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Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

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Beschreibung
Das Neustadt-Geflüster von Anton Launer erzählt täglich frische Nachrichten aus dem Kneipen- und Szene-Viertel Dresden-Neustadt. Damit es nicht langweilig wird, werden diese mit Hintergründen, Albernheiten, Gerüchten, Klatsch, Tratsch, Tests und heißen Diskussionen aus der Äußeren Neustadt vermischt. Und natürlich gibt es hier die besten Informationen über die Bunte Republik Neustadt.

Artikel-Schlagworte: „Punk“

Der Punk der CDU

Am Rande der gestrigen Kneipennacht hatte die Neustädter CDU zu einem Diskussionsforum eingeladen. Thema: „Dresden ist mehr als Zwinger oder Semperoper“. Mit dabei waren CDU-Neustadt-Chef Patrick Schreiber als Moderator, der schwärzeste CDU-Kandidat Dresdens und Partveranstalter Abdulaye Baldé, die kulturpolitische Sprecherin der CDU Stadtratsfraktion, Aline Fiedler und Johannes Vittinghoff, einer der drei aus der PAN GmbH (Veranstalter der Filmnächte). Diesen Beitrag weiterlesen »

Ottostraßenfest etabliert


Ich war gestern nur kurz da, wichtige Gespräche zogen mich in die Neustadt, aber der kurze Eindruck war folgender: Erscheinungsbild wie im Vorjahr, viele Kinder, viel Kreide auf der Straße, viele Hunde, alternatives Bier, vegane Hot-Dogs, Punks, wilde Musik. Auch die stellvertretende Parteivorsitzende der Linken, Katja Kipping, gab sich vor Ort die Ehre. Gefühlt waren es wohl etwa genauso viele Leute, wie im vergangenen Jahr.

Von großen Spießerinnen und kleinen Täuschungen

Spar Alaunstraße - zum Vergrößern bitte klicken.

Das täglich Brot und die anderen Leckereien hole ich mir ganz gerne auch mal im Supermarkt. Dem geneigten Neustädter stehen zurzeit drei Einrichtungen zur Verfügung. Früher, ja da gab es mal den Geheimtipp Kaisers an der Loge, aber der war wohl so geheim, dass sich nie ein Kunde hin verirrt hat. Der Spar auf der Königsbrücker wird nun schon seit Ewigkeiten umgebaut und was im Parkhaus-Kita-Projekt auf der Kamenzer reinkommt ist noch immer ungewiss. Diesen Beitrag weiterlesen »

Von lungernden Punks und verdrängten Erinnerungen

Punk der 90er

Punk der 90er

Eilig komme ich am Vormittag aus der Stadt. Genervt vom Stau, wieso musste ich auch wieder mit dem Auto fahren. Nun aber schnell rechts ran, einen Brief will ich einstecken in den Kasten an der Post auf der Königsbrücker.
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Von Problemen mit dem Wasser lassen

Im Vergnügungsviertel Neustadt gibt es deutlich mehr als 100 Kneipen, Cafés, Bars und Restaurants. Und jede dieser Einrichtungen hat eine Toilette. Also sollte das Problem mit dem Urinieren doch wohl keins sein. Immerhin braucht der potenzielle Wasserlasser von keiner Stelle im Szene-Viertel weiter als 500 Meter zu laufen und schon gibt es die Möglichkeit, gepflegt und hygienisch den Strahl ins Becken zu halten. Immerhin rund 50 Prozent der Besucher schaffen das auch problemlos. Sogar in extremen Situationen, wie zur Bunten Republik oder während des Schaubudensommers. Lange Schlangen vor den Damentoiletten haben ja auch etwas Kommunikatives. Ganz anders sieht das nun bei den Herren aus. Ich will hier niemandem zu nahe treten, aber an welchen Stellen da der Lümmel herausgeholt wird, also bitte.

