Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Artikel-Schlagworte: „oosteinde“

Herzlichen Glückwunsch, Oosteinde

Heute feiert die Kneipe mit dem wohl östlichsten Biergarten der Neustadt ihren 10. Geburtstag. Von mir gibt es einen herzlichen Glückwunsch und ein großes Dankeschön. Ich hab mich dort immer wohl gefühlt. Speis und Trank sind in Ordnung und das Personal ist für eine Szene-Kneipe recht flink und freundlich. Die Pelmeni seien hier besonders lobend hervorgehoben. Die kleinen, dunklen und verwinkelten Räume inspirieren an kalten Wintertagen oder im grauen und düsteren Herbst zu tiefgründigen Diskussionen über das Leben und anderes. Diesen Beitrag weiterlesen »

Kellnerische Überraschung im Raskolnikoff

kellner.jpg1. Mai – Kampftag der Arbeiterklasse und in diesem Jahr auch Trinktag für Heranwachsende. Meine Erfahrungen mit diesem Datum sind leider bescheiden (kann man hier nachlesen). Doch diesmal ist das Wetter einfach zu schön, ich muss raus. Also schnappe ich mir ruckzuck ein gut aussehende Begleitung und pilgere ins Raskolnikoff. Der Garten hat zwar in den vergangenen Jahren mit dem Oosteinde und dem Biergarten hinterm Oscar (jetzt Stilbruch) harte Konkurrenz bekommen, ist für mich aber schon aus traditionellen Gründen immer noch die Nummer Eins zum Draußen sitzen. Am liebsten lausche ich hier bei Espresso und Frühstücksei den Klängen des immersprudelnden Brunnens. Schade übrigens, dass die kleinen Wasserrädchen verschwunden sind.
Für Frühstück ist es heute schon etwas zu spät. Kaum sitzen wir, drängelt sich, freundlich fragend, ein weiteres Pärchen an den Tisch. Leichtes Entsetzen macht sich breit, als ich den Kellner erkenne, der war doch schon vor zig Jahren so langsam … und jetzt ist der Garten brechend voll … die fremde junge Dame raunt ihrem Begleiter etwas zu, beide kichern und ich höre es heraus, auch bei ihnen dreht es sich um den Kellner, der sich netterweise mit einem Tiger-Beer-Shirt geschmückt hat, was uns Anlass gibt, über die sächsische Aussprache zu lästern: “So een Diescher, den grischsde nie zu Gesichde”. Innerhalb weniger Sekunden sind wir alle vier herrlich am Lästern.

Plötzlich, wie aus dem Nichts, steht er bei uns am Tisch, notiert die Bestellung und verschwindet auf samtenen Pfoten wieder. Währenddessen sind wir über das Thema schlechter Service bei der Scheune angekommen, da kann ich ja so einiges berichten. Schließlich gelangen wir zu den gute, alten Zeiten, als unsereins noch per Leiter über das Damenklo in den Klub eingestiegen ist, um die horrenden Eintrittspreise von geschätzten fünf Mark für ein Live-Konzert zu sparen. Naja, damals wars.

Inzwischen sind Getränke und Speisen da, alles ging fix, nichts zu beanstanden. Staunend sehen wir uns an. Von wegen und: Manche Dinge ändern sich nie. Wir sind allesamt begeistert vom guten Service im Lokal. Über den vergessenen Milchkaffee, der nach einer kleinen Erinnerung doch noch kam, wollen wir mal den Mantel der Gnade hängen, immerhin war der Garten wirklich rappelvoll.

Und noch mit einem zweiten Vorurteil kann ich aufräumen, nicht alle Jungmänner sind an Himmelfahrt betrunken. Das ist schon fast zu schön, um wahr zu sein.

Von wildem Trubel und lauschigen Plätzchen

„Endlich Ruhe“, sagt Peter erleichtert und lehnt sich zurück. Im Oosteinde haben wir eine Oase gefunden. Die Kneipe im Stadtteilhaus am Ende der Louisenstraße ist noch nicht so bekannt. Es sind fast nur Neustädter hier, von Peter mal abgesehen. Direkt an der Prießnitz ist hier ein stiller Ort in der lauten Neustadt, die vor allem an den Wochenenden überquillt. Die meisten Kneipen sind proppe voll, und der so genannte Parksuchverkehr kreist durch das Viertel. Auf dem Weg hierher sind wir an Blumenau und Mona Lisa vorbeigeschlendert: überall schöne Menschen. Vor allem junge Mädchen, die sich extra für die Neustadt herausputzen und knapp in Weiß und Schwarz gekleidet über die Straßen stolzieren. Auch die jungen Burschen sind ansehnlich mit ihren Waschbrettbäuchen, die sich unter knappen Shirts abzeichnen, den engen Jeans und den obligatorischen Turnschuhen. Doch seltsam gleichförmig sehen sie aus.
Hier im Oosteinde ist das anders. Mit am Tisch sitzt Andreas, grau und langhaarig mit leicht trüben Blick und zerschlissenen Schuhen. Um die Mundwinkel zuckt ein Lächeln, selten zwar aber herzlich. Pit, der in Schlabberpulli und zerrissener Hose am Nachbartisch sitzt, ist ästhetisch für die Louisenstraße heute eine Zumutung. Aber eine sehr charmante Zumutung.

Anmerkung 2006: Das Oosteinde gibt es immer noch, das Mona Lisa hingegen hat schon lange aufgegeben.
Anmerkung 2009: Das Oosteinde feiert seinen 10. Geburtstag. Siehe hier.

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