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Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

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Beschreibung
Das Neustadt-Geflüster von Anton Launer erzählt täglich frische Nachrichten aus dem Kneipen- und Szene-Viertel Dresden-Neustadt. Damit es nicht langweilig wird, werden diese mit Hintergründen, Albernheiten, Gerüchten, Klatsch, Tratsch, Tests und heißen Diskussionen aus der Äußeren Neustadt vermischt. Und natürlich gibt es hier die besten Informationen über die Bunte Republik Neustadt.

Artikel-Schlagworte: „Schaubuden“

Jacob und Wolfgang laden zum Schaubudensommer

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Schaubudensommer – nur für gestandene Leute

Die letzten drei Tage haben begonnen. Wer jetzt noch nicht da war, sollte sich sputen und vor allem gute Beine zum Anstehen mitbringen. Denn bei meinen bisherigen Besuchen musste ich feststellen, dass Anstehen offenbar inzwischen das wichtigste Merkmal des Schaubudensommers geworden ist. Zuerst steht der geneigte Besucher an, um seinen Kulturbeitrag von einem Euro zu entrichten. Dabei kann sich die Wartegemeinschaft schon mal bis auf die Alaunstraße hinaus stauen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Von Budenzauber und Flockenträumen

Weihnachtsstern

Weihnachtsstern

Hurra, es weihnachtet mal wieder sehr. In der Weihnachtshauptstadt Dresden gibt es die ultimative noch hauptstadtlerische Weihnachtshochburg Neustadt. Helle Lichterketten und Weihnachtssterne überall. Selten waren die finsteren Gassen der Louisen- und Alaunstraße so gut ausgeleuchtet. Jetzt sieht man auch nachts sämtliche braunen Häufchen auf den Gehwegen bestens und das, obwohl sie deutlich seltener geworden sind.

Zu der vorweihnachtlichen Stimmung trägt natürlich auch der Schaubudenwinter bei. Die aus dem Sommer bekannte Veranstaltung hinter der Scheune traute sich erstmals in die Glühweinzeit und auch ich lenke gerne meine Schritte dorthin, auch wenn „Ein Glühwein bitte“ definitiv nicht über meine Lippen kommen würde. Naja, im Sommer habe ich nahezu jeden Abend bei den Buden zugebracht, ließ mich unterhalten, durch die Luft schleudern und bestaunte die Künstler.

Nun ist es draußen kalt, und ich war neugierig, ob das Ganze auch im Winter funktioniert. Der erste Kontakt war warm, denn der Zugang zum Platz ist beheizt, mir tauten auch gleich die Eisklümpchen aus den Haaren. Doch was passiert dann, kein lauter Marktschreier stürzt auf mich zu, keine kesse Lady will mich beschwatzen, alles ist viel ruhiger, gemütlich zwar, aber irgendwie doch zu ruhig. Das Karussell in der Mitte ist zwar gut besetzt, doch leider steht es still und mir wird langsam wieder kalt. Neben mir duftet es nach Heißgetränken, doch Glühwein? Nein. Schnell verschwinde ich in einem großen Zelte, auch hier ist es eher gemütlich, ruhige Musik, die Gäste sitzen herum und die einzige Person, die wenigstens ein bisschen Betrieb macht ist eine Puppe, deren Bewegungen irgendwie sehr abgehackt wirken. Noch bis Ende des Jahres wird es die Schaubuden hinter der Scheune geben, ein Besuch lohnt sich allemal, zumal alle Zelte beheizt sind und das Programm so witzig ist wie im Sommer.

Von wildem Geknutsche und einer einsamen Mutter

Anna Mateur

Anna Mateur

Das sieht bedrohlich aus, sie kommt näher und nein … sie wird doch nicht. Doch, jetzt presst sie seinen Kopf zwischen ihre Brüste. Gurgelnde, wollüstige Laute gibt sie von sich und er, er ist ganz still geworden … ob er noch Luft bekommt? Dann schiebt sie ihn wieder weg und fängt an zu erzählen. Dabei rückt sie mit festem Griff ihr Dekolleté gerade und zupft sich den verführerisch hoch gerutschten Rock zurecht. Ich sitze im roten Zelt beim Schaubudensommer und sehe „Mutter Blamage & ihre Kinder“. Mutter Blamage ist die als Annamateur berühmte Anna-Maria Scholz, die Kinder sind ihre beiden Gitarristen Daniel Wirtz und Reentko Dirks, die im Stück wahlweise geknuddelt oder angeschrien werden. Jetzt singt sie wieder, vom Vater der beiden Buben: „Papa was a Rolling Stone“ Dabei füllt ihre kraftvolle Stimme mühelos das Zelt und übertönt die Marktschreier von nebenan. Lustvoll seufzt sie ins Mikrofon, während die Buben mit zarten Händen den Gitarren ungeahnte Töne entlocken.

Dann springt sie wieder auf, wird dank Nutella-Schnurrbart zum Diktator und schreit die Söhne und das vor sich hin kichernde Publikum an: Sie suche einen Mann, zärtlich soll er sein und doch stark, humorvoll … nicht unbedingt, vor allem darf er nicht rauchen, denn der Vater der Buben habe sie verlassen mit den Worten, ich geh nur mal schnell Zigaretten holen.

Das Publikum tobt noch, doch Anna wird schon wieder trübselig, der Bart ist verschwunden. Plötzlich ist sie ganz sanft und zart und weich. Sie singt traurig in bester Marlene Dietrich Manier: „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre, ich bin doch zu schade für einen allein, wenn ich jetzt gerade dir Treue schwöre, wird wieder ein anderer ganz unglücklich sein.“ Dann ist es aus, eine Zugabe gibt es nicht, denn die nächsten warten schon draußen vor dem Zelt. Das Programm mit Mutter Blamage ist noch bis zum Ende der Schaubudenzeit am Sonnabend zu sehen.

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Anmerkung November 2004: Nachdem ich nun die Langfassung des Stückes gesehen habe, wird mir klar, dass die beiden Buben im Stück verschiedene Väter haben.