Energische Geschäftsleuten können ob solchen obskuren Benehmens schon mal explodieren. Ich erinnere da gern an den Auftritt des Geschäftsführers eines Supermarktes anlässlich des damals hochbrisanten Themas „Punker auf der Alaunstraße“. Der Herr lief puterrot an und beschimpfte einen der verzottelten Jugendlichen: „Und du, du hast an meine Toreinfahrt gepinkelt.“ Eigentlich hätte ja jetzt der andere rot anlaufen müssen, doch der grinste nur. Seit jenem Eklat vor Jahren hat sich niemand wieder getraut, auf das Problem hinzuweisen, dabei stinkt es gewissermaßen zum Himmel. An anderer Stelle auf der Alaunstraße hat ein findiger Hausmeister jetzt ein Stahlgitter angebracht, um die ungebetenen Gäste und ihre Abwässer aus dem Hinterhof herauszuhalten. Auf der Jordanstraße ist der Hausmeister fast jeden Morgen mit einem Wasserschlauch im Einsatz und spült die Überreste ins Erdreich. Meine Nase dankt es ihm.

Also meine Herren, so weit kann es bis zur nächsten Kneipe nicht sein. Und Eintritt,  wie in einigen Cafés in der Altstadt, kostet es hier fast nirgendwo. Im Gegenteil in einigen Kneipchen kann der Ausflug zur Toilette zu einem richtigen kleinen Abenteuer werden. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

Von kleinen Punkern und großem Kino

Ich bin geblendet. Ein Scheinwerfer leuchtet mir mit seinen 300 Watt voll ins Gesicht. Und das am frühen Morgen. Was geht hier vor? Ist dem Konsum ein Licht aufgegangen? Doch dann, ich traue meinen Augen kaum, bin ich etwa noch geblendet, läuft ein Punk durchs Gemüseregal. Das kann doch nun wirklich nicht sein, ich reibe mir erst die Augen, dann schaue ich auf die Uhr. Es ist kurz nach Acht Uhr früh. Für Punker beginnt normalerweise jetzt die Tiefschlafphase, hier im Konsum auf der Alaunstraße habe ich zumindest um die Zeit noch keinen gesehen. Ich tue also so, als würde ich mich auch für Obst und Gemüse interessieren und trete etwas dichter heran. Dann sehe ich eine riesige Kamera, ein paar Schienen und einen hektischen Assistenten, der mich wieder zurückdrängt. „Gehen Sie doch bitte aus dem Licht.“ Doch jetzt bin ich erst richtig neugierig geworden und erkenne, der Punk ist gar keiner, dafür hat er viel zu saubere Fingernägel und der Irokesenschnitt auf dem Kopf ist auch viel zu akkurat. Außerdem ist die Lederjacke zu teuer. Na, das wird wohl ein Schauspieler sein. Der Assistent ruft und die Punkeratrappe läuft ein paar Schritte, greift sich einen Apfel und der Kameramann zieht ne Grimasse. Alles noch mal auf Position. Fehlt nur noch, dass hier jemand mit ´nem Regiestuhl und so ´ner Filmklappe rumläuft.

Eine Verkäuferin verrät mir, dass hier ein Werbespot gedreht wird für den Markt, der soll dann bei den Filmnächten gezeigt werden. Ich bin gespannt, was dabei rauskommt und ob nur mir der Schwindel auffallen wird. Die Verkäuferin lächelt verschmitzt: „Dass der nicht echt ist, war mir gleich klar, um die Zeit schlafen die doch noch.“ Dann erzählt sie noch, dass sie heute alle ganz leise sein müssen, wegen der Filmaufnahmen. Ich bestelle mir flüsternd noch eine Zeitung und ziehe leise von dannen.

Wie richtige Punks aussehen, können sich die Konsummitarbeiter am kommenden Wochenende aus nächster Nähe ansehen, wenn zur Bunten Republik wieder bunt geschmückte Menschen aus aller Welt anreisen und dann statt Obst und Gemüse die ein oder andere Palette mit Bierdosen mitnehmen.

Anmerkung 2006: Der Werbespot wurde nun schon im zweiten Jahr bei den Filmnächten am Elbufer gezeigt.

Anmerkung 2007: Die Produktionsfirma hat den Spot inzwischen auf ihre Webseite gestellt. Und wenn ich nicht so ein Kulturbanause wäre, hätte mir der Bursche auch aus dem Theater bekannt sein müssen.