Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Artikel-Schlagworte: „Parkplatz“

Bürgerversammlung – Thema Verkehr in der Neustadt

Buergerversammlung

Ein spannendes Thema – leider sehr kompliziert fomuliert. Kurz gesagt geht es um neue Regeln für den Verkehr in der Neustadt. Ausführliche Hintergrundinformationen bietet die Webseite der Stadtverwaltung.
Ein paar Auszüge:
Schon die Grunddaten der Äußeren Neustadt zeigen die Problem. Auf dem Gebiet von etwas mehr als einem Quadratkilometer leben knapp 15.000 Einwohner in rund 8.600 Wohnungen. Es gibt 880 gewerbliche Einrichtungen, davon 140 Gaststätten und Veranstaltungsbetriebe.
Insgesamt sind 2.870 Pkw und 740 weitere Kraftfahrzeuge (Mopeds, LKW, etc.) angemeldet. Für diese insgesamt 3610 Fahrzeug gibt es 3700 Stellplätze, davon 1650 private und 2050 öffentliche.

Das wird wohl ein Thema werden, außerdem die Temporeduzierung auf Alaun- und Louisenstraße auf Tempo 20. Der Bischofsweg soll Tempo 30 kriegen und den Hauptstraßenstatus verlieren. Radfahrer sollen besser die Bautzner Straße queren können. Aus Kamenzer und Förstereistraße sollen echte Einbahnstraßen werden.

Von rüden Verkehrsteilnehmern und der lästigen Parkplatzsuche

Nun ist es wieder passiert. Ich bin eingekeilt. Vor mir steht ein großer Kombi, der mich mit seinen nagelneuen Xenon-Scheinwerfern blendet. Hinter mir ein Kleinwagen mit einem noch kleineren Frauchen drin. Ich kann mit meinem Auto weder vor noch zurück.

Einige der engen Gassen der Neustadt sind gewissermaßen nur einspurig. Weil auf beiden Seiten die Autos parken, kann immer nur ein Kraftfahrzeug die Straße passieren. Meist kann ich das ganz gut einschätzen und warte dann vor dem Einfahren bis der andere herauskommt. Doch diesmal ist es schon recht spät und die Parkplätze in der näheren Umgebung meines Hauses sind rar. Also fahre ich trotz des Gegenverkehrs in die Straße hinein. Immerhin weiß ich eine Ausfahrt, wo ich geschwind ausweichen kann. Leider hat mein Gegenüber kein Verständnis für meine Eile, denn er fährt so geschwind auf mich zu, dass ich fast von selbst den Rückwärtsgang einlege. Glücklicherweise schaue ich vorher noch in den Rückspiegel. Jetzt sind mir also beide Wege abgeschnitten. Die große Frage ist nun, wer zuerst nachgibt. Bei ähnlichen Situationen habe ich auch schon Hupkonzerte erlebt, darauf will ich mich nun gar nicht einlassen. Der Frau hinter mir will ich eine längere Rückwärtsfahrt nicht zumuten. Also steige ich aus und versuche zu erklären, dass ich nur die nächste Lücke will und dass wir zwei sind und er mit seinem Kombi doch wohl mal ein Stück zurück fahren kann. Das tut er dann auch, doch oh Schreck, sogar die Ausfahrt ist zugeparkt. Der Kombi fährt weiter bis ans Ende der Straße, dort kann ich abbiegen, nicht ohne ihm vorher eine Entschuldigung zu zurufen. Doch er winkt nur ab. Derart frustriert verlasse ich das Viertel und parke wie in solchen Notfällen immer auf der anderen Seite der Königsbrücker Straße, da ist fast immer noch ein Plätzchen frei.

Und als ich etwa zehn Minuten später wieder zu Hause angelangt bin, was muss ich sehen: Einen riesigen freien Parkplatz direkt gegenüber. Vielleicht hätte ich den Konflikt mit dem Kombifahrer doch nicht so schnell lösen sollen.

Von gedrehten Runden und lautstarken Diskussionen

Meine Mitfahrerin stößt mich in die Seite: „Da, sieh doch, da ist noch ein Platz.“ Erwartungsfroh blicke ich in die Richtung, die sie mit ihrer Hand weist und verziehe das Gesicht, da würde doch höchstens ein Smart reinpassen. So langsam werde ich sauer und das ist keine gute Ausgangslage, um ruhig und aufmerksam durch die Neustadt zu kurven. Jetzt habe ich wirklich alle Straßen abgefahren, die Alaustraße passieren wir gerade zum dritten Mal und es will sich mal wieder kein Parkplatz finden.

