Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Artikel-Schlagworte: „stau“

Feierabendstau um halb fünf

Daran kann eigentlich nur die fehlende Waldschlösschenbrücke schuld haben. Feierabendstau auf der Louisenstraße mit Rückstau auf die Alaunstraße.

Hölle Alaunstraße

Der Vormittag hatte ganz friedlich begonnen. Gnädig warf die Herbstsonne ihre wärmenden Strahlen über die Neustadt. Vereinzelt konnte ich auf den Gesichtern der vorbeieilenden Passanten sogar ein Lächeln erkennen, doch dann das. Gemütlich schlendere ich über die Sebnitzer Straße. An der Ende erblicke ich ein Knäuel. Nun das kennt man ja, da versucht jemand einzuparken und behindert so den Verkehr, denke ich mir. Doch als ich die Ecke erreiche, sehe ich nur noch Stau.

Die ganze Alaunstraße, zumindest so weit ich blicken kann, vollgestellt mit Autos und Lastkraftwagen. Auf der anderen Seite sehe ich, dass der Rückstau bis auf den Bischofsweg reichte. Neugierig geworden eile ich weiter. In den Autos verzweifelte Fahrer, nahe daran in´s Lenkrad zu beißen. Einer steigt aus, schmeißt wütend die Tür zu, blickt erst auf die Uhr, dann nach vorne, doch von hier ist noch kein Grund für den Stau zu erkennen.

Wenige Fahrzeuge weiter vorn steht ein Laster, der die Sicht verstellt. In einem Kleinwagen macht ein Mann der Fahrerin Vorwürfe, da das Fenster offen ist, kann ich ihn hören. „Ich habe Dir doch gesagt, dass Du nicht durch die Neustadt fahren sollst, die bauen hier doch an allen Ecken und Enden.“ Mit letzterem hat er wohl recht. Die Alaunstraße ist in diesen Tagen zur Großbaustelle geworden. Irgendwelche Leitungen mussten wohl mal wieder erneuert werden. Doch das ist noch nicht der Grund für den Megastau.

Inzwischen bin ich an der Quelle angelangt. Direkt vor dem Kunsthof lädt ein Kipper mehrere Tonnen Sand ab. Er schüttet ihn direkt auf die Straße. Die Bauarbeiter sind gelassen, nur einer bemüht sich etwas. Mit einer lächerlich kleinen Schaufel versucht er den Sand Richtung Fußweg zu schaufeln. Nach drei, vier Versuchen gibt er aber wieder auf, die Kollegen sollen schweres Gefährt holen.

Doch den Autofahrern dauert das zu lange. Im Cross-Stil überqueren sie den Sandhaufen. Als sich dann nach einer knappen Viertelstunde der Stau aufgelöst hat, ist auch genug Platz für das „schwere“ Gefährt. Ein winziger Radlader kommt angebraust und schiebt den Sandhaufen näher an die Wand heran. Gerade noch rechtzeitig, denn von hinten naht schon ein riesiges Müllfahrzeug und mit ihm der nächste Stau.

Von breiten Autos und engen Straßen

Ein kurzes Quietschen, dann knirscht Kunststoff und polternd fällt der Außenspiegel eines wunderschönen roten Cabrios auf die Straße. Die junge Frau hinter dem Steuer des anderen Wagens zuckt zusammen und hält an. Für eine kleine Weile scheint die Zeit still zu stehen.

Dann geht alles ganz schnell: Der Cabrio-Fahrer springt auf die Straße. Er brüllt die Frau an. Die sagt gar nichts und scheint in das Lenkrad zu beißen. Der Mann hat sich offenbar etwas gefasst und wirft mit einem Ruck seine langen schwarzen Haare nach hinten und schaut auf die Straße. Die ist inzwischen in beide Richtungen hoffnungslos verstopft – die wartenden Fahrer veranstalten ein kleines Hupkonzert.

Ich sitze vorm Blumenau und beobachte die Szene. Ich kenne die Louisenstraße noch aus den Achtzigern. Damals standen nur vereinzelt ein paar Trabis herum. Stau gab es nicht – aber auch keine Straßencafés.

Eigentlich wollte ich nur gemütlich den warmen Vormittag genießen und mir die Sonne auf den Kopf scheinen lassen. Doch heute gibt es hier keine Gemütlichkeit. Die beiden Kontrahenten haben sich zwar inzwischen wieder beruhigt und geben die Straße frei. Die Schuldfrage scheint geklärt und das Knäuel entwirrt sich langsam.

Aber der nächste Stau zeichnet sich schon wieder ab, von der Rothenburger Straße biegt ganz langsam ein orangefarbener LKW ein. Die Müllabfuhr dreht ihre Runden.

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