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Schaubudensommer – nur für gestandene Leute
Die letzten drei Tage haben begonnen. Wer jetzt noch nicht da war, sollte sich sputen und vor allem gute Beine zum Anstehen mitbringen. Denn bei meinen bisherigen Besuchen musste ich feststellen, dass Anstehen offenbar inzwischen das wichtigste Merkmal des Schaubudensommers geworden ist. Zuerst steht der geneigte Besucher an, um seinen Kulturbeitrag von einem Euro zu entrichten. Dabei kann sich die Wartegemeinschaft schon mal bis auf die Alaunstraße hinaus stauen. Diesen Beitrag weiterlesen »
Von Budenzauber und Flockenträumen

Weihnachtsstern
Zu der vorweihnachtlichen Stimmung trägt natürlich auch der Schaubudenwinter bei. Die aus dem Sommer bekannte Veranstaltung hinter der Scheune traute sich erstmals in die Glühweinzeit und auch ich lenke gerne meine Schritte dorthin, auch wenn „Ein Glühwein bitte“ definitiv nicht über meine Lippen kommen würde. Naja, im Sommer habe ich nahezu jeden Abend bei den Buden zugebracht, ließ mich unterhalten, durch die Luft schleudern und bestaunte die Künstler.
Nun ist es draußen kalt, und ich war neugierig, ob das Ganze auch im Winter funktioniert. Der erste Kontakt war warm, denn der Zugang zum Platz ist beheizt, mir tauten auch gleich die Eisklümpchen aus den Haaren. Doch was passiert dann, kein lauter Marktschreier stürzt auf mich zu, keine kesse Lady will mich beschwatzen, alles ist viel ruhiger, gemütlich zwar, aber irgendwie doch zu ruhig. Das Karussell in der Mitte ist zwar gut besetzt, doch leider steht es still und mir wird langsam wieder kalt. Neben mir duftet es nach Heißgetränken, doch Glühwein? Nein. Schnell verschwinde ich in einem großen Zelte, auch hier ist es eher gemütlich, ruhige Musik, die Gäste sitzen herum und die einzige Person, die wenigstens ein bisschen Betrieb macht ist eine Puppe, deren Bewegungen irgendwie sehr abgehackt wirken. Noch bis Ende des Jahres wird es die Schaubuden hinter der Scheune geben, ein Besuch lohnt sich allemal, zumal alle Zelte beheizt sind und das Programm so witzig ist wie im Sommer.
Von wildem Geknutsche und einer einsamen Mutter

Anna Mateur
Dann springt sie wieder auf, wird dank Nutella-Schnurrbart zum Diktator und schreit die Söhne und das vor sich hin kichernde Publikum an: Sie suche einen Mann, zärtlich soll er sein und doch stark, humorvoll … nicht unbedingt, vor allem darf er nicht rauchen, denn der Vater der Buben habe sie verlassen mit den Worten, ich geh nur mal schnell Zigaretten holen.
Das Publikum tobt noch, doch Anna wird schon wieder trübselig, der Bart ist verschwunden. Plötzlich ist sie ganz sanft und zart und weich. Sie singt traurig in bester Marlene Dietrich Manier: „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre, ich bin doch zu schade für einen allein, wenn ich jetzt gerade dir Treue schwöre, wird wieder ein anderer ganz unglücklich sein.“ Dann ist es aus, eine Zugabe gibt es nicht, denn die nächsten warten schon draußen vor dem Zelt. Das Programm mit Mutter Blamage ist noch bis zum Ende der Schaubudenzeit am Sonnabend zu sehen.
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Anmerkung November 2004: Nachdem ich nun die Langfassung des Stückes gesehen habe, wird mir klar, dass die beiden Buben im Stück verschiedene Väter haben.