Jeder abendliche Besucher der Dresdner Neustadt kennt das Problem: Für das liebe Automobil ist leider kein Plätzchen frei. Als kluger und vor allem braver Bewohner habe ich bereits seit zwei Jahren das grüne Kärtchen für straffreies Anwohnerparken. Das funktioniert soweit auch ganz prima, denn in der schmalen Straße in der ich gern parke, ist die eine Seite komplett freigegeben, die andere für Anwohner reserviert und wenn ich vor 18 Uhr mit dem Feierabendparken beginne, ist auf der Anwohnerseite fast immer noch ein Plätzchen frei. Denn, wie sich offensichtlich herumgesprochen hat, streifen bis dahin eifrige Politessen, denen ich immer freundlich und aufmunternd zunicke, durch die Straßen und strafen jeden, der ohne grünes Kärtchen am falschen Ort parkt mit einem kleinen Zettelchen ab.

Nun ist es nur leider so, dass ich eben manchmal doch etwas später komme und meistens passiert das auch noch an den für Parkraumsuchende ungünstigsten Tagen, nämlich an Sonnabenden und Freitagen. So eben auch heute und diesmal habe ich auch noch eine Begleitung im Auto, das heißt, ich kann nicht laut fluchen und fresse den ganzen Ärger in mich hinein. Schließlich setze ich sie an der Haustür ab und sage zu ihr, dass sie doch schon mal vorgehen soll, ich würde schon irgendwo ein Plätzchen finden. Denn im Hinterkopf habe ich noch einen Geheimtipp, doch erst einmal will ich noch ein zwei Runden drehen, manchmal fährt ja auch gerade jemand ab, aber dafür ist es wohl noch zu früh. Später nach Mitternacht findet sich wieder leichter ein Plätzchen, wenn die ersten Besucher das Viertel wieder verlassen. Nicht jedoch jetzt in diesem Moment, also steuere ich zielstrebig die Alaunstraße hinab, zum vierten Mal bereits, neben der Scheune biege ich auf den Parkplatz ein und habe für zwei Euro ein sicheres Plätzchen für die Nacht.

Von Autos, Türken und fiesen Dieben

„Kannst Du mal helfen … ?“ – Der Schnauzbart, ein Türke in Jogginghose, lächelt. Nein, er grinst mich an und deutet auf sein altes BMW-Cabrio – In mir beginnt es zu rattern, wie in der alten Kasse im Schnapsladen auf der Alaunstraße.

Nur rattern hier keine Zahlen, sondern Schlagzeilen und Bilder: Trickbetrüger. Schlägereien. Mafia. Flammen. Hütchenspieler. Banden-Krieg. Handtaschenräuber. Gefahr! Alarm! Die Glocken schlagen. Ding-Dong. Mein Puls steigt. Angst.

„Bitte Strom“, er lächelt immer noch und ich fasse mich – Das ist doch alles Quatsch: „Klar, kein Problem!“ In wenigen Sekunden setze ich mein energiespendendes Fahrzeug zurück und platziere es direkt vor den BMW. Eine zweite Mann, springt mit einem Kabel aus dem Cabrio. Ich kann nur noch schnell den Hebel ziehen, schon ist die Motorhaube offen und nach einigen geschickten Griffen der BMW wieder am brummen. Ein Blitzstreich. Die Klappe fällt wieder zu. „Vielen Dank!“ – und schwupps sind die beiden jungen Türken verschwunden. Nun stehe ich etwas belämmert da mit meinen kleinen rassistischen Vorurteilen und muss natürlich zur hinteren Hosentasche greifen – Kontrolle ist ja besser. Aber logisch: die Brieftasche ist noch da. Nun bin ich doch ganz schön platt und enttäuscht von mir. Ich dachte immer, dass ich da drüber stehen würde. Warum hatte ich denn bitte schön Angst? Klar, dass nichts passiert.

Während ich noch grüble und Ausreden suche – die Medien sind schuld, immer diese Gewalt im Fernsehen und so weiter – muss ich feststelle, dass ich nun doch Opfer eines fiesen Diebes geworden bin: Mein guter Parkplatz ist jetzt futsch und ich muss noch mal eine Such-Runde fahren. Laut lachend steige ich ein, sehr zur Belustigung der Anwesenden.

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