderer Stelle auf der Alaunstraße hat ein findiger Hausmeister jetzt ein Stahlgitter angebracht, um die ungebetenen Gäste und ihre Abwässer aus dem Hinterhof herauszuhalten. Auf der Jordanstraße ist der Hausmeister fast jeden Morgen mit einem Wasserschlauch im Einsatz und spült die Überreste ins Erdreich. Meine Nase dankt es ihm.
Also meine Herren, so weit kann es bis zur nächsten Kneipe nicht sein. Und Eintritt, wie in einigen Cafés in der Altstadt, kostet es hier fast nirgendwo. Im Gegenteil in einigen Kneipchen kann der Ausflug zur Toilette zu einem richtigen kleinen Abenteuer werden. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.
Der Blick ins Klo oder steigende Spiegel
Vorsichtig taste ich nach der Türklinke. Es ist stockdunkel hier. Doch eben war noch Licht, ich weiß, da muss irgendwo die Klinke sein. Jetzt nur nicht irgendwo rein treten, hätte ich doch vorher genauer hingesehen.
Zu jeder ordentlichen Kneipentour gehört zwangsläufig auch der eine oder andere Toilettenbesuch. Und das kann in der Dresdner Neustadt manchmal ganz schön abenteuerlich werden. Die eben beschriebene Dunkelheitsattacke erlebte ich im Hebedas, wo das Klo für die Herren nur über den Hausflur erreichbar ist und der Lichtschalter bei den Damen hängt. Und manch stromsparende Person löscht das Licht eben mal, wenn sie das stille Örtchen verlässt.
Anderswo sind die Toiletten zwar super schön gestylt, aber auch gefährlich, so lauerte das Damenklo im „Copas y Tapas“ mal einer Begleiterin von mir auf. Hinein kam sie rasch, doch nicht hinaus. Erst nach heftigen Ziehen und Zerren und Androhung von roher Gewalt gab die Tür nach und öffnete sich. Noch fieser ist das Pinkelbecken in der Studiobar. Wer hübsch brav auf den Spülknopf drückt, bekommt eine Hosenspülung dazu. Das macht sicher Eindruck bei den Damen.
Manch Kneipe drückt sich um das Toilettenproblem. In „Neumanns Eisgrotte“ gibt es einfach keine. Das war schon immer so und wird sich nur eventuell ändern, wenn demnächst renoviert oder saniert wird. Ein Erlebnis im positiven Sinne bot eine zeitlang das Örtchen im „Blumenau“. Für alle, die gerne etwas länger sitzen, gab es Hörspiele auf die Ohren. Unterbrochen nur von Strull- und Spülgeräuschen.
Keinem wünsche ich das Erlebnis einer verstopften Toilette, so etwas kommt aber immer wieder vor. Neulich erst in, nein das wäre fies, denn die Jungs haben sich sofort gekümmert und inzwischen ist alles wieder in Ordnung.
Zurück zum Hebedas. Nach einer Weile haben sich die Augen an die Umgebung gewöhnt. Konturen werden erkennbar, kleine Lichtstrahlen, die durch die Ritzen dringen. Da ist die Klinke. Auf – geschafft, ich bin in Sicherheit, habe das Klo hinter mir gelassen. Ein prüfender Blick, alles sauber, ich kann in die Kneipe zurück.
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Anmerkung 2011: Das „Copas y Tapas“ und „Neumanns Eisgrotte“ gibt es nicht mehr, und im „Hebedas“ sind die Kloverhältnisse inzwischen beleuchtet. Witzige Geräusche gibt es derzeit im „Zille“, dort werden Schlager mit halber Geschwindigkeit abgespielt, nebenan im „Lebowski“ ist Helge Schneider in einer Dauerschleife zu hören.





