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Schaubuden im Zeichen des Unterhemdes
Am Donnerstag geht es los. Dann heißt es wieder: “Hereinspaziert, hereinspaziert!” – der 12. Schaubudensommer beginnt. Das Gelände hinter der Scheune wird sich in einen wilden Jahrmarkt der Eitelkeiten verwandeln. Ich hab mich heute mal ein bisschen umgesehen. Offenbar steht das diesjährige Event im Zeichen des Unterhemdes, denn überall hängen diese putzigen Dinger herum. Diesen Beitrag weiterlesen »
Schaubudensommer hinter der Scheune
Vom 2. bis zum 12. Juli wird der kleine Garten hinter der Scheune wieder zum Marktplatz der Eitelkeiten und für etliche Neustädter zum Stammkneipenersatz. Denn der Schaubudensommer lockt. Und während das Programm der BRN immer noch nicht komplett ist, sind in den Buden schon alle Termine klar. Die Highlights werden sicher mal wieder Annamateur (diesmal mit Putsmarie) und neu, oder zumindest lange nicht mehr, dabei Olaf Böhme sein. Die Eintrittspreise betragen wie im Vorjahr 5 Euro pro Veranstaltung oder 12 für das günstigere Dreier-Pack. Eltern kriegen Tickets für ihre Kinder für 2 Euro.
Hier nochmal zum nachlesen die Eindrücke von vergangenen Schaubudensommern: 2001, 2003, 2004
Weitere Infos und das Programm unter www.schaubudensommer.de
Schaubuden-Netz beim Zweiteinsatz
Aufmerksame Schaubudenbesucher erinnern sich gewiss noch an die kunstvolle Ausgestaltung in diesem Jahr, bei der das Gelände vor und hinter der Scheune von Netzen umsponnen war. Eine aufwändige Arbeit, die zum Glück auch dem zum Teil üblen Wetter während der Schaubudentage getrotzt hat. Die Netze haben jetzt noch einmal Verwendung gefunden. Sie hängen rings um eine Bühne, die im Rahmen des Radebeuler Weinfestes auf einer Streuobstwiese zwischen dem Festgelände auf dem Dorfanger und der Elbe aufgebaut wurde. Ein würdiger Zweiteinsatz!
Schaubudensommer hinter der Scheune
Von lautstarken Schreiern und leisen Versuchungen
„Hereinspaziert. Hereinspaziert.“ Mir dröhnt das Ohr, den der junge Mann hat mir seine Flüstertüte direkt an selbiges gehalten. Die Flüstertüte, man könnte auch Sprachrohr sagen, ist sein Werkzeug. Mit dem schwarzen Frack könnte er richtig feierlich aussehen, würde ihm die rote Hose nicht wie einen Clown da stehen lassen. Aber närrische ist er dann wohl doch nicht, oder zumindest nicht mehr, als all die anderen hier. Denn hier hinter der Scheune ist mal wieder Schaubudensommer, wie jedes Jahr ein Ereignis mit diversen Theatern und zahllosen Attraktionen.
Ich für meinen Teil muss mir vor dem schrägen Kulturgenuss immer erst einmal ein Bierchen zu Gemüte ziehen. Sensationell haben die Macher und Planer des kleinen Festes den Biergarten in die luftige Höhe einer zweiten Etage verlegt. So kann ich nun gemütlich hinabschauen auf Kleindarsteller und Großmannssucht. Wie von einer Hummel gestochen fährt eine Frau in original Dederon-Kittelschürze im Kreise, hupt permanent und preist die nächste Veranstaltung an. Was war es gleich, vor lauter Hupen konnte ich den Titel gar nicht verstehen. Außerdem haben direkt neben mir zwei Hunde beschlossen, einen tierischen Dialog zu führen, der erst endet, als ein Hundehalter seinen Pudelmischling energisch am Schlawittchen packt und in die Höhe reißt. Jetzt jault er nur noch und mein Bier ist alle. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt eine Entscheidung zu treffen. Auf der einen Seite lockt das panische Not-Theater mit einer 2000-jährigen Zeitreise, auf der anderen prahlt der niederländische Clown Toon Maas mit einem Soloduett oder soll ich doch lieber ins Spiegelkabinett.
Vor lauter Entscheidungsunwilligkeit kaufe ich mir erst einmal ein paar Eintrittskarten, die gelten für alle Veranstaltungen. Dann dreh ich noch eine Runde und lande wiederum am Bierstand. Fast möchte ich meinen, es ist wie verhext. Sollte mich nicht wundern, wenn Baba Yaga persönlich mir den Kulturgenuss vermiesen will. Das zweite Bier sorgt für die entsprechende Müdigkeit und so verlasse ich den Ort und nehme mir fest vor, wieder zu kommen. Immerhin soll das Spektakel noch ein paar Tage andauern.
Von trötenden Bläsern und waghalsigen Kletterern
Ich habe den Kopf in den Nacken geworfen, starre gen Himmel. Irgendwo, vielleicht zehn Meter über mir klettert ein junger Mann über eine Pyramide aus Holzstangen. Die Pyramide hat er Stange für Stange selbst aufgebaut und fest geknotet. Jetzt hat er alle Stangen verbaut und beginnt damit, sein Werk wieder zu demontieren.
Der junge Mann ist nur eine von zahllosen Attraktionen auf dem Schaubudensommer hinter der Scheune. Schon zum vierten Mal treffen sich hier Klein- und Laiendarsteller. Motto in diesem Jahr: Magische Nächte. Magisch guckt auch der Scheune-Chef Paul durch seine Brille, aber auch zufrieden, denn jede Menge Gäste stapfen über die Wiese und lassen sich von kleinen Neckereien überraschen. Statt der legendären Frau ohne Unterleib gibt es beispielsweise hier den kleinen Fiesling ohne Oberkörper. Fies, weil er jeden tritt, der in die Nähe kommt. Hauptattraktion sind aber die kleinen Shows in den Zelten. Manche komisch, manche ernst, selbst vor großen Namen, wie Wagner machen die Schauspieler nicht halt. Doch anders als beim richtigen Theater ist hier eben alles ein bisschen schräger.
Ich habe inzwischen meinen Kopf wieder senkrecht gestellt, weil mir ein bunt kostümierter Harlekin eine Tafel vor die Augen hält und mir geheimnisvoll unverständliche Worte ins Ohr raunt. Doch Sekunden später habe ich ihn schon wieder vergessen, denn mit einer riesigen Trompete trötet mir der nächste ins Ohr. Klappern gehört zum Handwerk. Ich lasse auch den Trompeter links liegen und eile zum Bierstand. Lachen macht durstig und lachen muss ich hier zwischen den vielen bunten Gestalten immer wieder.
Die Pyramide aus Holzstangen ist inzwischen auf die Hälfte geschrumpft, behende schwingt sich der Jüngling wieder hinauf und knotet die nächste Stange locker. Wenn alle Latten am Boden sind, hat er sein Tagewerk vollbracht. Morgen heißt es wieder auf ein Neues. Bis zum Sonnabend sind die kleinen und großen Darsteller noch hinter der Scheune anzutreffen.




